„ [Am 31.10.1999 in] Augsburg - die Versöhnung von Katholiken- und Lutheraner in einer Grundsatzfrage des Glaubens wurde symbolträchtig inszeniert. Am Reformationstag, an dem die evangelischen Kirchen an den Beginn der Kirchenspaltung vor fast 500 Jahren erinnern, unterzeichneten hohe Vertreter des Vatikans und des lutherischen Weltbundes in Augsburg die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre. Mehr als 30 Jahre arbeiteten Theologen an diesem Dokument.“ Dieser Zeitungsartikel wirft natürlich viele Fragen auf. Warum hat das solange gedauert? worin liegt eigentlich die auf beiden Seiten bestehende Kritik an dem je unterschiedlichen Verständnis der Rechtfertigungslehre. Vorliegende Arbeit versucht einen ersten Zugang zum Rechtfertigungsbegriff zu geben, mit Rücksicht auf konfessionsspezifische Denkansätze. Um einen besseren Eindruck in die Thematik zu gewinnen, beschäftigen wir uns zunächst mit der geschichtlichen Entfaltung der Rechtfertigungslehre über Paulus bis Luther und der katholischen Antwort auf die Reformation im Konzil von Trient. Der Hauptschwerpunkt dieser Arbeit, nämlich die Rechtfertigungslehre als ökomenisch geprägten theologischen Grundbegriff zu erfassen, soll dann im Abschnitt 2.1 ‚Rechtfertigung als theologischer Grundbegriff’ unter dem Hintergrund des am 31.10.1999 unterzeichneten Dokuments der „Gemeinsame Erklärung der Rechtfertigungslehre“ bearbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 DIE GESCHICHTLICHE ENTFALTUNG DES RECHTFERTIGUNGSBEGRIFFS
1.1 PAULUS
1.2 DIE REFORMATIONSZEIT
1.3 DAS KONZIL VON TRIENT (1545-1563)
2 DIE „GEMEINSAME ERKLÄRUNG ZUR RECHTFERTIGUNGSLEHRE“
2.1 RECHTFERTIGUNG ALS THEOLOGISCHER GRUNDBEGRIFF
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen einführenden Überblick über den ökumenischen Rechtfertigungsbegriff zu geben, indem sie die historischen Entwicklungslinien von Paulus bis zur Reformation und dem Konzil von Trient analysiert, um schließlich die Bedeutung der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ von 1999 als theologischen Grundkonsens zu erarbeiten.
- Historische Herleitung des Rechtfertigungsbegriffs (Paulus, Reformation, Konzil von Trient)
- Analyse der konfessionsspezifischen Rechtfertigungsverständnisse
- Untersuchung der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“
- Erfassung der Rechtfertigung als ökumenischer theologischer Grundbegriff
Auszug aus dem Buch
2.1 RECHTFERTIGUNG ALS THEOLOGISCHER GRUNDBEGRIFF
Der folgende Text unternimmt den Versuch einer Definition des Rechtfertigungsbegriffs, wie sie nach der Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ von beiden Parteien angesehen werden kann.
„Rechtfertigung ist der Inbegriff für Gottes Heilshandeln durch Jesus Christus, insofern es unerwartet und unverdient die Sünde des Menschen aufhebt. Darin überführt Gott den Menschen seiner Sünde, versetzt ihn in eine neue, gerechte, d.h.: richtige Beziehung zu sich, erneuert ihn eben dadurch in seinem Sein, bringt ihn zu seiner Freiheit und setzt so seinen Schöpferwillen über den Menschen gnädig gegen dessen Widerstand durch.“
Zunächst handelt es sich hierbei um ein spezifisch christlich theologischen Begriff, welcher also ein abkürzender Begriff für einen Komplex von Inhalten des Evangeliums ist. Die Rechtfertigung bezeichnet Gottes Handeln gegen die Sünde und am Sünder. Das Ziel dieses rechtfertigenden Handelns ist die Neuschaffung des ungerechten Menschen. Das bedeutet, dass die Rechtfertigung zuerst Gericht über die Sünde ist und dann aus der Versklavung der Sünde befreit. Für den Menschen bedeutet das, dass er erkennen bzw. anerkennen muss, dass er der Sünde verfallen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 DIE GESCHICHTLICHE ENTFALTUNG DES RECHTFERTIGUNGSBEGRIFFS: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung des Rechtfertigungsbegriffs von den biblischen Grundlagen bei Paulus über die reformatorische Erkenntnis der Rechtfertigung allein durch Glauben und Gnade bis hin zur katholischen Antwort des Konzils von Trient nach.
2 DIE „GEMEINSAME ERKLÄRUNG ZUR RECHTFERTIGUNGSLEHRE“: Dieses Kapitel erläutert den 1999 erzielten ökumenischen Konsens und definiert die Rechtfertigung als theologischen Grundbegriff, der das Gotteshandeln am Menschen und dessen Befreiung von der Sünde beschreibt.
Schlüsselwörter
Rechtfertigung, Rechtfertigungslehre, Gemeinsame Erklärung, Paulus, Reformation, Martin Luther, Konzil von Trient, Ökumene, Theologischer Grundbegriff, Sola gratia, Gnade, Glaube, Heilshandeln, Sünde, Konfession
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen und systematischen Entwicklung des Rechtfertigungsbegriffs sowie dessen Bedeutung für den ökumenischen Dialog zwischen katholischer Kirche und lutherischem Weltbund.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die biblischen Ursprünge bei Paulus, die reformatorische Sichtweise, die katholische Position des Konzils von Trient und der daraus resultierende ökumenische Konsens von 1999.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Rechtfertigungsbegriff als einen nunmehr ökumenisch konsensfähigen theologischen Grundbegriff darzustellen, der nicht länger Anlass für eine kirchentrennende Lehrverurteilung bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-theologische Analyse, bei der zentrale Dokumente und theologische Positionen im Kontext ihrer jeweiligen Entstehungsgeschichte untersucht und aufeinander bezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst die historische Entfaltung (Paulus, Reformation, Trient) aufgearbeitet, um darauf aufbauend den in der „Gemeinsamen Erklärung“ formulierten modernen theologischen Konsens zu definieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Rechtfertigungslehre, ökumenischer Konsens, Sola gratia, Gnade und das Wirken Gottes am Sünder.
Was bedeutet der Begriff „simul iustus et peccator“ in diesem Kontext?
Der Begriff beschreibt Luthers Verständnis, wonach der Christ durch die Gnade Gottes zwar gerecht gesprochen wird, aber in seiner menschlichen Existenz sündig bleibt.
Warum ist das Konzil von Trient für das Verständnis der Rechtfertigungslehre wichtig?
Das Konzil von Trient formulierte die katholische Antwort auf die Reformation und legte den Fokus stärker auf die effektive Gnadenwirkung, die den Menschen durch Sakramente wirklich innerlich erneuert.
Welche Aufgabe ergibt sich laut dem Schlusswort für die Zukunft?
Die Arbeit folgert, dass nach der theoretischen Einigung nun die Aufgabe besteht, die konfessionellen Gegensätze abzubauen und die gefundenen Antworten den Gläubigen beider Konfessionen in verständlicher Sprache zu vermitteln.
- Quote paper
- Konstantin Putschli (Author), 2007, Der ökumenische Rechtfertigungsbegriff, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136522