Twitter in der politischen Kommunikation

Analyse von Twitteraktivitäten ausgewählter Politiker während des Landtagswahlkampfes 2009


Bachelorarbeit, 2009

121 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

bibliografische Beschreibung und Referat

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Vorgehensweise

2. Mikro-Blogging
2.1. Definition
2.2. Abgrenzung zu Weblogs
2.3. Auswirkungen auf die Kommunikation

3. Twitter
3.1. Einführung in die Twittersphäre
3.2. Gründung von Twitter
3.3. Die Grundidee
3.4. Anwendungsbereiche
3.5. Nutzeranalyse Deutschland
3.5.1. Demografische Angaben
3.5.2. Twitternutzung
3.6. Vorteile
3.7. Nachteile
3.8. Monetarisierung von Twitter

4. Anwendung von Twitter in der politischen Kommunikation
4.1. Barack Obama als Vorreiter
4.2. Twitternde Politiker im Ausland
4.3. Bisherige Twitter-Aktivitäten deutscher Politiker
4.4. Personalisierung und Emotionalisierung in der politischen Kommunikation
4.5. Bedeutung des Internet bei Wahlentscheidungen 2009

5. Analyse von Twitter-Aktivitäten an ausgewählten Beispielen
5.1. Auswahl der Politiker
5.2. Zeitraum der Untersuchung
5.3. Vorstellen der beobachteten Politiker
5.4. Kategorisierung der Nachrichten
5.5. Ergebnisse

6. Erkenntnisse aus Interviews mit beobachteten Twitterern
6.1. Interview-Fragebogen
6.2. Ziele des Twitter-Einsatzes
6.3. Gewonnene Erfahrungen und Einschätzungen der Twitterer

7. Expertenmeinungen zum Umgang mit Twitter
7.1. Interview-Fragebogen
7.2. Erkenntnisse aus den Interviews

8. Schlussbetrachtung

9. Literaturverzeichnis
9.1. Fachbücher
9.2. Hochschulschriften
9.3. Zeitschriften
9.4. Internetquellen

Anhang (inkl. Anlagenverzeichnis)

Erklärung zur selbstständigen Anfertigung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Statusfenster bei Facebook

Abbildung 2: chronologisch aufgelistete Statusmeldungen bei Facebook und StudiVZ

Abbildung 3: Chat zwischen Ashton Kutcher (aplusk) und einem Fan

Abbildung 4: Erklärung von Begriffen anhand eines Accounts

Abbildung 5: Failwhale bei Überlastung auf www.twitter.com

Abbildung 6: Statusfenster auf twitter.com

Abbildung 7: Sascha Lobo twittert von der next09

Abbildung 8: Herkunft der Twitter-Nutzer, Auflistung von Ländern

Abbildung 9: wöchentliche Neuregistrierungen auf Twitter im deutschsprachigen Raum

Abbildung 10: von Jugendlichen häufig genutzte Communitys

Abbildung 11: Twitter-Profil von Barack Obama

Abbildung 12: Website my.barackobama.com, Aufruf an Wähler zur aktiven Unterstützung

Abbildung 13: Webaktivitäten der Parteien, Entwicklungen im Mai/Juni 2009

Abbildung 14: Ergebnisse aus der Studie von Fleishman-Hillard zur Online-Nutzung von Europa-Abgeordneten

Abbildung 15: Entwicklung der Aktivität auf Twitter nach Parteien

Abbildung 16: Von Online-Nutzern bevorzugte Quellen für politische Informationen

Abbildung 17: Woher Interessierte politische Informationen im Netz beziehen

Abbildung 18: Tweet von Ulrich Commerçon, Kategorie 1

Abbildung 19: Tweet von Vincent Müller, Kategorie 2

Abbildung 20: Dialog zwischen Ulrich Commerçon und ApfelMuse auf Twitter, Kategorie 5

Abbildung 21: Die Top-fünf-Kandidaten bezüglich Anzahl der geposteten Tweets

Abbildung 22: Die Top-fünf-Kandidaten bezüglich Zuwachs an neuen Followern

Abbildung 23: Ulrich Commerçon twittert über seine aktuellen Termine

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Twitternutzung deutscher Parteien, abgeleitet aus Abb. 13

Tabelle 2: Anzahl Bewerber und Twitterer bei den diesjährigen Landtagswahlen

Tabelle 3: Übersicht twitternder Politiker in der Beobachtung

Tabelle 4: Anzahl der geposteten Tweets im Beobachtungszeitraum

Tabelle 5: Zuwachs an neuen Followern

Tabelle 6: Favorisierte Kategorien

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bibliografische Beschreibung

Rittig, Julia:

„Twitter in der politischen Kommunikation – Analyse von Twitteraktivitäten ausgewählter Politiker während des Landtagswahlkampfes 2009“ - 2009 122 S. Mittweida, Hochschule Mittweida, Fachbereich Medien, Bachelorarbeit

Referat

Mikro-Blogging Dienste wie Twitter werden in Deutschland zunehmend belieb-ter. Nach Schätzungen vom April 2009 twittern bereits über 62.000 Autoren auf deutsch. In den Twitter-Nachrichten (auch Tweets genannt) werden vorrangig Informationen über das Weltgeschehen, Persönliches und Web-Links ausge-tauscht. Twitter ist dabei nicht nur für Privatpersonen ansprechend. Immer häu-figer wird der Dienst von Unternehmen und Nachrichtenagenturen eingesetzt. Auch Politiker entdecken Twitter als eine Möglichkeit, direkt mit den Abonnenten ihrer Twitter-Nachrichten zu kommunizieren. Barack Obama nutzte Twitter in seinem Präsidentschaftswahlkampf 2008. Im Wahlmonat November erreichte er über seinen Account mehr als eine Million Abonnenten. Für Obama und sein Team war Twitter somit ein wichtiger Kommunikationskanal während des Wahl-kampfes.

In dieser Arbeit wird anhand ausgewählter Twitter-Accounts deutscher Politiker beobachtet, wie viele Follower sie erreichen und ob Twitter auch in der politi-schen Kommunikation in Deutschland ein wichtiges Werkzeug darstellen kann.

Dazu werden diese Accounts über den Zeitraum vom 15. Juni bis 15. Juli 2009 und somit vor den Landtagswahlen in den Bundesländern Sachsen, Thüringen und Saarland beobachtet. Die Beobachtung bezieht sich neben der Anzahl der Follower auch auf die Inhalte der Tweets, die kategorisiert werden. In den Er-gebnissen wird sich zeigen, wie sinnvoll der Einsatz von Twitter im deutschen Wahlkampf sein kann.

Die folgende Arbeit stellt Anwendungsgebiete des Mikro-Blogging-Dienstes Twitter vor, nennt Vor- und Nachteile und zeigt, wie Twitter in der politischen Kommunikation bisher eingesetzt wurde. In einer Beobachtung wird untersucht, wie deutsche Politiker im aktuellen Wahlkampf diesen Dienst zur Kommunikati-on nutzen und wie Experten diese Aktivitäten einschätzen.

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

„Yes, we can“. Der Wahlkampfslogan von Barack Obama versprüht Optimismus und begeistert Millionen Menschen. Mit einem bemerkenswerten Engagement im Bereich der Onlinemedien setzte sein Wahlkampfteam den Präsident-schaftskandidaten in Szene. Ob Fans bei Facebook und MySpace, Follower bei Twitter oder Abonnenten bei youtube: Obama schuf sich online eine Gefolg-schaft aus potentiellen Wählern. Seine Anhänger sammelten Spendengelder, organisierten Wahlkampfveranstaltungen und konnten mit ihrem Kandidaten kommunizieren.

Nach dem Vorbild Obama agieren auch zunehmend deutsche Politiker in sozia-len Netzwerken. Die vorliegende Arbeit beleuchtet die aktuellen Entwicklungen in der politischen Kommunikation. Im diesjährigen Wahlkampf besteht erstmals die Chance, Twitter und Co. gezielt einzusetzen. Vor vier Jahren existierte Twit­ter noch nicht, Facebook wurde nur von amerikanischen College-Studenten ge-nutzt. Das Superwahljahr 2009 zeigt bereits jetzt, dass politische Akteure ihre Online-Aktivitäten verstärken. Twitter spielt dabei eine zunehmend wichtige Rol­le. Anhand einer Analyse von Twitter-Aktivitäten ausgewählter Politiker soll in der vorliegenden Arbeit gezeigt werden, wie viele neue Abonnenten sie gewin-nen können und wie sie Twitter nutzen. Dieser Dienst ist dafür prädistiniert, per-sönlich, direkt und authentisch mit seiner Gefolgschaft zu kommunizieren. Die Auswertung sämtlicher Tweets der beobachteten Kandidaten wird zeigen, ob sie eben diese Effekte wirklich nutzen und somit die Chancen dieser Kommuni-kationsart verstehen.

In Interviews mit den twitternden Politikern wird nach Erwartungen und Zielen des Einsatzes von Mikro-Blogging, sowie nach den daraus gewonnenen Erfah-rungen gefragt. Abschließend zeigen Meinungen von Experten auf, wie Twitter in der politischen Kommunikation funktionieren und in der Zukunft eingesetzt werden kann.

1.2. Vorgehensweise

Kapitel 2: Zunächst wird der Begriff Mikro-Blogging definiert. Es wird eine Ab-grenzung zu Weblogs vorgenommen und die Auswirkungen des Mikro-Blogging auf die Kommunikation erörtert.

Kapitel 3: Seit der Gründung von Twitter 2006 steigt die Nutzerzahl für diesen Mikro-Blogging Dienst rasant an. Längst wird Twitter nicht nur im privaten Be-reich genutzt. In diesem Kapitel werden Anwendungsbereiche, aber auch Vor-und Nachteile aufgezeigt. Eine Nutzeranalyse gibt einen Überblick über die deutsche Twittergemeinde.

Kapitel 4: Im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2008 spielten Social Networks erstmals eine besondere Rolle. Auch europäische Politiker be-gannen, nach diesem Vorbild, ihre Online-Aktivitäten zu verstärken.

Kapitel 5: Twitter wird auch unter deutschen Politikern zu einem Wahlkampf-tool. Es werden Twitter-Aktivitäten von ausgewählten Accounts beobachtet und analysiert.

Kapitel 6: In Interviews mit den Politikern wird herausgefunden, welche Ziele sie mit ihren Twitter-Aktivitäten verfolgen und welche Erfahrungen sie bisher machten.

Kapitel 7: Abschließend zeigen Meinungen von Experten, wie sie die Bedeu-tung von Twitter in der politischen Kommunikation einschätzen und welche Rat-schläge sie an twitternde Politiker geben würden.

Anhang: In den Anlagen befinden sich die ungekürzten Interviewantworten der Politiker sowie der Experten.

2. Mikro-Blogging

2.1. Definition

Mikro-Blogging ist eine Form des Bloggens – ein „verkleinerter“ Blog1. Hierbei schreiben die Benutzer kurze SMS-ähnliche Textnachrichten, die meist auf 140 bis 200 Zeichen begrenzt sind und die von Abonnenten gelesen werden kön-nen. Der Reiz des Mikro-Bloggens liegt in der Transparenz und Unmittelbarkeit, denn die Nachrichten sind sofort für andere Benutzer zugänglich. Cem Basman, Veranstalter der Micro Blogging Conference2, fasst es folgendermaßen zusam-men: „Es geht um das Posten von öffentlichen Nachrichten in Echtzeit.“3 Ob-wohl die meisten Posts, wie gesendete Nachrichten beim Mikro-Blogging hei-ßen, nur Textnachrichten enthalten, ist es bei einigen Mikro-Blogging-Diensten auch möglich, Videos oder Audio-Dateien einzufügen.

Erstmals trat das Mikro-Blogging in Form von Statusmeldungen im weltweit größten sozialen Netzwerk Facebook4 auf. Seit 1. März 2006 erscheint auf der Facebook -Seite die Frage „What´s on your mind?“5. Sie fordert den Benutzer auf, seinen derzeitigen Gemütszustand preiszugeben und seinen Freunden mitzuteilen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Statusfenster bei Facebook

Mittlerweile bieten auch andere soziale Plattformen wie StudiVZ6 und Wer-kennt-wen7 solche Statusnachrichten an. Jedem Benutzer werden nur die Mel-dungen seiner eigenen Kontakte chronologisch aufgelistet und er erhält eine individuelle Übersicht. In sozialen Netzwerken stellt Mikro-Blogging dennoch nur eine Zusatzfunktion dar, wobei die Statusnachrichten meist einzig auf der jeweiligen Website gelesen werden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: chronologisch aufgelistete Statusmeldungen bei Facebook (links)
und StudiVZ (rechts)

Daneben entwickelten sich eigenständige Mikro-Blogging Dienste, von denen Twitter8 die meisten Nutzer hat9. Oftmals wird Twitter synonym mit Mikro-Blog-ging verwendet10, obwohl es eine Reihe anderer Dienste gibt. Mikro-Blogging Dienste wie Twitter sind nicht an ein Web-Frontend11 gebunden. Sie sind dank offener Schnittstellen (Application Programming Interface, kurz API) für mobile Geräte prädestiniert und können über verschiedene Programme, Geräte und Plattformen angesteuert werden.

2.2. Abgrenzung zu Weblogs

Im Gegensatz zu Blogs versteht sich Mikro-Blogging als wesentlich schnellere und kürzere Art der Kommunikation. Die Nachrichten sind auf wenige Zeichen reduziert und dadurch prägnanter. Ausgehend von der Kürze der Posts ergibt sich auch ein geringerer Zeitaufwand beim Mikro-Blogging. Das trifft zum einen auf den Verfasser zu, der sich auf die Länge einer SMS begrenzen muss. Zum anderen benötigt der Leser der Posts deutlich weniger Zeit zum Aufnehmen der Informationen.

Mikro-Blogging Dienste funktionieren wie ein Abonnement. Ein Nutzer muss zustimmen, die Nachrichten eines anderen empfangen zu wollen, ihm „folgen“ zu wollen. Mit der Zeit entsteht ein Netzwerk, in dem auch die Nutzer unterei-nander verschiedene Beziehungen aufbauen. Aus dem sozialen Gefüge des Folgens und Gefolgtwerdens ergibt sich beim Mikro-Blogging ein erhöhter Netzwerk-Effekt.

Im Grunde handelt es sich beim Mikro-Blogging um effiziente Kurznachrichten an ein soziales Umfeld. Der Verfasser der Nachrichten hat die Möglichkeit, ein sofortiges Feedback zu erhalten. So entsteht beim Mikro-Blogging ein Mix aus Blog und Chat mit Livestream-Charakter. Die entscheidenden Unterschiede zwischen Blogging und Mikro-Blogging liegen in der Frequenz der Nachrichten und der Mobilität. Bloggt ein durchschnittlicher Blogger ein bis dreimal wöchent-lich, so werden über Mikro-Blogging-Dienste mehrere Posts pro Tag abgege-ben12. Die Nachrichten sind nicht nur auf den Websites und Desktop-Applikatio-nen lesbar, sondern auch über das Mobiltelefon zu empfangen.

2.3. Auswirkungen auf die Kommunikation

Social Media Tools wie Twitter haben die Kommunikation ebenso revolutioniert wie es einst die Erfindung von Buchdruck, Telefonen, Fotografie und Film sowie Rundfunk taten.13 Zu dieser Ansicht kommt Clay Shirky, US-amerikanischer Redner, Autor, Dozent und Berater zum Thema Internet, wenn er über die Be-deutung des Internets und Social Media spricht. Die Hemmschwelle beim Publi-zieren ist beim Mikro-Blogging deutlich geringer als bei anderen Kommunika-tionsmöglichkeiten.14 Es ist einfacher geworden, Dialoge zu führen, Kontakte zu knüpfen und Beziehungen aufzubauen. Wichtig dabei ist, dass die Kommunika-tion, anders als bei sozialen Netzwerken wie StudiVZ oder Facebook, keine doppelseitigen Verknüpfungen benötigt.15 Das heißt, wenn Twitterer A Twitterer B folgt und seine Posts abonniert, muss B nicht automatisch auch A folgen. So entstehen einseitige Verbindungen unter den Mikro-Bloggern. Der Mikro-Blog-ger bewegt sich in „vernetzten Kommunikationsarenen“, so Thomas Pleil16. Auf-fällig dabei ist, dass die Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet und Hierar-chie-Ebenen an Bedeutung verlieren. Jeder Mikro-Blogger ist gleichwertig, egal ob Vorstandsvorsitzender einer internationalen AG oder Student.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Chat zwischen US-Schauspieler Ashton Kutcher (aplusk)
und einem Fan

Menschen besitzen von Natur aus ein soziales Umfeld. Sie wollen kommunizie-ren, sozial agieren und untereinander verbunden sein. Dazu gehört auch, dass sie Informationen austauschen und mitteilen, wie es ihnen geht. Bisher gab es dafür neben dem persönlichen Gespräch Briefe, Telefone, E-Mails oder Blogs. Aber gerade kleine Alltagsgeschichten wie „Ich trinke gerade einen leckeren Kaffee“ oder „Gleich muss ich zum Zahnarzt“ werden nicht über diese Wege kommuniziert. Solche Nachrichten erscheinen zu unwesentlich, als dass sie in einem Blog publiziert oder per Mail an Freunde geschickt werden. Die ursprüng-liche Idee von Mikro-Blogging setzt genau dort an. Beinahe banale Informatio-nen über alltägliche Kleinigkeiten können nun an das gesamte soziale Umfeld gesendet werden. Dadurch entsteht ein engerer Kontakt untereinander. Der Mikro-Blogger erhält einen kleinen Einblick dessen, was gerade real auf der Welt passiert.17

Die publizierten Posts vermitteln dem Leserkreis Nähe, es entsteht ein Gefühl des Dabeiseins und Dazugehörens. Der Leser erfährt weiterhin das Gefühl der Exklusivität. Schließlich sind viele der geposteten Informationen sehr privat. Dabei ist es gleichgültig, ob der Autor ein Popstar oder ein enger Freund ist. Mit nur einem Post kann der Mikro-Blogger seinen gesamten Freundes- und Be-kanntenkreis informieren. Daraus ergibt sich neben der Zeit- auch eine enorme Kostenersparnis gegenüber dem Kommunikationsmedium SMS.

Mikro-Blogging wird aus verschiedenen Motivationen heraus betrieben. Autor und Leser tauschen Wissen und Neuigkeiten aus, bauen Vertrauen auf oder geben interessante Links weiter. Dies zeigt die erste deutsche Twitter-Umfrage, durchgeführt von Thomas Pfeiffer.18 Mikro-Blogging kann durch persönliche Einschätzung eine Orientierungshilfe im Informationsdschungel geben. Viele Autoren fragen nach Konsumtipps und vertrauen auf die Einschätzung der an-deren. Prof. Dr. Thomas Pleil vom Institut für Kommunikation und Medien der Hochschule Darmstadt spricht in diesem Zusammenhang von einer „Meinungs-bildung ohne Medienberichterstattung“. 19 Nicht nur Privatpersonen kommuni- zieren via Twitter. Auch Unternehmen, Verbände, Organisationen und Parteien nutzen den Mikro-Blogging Dienst zu verschiedenen Zwecken. Vertrauensauf-bau, Dialog, Beschwerdemanagement und Projektmanagement sind mögliche Einsatzgebiete für eine Kommunikation über Twitter.20

3. Twitter

3.1. Einführung in die Twittersphäre

Das englische Wort Twitter bedeutet zu deutsch Gezwitscher/ Geflüster und ist der Mikro-Blogging Dienst mit den meisten Nutzern. Registrierte Nutzer besit-zen einen persönlichen Account und werden Twitterer genannt. Sie schreiben und veröffentlichen kurze Nachrichten, auch Tweets, Updates oder Posts ge-nannt. Andere Nutzer können diese Posts abonnieren und werden dann zu Fol-lowern (englisch to follow = folgen). Followings bezeichnet die Accounts, denen man selbst folgt. Auf der persönlichen Startseite unter www.twitter.com werden die Tweets der Nutzer angezeigt, die man selbst abonniert hat. So entsteht eine individuelle, abwärts chronologische Timeline. Folgt man sich gegenseitig und entsteht dadurch eine doppelseitige Beziehung, so nennt man sich Friends.

Ein Reply ist eine Möglichkeit, einen anderen Twitterer direkt anzusprechen. Mit der Kombination @Nutzername kann auf diesen Nutzer Bezug genommen werden. Sinnvoll ist diese Anwendung bei der Beantwortung von Fragen. Da die Anzahl der Zeichen auf 140 begrenzt, ist es notwendig, auch URLs abzukürzen. Diese verkürzten Links nennt man Tinyurls.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Erklärung von Begriffen anhand eines Accounts21

3.2. Gründung von Twitter

Mit der Gründung von Twitter verbinden Kenner der Szene die Namen Biz Sto­ne, Jack Dorsey und Evan Williams. Die drei US-Amerikaner waren bereits vor der Entwicklung dieses Mikro-Blogging Dienstes Entwickler und Webdesigner. In der Computer-Szene waren sie nicht unbekannt. Die eigentliche Idee zu Twit­ter stammt von Jack Dorsey, der einen einfachen Dienst entwickeln wollte, der es ermöglicht, über eine Art Statusfenster all seinen Freunden von seinem All-tag zu berichten. In der Firma, in der Dorsey damals arbeitete, Obvious, lernte er Biz Stone kennen. Ihm erzählte er von seiner Idee. Gemeinsam mit anderen Kollegen aus dem Hause Obvious begann im Jahr 2006 die Entwicklung eines Prototypen für Twitter. Als Tester dienten die Mitarbeiter von Obvious, die den Dienst ein Wochenende lang ausprobieren sollten. Sie waren von den neuen Möglichkeiten, die Twitter für die Kommunikation bietet, begeistert. Im Oktober 2006 wurde das Projekt Twitter offiziell gestartet. Die Idee überzeugt. Erste Nutzer außerhalb von Obvious meldeten sich bei Twitter an. Insgesamt blieb es jedoch ein kleiner Nutzerkreis. Es fehlte das öffentliche Interesse, ein Event, das Twitter populär macht.22

Dieses Event kam mit der Verleihung des jährlich vergebenen South by Southwest Web-Awards im März 2007. Während des Awards nutzten die Anwe-senden Twitter, um sich gegenseitig zu verabreden oder ihren Bekannten von dem Ereignis zu berichten. Unter ihnen waren einflussreiche Blogger, so dass die Nachricht von dem neuen Mikro-Blogging Dienst Twitter schnell verbreitet wurde.

Twitter gewann in der Kategorie Blog den Web-Award. Dieser Augenblick wird im Nachhinein als die eigentliche Geburtsstunde von Twitter angesehen. Die Gründer bedankten sich twittergerecht: „We´d like to thank you in 140 charac­ters or less. And we just did!“

Mit dem Award gewann Twitter rasant an Popularität. Es erfolgte die Ausgliede-rung von Obvious, Twitter Inc. wurde noch im April 2007 gegründet.

Die Nutzerzahlen wuchsen so rasant, dass es regelmäßig zu Server-Überlas-tungen und damit zum Ausfall des Dienstes kam. Der Failwhale (siehe Abb. 5) tauchte in dieser Zeit häufig auf. Als sich aber neue Investoren fanden, wurden die Entwicklungen vorangetrieben. Die Ausfälle wurden weniger.23

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Failwhale bei Überlastung auf www.twitter.com

Laut einer Studie des amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Nielsen hat Twitter im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs an registrierten Nutzern von 1.382% verbuchen können24. Dabei beziehen sich die Daten nur auf die USA. Sie verdeutlichen allerdings, mit welcher Geschwindigkeit dieser Dienst an Po-pularität gewinnt.

Bisher haben die Betreiber von Twitter kein Geld verdient. Twitter ist auf Gelder von Investoren angewiesen. Der Dienst ist für alle Nutzer kostenlos. Für die Zu-kunft haben die Twitter-Gründer jedoch angekündigt, suche man nach einem profitablen Geschäftsmodell. Dabei seien beispielsweise Werbeeinblendungen denkbar.25

3.3. Die Grundidee

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Statusfenster auf twitter.com

Die Idee hinter Twitter ist, dass jeder, jederzeit kurze und einfache Aussagen in 140 Zeichen oder weniger an interessierte Leser senden kann.

Einer der Gründer von Twitter, Biz Stone, beschreibt es so:

„Es geht nicht um den Inhalt einer einzelnen Nachricht. Natürlich ist der oft banal. Das Wort Twitter steht für kurze Ausbrüche banaler In-formationen. Wichtig ist, Menschen verbinden sich und schicken sich Botschaften, die ihnen etwas bedeuten.“26

Stone erwähnt hier einen wichtigen Punkt. Es findet keine einseitige Kommuni-kation statt. Vielmehr entsteht ein Dialog. Twitterer sammeln Feedbacks, führen Diskussionen, geben Empfehlungen und Erfahrungen oder tauschen Links aus. Damit ist die Interaktion zwischen Twitterern intensiver als bei Blogs.

Die Stimmen der Skeptiker verrufen Twitter als „Bloggen für Arme“27. Befürwor-ter dagegen schätzen die Verbundenheit unter den Twitterern und genießen das Gefühl zu wissen, was auf der Welt passiert. Igor Schwarzmann, Trendscout, sagt dazu: „Es ist für mich eine Möglichkeit, mit Leuten Kontakt aufrecht zu er-halten, mit denen ich sonst keinen Kontakt haben könnte, z.B. aus Mangel an Zeit.“28 Twitter ist eine Art Hintergrundrauschen, ein Gemurmel im Raum. David Gurteen, Wissensmanagement-Experte, vergleicht Twitter mit den Geräuschen in einem Großraumbüro.29 Dort hört man sehr viel nebenbei. Zwei Kollegen un-terhalten sich am Nebentisch, man hört Teile eines Telefonanrufes oder wird zwischendurch etwas gefragt. Man hört kaum hin, aber fällt ein interessantes Schlagwort, horcht man auf und erhält nützliche Informationen. Gurteen be-zeichnet dies als „fragmentierte Form des Wissensmanagements“. Dabei sei das „informelle Lernen“ das Ziel. Wer nicht in einem Großraumbüro arbeite, bräuchte Twitter, um diese Art Hintergrundrauschen zu erhalten und wertvolle Informationen zu bekommen, so Gurteen weiter. Die Bandbreite der nützlichen Informationen bei Twitter hängt dabei stark vom Leser ab. Für den einen ist der Gesundheitszustand der Freunde spannend. Für den anderen ist es lesens-wert, welche Präsentation gerade bei der Expo gehalten wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Sascha Lobo twittert von der next0930

3.4. Anwendungsbereiche

Privatleute nutzen Twitter, um ein soziales Netzwerk aufzubauen und zu pfle-gen. Primär geht es laut der Twitter-Umfrage31 der Webevangelisten32 darum, Informationen zu streuen und auszutauschen, sowie Kontakt zu Freunden zu halten. In Unternehmen kann Twitter sowohl für externe als auch für interne Zwecke genutzt werden. Olaf Kolbrück, Internet und E-Business Reporter bei Horizont33, nennt folgende Möglichkeiten für die interne Nutzung in Unterneh-men:

- Tätigkeitsbericht
- Projektstatus-Updates
- Erreichbarkeit
- kollaborativer Chat
- Informationen aus anderen Abteilungen34

Twitter eignet sich demnach auch im Bereich des Projektmanagements. Bei richtiger Nutzung sind alle vernetzten Kollegen jederzeit über den aktuellen Stand im Projekt informiert. Sie teilen sich ein virtuelles Büro.

Für die externe Nutzung zeigt Kolbrück35 weiter folgende Anwendungsgebiete auf:

- Beziehungen zu Kunden und Marktpartnern aufbauen und intensivieren
- Kundendienst
- Agenda Setting (virale Effekte)
- Events kommunizieren
- Promotion
- Krisen-Management
- Twitter als Medium
- Personal Branding

Im Bereich Kundendienst ergibt sich aus der persönlichen Ansprache der Kun-den (durch Versehen des Posts mit einem @-Zeichen oder Aufbau eines Dia­logs) eine Vielzahl von Vorteilen. Der direkte Dialog zum Kunden ist dabei wohl primär. Das Unternehmen kann durch Tipps einen Mehrwert bieten, Hinter-grundinformationen streuen und besondere Promotion-Aktionen via Twitter star-ten. Auch kurzfristig können Events angekündigt werden. Per Twitter kann von diesen Events live berichtet werden. Der Kunde erhält dadurch das Gefühl, am Ort des Geschehens zu sein. Das stärkt die Bindung zum Unternehmen und bietet einen speziellen Mehrwert.

Nach Kolbrück erhalten Kunden einen „Blick ins Unternehmen und die Unter-nehmenskultur“, wodurch wiederum die Bindung an das Unternehmen erzielt wird. Das Unternehmen erhält durch den Twitterer ein Gesicht. Es wird mensch-lich, greifbar. Dadurch fällt es dem Kunden leichter, sich mit der Marke und dem Unternehmen zu identifizieren. Für das Unternehmen bietet sich die Möglichkeit des Monitoring, also des Beobachtens eines Vorgangs. Sehr schnell lassen sich über Twitter Meinungen der Kunden über die Marke aufzeigen und aktuelle Bedürfnisse aufspüren.

[...]


1 Ein Blog oder auch Weblog, ist ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich ein-sehbares Tagebuch. Häufig ist ein Blog eine lange, abwärts chronologisch sortierte Liste von periodischen Einträgen.

2 Die Micro Blogging Conference fand erstmals vom 23.01. bis 24.01.2009 in Hamburg statt. Organisator war Cem Basman. Etwa 200 Experten nahmen an der Konferenz teil.

3 Mikroblogging ist in Wahrheit Micromessaging, http://sprechblase.wordpress.com/2008/09/12/ microblogging-ist-in-wahrheit-micromessaging/, 28.05.2009

4 im Internet unter http://www.facebook.com

5 Vgl. Naone 2008a, 26-28

6 im Internet unter http://www.studivz.net

7 im Internet unter http://www.wer-kennt-wen.de

8 im Internet unter http://www.twitter.com

9 Vgl. Simon 2008, 14

10 Siehe (Averesch 2009), (Naone 2008b), (Java, Finin, Song, & Tseng 2007)

11 Mit Web-Frontend wird der Teil einer Internet-Anwendung bezeichnet, der für den Benutzer über seinen Internet-Browser sichtbar ist.

12 Vgl. Java, Finin, Song & Tseng 2007, 57

13 Vgl. youtube.com Präsentation von Clay Shirky: How cellphones, Twitter, Facebook can make history

14 Vgl. Slideshare.net (Thomas Pleil) 2008, Präsentation „Vernetzte Kommunikation“

15 Vgl. wiwo.de (Matthias Hohensee, Sebastian Matthes) 2009, Vom Wahn im Web zum Wirt-schaftsfaktor

16 Vgl. ebenda

17 Vgl. commoncraft.com (Lee le Fever) 2008, Video „Twitter in Plain English“

18 Vgl. webevangelisten.de (Thomas Pfeiffer) 2009, Twitterumfrage

19 Vgl. Slideshare.net (Thomas Pleil) 2008, Präsentation „Vernetzte Kommunikation“

20 Vgl. conception-blog.com (Möller) 2009, Einsatzgebiete von Microblogging in Unternehmen

21 Nielsen Media Research 2009, Wahlkampf 2009 auf Twitter

22 Vgl. Simon / Bernhardt 2008, 39–44, alle hier genannten Fakten zur Gründung von Twitter entstammen dem Buch „Twitter – mit 140 Zeichen zum Web 2.0“

23 ebenda

24 Vgl. blog.nielsen.com (McGiboney) 2009, Twitter´s Tweet Smell of Success

25 Vgl. update2.blog.de (Peter Schwierz) 2009, Geschäftsmodelle: Wie Twitter endlich Geld verdienen könnte

26 elektrischer-reporter.de (Interview mit Biz Stone) 2009, Wähler-generierter Wahlkampf

27 zeit.de (Jens Uehlecke) 2009, Schluss mit dem Geschnatter

28 elektrischer-reporter.de (Interview mit Igor Schwarzmann) 2009, Wähler-generierter Wahlkampf

29 ikmagazin.com (David Gurteen) 2009, The Gurteen perspective: Twittering

30 next09 ist eine der wichtigsten Netzwerk- und Trendkonferenzen der europäischen Web-Industrie. Sie fand im Mai 2009 zum zweiten Mal in Hamburg statt.

31 im Internet unter http://www.twitterumfrage.de

32 die Webevangelisten sind eine Gruppe Medienbegeisterter. Sie sind Initiator der ersten deutschen Twitterumfrage, erstellen Analysen zum Thema Twitter und führen einen Blog zum Thema Web 2.0

33 im Internet unter http://www.horizont.net

34 Kolbrück 2009, 33

35 Kolbrück 2009, 23

Ende der Leseprobe aus 121 Seiten

Details

Titel
Twitter in der politischen Kommunikation
Untertitel
Analyse von Twitteraktivitäten ausgewählter Politiker während des Landtagswahlkampfes 2009
Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
121
Katalognummer
V136691
ISBN (eBook)
9783640442454
ISBN (Buch)
9783640442713
Dateigröße
3344 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Twitter, Politik, twitternde Politiker, Wahlkampf, Web2.0
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Julia Rittig (Autor:in), 2009, Twitter in der politischen Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136691

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