Im Film „...Remote, Remote...“ demonstriert die Künstlerin autoaggressives Verhalten am eigenen Leib. Valie Export ist Täterin und Opfer gleichzeitig. Sie ist nicht nur die, der Schmerz zugefügt wird, sondern auch diejenige, die Verletzungen mit dem Messer in der Hand verursacht. Die Künstlerin gestaltet Selbstverletzung in einer sehr bewussten und effektvollen Weise.
In acht Minuten transportiert Export ihre Idee einer subjektiven "Para-Zeit", die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem einzigen Gleichnis vereint. Die psychologische Erkundung des Körpers, die Externalisierung eines inneren Zustandes, vollzieht Valie Export in dieser Filmaktion in zum Teil schmerzhafter Direktheit.
Valie Export verbindet in ihrem Film Materialität und Körper. Dies findet auf verschiedene Arten Ausdruck, sei es durch die Untersuchung des Filmmaterials (Leinwand, Projektor, etc.) und allenfalls durch dessen Austausch gegen andere analoge Prozesse und Materialien, sei es dadurch, dass die Beziehung zwischen Film und Akteur/Publikum im Sinne der Interaktion/Rezeption in den Mittelpunkt gestellt wird.
Inhaltsverzeichnis
1 „...Remote ... Remote....“
1.1 Filminhalt
1.2 Expanded Cinema: „Remote, Remote...“
2 Inszenierung vom Schmerz
2.1 Der inszenierte Schmerz
2.2 Die Selbstverletzung
3 Die Aktionselemente
3.1 Das Schwarzweißfoto
3.2 Die Hände
3.3 Das Messer
4 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Film-Aktion „...Remote, Remote...“ der Künstlerin Valie Export. Ziel ist es, die Verbindung zwischen der Inszenierung autoaggressiven Verhaltens und der kritischen Auseinandersetzung mit psychischen Zuständen wie Entfremdung und Leid zu analysieren.
- Analyse des künstlerischen Umgangs mit Schmerz und Selbstverletzung
- Bedeutung des Körpers als Schnittstelle zwischen Privatheit und Öffentlichkeit
- Untersuchung der filmischen Gestaltungsmittel und des "Expanded Cinema"
- Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart durch Bildmotive
- Symbolik der verwendeten Requisiten wie Teppichmesser und Milch
Auszug aus dem Buch
Die Selbstverletzung
In »Remote« ist die Künstlerin Täterin und Opfer. Sie ist nicht nur die, der Schmerz zugefügt wird, sondern auch diejenige, die Verletzungen mit dem Messer in der Hand verursacht. Die Künstlerin schneidet, ritzt und sticht mit einem Teppichmesser, um zum einen die Nagelhaut der Finger ihrer linken Hand zu entfernen und zum anderem am Zeigefinger derselben Hand eine Schnittwunde anzubringen. Die ganze Zeit über bleibt die Künstlerin erst und konzentriert, Schmerzsignale sind bei ihr praktisch nicht zu erkennen. Nur ein leichtes und kurzes Zittern der Hand zu bemerken. Erst dann wird deutlich, dass hier Schmerz im Spiel ist. Export hört nicht auf, ihre Finger zu malträtieren und beißt im Anschluss am Nagel ihres Ringfingers herum. Wieder in der Halbtotalen, bearbeitet sie weiter ihre Finger. Da sie blitzartig von der Bildfläche verschwindet, bleibt der Eindruck zurück, dass die Künstlerin ihre Ritzarbeit fortführt.
Die Verletzungen, die sich die Künstlerin zufügt, sind weder tief noch weitflächig, so dass das Blut nur durch kleine Körperöffnungen heraussickert. Das Erscheinen der Verletzungen auf dem Bildschirm ist aber erschreckend, unerträglich. Export geht keine großen Risiken oder Wagnisse ein. Zum schrecklichen Erlebnis wird der Film erst durch die Form der Inszenierung von Verletzung. Export inszeniert die Verletzung und den Schmerz weitgehend. Dies zeigt sich in dem Ergebnis, dass im Publikum die Vorstellung von Verletzung und Schmerz groß ist, während die Künstlerin sowohl die Verletzung wie der Schmerz so gering wie möglich hält.
Zusammenfassung der Kapitel
1 „...Remote ... Remote....“: Dieses Kapitel führt in den Inhalt der Performance ein, beschreibt die visuelle Gestaltung und erläutert den Begriff des Expanded Cinema.
2 Inszenierung vom Schmerz: Hier wird die theoretische und praktische Bedeutung der Selbstverletzung als künstlerisches Mittel zur Sichtbarmachung von Schmerz und psychischer Verfassung analysiert.
3 Die Aktionselemente: Dieses Kapitel untersucht die spezifischen Requisiten und Bildmotive – namentlich das Kinderfoto, die Hände und das Messer – in ihrer symbolischen Funktion.
4 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der wichtigsten Erkenntnisse zur autoaggressiven Handlung und der Rolle der Künstlerin als Täterin und Opfer.
Schlüsselwörter
Valie Export, Remote, Performance, Videoperformance, Schmerz, Selbstverletzung, Expanded Cinema, Körper, Identität, Autoaggression, Mediale Kunst, Entfremdung, Psychologie, Aktionismus, Symbolik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Film-Aktion „...Remote, Remote...“ der österreichischen Medienkünstlerin Valie Export und ihre Auseinandersetzung mit Schmerz und Identität.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Themen sind die Autoaggression, die Verbindung von privatem und gesellschaftlichem Körper sowie die visuelle Vermittlung von psychischem Leid.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Valie Export durch kontrollierte Selbstverletzung und eine bewusste filmische Inszenierung das Thema der Entfremdung und Vergangenheit vergegenwärtigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit nutzt eine kunsttheoretische Analyse, die formale Aspekte der Filmgestaltung mit psychologischen Interpretationsansätzen zur Selbstdarstellung verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des „Expanded Cinema“, die Analyse des „inszenierten Schmerzes“ und die Dekodierung der verwendeten Aktionselemente (Foto, Hände, Messer).
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Valie Export, Expanded Cinema, autoaggressives Verhalten, Schmerzinszenierung und psychische Entfremdung.
Warum spielt die Milch in dem Film eine so zentrale Rolle?
Die Milch dient als Kontrast zur weißen Haut und den Blutspuren; sie wird zudem als Phallussymbol und Repräsentation männlicher Gewalt interpretiert.
Welche Bedeutung haben die im Film gezeigten Kinderhände?
Die Kinderhände symbolisieren Gemeinsamkeit und Leid und stellen eine visuelle Brücke zwischen der Vergangenheit und dem Schmerz der Künstlerin in der Gegenwart dar.
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- Marina Lindekrin (Author), 2008, Valie Export „...Remote, Remote...“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136729