Die fortschreitende Globalisierung und die immer stärkeren Verflechtungen mit dem internationalen Markt beschränken sich nicht mehr ausschließlich auf Großkonzerne, sondern betreffen immer häufiger auch die kleinen und mittleren Unternehmen. Mit dem BilMoG soll das aktuelle HGB zu einer Rechnungslegungskonzeption transformiert werden, die den internationalen Ansprüchen gewachsen ist und deren Umsetzung auch für kleinere Unternehmen tragbar ist. Der Anwendungszeitpunkt wird Geschäftsjahre betreffen, die nach dem 31.12.2008 beginnen. Unter Berücksichtigung des Referentenentwurfes, des Regierungsentwurfes und des aktuellsten Gesetzesentwurfes sollen die geplanten Änderungen im Rahmen der latenten Steuern vorgestellt und analysiert werden.
Zunächst werden die beiden wesentlichen Zielsetzungen des BilMoG (Annäherung der handelsbilanziellen Bilanzierungsvorschriften an die International Financial Reporting Standards [IFRS] und die Verbesserung der Aussagekraft des handelsbilanziellen Jahresabschlusses) dargestellt. Der Begriff der latenten Steuer sowie die Neuregelung ihres bilanziellen Ansatzes, der Bewertung und des Ansatzes sollen in Kapitel 3 erläutert werden. Anschließend folgt eine Analyse der Auswirkungen, die sich aus dem Gesetzesentwurf auf die vorgestellten Zielsetzungen ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung
2. Zielsetzungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes
2.1 Verbesserte Aussagekraft des handelsbilanziellen Jahresabschlusses
2.2 Konzeptionelle Annäherung an die International Financial Reporting Standards (IFRS)
3. Bilanzierung von latenten Steuern nach dem BilMoG
3.1 Entstehung, Konzept und Zweck von latenten Steuern
3.2 Bilanzieller Ansatz von latenten Steuern
3.3 Bewertung von latenten Steuern nach dem BilMoG
3.4 Ausweis von latenten Steuern unter BilMoG
4. Analyse der Auswirkungen des BilMoG auf dessen Zielsetzungen
4.1 Auswirkung der Bilanzierung latenter Steuern nach dem BilMoG auf die Aussagekraft des Jahresabschlusses
4.2 Auswirkung auf die konzeptionelle Annäherung an IFRS
4.3 Kritische Würdigung der Neuerungen zur Bilanzierung latenter Steuern durch das BilMoG
5. Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelor-Hausarbeit untersucht die Neuregelungen der Bilanzierung von latenten Steuern durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG). Das Ziel der Arbeit ist es, zu analysieren, inwiefern die Reform die Aussagekraft des handelsrechtlichen Jahresabschlusses verbessert und eine konzeptionelle Annäherung an die internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) erreicht, wobei gleichzeitig die Belastungen für Unternehmen, insbesondere KMU, kritisch hinterfragt werden.
- Bilanzierung latenter Steuern nach dem BilMoG
- Umstellung vom Timing-Konzept auf das Temporary-Konzept
- Auswirkung auf den Jahresabschluss und dessen Aussagekraft
- Harmonisierung mit internationalen Rechnungslegungsstandards
- Kritische Analyse des Verwaltungs- und Bilanzierungsaufwands
Auszug aus dem Buch
3.1 Entstehung, Konzept und Zweck von latenten Steuern
Weichen handelsbilanzieller Gewinn und Steuerbilanzgewinn voneinander ab und kehren sich diese Differenzen in späteren Geschäftsjahren voraussichtlich um, so ist dies die Ursache der Entstehung von latenten Steuern. Diskrepanzen zwischen handelsrechtlichem und steuerlichem Ergebnis sind auf die abweichende Zielsetzung von Handels- und Steuerbilanz zurückzuführen. Die entstehenden Abweichungen kehren sich in den meisten Fällen zu einem späteren Zeitpunkt wieder um.
Der tatsächliche, effektive Ertragssteueraufwand, der aus dem steuerlichen Jahresergebnis resultiert, wird in die handelsrechtliche Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) als Aufwand übernommen. Die ausgewiesene Steuerlast kann demzufolge bei abweichendem Periodenerfolg keinen nachvollziehbaren Zusammenhang zum handelsrechtlichen Ergebnis haben, da sie sich nicht als Produkt des handelsbilanziellen Vor-Steuer-Ergebnisses und Steuersatz erklären lässt. Hautaufgabe der latenten Steuern ist es, die Vereinbarkeit der beiden Rechenwerke herzustellen sowie die tatsächliche Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, also auch bestehende Steueransprüche und Verbindlichkeiten des bilanzierenden Unternehmens im handelsrechtlichen Jahresabschluss darzustellen.
Im Rahmen des BilMoG erfolgt eine Umstellung der Ermittlungsmethode von latenten Steuern. Das bisher angewandte GuV-orientierte Timing-Konzept, welches zur Abgrenzung latenter Steuern die Jahresergebnisse nach Handels- und Steuerrecht miteinander vergleicht, wird durch das bilanzorientierte Temporary-Konzept ersetzt. Für das künftig anzuwendende Temporary-Konzept sind Ergebnisabweichungen unerheblich. Maßgeblich sind einzig und allein Bilanzdifferenzen, die sich aus unterschiedlicher Bewertung von Vermögenswerten und Schulden ergeben. Die daraus resultierende Steuerdifferenz kann entweder positiv oder negativ sein und führt je nachdem zu einem Aktiv- oder Passivposten in der Handelsbilanz. Sie dient dem genauen Ausweis des Nettovermögens unter Berücksichtigung potenzieller Steuerlasten und -erstattungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Bilanzrechtsmodernisierung ein und erläutert den Aufbau der Arbeit sowie die Zielsetzung, die geplanten Änderungen bei den latenten Steuern zu analysieren.
2. Zielsetzungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes: Hier werden die Hauptziele des BilMoG beleuchtet, insbesondere die Verbesserung der Aussagekraft des Jahresabschlusses und die konzeptionelle Annäherung an die internationalen IFRS.
3. Bilanzierung von latenten Steuern nach dem BilMoG: In diesem Kapitel werden das Konzept der latenten Steuern, der neue bilanzielle Ansatz, die Bewertungsmethoden sowie der Ausweis unter den neuen Regelungen des BilMoG detailliert beschrieben.
4. Analyse der Auswirkungen des BilMoG auf dessen Zielsetzungen: Das Kapitel untersucht kritisch, ob das BilMoG die angestrebten Ziele erreicht und welche Auswirkungen sich für die Unternehmen sowie den Jahresabschluss in der Praxis ergeben.
5. Thesenförmige Zusammenfassung: Abschließend werden die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit in prägnanten Thesen zusammengefasst.
Schlüsselwörter
Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, BilMoG, latente Steuern, Temporary-Konzept, Handelsgesetzbuch, HGB, IFRS, Jahresabschluss, Steuerlatenzen, aktive latente Steuern, passive latente Steuern, Steuerbilanz, Vermögenslage, Bilanzierungspflicht, Aussagekraft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die grundlegenden Änderungen bei der Bilanzierung latenter Steuern, die durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) in das Handelsgesetzbuch eingeführt wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der Übergang vom Timing-Konzept zum Temporary-Konzept, die neuen Ansatz- und Bewertungsvorschriften für latente Steuern sowie der Ausweis dieser Posten in Bilanz und GuV.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu prüfen, ob das BilMoG die Aussagekraft des handelsrechtlichen Jahresabschlusses verbessert und ob es als kostengünstige Alternative zu den internationalen IFRS-Regelungen dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse der Gesetzesentwürfe (RefE, RegE) und relevanter Fachliteratur, um die Auswirkungen der Bilanzrechtsreform auf die Unternehmenspraxis zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der latenten Steuern unter BilMoG sowie eine kritische Analyse der Auswirkungen dieser Reform auf die Zielsetzungen des Gesetzgebers.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere das BilMoG, das Temporary-Konzept, die Bilanzierungspflicht, aktive und passive latente Steuern sowie die Harmonisierung von nationalen und internationalen Rechnungslegungsstandards.
Welche Herausforderung stellt das BilMoG für mittelständische Unternehmen dar?
Die Arbeit identifiziert einen hohen Verwaltungs- und Dokumentationsaufwand bei der Ermittlung und Nachverfolgung latenter Steuern, der insbesondere für KMU eine erhebliche Belastung darstellt.
Warum wird die Orientierung des BilMoG an IFRS in der Arbeit kritisch gesehen?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die angestrebte Vereinfachung gegenüber IFRS nicht in allen Punkten erreicht wird, da komplexe Bewertungsvorschriften und ein hoher Bilanzierungsaufwand den Nutzen teilweise infrage stellen.
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- Madlen Debus (Author), 2008, Die Bilanzierung von latenten Steuern nach dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136955