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Transnationalisierung sozialer Kämpfe

Transformation von Staatlichkeit und ihre Auswirkungen auf das Ideal vom Menschenrechtsuniversalismus

Title: Transnationalisierung sozialer Kämpfe

Term Paper , 2009 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Dipl. Verwaltungswirt (FH) Hendrik Thurnes (Author)

Politics - Topic: Public International Law and Human Rights
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Der Staat ist auf der einen Seite Quelle der Menschenrechte, erhält aber gleichzeitig durch sie seine Legitimation.
Spätestens seit den 1970er Jahren findet jedoch, ausgehend von der Ökonomie, ein tiefgreifender Wandel sozialer Beziehungen statt, der die Begrenztheit von Nationalstaaten aufbricht, zu einer Inter- und Transnationalisierung von Interaktion führt und gemeinhin als Globalisierung bezeichnet wird. Dies führt nicht nur zu einer Verbindung loser sozialer Räume zu dem, was vielfach als Weltgesellschaft bezeichnet wird, sondern darüber hinaus auch zu einer zwangsläufigen Neubewertung politikwissenschaftlicher Grundbegriffe wie Staatlichkeit und Souveränität. Das Entstehen eines Weltstaates nach Vorbild des modernen Nationalstaates, der die wesentlichen Staatsfunktionen demokratisch legitimer Rechtssetzung und –durchsetzung bündelt, ist jedoch nicht absehbar, daher ist davon auszugehen, dass die stärker werdenden globalen Veränderungsprozesse die politische Souveränität von Staatlichkeit insgesamt anfechten. Hieraus ergibt sich die Frage dieser Arbeit, wie sich Politik und Recht im globalen Raum gestalten lassen und welche Rolle der Staat dabei spielt. Die Kontrolle globaler Veränderungsprozesse setzt dabei ein tiefer gehendes Verständnis derselben voraus. Staat und internationales System stehen dabei in reziprokem Verhältnis zueinander, beide sind jedoch in soziale Entwicklungen eingebettet. Methodisch kann die Fixierung auf den Staat zum Verständnis globaler Prozesse daher nicht ausreichen und bedarf im Gegenteil einem Loslösen von der Vorstellung, dass Politik nicht ohne Staat denkbar sei. Hieraus ergibt sich als Analyseebene ganz grundlegend das Feld sozialer Konstituierung des Politischen, von der Staatlichkeit nur einen Teilbereich darstellt. Zentral wird daher die Frage nach Macht und Herrschaft sein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. STAATLICHKEIT IN DER MODERNE

2.1 GENESE DES MODERNEN STAATES

2.1.1 FREIHEIT UND DISZIPLIN

2.1.2 MODERNISIERUNGSOFFENSIVEN

2.1.3 INSTITUTIONALISIERUNG VON MACHT

2.2 ENTWICKLUNG UND AUSBREITUNG DER MODERNEN STAATSIDEE

3. DYNAMIKEN VON STAATLICHKEIT

3.1 GESELLSCHAFTLICHE DYNAMIKEN

3.2 THEORIEANSÄTZE

3.3 AUSWIRKUNGEN AUF STAATLICHKEIT

4. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Transnationalisierung sozialer Kämpfe auf das Ideal des Menschenrechtsuniversalismus und die Rolle des Staates im Kontext globaler Veränderungsprozesse. Ziel ist es, die Transformation moderner Staatlichkeit zu verstehen, wenn das Soziale zunehmend die nationalstaatlichen Grenzen überschreitet.

  • Genese des modernen Staates und seine theoretischen Grundlagen
  • Dynamiken der Globalisierung und deren Einfluss auf Machtverhältnisse
  • Theoretische Ansätze (Weltsystemtheorie, World Polity, Systemtheorie) zur Erklärung des Wandels
  • Auswirkungen der Transnationalisierung auf die vier Dimensionen staatlicher Funktionen (Ressourcen, Recht, Legitimität, Wohlfahrt)

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Freiheit und Disziplin

Der geistesgeschichtliche Grundstein der Moderne findet sich im Aufklärungsdiskurs des 17. und 18. Jahrhunderts wieder, der die sozialen Beziehungen zwischen Menschen aufwertet, indem er sie von den negativen Externalitäten ihrer bis dahin verwerflichen Leidenschaften befreit. Galt das Verfolgen der menschlichen Leidenschaften bis dahin als lasterhaft und moralisch verwerflich, so beschreiben Hirschmann (1980) und Rommel (2006) eindrucksvoll wie sich in den Staatstheorien von Hobbes, über Locke und Mandeville, bis hin zu Smith eine quasi-lineare Umdeutung ungezügelter egoistischer Nutzenmaximierung vollzieht, die im radikalsten Fall bei Smith ursächlich für allgemeinen Wohlstand ist und allein durch den freien Markt reguliert werden kann. Hieraus ergibt sich nicht nur eine vollständige Säkularisierung und Lossagung von moralischen Prinzipien, sondern darüber hinaus lässt sich in diesem Diskurs die Grundlage liberalen Staatsverständnisses finden, denn ein eingreifender Staat bedeutete die Verringerung des Allgemeinwohls.

Wagner nennt diese geistesgeschichtliche Entwicklung Befreiungsdiskurs, der aus der Auffassung von einer vorpositiven und unveräußerlichen Freiheit resultiert, sich in der Forderung nach wissenschaftlicher Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und freier wirtschaftlicher Betätigung ohne staatliche Eingriffe äußert und zur Entwicklung heterogener Lebensstile führt (Wagner 1995: 26/28). Freiheit versteht Wagner hierbei als Abwurf extrinsischer Handlungsmotive, also der Lossagung von Religion und Moral (Wagner 1995: 30). Auf Basis des Universalismus der Vernunft, sowie der Idee der Autonomie jedes Individuums entsteht das Projekt der liberalen modernen Gesellschaft, welche die eigenberechtigten Feudalherren enteignet und stattdessen im Rechtsstaat alle sachlichen Betriebsmittel vereinigt und so einen Raum der Freiheit erschafft (Wagner 1995: 71-73 und Weber 2003: 338). Jedoch reduziert Wagner die entstehende Moderne nicht auf den Befreiungsdiskurs, sondern konstatiert, dass eine Befreiung von Handeln immer auch eine Einschränkung mit sich führt, denn der Befreiungsdiskurs kann zeitlich, räumlich und sozial ungleich verlaufen, wodurch eine nur partielle Ermöglichung von Handeln erzielt wird. Chancen werden ungleich verteilt und führen für die benachteiligten Individuen zu Einschränkungen (Wagner 1995: 40). Daher fügt Wagner neben den Befreiungsdiskurs einen parallel dazu und gleichzeitig verlaufenden Disziplinierungsdiskurs hinzu, der im Staat ein Instrument zur Beschränkung von Praktiken und zur Disziplinierung der Individuen versteht. Freiheit und Disziplin sind untrennbar verbunden und bilden die entscheidenden Charakteristika der Moderne (Wagner 1995: 29/30).

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Genese der Menschenrechte ein und skizziert die Problematik des modernen Nationalstaates im Kontext der Globalisierung und der damit einhergehenden Herausforderungen für Souveränität und Staatlichkeit.

2. STAATLICHKEIT IN DER MODERNE: Dieses Kapitel analysiert die geschichtlichen und theoretischen Grundlagen des modernen Staates, insbesondere durch die Verschränkung von Befreiungs- und Disziplinierungsdiskursen sowie der Institutionalisierung von Macht.

3. DYNAMIKEN VON STAATLICHKEIT: Hier werden die durch Globalisierung getriebenen gesellschaftlichen Veränderungen sowie verschiedene theoretische Erklärungsmodelle auf ihre empirischen Auswirkungen in vier zentralen Staatsdimensionen untersucht.

4. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass moderne Staatlichkeit durch Globalisierung unter Druck gerät, wobei das Gewaltmonopol zwar transformiert, aber weiterhin in nationalstaatlichen Strukturen verankert bleibt.

Schlüsselwörter

Staatlichkeit, Moderne, Globalisierung, Menschenrechte, Herrschaft, Macht, Disziplinierungsdiskurs, Befreiungsdiskurs, Souveränität, Weltgesellschaft, Transnationalisierung, Gewaltmonopol, Institutionen, Habitus, Rechtsregimes

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Transformation der modernen Staatlichkeit unter dem Einfluss globaler Veränderungsprozesse und die Frage, wie Politik und Recht in einem globalisierten Raum gestaltet werden können.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Genese des modernen Staates, die Dynamiken der Globalisierung, die Rolle von Macht und Herrschaft sowie die Herausforderungen an die nationalstaatliche Souveränität.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, wie sich Politik und Recht im globalen Raum gestalten lassen und welche Rolle der Staat dabei spielt, insbesondere im Hinblick auf den Wandel seiner traditionellen Funktionen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse globaler Vergesellschaftungsprozesse, unter Einbeziehung der Herrschaftssoziologie von Max Weber sowie systemtheoretischer und soziologischer Konzepte.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert zunächst die geschichtlichen Grundlagen von Staatlichkeit und Macht, gefolgt von der Diskussion verschiedener Theorieansätze (Weltsystemtheorie, World Polity, Systemtheorie) und einer Untersuchung der Auswirkungen auf staatliche Funktionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Staatlichkeit, Globalisierung, Befreiungs- und Disziplinierungsdiskurs sowie die Transformation von Herrschaft und Macht.

Welche Bedeutung hat der Befreiungsdiskurs nach Wagner für den modernen Staat?

Der Befreiungsdiskurs bildet die Grundlage für das liberale Staatsverständnis, ist jedoch untrennbar mit einem Disziplinierungsdiskurs verbunden, da staatliche Macht auch zur Disziplinierung der Individuen eingesetzt wird.

Wie bewertet der Autor die Zukunft des nationalstaatlichen Gewaltmonopols?

Der Autor stellt fest, dass sich zwar Transformationen und Erosionstendenzen zeigen, das Gewaltmonopol jedoch nach wie vor weitgehend in den Händen der Nationalstaaten liegt und nicht auf supranationaler Ebene neukonstituiert wurde.

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Details

Title
Transnationalisierung sozialer Kämpfe
Subtitle
Transformation von Staatlichkeit und ihre Auswirkungen auf das Ideal vom Menschenrechtsuniversalismus
College
University of Hamburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Die Idee der Menschenrechte und ihre politischen und politikwissenschaftlichen Implikationen
Grade
1,0
Author
Dipl. Verwaltungswirt (FH) Hendrik Thurnes (Author)
Publication Year
2009
Pages
20
Catalog Number
V136958
ISBN (eBook)
9783640455058
ISBN (Book)
9783640454822
Language
German
Tags
Max Weber globale Vergesellschaftung Globalisierung Menschenrechte Herrschaftssoziologie Hamburger Ansatz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl. Verwaltungswirt (FH) Hendrik Thurnes (Author), 2009, Transnationalisierung sozialer Kämpfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136958
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