Im Rahmen dieser Arbeit werden zunächst auf Begriffsbestimmungen erklärt, die das Konstrukt Jugendsprache im definitorischen und im funktionalen Sinne erklären. Darüber hinaus wird der Unterschied zwischen Dialekten, Soziolekten und Ethnolekten herausgearbeitet, damit dem Lesenden klar wird, auf welcher Ebene der Sprache sich das Kiezdeutsch befindet. Im Anschluss daran wird dargestellt, wie sich die sprachlichen Besonderheiten des Kiezdeutsch von der Standardsprache unterscheiden und welchen vermeintlichen Ursprung sie in der türkischen Grammatik haben.
Zum Schluss dieser Arbeit wird eine persönliche Einschätzung abgeben, indem Heike Wiese hinsichtlich ihrer Thesen kritisch hinterfragt wird und zum anderen eine eigene persönliche Einschätzung gewagt wird, die den Ursprung des Kiezdeutschs erklärt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Jugendsprache
2.1 Begriffsbestimmung „Jugendsprache“ und ihre Merkmale
2.1.1 Jugendsprache als Varietät
2.1.2 Jugendsprache als Stil
2.1.3 Fazit und Einordnung von Jugendsprache
2.2 Funktion von Jugendsprache
2.3 Jugendsprache als Abgrenzung von Dialekten und Soziolekten
2.4 Jugendsprache vor dem Hintergrund des Ethnolekts
3. Ethnolekte in der deutschen Sprache am Beispiel Kiezdeutsch
3.1 Ethnolekt Kiezdeutsch als sprachliche Varietät des Deutschen
3.2 Grammatische und syntaktische Besonderheiten im Kiezdeutsch
3.2.1 Verkürzungen
3.2.2 Einführung neuer Wörter aus dem Arabischen und Türkischen
3.2.3 Innovative Wortstellungsoptionen
3.2.4 Der Fokusmarkers so
3.3 Kiezdeutsch vor dem Hintergrund der (mangelnden) Migration
3.4 Fazit von Kapitel 3
4. Ethnolekte anderer Länder
5. Ausblick und Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss von Ethnolekten auf die deutsche Jugendsprache, wobei Kiezdeutsch als zentrales Fallbeispiel dient. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern Kiezdeutsch als eigenständige sprachliche Varietät zu verstehen ist, welche grammatikalischen Phänomene sie prägen und welche Rolle soziale Faktoren sowie Migration bei ihrer Entstehung spielen.
- Begriffsdefinition und wissenschaftliche Einordnung von Jugendsprache
- Analyse grammatischer und syntaktischer Besonderheiten im Kiezdeutsch
- Untersuchung der Rolle von Mehrsprachigkeit und Migrationshintergrund
- Vergleichende Betrachtung von Ethnolekten in anderen europäischen Ländern
- Kritische Reflexion der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Identitätsbildung durch Sprache
Auszug aus dem Buch
3.2 Grammatische und syntaktische Besonderheiten im Kiezdeutsch
Wenn man Jugendliche Kiezdeutsch sprechen hört, denkt man oft darüber nach, dass Jugendliche zahlreichen grammatischen und syntaktischen Regeln nicht Folge leisten. Im zweiten Gedankengang erwischt man sich selbst schnell dabei, wie man diese sprachliche Varietät als Gossendeutsch, Kanak-Sprak oder Gastarbeiterdeutsch bezeichnet. All diese Bezeichnungen gehen darauf zurück, dass die gesprochene Jugendsprache eine Folge der Migration sei, die wiederrum auf die fehlende sprachliche Bildung in der deutschen Sprache hindeutet. Wie aber in diesem Kapitel gezeigt wird, ist ein solcher Zusammenhang nicht immer gegeben. Zwar ist ein Einfluss von Ethnolekten auf das Kiezdeutsch zu erkennen, dennoch ist der Grund dafür nicht immer die Übertragung der Grammatik aus der Heimatsprache auf das Deutsche, sondern es sind viel eher umgangssprachliche Konstrukte der deutschen Gegenwartssprache, die wahrscheinlich von Migranten imitiert werden. Also: „Kiezdeutsch verallgemeinert und baut hier also etwas weiter aus, das es im Deutschen schon gibt, das aber dort stärker beschränkt ist“ (Wiese 2012, S. 57).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema Sprachwandel und Jugendsprache ein und definiert Kiezdeutsch als Untersuchungsgegenstand.
2. Definition Jugendsprache: Hier werden theoretische Konzepte zur Einordnung von Jugendsprache als Varietät oder Stil sowie deren soziolinguistische Grundlagen diskutiert.
3. Ethnolekte in der deutschen Sprache am Beispiel Kiezdeutsch: Dieses Kapitel analysiert spezifische Sprachstrukturen, syntaktische Besonderheiten und den Kontext der Entstehung des Kiezdeutsch.
4. Ethnolekte anderer Länder: Ein Vergleich zeigt auf, dass Kiezdeutsch kein regionales Unikum ist, sondern ähnliche Pendants in anderen europäischen Sprachen existieren.
5. Ausblick und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die Rolle der Identitätsbildung für die Entwicklung neuer Sprachstile hervor.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Kiezdeutsch, Jugendsprache, Ethnolekt, Sprachwandel, Soziolinguistik, Migration, Sprachvarietät, Mehrsprachigkeit, Identitätsbildung, Grammatik, Syntax, Sprachstil, Dialekt, Integration, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Kiezdeutsch als eine Form der Jugendsprache und reflektiert deren Status als sprachliche Varietät innerhalb des Deutschen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der wissenschaftlichen Definition von Jugendsprache, der Analyse spezifischer Sprachmuster im Kiezdeutsch sowie der Einbettung in den sozialen und migrationsgeschichtlichen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Vorurteile gegenüber dem Kiezdeutsch abzubauen und aufzuzeigen, dass es sich um systematische sprachliche Entwicklungen handelt, die teils Parallelen in der Umgangssprache aufweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung linguistischer Modelle, insbesondere des topologischen Felder-Modells, zur Erläuterung grammatischer Strukturen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung und eine detaillierte Analyse der grammatischen Besonderheiten, wie Verkürzungen, neue Wortwahl und Wortstellungsoptionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Kiezdeutsch, Ethnolekt, Mehrsprachigkeit, Identitätsbildung und Sprachwandel.
Welche Rolle spielt das topologische Felder-Modell im Kiezdeutsch?
Es wird genutzt, um aufzuzeigen, dass Kiezdeutsch flexiblere Wortstellungsoptionen als der Standard bietet, die dennoch auf den Grundmustern der deutschen Sprache basieren.
Wie unterscheidet sich die Funktion der Partikel "so" im Kiezdeutsch von der Standardsprache?
Während "so" im Standard verschiedene Funktionen wie Vergleich oder Bekräftigung einnimmt, fungiert es im Kiezdeutsch primär als Fokusmarker.
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- Carl-Anton Egler (Autor), 2020, Der Einfluss von Ethnolekten auf die deutsche Jugendsprache am Beispiel Kiezdeutsch, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1369112