In der vorliegenden Arbeit wird der Frage nachgegangen, ob es eine gemeinsame Nahostpolitik der Europäischen Union gibt, und wenn ja, wie sich diese äußert und welchen Prämissen sie folgt. Anschließend wird versucht, die gesammelten Erkenntnisse anhand theoretischer Modelle - hier bietet sich der (rationalistische) Institutionalismus an - zu untermauern und zu erklären.
Insgesamt gliedert sich die Arbeit also in zwei große Abschnitte, einen faktisch-deskriptiven und einen theoretisch-analytischen. Der faktisch-deskriptive Teil gliedert sich in fünf weitere Abschnitte und bildet damit den Schwerpunkt der Arbeit. In ihnen sollen die Gründe sowie anschließend die Akteure und die verschiedenen Ausprägungen einer gemeinsamen EU-Nahostpolitik identifiziert werden. Im Einzelnen widmen sich diese Kapitel der Euro-Mediterranen-Partnerschaft (EMP), der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) sowie der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) und dem Nahostquartett.
Im theoretisch-analytischen Teil sollen die gesammelten Erkenntnisse anhand des rationalistischen Institutionalismus erklärt und begründet werden. Zu diesem Zweck soll zuerst das Grundmodell dieser Theorie dargelegt werden, um sie daraufhin auf die EU-Nahostpolitik der jüngeren Vergangenheit anzuwenden;
Die Ausführungen dieser Arbeit stützen sich schwerpunktmäßig auf den Sammelband von Volker Perthes „Deutsche Nahostpolitik: Interessen und Optionen“ sowie im theoretischen Teil auf den Institutionalismus nach Robert Keohane, beschrieben in “Neoliberal Institutionalism. A Perspective on World Polititcs”.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Präambel: Definition des Begriffs „Nahost“
3. Warum sollte es überhaupt so etwas wie eine gemeinsame EU-Nahostpolitik geben?
4. Wie sehen die verschiedenen Ausprägungen der EU-Nahostpolitik aus?
4.1 Die Euro-Mediterrane Partnerschaft (EMP)
4.2 Die Europäische Nachbarschaftspolitik (ENP)
4.3 Die EU-Nahostpolitik im Rahmen der GASP
4.4 Die EU im Nahostquartett
5. Wie lassen sich diese Ausprägungen europäischer Nahostpolitik theoretisch erklären?
5.1 Wie sehen die Grundannahmen und das Kausalmodell des Rationalistischen Institutionalismus aus?
5.2 Wie lässt sich dies auf die Ausprägungen europäischer Nahostpolitik anwenden?
6. Schlussfolgerung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob und wie eine gemeinsame Nahostpolitik der Europäischen Union existiert und welchen Prämissen diese folgt. Ziel ist es, die identifizierten außenpolitischen Ansätze der EU mithilfe des rationalistischen Institutionalismus theoretisch zu erklären und kritisch zu hinterfragen.
- Analyse der verschiedenen Instrumente der EU-Nahostpolitik (EMP, ENP, GASP, Nahostquartett)
- Untersuchung der Motive und Sicherheitsinteressen der EU in der Nahost-Region
- Anwendung des rationalistischen Institutionalismus auf die europäische Außenpolitik
- Diskussion des Spannungsfeldes zwischen Stabilitätspolitik und Demokratisierungsansprüchen
Auszug aus dem Buch
Die Euro-Mediterrane Partnerschaft (EMP)
Die Euro-Mediterrane Partnerschaft (EMP) wurde im Jahre 1995 auf der Grundlage der Beschlüsse des Europäischen Rates von Korfu, der im Juli des Jahres 1994 stattfand, des Europäischen Rates von Essen, der im Dezember desselben Jahres abgehalten wurde und des Europäischen Rates von Cannes, der im Juli 1995 tagte, ins Leben gerufen. Die Initiative zur Gründung der EMP, die nach dem Ort ihrer Entstehung auch als Barcelona-Prozess geläufig ist, ging von einer Koalition nationaler und supranationaler Organe aus: Die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und einige südliche EU-Staaten schlossen sich zusammen, um weniger interessierte, da geographisch vermeintlich weniger betroffene nördliche EU-Staaten von einem regionalen Mittelmeerprojekt zu überzeugen.
Die Motivation zur Gründung eines solchen Projekts wurde sowohl durch exogene als auch durch endogene Faktoren bedingt. Als exogene Faktoren sind in erster Linie die zuvor ausgeführten wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen zu nennen. Doch auch EU-intern war ein solches Projekt von großer Bedeutung. Nach der EU Norderweiterung des Jahres 1995, in deren Rahmen Schweden und Finnland beigetreten waren, und einem gesteigerten EU-Engagement in Osteuropa nach Ende des Kalten Krieges, das bekanntlich im Jahre 2004 in einen Beitritt der ehemaligen Ostblockstaaten Estland, Lettland, Polen, Tschechien, Slowenien, Slowakei, Litauen und Ungarn mündete, fürchteten einige südliche EU-Staaten ihre Marginalisierung. Aus diesem Grund knüpften sie ihre Zustimmung für das Osteuropa-Engagement an die Zusage für einen adäquaten Einsatz im Mittelmeerraum (vgl Jünemann 2000, S.4). Somit stand der Gründung der größten europäischen Initiative gegenüber einer außereuropäischen Weltregion, der EMP, nichts mehr im Wege.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung nach der Existenz einer gemeinsamen EU-Nahostpolitik und legt die methodische Vorgehensweise anhand des rationalistischen Institutionalismus fest.
2. Präambel: Definition des Begriffs „Nahost“: Dieses Kapitel definiert den geographischen Fokus der Untersuchung und erläutert die Vielschichtigkeit des Begriffs Nahost.
3. Warum sollte es überhaupt so etwas wie eine gemeinsame EU-Nahostpolitik geben?: Hier werden die ökonomischen und sicherheitspolitischen Interessen der EU in der Region als Motive für ein gemeinsames Engagement analysiert.
4. Wie sehen die verschiedenen Ausprägungen der EU-Nahostpolitik aus?: Dieser Hauptteil identifiziert und analysiert detailliert die zentralen Akteure und Instrumente, insbesondere EMP, ENP, GASP und das Nahostquartett.
5. Wie lassen sich diese Ausprägungen europäischer Nahostpolitik theoretisch erklären?: Das Kapitel führt den theoretischen Rahmen des rationalistischen Institutionalismus ein und wendet ihn auf die beobachteten Entwicklungen der EU-Politik an.
6. Schlussfolgerung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der Kohärenz der EU-Politik und einer Einschätzung zukünftiger Integrations- und Verregelungsentwicklungen ab.
Schlüsselwörter
EU-Nahostpolitik, Euro-Mediterrane Partnerschaft, Europäische Nachbarschaftspolitik, GASP, Nahostquartett, Rationalistischer Institutionalismus, Außenpolitik, Internationale Beziehungen, Stabilitätspolitik, Demokratisierung, Interdependenz, Kooperation, Barcelona-Prozess, Sicherheit, Mehrebenenansatz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Europäische Union eine kohärente gemeinsame Politik gegenüber der Nahost-Region verfolgt und wie sich diese praktisch manifestiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der verschiedenen außenpolitischen Instrumente der EU sowie der theoretischen Einordnung dieser Politik in den Kontext des Institutionalismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifizierung der verschiedenen EU-Ausprägungen in der Nahostpolitik und deren theoretische Untermauerung durch das Kausalmodell des rationalistischen Institutionalismus.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen faktisch-deskriptiven Ansatz zur Darstellung der Instrumente und einen theoretisch-analytischen Ansatz zur Erklärung dieser mittels rationalistischer Institutionentheorie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Euro-Mediterrane Partnerschaft (EMP), die Europäische Nachbarschaftspolitik (ENP), die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) sowie das Nahostquartett.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind EU-Nahostpolitik, rationalistischer Institutionalismus, Interdependenz, Stabilitätspolitik, Kooperation und Mehrebenenansatz.
Warum wird der Begriff „Nahost“ vorab definiert?
Da der Begriff wissenschaftlich oft schwammig gebraucht wird, ist eine klare Abgrenzung der betroffenen Region für die Analyse notwendig.
Welche Rolle spielt die USA im Vergleich zur EU?
Die EU verfolgt laut der Arbeit einen regionalen und längerfristigen Ansatz, während die USA eher intergouvernemental und aus globaler Interessenlage agieren.
- Citation du texte
- Alkimos Sartoros (Auteur), 2007, Die Nahostpolitik der Europäischen Union, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136837