Diese Forschungsarbeit untersucht die Gültigkeit eines waldorfpädagogischen Medienkonzeptes auf qualitative, wissenschaftliche Weise. Dabei wurde sich an einem exemplarischen Medienkonzept orientiert, welches als Grundlage für die geführten Interviews im Forschungsteil galt. Anhand der Aussagen von Schüler:innen der Schule wurde eine Beurteilung bezüglich der Gültigkeit des Konzeptes vorgenommen.
In den vergangenen Jahren wurden immer mehr Chancen der Digitalisierung innerhalb des Bildungssektors aufgedeckt. Insbesondere seit den pandemiebedingten Einschränkungen wurde die Hinwendung zu digitalen Alternativen für die Unterrichtsgestaltung nahezu verlangt. Die Bildungspolitik hat erkannt, dass Smartphones, Tablets und Co. mittlerweile nicht mehr einzig und allein dem privaten Entertainment dienen, sondern ebenso im Rahmen der Bildungsmöglichkeiten eine bedeutsame Rolle einnehmen können. Aufgrund dieser relevanten Erkenntnisse wurde vor einigen Jahren der Beschluss gefasst, dass jede Schule ihr eigenes Medienbildungskonzept anzufertigen habe, welches an individuelle Rahmenbedingungen angepasst und entsprechend umgesetzt werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen der waldorfpädagogischen ‚Medienerziehung‘
2.1 Zum waldorfpädagogischen Medienbegriff
2.2 Medienmündigkeit & Medienabstinenz
2.3 Das Modell der ‚indirekten und direkten Medienerziehung‘
2.4 Theoretische Grundlagen im Schulalltag: Das Medienkonzept der RSSW
3 Methodik
3.1 Forschungsdesign
3.2 Datenerhebung
3.2.1 Stichprobenauswahl
3.2.2 Durchführung von Methode
3.2.3 Reflexion der Methodendurchführung: Stichprobenerweiterung
3.3 Datenauswertung
3.3.1 Methodologisches Vorgehen
3.3.2 Das Kodierverfahren
3.3.3 Das Kategoriensystem
4 Ergebnisse
4.1 Darstellung der Ergebnisse
4.1.1 Kategorie 1: Privater Umgang mit digitalen Medien
4.1.2 Kategorie 2: Schulinterner Umgang mit digitalen Medien
4.1.2.1 ‚Medienarbeit an der Schule‘
4.1.2.2 ‚Eindimensionalität‘
4.1.2.3 ‚Einstellung der Lehrkräfte‘
4.1.2.4 ‚Entzug steigert Verlangen‘
4.1.2.5 ‚Mangelnde Grundlagenbildung‘
4.2 Analyse & Diskussion der Ergebnisse
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das theoretische Medienkonzept der Rudolf-Steiner-Schule Wandsbek (RSSW) in der schulischen Praxis tatsächlich umgesetzt wird und welche Auswirkungen dies auf das Mediennutzungsverhalten der Schülerinnen und Schüler hat. Im Fokus steht dabei die Diskrepanz zwischen waldorfpädagogischen Idealen der Medienabstinenz und der Lebensrealität der Jugendlichen in einer digitalisierten Welt.
- Überprüfung der Gültigkeit waldorfpädagogischer Maßnahmen zur Medienerziehung.
- Analyse des privaten und schulischen Mediennutzungsverhaltens.
- Kritische Reflexion der Rolle von Lehrkräften und Elternhaus.
- Untersuchung der Relevanz und Umsetzung von Medienkompetenz.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Kategorie 1: Privater Umgang mit digitalen Medien
Zunächst werden zentrale Aussagen zusammengefasst, die der Interpretation der jeweiligen privaten Medienkonsums der Befragten dienen. Insofern wird ein Einblick in die Nutzungsprofile der Schüler:innen als auch der ehemaligen Waldorfschülerin gewährleistet.
Alle Befragten gaben zunächst an, im Besitz eines Smartphones zu sein (vgl. 1, 41, [00:03:21]; 2, 50, [00:03:26]; 3, 61, [00:07:02]; 4, 74, [00:06:00]). Sowohl Marla als auch Josefine behaupteten, sie davor für längere Zeit ein Tastenhandy nutzten (vgl. 2, 50, [00:05:14]; 4, 74, [00:05:21]). Diese dienten dazu, den Eltern im Notfall Bescheid geben zu können (ebd.).
Zusätzlich gaben bis auf Josefine alle Befragten an, im persönlichen Besitz weiterer Medienträger zu sein: „Jetzt habe ich ein Tablet. Ich habe ein Handy. Ich habe einen Computer, ein Notebook. So ... also ich habe freien Zugang dazu, was ich auch gut finde“ (1, 42, [00:04:21]). David selbst hat eine Xbox (vgl. 2, 50, [00:02:15]) und Marla nutzt verschiedene Medienträger, wie PC, Laptop und Smartphone sowohl privat als auch für die Arbeit (vgl. 4, 73, [00:03:21]). Dadurch käme ebenso die geschätzte Bildschirmzeit von ca. 9h pro Tag bei Marla zustande (ebd.). Sarah und David gaben an, dass sie im Durchschnitt 5-6h pro Tag vor dem Bildschirm verbringen würden (vgl. 1, 42, [00:05:12]; 2, 51, [00:04:57]). Dabei seien auch passives Streaming von Musik oder Serien bei Netflix mitinbegriffen. Zudem verwies Sarah darauf, dass sie ebenso auf ihrem Tablet zeichne, wodurch sich ihre Bildschirmzeit zusätzlich steigere (ebd.). David gab an, dass die Jahreszeit Einfluss auf seine Bildschirmzeit hätte (vgl. 2, 50, [00:02:15]). Im Sommer würde er entsprechend ‚weniger zocken‘ als im Winter (ebd.). Josefine, die selbst keine Medienträger außerhalb ihres Smartphones besitzt (vgl. 3, 65, [00:17:06]), kommt gemäß eigener Einschätzung auf ca. 3-4h Bildschirmzeit pro Tag (vgl. 3, 63, [00:14:08]).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung begründet das Forschungsinteresse durch die Diskrepanz zwischen dem schulischen Auftrag zur Medienbildung und der realen Beobachtung des Medienkonsums bei Jugendlichen.
2 Theoretische Grundlagen der waldorfpädagogischen ‚Medienerziehung‘: Dieses Kapitel erläutert die waldorfpädagogischen Kernbegriffe wie Medienmündigkeit und Medienabstinenz sowie das zugrunde liegende Medienkonzept der RSSW.
3 Methodik: Der methodische Teil beschreibt das Forschungsdesign mittels leitfadengestützter Interviews und legt das Vorgehen der Datenerhebung sowie der Analyse nach der Grounded Theory dar.
4 Ergebnisse: Hier werden die durch das Kategoriensystem gewonnenen Daten präsentiert, unterteilt in privaten und schulischen Medienumgang, und kritisch diskutiert.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit zusammen und reflektiert die Zukunftsfähigkeit des waldorfpädagogischen Modells.
Schlüsselwörter
Waldorfpädagogik, Medienerziehung, Medienabstinenz, Medienmündigkeit, Digitalisierung, Mediennutzung, Schulkonzept, Grounded Theory, Qualitative Forschung, Medienkompetenz, Erziehung, Schulentwicklung, Schülerinterviews, Rudolf-Steiner-Schule, Medienkritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit?
Die Arbeit untersucht die Umsetzung und Gültigkeit des waldorfpädagogischen Medienkonzepts an der Rudolf-Steiner-Schule Wandsbek und gleicht dieses mit der tatsächlichen Mediennutzung der befragten Schülerinnen und Schüler ab.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die waldorfpädagogische Medienerziehung, das Spannungsfeld zwischen Medienabstinenz und Medienkompetenz, sowie die alltägliche Mediennutzung der Jugendlichen und deren Einstellung zu digitalen Medien.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist die Überprüfung der Gültigkeit der schulischen Richtlinien zur Medienerziehung im Hinblick auf die heutige Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine qualitative Forschungsmethode gewählt: leitfadengestützte Einzelinterviews (Problemzentriertes Interview nach Witzel), ausgewertet mittels der Grounded Theory.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die methodische Vorgehensweise sowie die detaillierte Darstellung und Analyse der Interviewergebnisse unterteilt in verschiedene Kategorien.
Welche Keywords prägen die Untersuchung?
Die zentralen Schlagworte sind waldorfpädagogische Medienerziehung, Medienabstinenz, Medienmündigkeit, Digitalisierung, sowie die methodische Auswertung mittels Kategoriensystemen.
Wie stehen die befragten Schülerinnen und Schüler zur schulinternen Medienabstinenz?
Die meisten Befragten sehen einen Nutzen in der zeitweisen Abstinenz im Unterricht, empfinden die strikte Haltung der Schule gegenüber digitalen Medien jedoch oft als realitätsfern oder als unzureichende Vorbereitung auf die moderne Berufswelt.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Zukunftsfähigkeit des Modells?
Die Autorin stellt kritisch fest, dass sich das untersuchte waldorfpädagogische Modell in der Praxis als nur bedingt zukunftsfähig erweist, da der medienpädagogische Anspruch und die Lebensrealität der Lernenden weit auseinanderklaffen.
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- Marie Gripp (Autor), 2023, Medienabstinenz an Waldorfschulen?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1366055