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FC St. Pauli zur Zeit der NS-Diktatur

Eine Kritische Auseinandersetzung mit den Personalien Wilhelm Koch und Otto Wolff

Titre: FC St. Pauli zur Zeit der NS-Diktatur

Dossier / Travail , 2009 , 18 Pages , Note: 1

Autor:in: Daniel Bohé (Auteur)

Sport - Histoire du sport
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Der FC St. Pauli fällt in der Geschichte des deutschen Fußballs weniger durch sportliche Erfolge auf denn durch mehrere finanzielle „Beinahe-Pleiten“ , seine aktive, politische Fangemeinde und damit verbunden durch seine Sonderstellung auf der bundesweiten Fußballbühne.
Sportlich hat der Verein keine großen Erfoge vorzuweisen, die Sonderstellung jedoch, die der Verein unter Fußballinteressierten genießt, ist unbestritten.
Zu diesem Ruf tragen einerseits Selbstinszenierungen seitens des Vereins bei, wie die Stadionaufschrift „1966: Das Tor von Wembley. 2001: Der Aufstieg von St. Pauli!“ oder der weltweite Aufruf, Retter-T-Shirts zu kaufen zur Verhinderung des Zwangsabstiegs, zeigen; den eigentlichen Mythos jedoch erschufen die Fans: die Fanszene des FC St. Pauli gilt als feurig, untypisch, jung, heterogen und vor allem politisch. So machten linksorientierte Fans des FC St. Pauli, die ab Mitte der 80er Jahre die Fanszene des FC St. Pauli prägten, mit politischen Bekenntnissen auf den Verein aufmerksam und verhalfen ihm damit zu weltweiten Sympathien bei alternativ Denkenden und Linksorientierten.
Das Selbstbild des Vereins als toleranter, antirassistischer und antisexistischer Fußballclub wurde jedoch 1997 erschüttert, als René Martens in seinem Buch „You’ll never walk alone“ darauf hinwies, dass Wilhelm Koch, Vereinspräsident in den Jahren 1933-1945 und 1947-1969 und seit 1970 Namensgeber für das Stadion am Millerntor, Mitglied der NSDAP war. Zudem verwies der Autor darauf, dass Wilhelm Kochs Firma „Koch & Scharff“, die er bis zu seinem Tod 1969 führte, bis 1933 im Besitz zweier jüdische Staatsbürger war. In Folge dessen gab der Verein auf Beschluss der Mitgliederversammlung beim renommierten Historiker Frank Bajohr ein Gutachten in Auftrag, um die Umstände seines NSDAP-Beitritts, die Geschäftsübernahme von den jüdischen Vorbesitzern und die geschäftliche Aktivität Kochs während der NS-Zeit zu untersuchen.
Die nun vorliegende Arbeit soll Aufschluss geben über den FC St. Pauli zur Zeit des Nationalsozialismus, besonderes Augenmerk richtet sich dabei auf die Person Wilhelm Koch, insbesondere seine Mitgliedschaft in der NSDAP und die Geschäftsübernahme der Firma Scharff & Koch. Des Weiteren steht eine Personalie des FC St. Pauli im Fokus, die während der Zeit des Nationalsozialismus durch zahlreiche Schreibtischverbrechen besonders auffällt: Otto Wolff, Ligaspieler beim FC St. Pauli in den 20er und 30er Jahren auf der markanten Position des Rechtsaußen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gesellschaftsstruktur des FC St. Pauli zur NS-Zeit

3 Otto Wolff

3.1 Otto Wolffs führende Rolle in der Hamburger Kriegswirtschaft

3.2 Otto Wolff in der Nachkriegszeit

4 Wilhelm Koch

4.1 Gutachten über Wilhelm Kochs Nazi-Vergangenheit

4.1.1 Die Übernahme des Handelsunternehmens Aarensberg und Sekkel

4.1.2 Wilhelm Kochs Eintritt in die NSDAP

4.2 Wilhelm Koch in der Nachkriegszeit und Auswirkungen seiner NS-Vergangenheit auf die Vereinspolitik in den 90er Jahren

5 Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht kritisch die Rolle des FC St. Pauli während der Zeit des Nationalsozialismus, wobei der Fokus auf der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit zweier zentraler Persönlichkeiten, Wilhelm Koch und Otto Wolff, sowie der gesellschaftlichen Struktur des Vereins in dieser Ära liegt.

  • Gesellschaftliche und ideologische Struktur des FC St. Pauli in der NS-Zeit
  • Biografische Analyse von Otto Wolff als Funktionär im NS-Regime
  • Untersuchung der Rolle von Wilhelm Koch hinsichtlich NSDAP-Beitritt und Geschäftsübernahmen
  • Kritische Aufarbeitung des Umgangs des Vereins mit seiner eigenen NS-Vergangenheit
  • Konflikte und Debatten innerhalb des Vereins in den 1990er Jahren

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Die Übernahme des Handelsunternehmens Aarensberg und Sekkel

Die Firma Aarensberg und Sekkel, die Häute und Felle im- und exportierte, wurde 1922 von den jüdischen Kaufleuten Emil Aarensberg und Jacques Sekkel gegründet, dem damals 22-jährigen kaufmännischen Angestellten Wilhelm Koch wurde zusammen mit Hugo Scharff Prokura erteilt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und dem darauffolgenden Aprilboykott und Verabschiedung erster antijüdischer Gesetze emigrierten die beiden jüdischen Besitzer im August 1933 nach Stockholm. Am 27. September 1933 hatten sie durch Beschluss der Gesellschafterversammlung Koch und Scharff zu alleinigen Geschäftsführern bestellt; diese übernahmen am 24. April 1934 die Gesellschafteranteile zum Nominalwert von je 10000 Goldmark und sicherten den jüdischen Vorbesitzern einen jährlichen Gewinnanteil von je 7,5% zu. Dass sich Koch und Scharff bei der Übernahme jedoch bereichert, die jüdischen Vorbesitzer geschädigt oder moralisch fragwürdig gehandelt hätten, nehmen die Gutachter nicht an; vielmehr gehen sie von einem freundschaftlichen Einvernehmen zwischen den jüdischen Alteigentümern und ihren Prokuristen bzw. Nachfolgern aus. Anhand fünf Aspekten legen sie dar, wie sie zu dieser Einschätzung gelangten:

1) Aarensberg und Sekkel haben nach 1945 keine Wiedergutmachungsanträge gestellt. Beide hatten die nationalsozialistische Herrschaft überlebt und waren sich ihrer rechtlichen Möglichkeiten voll bewusst, wie individuelle Wiedergutmachungsanträge der Ehefrau und Tochter Sekkels beweisen, welche sich nicht auf den Firmenverkauf bezogen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert die besondere Identität des FC St. Pauli und thematisiert den Anstoß zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des Vereins in den späten 1990er Jahren.

2 Gesellschaftsstruktur des FC St. Pauli zur NS-Zeit: Das Kapitel analysiert die bürgerlich-konservative Prägung des Vereins und zeigt die ideologische Kontinuität sowie die heterogene Zusammensetzung der Mitgliedschaft auf.

3 Otto Wolff: Es wird die NS-Karriere von Otto Wolff als hochrangiger Funktionär und seine spätere Integration in den Verein in der Nachkriegszeit beleuchtet.

3.1 Otto Wolffs führende Rolle in der Hamburger Kriegswirtschaft: Dieser Abschnitt legt die Machtpositionen Wolffs in Wirtschaft, Partei und SS dar, insbesondere seine Beteiligung an der Zwangsarbeit und Arisierungen.

3.2 Otto Wolff in der Nachkriegszeit: Hier wird thematisiert, wie der Verein auch nach 1945 an Wolff festhielt und keine Distanzierung zu dessen NS-Verbrechen erfolgte.

4 Wilhelm Koch: Das Kapitel untersucht die Rolle des langjährigen Vereinspräsidenten und die Beweggründe für seine NSDAP-Mitgliedschaft.

4.1 Gutachten über Wilhelm Kochs Nazi-Vergangenheit: Einleitend wird der Anlass und der Auftrag für das historische Gutachten durch den Verein beschrieben.

4.1.1 Die Übernahme des Handelsunternehmens Aarensberg und Sekkel: Dieser Unterpunkt analysiert die Umstände der Firmenübernahme durch Koch und kommt zu dem Schluss, dass diese einvernehmlich erfolgte.

4.1.2 Wilhelm Kochs Eintritt in die NSDAP: Es werden die Motive für Kochs Parteieintritt untersucht, wobei die Position als "Vereinsführer" als wahrscheinlichster Grund identifiziert wird.

4.2 Wilhelm Koch in der Nachkriegszeit und Auswirkungen seiner NS-Vergangenheit auf die Vereinspolitik in den 90er Jahren: Das Kapitel behandelt die Entnazifizierung Kochs und die späteren erbitterten Debatten über die Umbenennung des nach ihm benannten Stadions.

5 Schlussbetrachtungen: Die Schlussbetrachtungen ziehen Bilanz über den schleppenden Aufarbeitungsprozess des Vereins und betonen die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung.

Schlüsselwörter

FC St. Pauli, Nationalsozialismus, Wilhelm Koch, Otto Wolff, Arisierung, NSDAP, Erinnerungskultur, Aufarbeitung, Vereinsgeschichte, Stadion am Millerntor, Hamburger Kriegswirtschaft, Vereinsführer, NS-Vergangenheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des FC St. Pauli, insbesondere im Hinblick auf den langjährigen Präsidenten Wilhelm Koch und das Vereinsmitglied Otto Wolff.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Zu den Schwerpunkten gehören die gesellschaftliche Struktur des Vereins während der NS-Zeit, die Karrieren von Koch und Wolff im Nationalsozialismus sowie die Debatten über die Erinnerungskultur im Verein in den 1990er Jahren.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, auf Basis historischer Gutachten die tatsächliche Rolle dieser Personen und den Umgang des FC St. Pauli mit diesem belasteten Erbe wissenschaftlich zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert primär auf einer Literatur- und Quellenanalyse, insbesondere unter Heranziehung historischer Gutachten von Frank Bajohr sowie zeitgenössischer Dokumente und Festschriften.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Rolle von Otto Wolff in der Hamburger Kriegswirtschaft und eine detaillierte Untersuchung der Personalie Wilhelm Koch, inklusive seiner Firmenübernahme und NSDAP-Mitgliedschaft.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind NS-Aufarbeitung, Arisierung, Vereinsführer, Kontinuität und politische Identität.

Wie wurde die Firmenübernahme durch Wilhelm Koch bewertet?

Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass es sich um eine einvernehmliche Übernahme handelte, bei der Koch die jüdischen Vorbesitzer nicht durch den Verkauf geschädigt hat.

Warum kam es in den 1990er Jahren zu einer Debatte über Wilhelm Koch?

Die Debatte wurde durch die Erkenntnis über Kochs NSDAP-Mitgliedschaft ausgelöst, woraufhin Fans den Antrag stellten, das Stadion umzubenennen, um sich klar von der NS-Vergangenheit zu distanzieren.

Welche Rolle spielte Otto Wolff beim FC St. Pauli nach dem Krieg?

Trotz seiner schwerwiegenden NS-Vergangenheit blieb Otto Wolff im Verein integriert, erhielt weiterhin Ehrungen und wurde sogar noch 1992 in der Vereinszeitung gewürdigt.

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Résumé des informations

Titre
FC St. Pauli zur Zeit der NS-Diktatur
Sous-titre
Eine Kritische Auseinandersetzung mit den Personalien Wilhelm Koch und Otto Wolff
Université
University of Freiburg  (Institut für Sport und Sportwissenschaften)
Cours
Hauptseminar Sportgeschichte und -soziologie Thema: „Kontroversen zum Fußball im Nationalsozialismus"
Note
1
Auteur
Daniel Bohé (Auteur)
Année de publication
2009
Pages
18
N° de catalogue
V136951
ISBN (ebook)
9783640455041
ISBN (Livre)
9783640454815
Langue
allemand
mots-clé
Pauli Zeit NS-Diktatur Eine Kritische Auseinandersetzung Personalien Wilhelm Koch Otto Wolff
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Daniel Bohé (Auteur), 2009, FC St. Pauli zur Zeit der NS-Diktatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136951
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Extrait de  18  pages
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