In dieser Hausarbeit wurde die Konstruktion von Weiblichkeit anhand von verschiedenen Traktaten und Hexendarstellungen des bekannten deutschen Künstlers Hans Baldung Grien untersucht.
Hauptaugenmerk dieser Arbeit wird die Analyse der Konstruktion von Weiblichkeit anhand drei um 1500 entstandenen Bildnisse des Sujets der Hexendarstellung sein. Zwei der Bildnisse sind hierbei Hans Baldung Grien zugeschrieben, auf dessen Bilder ich größtenteils meine Argumentation stützen werde. Es soll herausgefunden werden, mit welchen Mitteln und aus welcher Intention Weiblichkeit konstruiert wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kategorien der Hexendarstellungen
2.1. Der „Malleus maleficarum“
2.2. Molitors Gegenschrift
2.3. Vergleich der Traktate
3. Hans Baldung Grien
3.1. „Vorbereitung zum Hexensabbat“
3.2. „Drei Hexen (Neujahrsgruß)“
3.3. Vergleich der Illustrationen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion von Weiblichkeit in der Frühen Neuzeit, wobei der Fokus auf bildlichen Darstellungen von Hexen um das Jahr 1500 liegt. Ziel ist es, mittels einer kunstwissenschaftlichen Bildanalyse herauszuarbeiten, durch welche Mittel und mit welcher Intention das Frauenbild in Traktaten und durch Künstler wie Hans Baldung Grien konstruiert und negativ aufgeladen wurde.
- Analyse der Konstruktion von Weiblichkeit im Kontext der Hexenverfolgung
- Gegenüberstellung von wissenschaftlichen Traktaten wie dem „Malleus maleficarum“ und Gegenschriften
- Untersuchung der Rolle des Aktbildes in der Renaissance als Instrument der Stigmatisierung
- Interpretation der Werke von Hans Baldung Grien in Bezug auf Zeitgeist und Geschlechterrollen
Auszug aus dem Buch
3.1 „Vorbereitung zum Hexensabbat“
Die nun zu betrachtende Illustration (Abbildung 2) wurde 1510 von Grien erstellt. Es handelt sich hierbei um einen Holzschnitt im Hochformat. In der unteren Mitte des Holzschnittes befinden sich drei Hexen versammelt um einen rauchenden Topf. Die auf der rechten Seite befindliche junge und dickleibige Hexe sitzt in einem aus gegabelten Stöcken zusammengelegten Dreieck, dem Zeichen der Vulva. Aus diesem zwischen den Knien stehenden, leicht geöffneten Schmierhafen schießt ein Dampfstrahl. Das Gefäß ohne Deckel steht dabei für ein Symbol, welches der Hexenhammer für die wollüstige, unreine Frau verwendet, aus der alles Übel entspringt. Mit einem Strahl aus einem hinten stehenden, unsichtbaren Gefäß verbunden ergibt der Dampf als Gegenvertikale zum Baumstumpf auf der rechten Seite den Kompositionsrahmen, in welchem sich die Hexen aufhalten. Die wehenden Haare der Frauen deuten auf die Zugehörigkeit zu den Wetterhexen hin, wobei der Dampf kondensierte Dämonen darstellen soll. Die im Dampfstrahl erkennbaren krötenähnlichen Tiere und rücklinks auf einem Bock reitende Hexe verweisen in gleicher Weise auf einen dämonischen Zusammenhang.
Der beschriebene Holzschnitt von 1510 verweist auf einen geistigen Zusammenhalt der Hexen bei ihrem Treiben. Dieser Zusammenhalt ist nur dem bereits Eingeweihten verständlich und durch Intention zugänglich. In der formalen Struktur, welche diese Frauen als Gruppe formal aufeinander bezieht, wird ihre Abgrenzung gegen den Außenstehenden, also den Betrachter deutlich. Die Hexen als mit dem Teufel verbundene Wesen sind mit ihrer Wald-Umgebung formal in eine „sympathetische Beziehung“ gesetzt. Bei der Schraffur der Körper, den Tieren und der Vegetation wird kein Unterschied gemacht. Somit werden die Hexen mit der Natur ineinandergesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Seminarthema und das Forschungsinteresse an der Konstruktion von Weiblichkeit durch Hexendarstellungen um 1500 unter besonderer Berücksichtigung von Hans Baldung Grien vor.
2. Kategorien der Hexendarstellungen: Dieses Kapitel erläutert die ideengeschichtliche Basis, insbesondere den „Malleus maleficarum“ und die Gegenschrift von Molitor, um das damalige Frauenbild zu kontextualisieren.
3. Hans Baldung Grien: Hier wird das Werk Baldungs in den Kontext der Renaissance-Malerei gestellt und anhand zweier spezifischer Illustrationen detailliert analysiert, um die Verbindung von Erotik und Hexerei aufzuzeigen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Weiblichkeit um 1500 durch die Projektion auf den Körper und die Verbindung mit dämonischen Attributen konsequent als etwas Negatives und Bedrohliches konstruiert wurde.
Schlüsselwörter
Hexendarstellung, Weiblichkeit, Hans Baldung Grien, Malleus maleficarum, Frühe Neuzeit, Schadenzauber, Kunstgeschichte, Geschlechterrollen, Körperbild, Renaissance, Dämonisierung, Erotik, Hexenverfolgung, Symbolik, Bildanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie das Bild der „Hexe“ als zentrales Motiv in der Kunst der Frühen Neuzeit dazu genutzt wurde, Weiblichkeit als etwas Gefährliches, Sündhaftes und Negatives zu konstruieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der kunstwissenschaftlichen Analyse von Hexenbildnissen, der Rezeption misogyn(er) Traktate der Zeit sowie der Verknüpfung von erotischer Darstellung und dämonischer Stigmatisierung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Intention hinter den hexenbezogenen Bildmotiven um 1500 zu identifizieren und aufzuzeigen, wie Kunst als Mittel zur Festigung zeitgenössischer Vorurteile fungierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine kunsthistorische Bildanalyse, die durch die Auswertung zeitgenössischer Textquellen wie den Hexenhammer und moderner kunstwissenschaftlicher Fachliteratur gerahmt wird.
Was steht im Zentrum des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse von drei konkreten Bildbeispielen, darunter zwei bedeutende Werke von Hans Baldung Grien, um die kompositorische und inhaltliche Konstruktion von Weiblichkeit darzulegen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Hexendarstellung, Weiblichkeit, Kunstgeschichte, christliche Tradition und die Reduktion der Frau auf ihre Sexualität.
Warum spielt der „Malleus maleficarum“ eine so wichtige Rolle für das Verständnis der Bilder?
Der „Hexenhammer“ lieferte das theoretische, teils extrem frauenfeindliche Fundament, auf dem Künstler ihre Darstellungen aufbauten, indem sie Frauen als von Natur aus böse und mit dem Teufel im Pakt stehend imaginierten.
Welchen Einfluss hatte das damalige Bürgertum auf die künstlerische Darstellung der Hexe?
Das Bürgertum empfand das durch den weiblichen Körper repräsentierte „Weibliche“ als Bedrohung für die gesellschaftliche Ordnung, weshalb Künstler wie Baldung diese provokanten Aktmotive nutzten, um die Natur als chaotische und unkontrollierbare Macht zu inszenieren.
- Citar trabajo
- Marie Michalski (Autor), 2018, Die Konstruktion von Weiblichkeit um 1500. Untersuchung anhand der Hexenillustrationen von Hans Baldung Grien, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1367952