Deutschland zählt international gesehen zu einem der Einwanderungsstärksten Nationen. Allein im Jahre 2007 sind knapp 402.400 Migranten nach Deutschland zugezogen bzw. wurden hier geboren.(Personen mit Migrationshintergrund)
Laut statistischem Bundesamt beheimatet die Bundesrepublik knapp sieben Millionen Menschen, die keinen deutschen Pass besitzen. (Stand: 2007)
„Am größten ist den Angaben zufolge der Anteil von türkischen Staatsbürgern, den das Amt auf 25 Prozent beziffert. Danach folgen Italien mit acht Prozent und Polen mit sechs... Prozent“
Deutschland hat sich, wie obige Zahlen verdeutlichen, zu einer Nation entwickelt, in der viele verschiedene Kulturen miteinander, oder im negativen Sinne nebeneinander, leben.
Wenn wir von einem „Miteinander“ sprechen, so setzen wir eine mehr oder minder gelungene Integration voraus.
Doch stellt sich an dieser Stelle die Frage, wovon eine gelungene Integration innerhalb einer Gesellschaft eigentlich abhängig ist ? Welche Sachverhalte, Faktoren und Maßnahmen wirken integrationsfördernd, welche integrationshemmend?
Dieser Frage in all ihren Facetten gerecht zu werden, würde sicherlich den Rahmen meiner Ausarbeitung sprengen.
Doch möchte ich mich mit einem Teil beschäftigen, der maßgeblich für eine gelungene oder auch weniger gelungene Integration Verantwortlichkeit zu zeigen scheint: Die Sozialisation.
Die individuelle Sozialisation des Einzelnen trägt maßgeblich zu integrativen Ansatzpunkten bei. Wird beispielsweise in der Familie des Individuums deutsch gesprochen, so wird es ihm erheblich erleichtert, die Sprache selbst zu erlernen. Sind die Eltern gesellschaftlich in der neuen Heimat integriert und pflegen soziale Kontakte, die über die eigenen Landsleute hinaus gehen, so ist die Chance erheblich höher, dass auch das Individuum selbst mit Mitschülerinnen und Mitschülern oder Gleichaltrigencliquen (Peers) deutscher Herkunft in Kontakt tritt...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Worte:
2. Terminologische Festlegungen:
2.1 Sozialisation:
2.2 Integration:
2.3 Zwischenfazit; Integration – Akkulturation – Assimilation:
3. Allgemeine Faktoren des Sozialisationsprozesses:
3.1 Instanzen der Sozialisation in der Kindheit:
3.1.1 Die Familie:
3.1.2 Die Gleichaltrigen (Peers):
3.1.3 Die Massenmedien:
3.1.4 Die Schule:
4. Abschlussresümee und Fazit:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Sozialisationsprozess von Migrantinnen und Migranten und beleuchtet dessen Chancen und Problematiken im Kontext der schulischen Erziehung. Das primäre Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Bedeutung unterschiedlicher Sozialisationserfahrungen in einer multikulturellen Gesellschaft zu entwickeln und aufzuzeigen, wie Lehrerinnen und Lehrer diese Vielfalt als pädagogische Ressource nutzen können.
- Grundlagen der Sozialisation und terminologische Definitionen
- Einflussfaktoren wie Familie, Gleichaltrige und Massenmedien
- Die Rolle der Schule als zentraler Ort der Integration
- Herausforderungen und Chancen von Heterogenität im Klassenzimmer
- Interkulturelles Lernen als pädagogischer Handlungsansatz
Auszug aus dem Buch
3.1.4 Die Schule:
Innerhalb der Institution Schule laufen alle Stränge zuvor internalisierter Sozialisationserfahrungen zusammen. Werte und Normen die im Kontext von Familie, Peergroups und Massenmedien „gesammelt“ wurden treffen an dieser Stelle aufeinander. Neben dem „offiziellen Zweck“ von Schule, nämlich geistige und technische Fertigkeiten zu lehren, vermittelt sie ihnen auch kulturelle Werte und Einstellungen, bereitet sie also auf ein Leben als eigenständiges Individuum vor.
Die Schule ist die primäre Instanz, die die Kinder und Jugendlichen vom Elternhaus entwöhnt und mit der Gesellschaft vertraut macht. Die Schülerinnen und Schüler lernen Regeln und Vorschriften kennen, lernen sich an eben jene zu halten – und verstehen im Idealfall die prägnante Bedeutung von Vorschriften und Regeln für ein gesellschaftliches Zusammenleben.27
„Neuerdings zeichnet sich für die Schule das Problem ab, dass ihr immer mehr die Aufgabe der primären Sozialisation zugemutet wird, weil viele Familien dieser Funktion immer weniger gerecht werden.“28
Somit können wir an dieser Stelle festhalten, die Schule ist heute mehr als eine reine Bildungsanstalt. Sie wird mehr und mehr zu einem Lebens- und Erfahrungsraum der Schülerinnen und Schüler. Differenzen des Erziehungsauftrages im Elternhaus müssen von Lehrerinnen und Lehrern so gut es eben geht – und so gut es der gegenwärtige strukturelle Aufbau der Institution Schule zulässt – kompensiert werden.
Des Weiteren kommen innerhalb der Institution Schule diverse soziale Gruppierungen in einem Raum zusammen. Verschiedenste soziale Schichten, ethnische Herkünfte und somit auch inner- wie außerkulturelle Bedingungsgefüge sammeln sich innerhalb einer Gruppe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Worte: Die Einleitung thematisiert die wachsende kulturelle Vielfalt in Deutschland und stellt die zentrale Bedeutung der Sozialisation für den Integrationsprozess heraus.
2. Terminologische Festlegungen: In diesem Kapitel werden grundlegende Fachbegriffe wie Sozialisation und Integration definiert und in ein theoretisches Stufenmodell eingeordnet.
3. Allgemeine Faktoren des Sozialisationsprozesses: Das Kapitel analysiert die verschiedenen Sozialisationsinstanzen, namentlich Familie, Gleichaltrige, Massenmedien und Schule, hinsichtlich ihres Einflusses auf das Individuum.
4. Abschlussresümee und Fazit: Das Fazit reflektiert die Erkenntnisse der Arbeit und betont die Rolle der Lehrkräfte, interkulturelle Vielfalt im Klassenzimmer als Chance statt als Problem zu begreifen.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Integration, Migration, interkulturelles Lernen, Schule, Familie, Identität, Akkulturation, Assimilation, Werte, Normen, Erziehungswissenschaft, kulturelle Vielfalt, pädagogische Herausforderung, soziale Handlungsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Chancen und Problematiken des Sozialisationsprozesses am Beispiel von Migrantinnen und Migranten und analysiert, wie diese Prozesse die Integration in die Gesellschaft beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die soziologischen Grundlagen der Sozialisation, die Einflüsse primärer Sozialisationsinstanzen und die spezielle Rolle der Schule bei der Integration von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie unterschiedliche Sozialisationserfahrungen in einer multikulturellen Schülerschaft wirken und wie pädagogisch sinnvoll damit umgegangen werden kann, um Integration zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen Modellen und Fachliteratur zum Thema Sozialisationsforschung, um diese auf den Kontext der interkulturellen Pädagogik anzuwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Rolle der Familie, der Gleichaltrigengruppen (Peers), der Massenmedien und der Schule als Instanzen, die das Individuum maßgeblich prägen und soziale Normen vermitteln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sozialisation, Integration, Assimilation, Akkulturation, interkulturelles Lernen und die pädagogische Rolle in einer heterogenen Schullandschaft.
Warum spielt das "3-Stufen-Modell" eine Rolle in der Arbeit?
Das Modell dient dazu, die unterschiedlichen Intensitätsgrade der Integration – von der bloßen Integration über Akkulturation bis hin zur Assimilation – systematisch zu veranschaulichen.
Wie bewertet der Autor die Rolle von Lehrkräften?
Lehrkräfte werden als Schlüsselpersonen gesehen, die durch das Initiieren von interkulturellen Dialogen und das Anerkennen von Vielfalt als Ressource maßgeblich zur gelingenden Integration beitragen können.
Warum wird im Dokument explizit auf den Religionsunterricht eingegangen?
Der Religionsunterricht wird als konkretes Beispiel angeführt, um aufzuzeigen, wie interkulturelles Lernen durch den Dialog über verschiedene Wertesysteme statt durch konfessionelle Trennung gefördert werden kann.
- Quote paper
- Jacob Stuke (Author), 2008, Chancen und Problematiken des Sozialisationsprozesses am Beispiel von Migrantinnen und Migranten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136672