Das Erleben von Wagnis ist ein bedeutsamer Bestandteil des Sportunterrichts (vgl. Koch, 1994; Baumann, Hundeloh & Bockhorst, 1998; Neumann, 2002; HKM, 2003, S. 6) und durch die Pädagogische Perspektive Etwas wagen und verantworten in der neuen Sportlehrplangeneration auch programmatisch verankert. Der Wegfall von Wagniselementen und risikobehafteten Situationen im Alltag und die gleichzeitig vermehrte Konfrontation „mit Erlebnis- und Reizangeboten (…), die sehr verlockend erscheinen und meist unreflektiert ausprobiert werden” (HKM, 2003, S. 8) führt häufig zu neuen riskanten Betätigungsfeldern, die sich auch auf negative Weise auf den Alltag auswirken können (z. B. Drogenkonsum, S-Bahn surfen usw.) (vgl. von Cube, 2000). Aber auch das (unreflektierte) Aufsuchen von legalen Wagnissituationen kann eine Spirale in Gang setzen: „Geht man von einem linearen und nicht-umkehrbaren Wagnisprozess aus, dann folgt auf das Gelingen der Wunsch nach einem größeren Wagnis“ (Neumann, 2002, S. 30). Irgendwann überschreitet der Wagende auf der Suche nach dem „Kick“ die Grenze bei der die kompetenzbedingte Kontrolle nicht mehr vorhanden ist und der Ausgang des Wagnisses (auch) von Zufall oder Glück abhängt.
Das Erleben von Wagniselementen im Sportunterricht kann davor sicherlich nicht vollständig schützen, aber der Unterricht in der gymnasialen Oberstufe kann bzw. soll zumindest „die Ambivalenz von Risiko und verantwortbarem Wagnis aufarbeiten“ (HKM, 2003, S. 8). Allerdings können auch (pädagogisch reflektierte) Wagnissituationen im Sportunterricht ambivalent sein: Gelingt das Wagnis, bzw. wird die wagnisreiche Bewegungsherausforderung angenommen,
kann sich dies positiv auf das Selbstwirksamkeitskonzept auswirken, das Selbstbewusstsein, das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen stärken (Neumann, 2002, S. 28; vgl. auch HKM, 2003, S. 8). Bewegungsaktionen, die Angst überwinden, Unbekanntes ausprobieren und eigene Fähigkeiten erleben lassen, Bewegungen, bei denen das Vertrauen zu sich selbst und zu anderen die Grundlage des sportlichen Handelns bildet, können als pädagogisch wertvolle Erfahrungsbereiche angesehen werden (vgl. hierzu Schmidt-Sinns, S. 106).
Inhaltsverzeichnis
1 Didaktische Überlegungen
1.1 Sachanalyse: Wagen und Verantworten im Sportunterricht
1.2 Didaktische Überlegungen zur Einbindung der Stunde in die Unterrichtsreihe
1.3 Didaktische Überlegungen zur Unterrichtsstunde
2 Lernziele
3 Geplanter Stundenverlauf (tabellarisch)
4 Literatur
5 Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Unterrichtsstunde verfolgt das Ziel, Schülern durch gezielte Bewegungsaufgaben den bewussten Umgang mit Wagnissituationen im Sportunterricht zu vermitteln, wobei das Vertrauen in sich selbst und in die Mitschüler im Zentrum steht. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Auseinandersetzung mit der Ambivalenz von Risiko und verantwortbarem Wagnis.
- Pädagogische Bedeutung von Wagnis im Sportunterricht
- Förderung von Vertrauen und Verantwortung in der Lerngruppe
- Methodische Gestaltung von Wagnissituationen (Gassenlaufen, Stage-Diving, Wallflip)
- Auseinandersetzung mit der Problematik der Wagnisspirale
- Anwendung und Reflexion von turnerischen Bewegungskompetenzen
Auszug aus dem Buch
1.1 Sachanalyse: Wagen und Verantworten im Sportunterricht
Das Erleben von Wagnis ist ein bedeutsamer Bestandteil des Sportunterrichts (vgl. Koch, 1994; Baumann, Hundeloh & Bockhorst, 1998; Neumann, 2002; HKM, 2003, S. 6) und durch die Pädagogische Perspektive Etwas wagen und verantworten in der neuen Sportlehrplangeneration auch programmatisch verankert.
Der Wegfall von Wagniselementen und risikobehafteten Situationen im Alltag und die gleichzeitig vermehrte Konfrontation „mit Erlebnis- und Reizangeboten (…), die sehr verlockend erscheinen und meist unreflektiert ausprobiert werden” (HKM, 2003, S. 8) führt häufig zu neuen riskanten Betätigungsfeldern, die sich auch auf negative Weise auf den Alltag auswirken können (z. B. Drogenkonsum, S-Bahn surfen usw.) (vgl. von Cube, 2000). Aber auch das (unreflektierte) Aufsuchen von legalen Wagnissituationen kann eine Spirale in Gang setzen: „Geht man von einem linearen und nicht-umkehrbaren Wagnisprozess aus, dann folgt auf das Gelingen der Wunsch nach einem größeren Wagnis“ (Neumann, 2002, S. 30). Irgendwann überschreitet der Wagende auf der Suche nach dem „Kick“ die Grenze bei der die kompetenzbedingte Kontrolle nicht mehr vorhanden ist und der Ausgang des Wagnisses (auch) von Zufall oder Glück abhängt.
Das Erleben von Wagniselementen im Sportunterricht kann davor sicherlich nicht vollständig schützen, aber der Unterricht in der gymnasialen Oberstufe kann bzw. soll zumindest „die Ambivalenz von Risiko und verantwortbarem Wagnis aufarbeiten“ (HKM, 2003, S. 8).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Didaktische Überlegungen: Dieses Kapitel analysiert die pädagogische Bedeutung von Wagnis im Sport, ordnet die Stunde in die vorangegangene Parkour-Reihe ein und erläutert die didaktische Auswahl der spezifischen Übungen.
2 Lernziele: Hier werden die motorischen, kognitiven und sozial-affektiven Ziele definiert, die den Fokus auf das bewusste Eingehen von Wagnissen und die Stärkung von Vertrauen legen.
3 Geplanter Stundenverlauf (tabellarisch): Dieses Kapitel bietet eine chronologische Übersicht über die geplanten Unterrichtsphasen, Sozialformen und die eingesetzten Materialien.
4 Literatur: Dieses Kapitel listet alle verwendeten Quellen und Fachpublikationen auf, die zur theoretischen Fundierung der Unterrichtseinheit herangezogen wurden.
5 Anhang: Dieses Kapitel enthält die Beobachtungsbögen, die zur Dokumentation der Wagnisempfindungen und des Lernverhaltens der Schüler in der Praxis dienen.
Schlüsselwörter
Wagnis, Sportunterricht, Vertrauen, Verantwortung, Bewegungserfahrung, Risiko, Wagnisspirale, Gassenlaufen, Stage-Diving, Wallflip, Körpererfahrung, Bewegungsherausforderung, Schulsport, Oberstufe, Selbstwirksamkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit stellt einen didaktischen Entwurf für eine Sportunterrichtsstunde in der gymnasialen Oberstufe dar, die sich mit dem Thema Wagnis, Vertrauen und Verantwortung befasst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die pädagogische Reflexion von Wagnissituationen, die Förderung turnerischer Kompetenzen und der bewusste Umgang mit subjektivem Risiko im sportlichen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Stunde?
Das Ziel ist es, dass Schüler Bewegungen realisieren, die für sie persönlich ein Wagnis darstellen, und dabei lernen, sowohl sich selbst als auch ihren Mitschülern zu vertrauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Entwurf stützt sich auf sportpädagogische Fachliteratur und Lehrpläne des HKM, um das didaktische Vorgehen und die Auswahl der Bewegungsaufgaben theoretisch zu begründen.
Was wird im Hauptteil der Unterrichtsstunde behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Phasen: „Stage-Diving“ mit Variationen zur Förderung des Vertrauens und der „Wallflip“ als anspruchsvollere turnerische Bewegungsaufgabe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Wagnis, Vertrauen, Risiko, Sportunterricht, Körpererfahrung und Wagnisspirale.
Warum wurde der "Wallflip" als Übung gewählt?
Der Wallflip wurde gewählt, weil er eine attraktive, neue Bewegungsherausforderung darstellt, die motorisch variierbar ist und inhaltlich gut an die vorangegangene Parkour-Reihe anknüpft.
Was ist die Bedeutung des Begriffs "Wagnisspirale" in diesem Entwurf?
Die Wagnisspirale beschreibt das Risiko, dass durch zunehmende Erfolgssicherheit immer extremere Situationen gesucht werden müssen, um den "Kick" beizubehalten, wofür die Schüler sensibilisiert werden sollen.
Welche Rolle spielt die Hilfestellung?
Die Hilfestellung ist zentral für das Vertrauen in Andere und zur Sicherheit bei turnerischen Übungen; zudem dient sie als Mittel zur Individualisierung des Anforderungsniveaus.
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- Dr. Florian Krick (Author), 2007, Unterrichtsstunde: Vertrauen und sich trauen - Wagen und verantworten im Sportunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136910