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Die soziale Konstruktion des Geschlechts: Zustand und Anspruch einer geschlechtersensiblen Schule

Title: Die soziale Konstruktion des Geschlechts: Zustand und Anspruch einer geschlechtersensiblen Schule

Examination Thesis , 2008 , 78 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Hendrik Düring (Author)

Sociology - Relationships and Family
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„Jungen wollen mit Sachen spielen, Mädchen zwischenmenschliche Beziehungen pflegen. Jungen wollen andere lenken, dominieren und nach oben kommen, Mädchen beschäftigen sich mehr mit moralischen Fragen, Beziehungen und Menschen. Frauen stellen immer noch eine Minderheit im Geschäftsleben und der Politik dar, jedoch nicht weil sie unterdrückt werden – sie interessieren sich schlicht und ergreifend weniger für diese Gebiete.“

So befunden im internationalen Bestseller von ALLAN und BARBARA PEASE „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken können“. Differenzen der Geschlechter werden dieser Sichtweise folgend naturalisiert und unter dem Diktum ‚ Unsere Biologie hat sich nicht grundlegend geändert sozial deterministisch verbucht. Schlagwörter wie ‚Gleiche Spezies - andere Welten'sind dabei exemplarisch einem medialen Diskurs um die Geschlechterdifferenz zu entnehmen, der hartnäckig auf typische, dem jeweiligen Geschlecht eigene Merkmale verweist. Ob in Buchform oder TV-
Showformaten, ‚ doing gender’ scheint seinen Reiz nicht verloren und damit Konjunktur zu haben. Im Ergebnis stärkt eine solche Auseinandersetzung gängige, stark typisierende Geschlechterrollen und lässt erforderliche Ausgewogenheit vermissen. Trotz der Tradition der Geschlechterforschung, aus dem kritischen Feminismus der 1960er und 1970er Jahre hervorgegangen, ist die Beschäftigung mit Fragen der Entstehung gesellschaftlicher Unterschiede auf Basis des Geschlechts aktuell. Die biologische Rückführung des Geschlechterunterschiedes ist auch nach Jahrzehnten der Auseinandersetzung noch gängige Praxis.

Der biologistischen Sichtweise wird in dieser Arbeit eine konstruktivistische Auffassung entgegengehalten, die aufzeigt, dass Geschlecht samt seiner Brisanz im sozialen Miteinander erzeugt wird. Geschlecht als Identitätsmerkmal ist kein gesellschaftliches a priori. Es ist keine gegebene Ausgangsgröße sondern eine Kategorie. Restriktionen und Privilegien erfährt die Geschlechterklassifikation in gesellschaftlicher Produktion, überall dort wo Geschlecht als differenzierendes Merkmal verwandt wird. Diese Konstruktion gilt es in Kapitel eins zu verdeutlichen, in seiner Poltisierung historisch zu begründen. Den theoretischen Erwägungen erfolgt in Kapitel zwei eine kusorische Betrachtung der empirischen Schulforschung. Im Schlusskapitel der Argumentation sind Wege zur geschlechtssensiblen Schule aufzuzeigen.

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Geschlecht als soziales Konstrukt

1.1 Das Geschlecht und sein biologischer Körper

1.2 Die gesellschaftliche Produktion des Geschlechterunterschieds

1.2.1 Das Geschlecht als biologisch gestützte Strukturkategorie der Gesellschaft

1.2.2 Die interaktive Produktion des Geschlechts

1.3 Das Geschlecht als sozialisationstheoretisch relevante Klassifikation?

1.4 Schlussbemerkung

2. Das Geschlecht als Zuschreibungskategorie im Schulsystem

2.1 Die Verteilung der Geschlechter im Schulsystem

2.2 Die Konstruktion des Geschlechts in Schulbüchern

2.3 Die Schulleistungen und Interessen der Geschlechter

2.4 Die Erzeugung geschlechtertypischen Wissens in schulischen Interaktionsprozessen

2.5 Schlussbemerkung

3. Das Programm einer geschlechtersensiblen Schule

3.1 Konzeption geschlechtersensibler Richtlinien

3.2 Konkretisierung pädagogischer Praxis in der geschlechtersensiblen Schule

3.3 Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Geschlecht als soziales Konstrukt und dessen Wirkmächtigkeit innerhalb des Schulsystems, mit dem Ziel, den normierenden Einfluss biologischer Zuschreibungen auf die Identitätsbildung aufzuzeigen und Ansätze für eine geschlechtersensible pädagogische Praxis zu formulieren.

  • Konstruktiver Charakter von Geschlecht und dessen interaktive Produktion
  • Die Rolle der Schule als Instanz der Geschlechterzuschreibung
  • Analyse von Leistungsunterschieden und Interessenpräferenzen im Schulkontext
  • Entwicklung und Konkretisierung einer geschlechtersensiblen Schulpraxis

Auszug aus dem Buch

1.2.2 Die interaktive Produktion des Geschlechts

In der Interaktion bringt sich jeder Akteur als Körper ein, erkennt, interpretiert andere über deren Körperlichkeit, was einen körperlosen Zustand des Subjekts soziologisch unhaltbar macht. In seiner Körperlichkeit ist es nicht nur Rezipient äußerer Einflüsse, sondern besitzt eigene Ressourcen zur Gestaltung der sozialen Wirklichkeit. Es ist nicht nur Kopf, Sitz der Vernunft, ebenso auch agierender Leib. Dabei ist die klassische Trennung in Körper und Geist, der sogenannte cartesianische Dualismus zugunsten eines integrativen, ganzheitlichen Modells aufzulösen.

Produzent von Gesellschaft (H.i.O.) ist der menschliche Körper dergestalt, dass soziales Zusammenleben und soziale Ordnung entscheidend von der Körperlichkeit sozial handelnder Individuen beeinflusst sind: Insofern soziale Wirklichkeit aus sozialem Handeln resultiert und soziales Handeln immer körperliches Handeln ist, tragen körperliche Handlungen zur Konstruktion sozialer Wirklichkeit bei.

Der Körper ist ein Objekt – ein Material, das für jedermann sichtbar ist. Da Körper und Geschlecht in der zeitlich-räumlichen Kontinuität ihrer Darstellung zusammenfallen, wird er schließlich als Geschlechtskörper, d.h. entweder männlich oder weiblich aktiv wahrgenommen. Es verbinden sich objektive Bedeutung als materieller Körper und Zeichenhaftigkeit. Einerseits drückt der Körper die plastische Präsenz des Subjekts im Raum aus, zeigt andererseits aber auch bestimmte und damit individuell konstitutive Merkmale einer Person an.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das Geschlecht als soziales Konstrukt: Dieses Kapitel erläutert die theoretische Basis des Geschlechts als soziale Konstruktion, die sowohl historisch als auch durch interaktive Prozesse stetig neu produziert wird.

2. Das Geschlecht als Zuschreibungskategorie im Schulsystem: Hier wird die empirische Relevanz von Geschlechterzuschreibungen im Schulalltag analysiert, insbesondere hinsichtlich der Lehrkräfteverteilung, Schulbuchinhalten und Leistungsunterschieden.

3. Das Programm einer geschlechtersensiblen Schule: Das Schlusskapitel diskutiert konzeptionelle Ansätze und praktische Handlungsstrategien für eine pädagogische Praxis, die bestehende Geschlechterhierarchien hinterfragt und Chancengleichheit fördert.

Schlüsselwörter

Geschlecht, soziales Konstrukt, Doing Gender, Undoing Gender, Sozialisation, Schule, Geschlechterzuschreibung, Identitätsbildung, Geschlechterstereotype, Interaktion, Koedukation, Geschlechtersensibilität, Pädagogik, Machtverhältnisse, Körperlichkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Dekonstruktion des Geschlechts als biologisch determinierte Größe und untersucht, wie dieses stattdessen im sozialen und schulischen Miteinander als Konstrukt erzeugt wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die sozialisationstheoretische Verankerung von Geschlecht, die institutionelle Wirkung von Schule auf Geschlechterbilder und die Möglichkeiten einer geschlechtersensiblen Schulentwicklung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den normierenden „heimlichen Lehrplan“ der Geschlechterrollen aufzudecken und Wege aufzuzeigen, wie Schule als Ort der aktiven Reflexion und Öffnung von Geschlechterkategorien fungieren kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf soziologischen, psychologischen und erziehungswissenschaftlichen Diskursen zur Geschlechterforschung und Sozialisation basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der „Geschlechterproduktion“ durch Akteure in der Schule, untersucht Leistungs- und Interessenunterschiede und reflektiert die Wirksamkeit pädagogischer Interventionskonzepte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Doing Gender, soziale Konstruktion, Geschlechtersensibilität, Identitätsbildung und der Einfluss von Schulsystemen auf die Verfestigung von Geschlechterstereotypen.

Wie unterscheidet sich die Situation in den alten und neuen Bundesländern?

Die Arbeit stellt fest, dass die Geschlechterverteilung in den neuen Bundesländern durch eine andere historische Sozialisation weniger stark segregiert ist als in den alten Bundesländern, insbesondere was die Besetzung von Führungspositionen betrifft.

Warum ist das Konzept der „Monoedukation“ im Fach Physik kritisch zu sehen?

Obwohl kurzfristige positive Effekte auf das Selbstkonzept von Mädchen existieren können, warnt die Arbeit davor, dass die Trennung der Geschlechter den „institutionellen Genderismus“ festigt, anstatt die zugrundeliegenden Stereotype aufzubrechen.

Welche Rolle spielt die „Biografie“ für das Verständnis von Geschlecht?

Die Arbeit plädiert für ein Biografiekonzept, das das Individuum nicht nur als Produkt gesellschaftlicher Verhältnisse sieht, sondern als handelndes Subjekt, das im biografischen Prozess Identitäten konstruiert, variiert und transformiert.

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Details

Title
Die soziale Konstruktion des Geschlechts: Zustand und Anspruch einer geschlechtersensiblen Schule
College
University of Duisburg-Essen  (Institut für Pädagogik )
Grade
1,0
Author
Hendrik Düring (Author)
Publication Year
2008
Pages
78
Catalog Number
V136644
ISBN (eBook)
9783640442614
ISBN (Book)
9783640442850
Language
German
Tags
Konstruktion Geschlechts Zustand Anspruch Schule
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Hendrik Düring (Author), 2008, Die soziale Konstruktion des Geschlechts: Zustand und Anspruch einer geschlechtersensiblen Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136644
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