"Tlatelolco, heroisch verteidigt von Cuathémoc, fiel am 13. August 1512 in die Hände von Hernan Cortez. Es war weder ein Sieg noch eine Niederlage, sondern die schmerzhafte Geburt des Mestizenvolkes, das heißt der Mexikaner von heute (Gedenktafel an der Seite der Großen Pyramide von Tlatelolco, wo die letzte Schlacht stattfand)"
... so heißt es auf einer Gedenktafel am Platz der drei Kulturen, wo die letzten Reste einer längst vergangenen Hochkultur zu finden sind. In einer Stadt, die nicht mehr Tlatelolco oder Tenochtitlán heißt, sondern Mexico City genannt wird- eine Megalopolis, erbaut über den Gemäuern der Aztekenstadt, die sie unter sich begräbt.
Diese Vorstellung von der "Stadt über der Stadt" scheint geradezu sinnbildlich zu sein für die gesamte Eroberungs- und Kolonialzeit. Immerhin fand mit der Eroberung Mexikos durch die Spanier scheinbar eine ganze Kultur, eine Religion, ein ganzes Volk, ein Zeitalter sein plötzliches Ende.
Schon während der Eroberung wurde mit verschiedenen rechtlichen Grundlagen der Grundstein für die spätere Ausbeutung gelegt. Schon hier wird deutlich wie sehr sich die geistige und die weltliche Unterwerfung gegenseitig bedingten. Diese These wird im Verlauf der Arbeit durch weitere Textbeispiele zu belegen versucht. Dabei wird zuerst näher auf die weltliche Unterwerfung eingegangen und zum besseren Verständnis die Grundzüge der spanischen Verwaltung erklärt. Später wird eine Verbindung zur geistigen Unterwerfung gezogen und auch hier zur Verständniserleichterung auf die Spanische Missionsgeschichte eingegangen. Zum Abschluss der Arbeit wird das Gedankengut des Bartolomé de las Casas präsentiert, das, wenn es umgesetzt worden wäre, eine Alternative zum Verlauf der Konquista geboten hätte.
Inhaltsverzeichnis
Einführende Worte
Die rechtliche Grundlagen der Eroberung Altamerikas
Die Verwaltung der Kolonien (oder: weltliche Versklavung unter kirchlichem Deckmantel)
Aus Alt mach Neu: Christentum versus Götterkult (oder: geistige Versklavung auf staatliche Anordnung?)
Bartolomé De Las Casas oder: die Gewissenskrise
Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die enge Verflechtung von religiöser und weltlicher Unterwerfung der Nahua-Kultur während der spanischen Konquista. Ziel ist es aufzuzeigen, wie rechtliche Instrumente und administrative Strukturen der spanischen Krone als Rechtfertigung für Ausbeutung dienten und wie Bartolomé de Las Casas eine ethische Gegenposition zu diesem System vertrat.
- Rechtliche und administrative Grundlagen der kolonialen Unterwerfung
- Die Rolle der Encomienda und Corregimientos in der Ausbeutung
- Konfrontation zwischen dem christlichen Glauben und dem mexikanischen Götterkult
- Kritische Analyse des Widerstands von Bartolomé de Las Casas gegen die Konquista
Auszug aus dem Buch
Die rechtliche Grundlagen der Eroberung Altamerikas
Über die Unmenschlichkeit, mit der die Eroberung des alten Mexikos im 16. Jahrhundert vollzogen wurde, ist man sich heute durchaus bewusst. Doch welche Begründungen sind uns von den Eroberern in der Literatur überliefert, um ihre Raub- und Eroberungszüge zu rechtfertigen? Wie bedingten sich religiöse und säkulare Handlungsweisen gegenseitig? Welche Rolle spielte hierbei die spanische Krone? Schon vor der Eroberung Mexikos verlangte die Krone von allen Gewinnen, die in Amerika erzielt wurden, sei es durch Landwirtschaft, durch Handel mit den Indios, durch Raubzüge, oder gar durch Menschenhandel, ein königliches Fünftel.
So war die Krone von Anfang an zumindest wirtschaftlich an der Eroberung und an der Versklavung der Indios beteiligt. Der Handel mit den friedlichen Indios wurde durch sogenannte Tauschhandellizenzen geregelt, die vom spanischen Königshaus vergeben wurden. Die begehrtesten Lizenzen, die von der spanischen Krone vergeben wurden, waren jedoch die Poblamiento - Lizenzen, die dem Besitzer das Recht verliehen sich in noch unbekannten Gebieten niederzulassen und eine Expedition zu leiten.
Das erklärte Ziel eines jeden Eroberungszuges und einer jeden Entdeckungsreise war jedoch die Bekehrung der ansässigen Bevölkerung. Diesem "höheren Ziel" war jeder Eroberungszug nicht nur ideologisch sondern auch rechtlich untergeordnet: Jeder Eroberungszug wurde von einem Notar des Königs begleitet, der bei jedem Kontakt mit einheimischer Bevölkerung ein Schriftstück, das sogenannte Requerimiento, zu verlesen hatte. Es handelte sich um ein 1513 in Burgos entstandenes Gesetz , in dem die Eingeborenen dazu aufgefordert wurden sich dem König von Kastilien zu unterwerfen und zum Christentum zu konvertieren. Da die Verlesung in spanischer Sprache erfolgte kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Indios überhaupt verstanden, was von ihnen verlangt wurde. Befolgte die einheimische Bevölkerung diese Bedingungen nicht freiwillig, so erlaubte das Requerimiento - Gesetz sie mit Gewalt dazu zu zwingen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführende Worte: Einleitende Betrachtung der historischen Zäsur durch die Eroberung Mexikos und Skizzierung der zentralen These zur Wechselwirkung von geistiger und weltlicher Unterwerfung.
Die rechtliche Grundlagen der Eroberung Altamerikas: Analyse der spanischen Rechtspraxis und der ökonomischen Interessen der Krone, die durch Instrumente wie das Requerimiento legitimiert wurden.
Die Verwaltung der Kolonien (oder: weltliche Versklavung unter kirchlichem Deckmantel): Untersuchung der administrativen Machtstrukturen wie der Encomienda und Corregimientos, die als Mittel zur Ausbeutung fungierten.
Aus Alt mach Neu: Christentum versus Götterkult (oder: geistige Versklavung auf staatliche Anordnung?): Auseinandersetzung mit dem ideologischen Missionierungsanspruch und der systematischen Zerstörung der Nahua-Religion durch den Klerus.
Bartolomé De Las Casas oder: die Gewissenskrise: Würdigung der humanistischen Gegenposition Las Casas’, der die Rechtmäßigkeit der Konquista und die Behandlung der indigenen Bevölkerung scharf kritisierte.
Schlusswort: Zusammenfassende Reflexion über die traumatischen Folgen der Kolonialzeit für die indigene Bevölkerung.
Schlüsselwörter
Nahua, Konquista, Spanische Krone, Encomienda, Corregimientos, Requerimiento, Missionierung, Bartolomé de Las Casas, Kolonialgeschichte, Mexiko, Götterkult, Ausbeutung, Indianer, Widerstandsrecht, Christianisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Spanien durch eine Kombination aus weltlicher Ausbeutung und religiöser Indoktrination die indigene Hochkultur der Nahua in Mexiko unterwarf.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die spanischen Verwaltungsstrukturen (wie die Encomiendas), die rechtlichen Legitimationen der Eroberung sowie die Rolle der katholischen Kirche bei der spirituellen Transformation der Bevölkerung.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt danach, wie sich weltliche und religiöse Unterwerfung gegenseitig bedingten und wie diese Prozesse in der zeitgenössischen Literatur der Eroberer dargestellt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine literaturgeschichtliche und historische Analyse, die auf der Auswertung von zeitgenössischen Dokumenten wie dem Codex Florentinus und Texten von Bartolomé de Las Casas basiert.
Was wird primär im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil beleuchtet die bürokratische Organisation der Kolonien, die ökonomischen Ausbeutungssysteme sowie die missionarischen Methoden der Franziskanermönche.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Wichtige Begriffe sind hierbei Encomienda-System, Konquista, missionarischer Imperialismus, Widerstandsrecht und die kulturelle Zerstörung Mesoamerikas.
Welche Rolle spielt das „Requerimiento“ in der Argumentation der Autorin?
Das Requerimiento dient als Paradebeispiel für die pseudorechtliche Rechtfertigung der Gewalt, bei der die Spanier den Indios ein unverständliches Dokument vorlasen, um deren darauffolgende Unterwerfung als „gesetzmäßig“ zu tarnen.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Bartolomé de Las Casas?
Die Autorin hebt Las Casas als mutige moralische Ausnahme hervor, der trotz seines eigenen Hintergrunds als Encomendero die absolute Unmenschlichkeit des Systems erkannte und offen gegen die Krone und seine Landsmänner protestierte.
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- Andrea Henkel (Author), 2008, Die Nahua unter Spanischer Herrschaft - Die versklavte Hochkultur?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136722