Der Schwerpunkt dieser Arbeit widmet sich der Fragestellung: "Inwiefern lässt sich die Schreibkompetenz der Lernenden durch die Methode des kreativen Schreibens fördern?"
Sprache und Texte begegnen uns jeden Tag. Besonders während der Schulzeit wird man täglich mit unterschiedlichen Textformen und Schreibaufgaben konfrontiert. Während der gesamten Schullaufbahn setzen sich Schüler:Innen mit Sprache und Literatur auseinander. Ein wichtiger Bestandteil hier ist das Erlangen von Schreibkompetenz, daher ist es die Aufgabe der Lehrkräfte, ihre Schüler:Innen dahingehend zu fördern und den Kompetenzerwerb zu unterstützen. Einen schreibkompetenzfördernden Unterricht in der heutigen Zeit zu halten ist bei der Fülle an didaktischen Modellen und Forschungsergebnissen kein Problem mehr. Daher findet man, in diesem didaktischen Sammelsurium, die verschiedensten kompetenzfördernden Modelle mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten. Ein Beispiel hierfür wäre das kreative Schreiben.
Kreatives Schreiben – damit ist nicht etwa das Erstellen einer fiktionalen Geschichte gemeint. Auch wenn man, sollte man den Begriff eine Suchmaschine eingeben, häufig auf Anleitungen zum Erstellen eines Romans oder Tipps für den Spannungsaufbau in Geschichten, stößt. Im Falle dieser Arbeit meint kreatives Schreiben viel mehr eine Methode, welche im Deutschunterricht angewandt wird. Kreative Schreibübungen erfüllen eine Menge von Zwecken. Sie fördern zum Beispiel einen flüssigen Schreibprozess oder bieten einen alternativen Zugang zur Analyse fiktionaler Texte. Der kreative Umgang mit Sprache scheint, auf den Erwerb von Sprachkompetenz einen wirksamen Effekt zu haben.
Da Schreibkompetenz als solches ein komplexes Themenfeld eröffnet, muss der Fokus dieser Forschung zunächst auf einer theoretische Annäherung des Kompetenzbereiches gerichtet werden. Daher werden im ersten Schritt diverse Definitionsversuche des Terminus Schreibkompetenz untersucht und anschließend selbst unternommen. Im weiteren Verlauf wird das Handlungsfeld Schreibstrategien betrachtet, um das Themenfeld des kreativen Schreibens zu eröffnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Annäherung
2.1 Schreibkompetenz – Definitionsversuche
2.2 Exkurs Schreibstrategien – Handlungsfeld und Definition
3. Theoretische Grundlagen des kreativen Schreibens
3.1 Kreatives Schreiben – theoretische Annäherung
3.1.1 Bestimmung von Kreativität – aus dem Bereich der Psychologie
3.1.2 Definition und konzeptueller Zugang des kreativen Schreibens
3.2 Kreatives Schreiben – Ziele und Methoden
3.2.1 Was können kreative Schreibmethoden leisten?
3.2.2 Die sechs Methodengruppen des kreativen Schreibens
3.3 Kritik und Bewertung kreativer Schreibprodukte
4. Kreative Schreibaufgaben in der Praxis
4.1 Die organisatorische Umsetzung im Schreibunterricht
4.2 Die Schreibwerkstatt als produktiv-kooperative Methode zum Einstieg
4.2.1 Konzept der Schreibwerkstatt nach Böttcher (2021)
4.2.2 Das Schreiben zu Bildern im Museum nach Becker-Mrotzek & Böttcher
4.2.3 Kritische Auseinandersetzung und eigener Annäherungsversuch
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial kreativer Schreibmethoden im Deutschunterricht zur Förderung der Schreibkompetenz bei Schüler:Innen, wobei der Fokus auf der theoretischen Fundierung sowie auf praktischen Umsetzungsformen wie der Schreibwerkstatt liegt.
- Grundlagen der Schreibkompetenz und Schreibstrategien
- Psychologische und didaktische Bestimmung von Kreativität
- Systematisierung kreativer Schreibmethoden in sechs Gruppen
- Die Schreibwerkstatt als methodisches Konzept zur Lernförderung
- Analyse von kreativen Schreibprozessen, insbesondere am Beispiel von Bildimpulsen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Bestimmung von Kreativität – aus dem Bereich der Psychologie
Ähnlich wie beim Kompetenzbegriff, weist auch die Bezeichnung kreativ in ihrer Zuordnung Probleme auf. Der Terminus Kreativität wird, ebenfalls wie der Terminus Kompetenz, für eine Vielzahl an methodischen Konzepten und Vorschlägen genutzt. Ein Blick in die Psychologie bietet Aufschluss des Begriffs creativity, welcher wohl erstmals von dem Intelligenzforscher Joy Paul Guilford im Jahr 1950 als psychologischer Terminus verwendet wurde. Dieser unterscheidet explizit in konvergentes Denken (Intelligenz) und divergentes, von vorangefertigten Schablonen abweichend, Denken (Kreativität) (vgl. Heller). Laut Weinert (1991) „ist alles Denken kreativ, unterschiedlich ist nur, wie neu und bedeutsam die Lösung eines Problems ist“ (Fix: 2008: 117; zitiert nach Weinert: 1991: 34ff.). Im Bereich der Psychologie versteht man kreative Produkte als Ergebnis von Lern- und Übungsprozessen, welche ein Fähigkeits-, Vorkenntnis- und Wissensniveau voraussetzen (vgl. Heller). „Kreative Leistungen sind somit das Ergebnis harter Arbeit und nicht de Folge plötzlicher Einfälle, die aus dem Unbewussten kommen“ (Fix 2008: 117), daher sei die Annahme, dass Kinder von Natur aus gleichermaßen zu kreativen Leistungen fähig sind, aus den Köpfen zu streichen (vgl. Heller). Laut Guilford wäre ohne eine mindestens gute Allgemeinintelligenz, Kreativität gar nicht oder nur selten möglich (vgl. Heller). Kulturbezogene Einflüsse können ebenfalls zur Entwicklung von Kreativität beitragen, so stellte sich heraus „[s]timulierende, das Individuum herausfordernde reichhaltige kreative Umwelten sind nicht nur für die Kreativitätsentwicklung im Kinder- und Jugendalter, sondern auch am späteren Arbeitsplatz bedeutsam“ (Heller).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung benennt die Relevanz der Schreibkompetenzförderung im Schulkontext und führt in die Fragestellung ein, inwiefern kreatives Schreiben hierbei unterstützen kann.
2. Theoretische Annäherung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Schreibkompetenz aus sprachdidaktischer Sicht und beleuchtet die Bedeutung von Schreibstrategien als notwendiges "Werkzeug".
3. Theoretische Grundlagen des kreativen Schreibens: Es erfolgt eine psychologische Herleitung des Kreativitätsbegriffs sowie eine didaktische Systematisierung kreativer Schreibmethoden und deren Bewertungsmöglichkeiten.
4. Kreative Schreibaufgaben in der Praxis: Hier werden konkrete Unterrichtsmodelle, allen voran die Schreibwerkstatt und das Schreiben zu Bildern in Museen, in ihrer Anwendung und organisatorischen Umsetzung dargestellt.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass kreatives Schreiben und Schreibkompetenz eng miteinander verknüpft sind, wobei kreative Methoden als wertvoller, aber ergänzender Teilaspekt von Schreibförderung zu betrachten sind.
Schlüsselwörter
Schreibkompetenz, kreatives Schreiben, Schreibwerkstatt, Schreibstrategien, Lernförderung, Deutschunterricht, Didaktik, Bildimpulse, Schreibprozess, Phantasie, Schreibmotivation, Schreibdidaktik, Schreibaufgabe, Kreativität, Kompetenzerwerb
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das kreative Schreiben als Methode im Deutschunterricht dazu beitragen kann, die Schreibkompetenz von Schüler:Innen gezielt zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Definitionen von Schreibkompetenz, der psychologischen Einordnung von Kreativität sowie der praktischen Umsetzung durch Methoden wie die Schreibwerkstatt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, inwiefern die Schreibkompetenz der Lernenden durch die spezifische Methode des kreativen Schreibens gefördert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse aktueller sprachdidaktischer Forschung und Modelle zum Schreibenlernen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Systematisierung kreativer Methoden in sechs Gruppen und die detaillierte Darstellung praktischer Unterrichtsbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Schreibkompetenz, kreatives Schreiben, Schreibwerkstatt, Schreibstrategien und Schreibdidaktik.
Wie bewertet man kreative Schreibprodukte sinnvollerweise?
Die Autorin hebt hervor, dass eine spezifische Auseinandersetzung mit Kriterien nötig ist, wobei etwa Abraham (2010) zwischen produkt-, prozess- und funktionsorientierten Beurteilungsansätzen unterscheidet.
Warum ist das "Schreiben zu Bildern" im Museum eine besondere Methode?
Diese Methode verknüpft außerschulische Lernorte mit kreativen Schreibimpulsen, um durch den Perspektivwechsel und die visuelle Anregung Schreibblockaden zu lösen und die Imagination zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Ann-Christin Galinski (Autor:in), 2023, Schreibkompetenzförderung durch kreatives Schreiben. Kreativ mit Sprache umgehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1365237