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Zur Kritik an Charles Taylors Konzeption von Multikulturalismus

Title: Zur Kritik an Charles Taylors Konzeption von Multikulturalismus

Research Paper (undergraduate) , 2009 , 20 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Michael Neureiter (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Kaum ein Begriff hat die öffentliche Diskussion in den vergangenen Jahren derart beherrscht wie der der Globalisierung, welcher den Prozess der voranschreitenden weltweiten Vernetzung von Ökonomien und Kommunikationsprozessen über die Grenzen der einzelnen Nationalstaaten hinaus bezeichnet. Der Begriff ist in erster Linie deswegen so populär und zugleich polarisierend, da heute nahezu kein Lebensbereich mehr existiert, der von dieser Entwicklung nicht betroffen wäre. So sind die Auswirkungen der Globalisierung selbst für den „einfachen“ Bürger tagtäglich spürbar, bspw. beim Kauf von Gütern oder der Inanspruchnahme von Dienstleistungen. Sie werden jedoch vor allem dadurch bemerkbar, dass sich der Einzelne gegenwärtig mit der Situation konfrontiert sieht, auf engstem geographischen Raum mit Angehörigen unterschiedlichster Kulturen in Berührung zu kommen. Das Zusammenleben verschiedener Kulturen verläuft jedoch nicht immer problemlos, weshalb sich sowohl praktische Politik als auch politische Theorie mit der Thematik auseinandergesetzt haben und immer noch auseinandersetzen. Im Zusammenhang mit der Frage, wie das Miteinander der Kulturen möglichst konfliktfrei und gerecht geregelt werden könne, wird häufig der Begriff des „Multikulturalismus“ gebraucht.
Die folgenden Ausführungen beschäftigen sich mit eben diesem Begriff des „Multikulturalismus“. Der erste Punkt dieser Arbeit dient dabei zur Erläuterung der Frage, was unter besagtem Phänomen überhaupt zu verstehen ist. Anschließend sollen die Erkenntnisse eines Theoretikers zum Thema Multikulturalismus etwas näher beleuchtet werden. Dazu wurde exemplarisch das 1992 erstmals erschienene Essay Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung des kanadischen Philosophen Charles Taylor ausgewählt, da es innerhalb der Multikulturalismus-Debatte eine besondere Relevanz besitzt. Der Hauptteil meiner Ausführungen widmet sich sodann der Frage, mit welchen Schwächen die Argumentation Taylors behaftet ist bzw. welche Kritik an seiner Auffassung von Multikulturalismus geübt werden kann/muss. In einem abschließenden Fazit sollen die wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit noch einmal komprimiert dargestellt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A: Einleitung

B: Zur Kritik an Charles Taylors Konzeption von Multikulturalismus

1. Begriffsbestimmung: Was ist eigentlich „Multikulturalismus“?

2. Charles Taylor: Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung

3. Zur Kritik an Taylors Argumentation

3.1 Was rechtfertigt den Erhalt/Schutz von Kulturen?

3.2 Widersprüchlichkeit der Argumentation

3.3 Das Zusammenspiel von Kulturen – ein Nullsummenspiel

3.4 Probleme bei der Bestimmung von (Mehrheits- und Minderheits-)Kultur

3.5 Zur individualistischen/liberalen Kritik an Taylors Konzept

C: Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Theorie des kanadischen Philosophen Charles Taylor auseinander, insbesondere mit seinem Essay "Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung". Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welche argumentativen Schwächen Taylors Konzeption aufweist und inwiefern diese aus einer liberalen Perspektive kritisiert werden kann, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen kollektivem Kulturschutz und individueller Freiheit liegt.

  • Grundlagen und Definition des Multikulturalismus
  • Taylors Theorie der Anerkennung und Identitätsbildung
  • Das Konzept des "eingeschränkten Nullsummenspiels" beim kulturellen Zusammenleben
  • Methodische Schwierigkeiten bei der Bestimmung von Kulturgrenzen
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des Staates aus liberaler Sicht

Auszug aus dem Buch

3.3 Das Zusammenspiel von Kulturen – ein Nullsummenspiel

Der obige Punkt hat gezeigt, dass sich das Zusammenleben verschiedener Kulturen durchaus schwierig gestaltet, selbst wenn der Staat als regulierende und vermittelnde Instanz eingeschaltet wird. Es wurde evident, dass die staatlichen Zugeständnisse, die der einen Kultur gemacht wurden, unweigerlich zur Marginalisierung anderer Kulturen geführt haben. Es erscheint daher angebracht, das Zusammenspiel verschiedener Kulturen als ein eingeschränktes Nullsummenspiel zu begreifen. Unter „Nullsummenspiel“ verstehe ich in diesem Zusammenhang den Umstand, dass die Zugewinne einer Kultur zu Lasten einer anderen gehen. Der Begriff „Zugewinn“ bezeichnet hier jedes staatliche Zugeständnis oder eine auf sonstige Weise erworbene Möglichkeit, die eigenen kulturellen Bräuche, Lebensformen und dergleichen zu praktizieren. In den meisten Fällen geht dies zu Lasten einer anderen Kultur, was auf drei verschiedene Weisen geschehen kann:

1. Ein Staat legt kollektive Ziele fest, um eine in ihrem Fortbestand bedrohte Minderheitskultur zu erhalten und gibt dieser somit das Recht, an der Definition des Guten in dem Gemeinwesen teilzuhaben. Gleichzeitig marginalisiert er damit aber alle anderen Minderheitskulturen, die nicht an diesem Prozess teilhaben dürfen und sich gegenüber der einen Gruppierung nun verständlicherweise benachteiligt fühlen.

2. Taylors Argumentation folgend stellen die Grundrechte und Gesetze eines Staates nichts anderes dar als die historisch gewachsenen Vorstellungen des Guten, die von der Mehrheitskultur vertreten werden. Eine Minderheitskultur, die Ansichten und Ziele vertritt, die mit diesen Vorstellungen unvereinbar sind, wird sich dementsprechend nicht frei entfalten können. Somit führen die „Zugewinne“ der Mehrheitskultur (sie kann aufgrund ihrer überlegenen Ressourcen ihre Auffassungen des Guten durchsetzen) zu „Verlusten“ bei den Minderheitskulturen (ohne staatlichen Schutz sehen sie sich einem starken Assimilationsdruck ausgesetzt).

3. Einer Minderheitskultur wird von staatlicher Seite gestattet, bestimmte Bräuche o. Ä. zu praktizieren, obwohl diese mit den geltenden Gesetzen bzw. den Überzeugungen der Mehrheitskultur nicht vereinbar sind. Dadurch wird zwar dem kulturellen Identitätsanspruch der Minderheitskultur Rechnung getragen, jedoch werden die Angehörigen der Mehrheitskultur dadurch gezwungen, ihre philosophische Grenzziehung aufzugeben, auf „ihrem eigenen Territorium“ eine Verletzung ihrer grundlegenden Werte hinzunehmen. Taylors eigener Konzeption folgend kann kein Zweifel daran bestehen, dass dies negative Folgen für die kulturelle Identität und damit das seelische Wohlergehen der Angehörigen der Mehrheitskultur hätte.

Zusammenfassung der Kapitel

A: Einleitung: Hier wird in die Thematik der Globalisierung und die daraus resultierende Notwendigkeit einer multikulturellen Theoriebildung eingeführt sowie das Essay von Charles Taylor als Analysegegenstand vorgestellt.

B: Zur Kritik an Charles Taylors Konzeption von Multikulturalismus: Dieser Hauptteil analysiert Taylors Ansatz der Anerkennung, beleuchtet die logischen Schwachstellen seiner Argumentation und diskutiert die Probleme bei der Abgrenzung von Kulturen sowie die liberale Kritik an seiner Staatsauffassung.

C: Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Kritikpunkte zusammen und würdigt Taylors Beitrag zur Debatte trotz der identifizierten theoretischen Probleme.

Schlüsselwörter

Multikulturalismus, Charles Taylor, Anerkennung, Identitätsbildung, Liberalismus, Minderheitskultur, Nullsummenspiel, Kulturpolitik, Assimilation, Authentizität, Staat, Grundrechte, kollektive Ziele, Rechtsstaat, politische Philosophie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit beschäftigt sich mit einer kritischen Analyse der multikulturalistischen Theorie des Philosophen Charles Taylor.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind der Zusammenhang zwischen kultureller Anerkennung und Identität, die staatliche Rolle im Kulturschutz und die daraus entstehenden Konflikte mit liberalen Grundrechten.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Das Ziel ist es, Taylors Position durch die Formulierung spezifischer Kritikpunkte zu hinterfragen und zu prüfen, ob sein Modell der Anerkennung in der politischen Praxis bestehen kann.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es handelt sich um eine theoriegeleitete, politikwissenschaftliche Auseinandersetzung, die den Essay von Charles Taylor unter Rückgriff auf soziologische und liberale Erkenntnisse kritisch reflektiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden fünf zentrale Kritikpunkte herausgearbeitet, darunter die Problematik der Kulturbestimmung, die Widersprüchlichkeit staatlicher Eingriffe und die Einschränkung individueller Freiheitsrechte.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Anerkennung, Identität, Nullsummenspiel, Liberalismus und kollektive Ziele.

Was versteht der Autor unter dem "Nullsummenspiel" im Kontext der Kulturen?

Der Autor argumentiert, dass staatliche Zugeständnisse zur Stärkung einer bestimmten Kultur fast zwangsläufig zu Verlusten oder Marginalisierungen bei anderen kulturellen Gruppen führen.

Wie bewertet der Autor Taylors Ablehnung von Assimilation?

Der Autor hält Taylors strikte Ablehnung jeglicher kultureller Anpassung für zu radikal und argumentiert, dass ein Zusammenleben verschiedener Kulturen in der Praxis eine partielle Assimilation oft unvermeidbar macht.

Wie steht die Arbeit zum liberalen Staatsmodell im Vergleich zu Taylors Konzept?

Die Arbeit vertritt die Ansicht, dass ein Staat gemäß liberalem Verständnis neutraler Schiedsrichter sein sollte, während Taylor dem Staat weitreichende Befugnisse zur Durchsetzung kollektiver kultureller Ziele einräumt, was aus Sicht des Autors undemokratisch ist.

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Details

Title
Zur Kritik an Charles Taylors Konzeption von Multikulturalismus
College
Catholic University Eichstätt-Ingolstadt
Course
Einführung in die politische Theorie und Philosophie
Grade
2,0
Author
Michael Neureiter (Author)
Publication Year
2009
Pages
20
Catalog Number
V136804
ISBN (eBook)
9783640452156
ISBN (Book)
9783640452323
Language
German
Tags
Charles Taylor Taylor Kultur Multikulturalismus Politische Theorie Politische Philosophie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Neureiter (Author), 2009, Zur Kritik an Charles Taylors Konzeption von Multikulturalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136804
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