Die Arbeit untersucht drei vorliegende pflegedidaktische Ansätze (Ingrid Darmann, Ulrike Greb, Kordula Schneider/Hannelore Muster-Wäbs) auf ihre paradigmatische und bildungstheoretische Passung mit den impliziten bildungstheoretischen Annahmen des Lernfeldansatzes der KMK. Dazu werden zuerst bildungstheoretische Begriffe und Theorien aus Allgemein- und Pflegepädagogik vorgestellt. Anschließend wird der Lernfeldansatz sowie dessen berufs- und pflegepädagogische Rezeption dargestellt. Implizite bildungstheoretische Annahmen des Lernfeldansatzes werden daraus abgeleitet. Dann werden drei pflegedidaktische Ansätze mit unterschiedlicher wissenschaftstheoretischer Verortung vorgestellt, kritisch analysiert und auf ihre Passung mit den herausgearbeiteten bildungstheoretischen Annahmen des Lernfeldansatzes analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildungstheoretische Grundlagen
2.1 Allgemeine Grundlagen
2.1.1 Funktion und Charakter eines Bildungsbegriffes
2.1.2 Materiale vs. formale Bildung: Inhalte vs. Fähigkeiten
2.1.3 Kategoriale Bildung und Exemplarik
2.1.4 Bildung vs. Ausbildung
2.1.5 Die kritische Dimension von Bildung im 20. Jahrhundert
2.1.6 Kompetenzen & Schlüsselqualifikationen
2.1.7 Konstruktivismus
2.2 Bildung & Pflege
2.3 Zusammenfassung / Zwischenfazit
3. Der Lernfeldansatz der KMK
3.1 Entstehungshintergründe
3.2 Darstellung
3.3 Der Lernfeldansatz in der Kritik der Berufs- und Wirtschaftspädagogik
3.4 Konstruktivismus als implizites bildungstheoretisches Paradigma
3.5 Der Lernfeldansatz in der Rezeption der Pflegepädagogik
3.6 Zwischenfazit und Ausdifferenzierung der Fragestellung
4. Analyse pflegedidaktischer Ansätze
4.1 Das Strukturgitter Fachdidaktik Pflege (Ulrike Greb)
4.1.1 Darstellung
4.1.2 Einschätzung / Kritik
4.2 Die pflegedidaktische Heuristik (Ingrid Darmann)
4.2.1 Darstellung
4.2.2 Einschätzung / Kritik
4.3 Die Strukturierungshilfe (Kordula Schneider, Hannelore Muster-Wäbs)
4.3.1 Darstellung
4.3.2 Einschätzung / Kritik
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, zu untersuchen, inwieweit aktuelle pflegedidaktische Ansätze geeignet sind, den Lernfeldansatz der Kultusministerkonferenz (KMK) bildungstheoretisch zu fundieren. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob diese Ansätze in der Lage sind, die geforderte Bildungshaltigkeit von Lernfeldern zu gewährleisten und dabei zugleich eine Mündigkeit der Auszubildenden zu fördern, die über eine rein funktionale Qualifizierung hinausgeht.
- Bildungstheoretische Fundierung von Lernfeldern in der Pflege
- Kritische Analyse des Lernfeldansatzes der KMK
- Vergleich pflegedidaktischer Konzeptionen (Greb, Darmann, Schneider/Muster-Wäbs)
- Spannungsfeld zwischen beruflicher Qualifizierung und allgemeiner Bildung
- Rolle des Konstruktivismus in der pflegepädagogischen Diskussion
Auszug aus dem Buch
Die kritische Dimension von Bildung im 20. Jahrhundert
Eine weitere Unterscheidung hinsichtlich differierender Bildungsideale lässt sich zwischen gesellschaftlich-politisch affirmativen und gesellschaftskritischen Bildungstheorien treffen.
Ist im Laufe des 19. Jahrhunderts der kritische Aspekt des neuhumanistischen Bildungsbegriffes verloren gegangen und dieser zu einem wertkonservativem und gesellschaftsstabilisierenden Begriff geworden (vgl. Klafki 1996: 46-48), so wurde im 20. Jahrhundert versucht, Bildung wieder als kritisches Regulativ gegenüber den gesellschaftlichen Verhältnissen zu definieren.
Adorno (1975: 70-71) z.B. kritisiert, dass eine Bildung, die auf die Selbstbestimmung und geistige Freiheit von Individuen abzielt, gewonnen an den Objektivierungen geistiger Kultur, verfehlt sei, wenn die gesellschaftlichen Verhältnisse diese Freiheit und Individualität nicht einlösen können. Wird von der Bildung erwartet, sie könne von sich aus den Menschen geben, was die Gesellschaft ihnen versage, so wird sie zu einer bloßen Apologie dieser Gesellschaft. Adorno kritisiert dabei insbesondere auch rein materiale Bildungsvorstellungen, wenn er diese als ‚Halbbildung’ bezeichnet, die vom ‚Fetischcharakter der Ware’ ergriffen ist (vgl. ebd. 81) und allein ihr Tauschwert zählt. Ebenso ist Horkheimer (1985: 418) der Auffassung, dass Bildung als entfaltetes Denken und Gewissen auch auf die Einrichtung einer besseren Welt abzielen muss. Dieses Bildungsverständnis speist sich aus der Sicht, die Adorno und Horkheimer zusammen mit anderen Vertretern der ‚kritischen Theorie’ auf die Gesellschaft haben. Sie kritisieren vor allem eine Auffassung, die die Organisation und den Zustand der Gesellschaft als naturwüchsig und unabänderlich sieht und nicht darüber reflektiert, dass diese gesellschaftlichen Zustände und Tatsachen von ihr selber immer wieder reproduziert werden (vgl. Horkheimer, Adorno 2001). Die kritische Sozialwissenschaft macht es sich deshalb zur Aufgabe, aufzuzeigen „wann die theoretischen Aussagen invariante Gesetzmäßigkeiten des sozialen Handelns überhaupt und wann sie ideologisch festgefrorene, im Prinzip aber veränderliche Abhängigkeitsverhältnisse erfassen“ (Habermas 1968: 158). Deshalb setzt eine kritische „Theorie der Bildung .. unumgänglich voraus, daß das Aufwachsen unserer Kinder nicht nur ein Prozeß nötigender Anpassung, sondern auch möglicher Distanzierung ist“ (Blankertz 1979: 44).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung und die kritische Diskussion des KMK-Lernfeldansatzes und leitet die Fragestellung bezüglich einer bildungstheoretischen Fundierung in der Pflegepädagogik her.
2. Bildungstheoretische Grundlagen: Dieses Kapitel expliziert zentrale Begriffe wie Bildung, Ausbildung und kategoriale Bildung und diskutiert kritische Bildungstheorien sowie den Konstruktivismus als Paradigmen für die Pflegebildung.
3. Der Lernfeldansatz der KMK: Hier wird das Konzept des Lernfeldansatzes dargestellt, kritisch aus Sicht der Berufs- und Wirtschaftspädagogik beleuchtet und die spezifische Rezeption innerhalb der Pflegepädagogik analysiert.
4. Analyse pflegedidaktischer Ansätze: Dieses Hauptkapitel untersucht drei pflegedidaktische Ansätze (Greb, Darmann, Schneider/Muster-Wäbs) hinsichtlich ihrer Eignung zur bildungstheoretischen Fundierung von Lernsituationen.
5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Ansätze von Greb und Darmann bildungstheoretisch fundiert, aber in Konflikt mit konstruktivistischen Grundannahmen stehen.
Schlüsselwörter
Lernfeldansatz, Pflegeausbildung, Bildungstheorie, Kritische Theorie, Konstruktivismus, Handlungskompetenz, Pflegedidaktik, Schlüsselqualifikationen, Lernsituationen, Emanzipation, Mündigkeit, Professionalisierung, Fallverstehen, Gesellschaftskritik, Berufspädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der bildungstheoretischen Fundierung des Lernfeldansatzes im Kontext der deutschen Pflegeausbildung und der kritischen Analyse pflegedidaktischer Konzeptionen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind der Bildungsbegriff, die Auseinandersetzung mit dem Lernfeldkonzept der Kultusministerkonferenz (KMK) sowie die Analyse pflegedidaktischer Ansätze zur Gestaltung von Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage prüft, inwiefern pflegedidaktische Ansätze den Lernfeldansatz so fundieren können, dass er eine über rein funktionale Qualifikationsanforderungen hinausgehende, bildungshaltige Pflegeausbildung ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Untersuchung, die erziehungswissenschaftliche Grundlagen und fachdidaktische Modelle kritisch vergleicht und auf ihre paradigmatische Konsistenz prüft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das theoretische Fundament der Bildung, den KMK-Lernfeldansatz und vergleicht konkret drei Ansätze: das Strukturgitter von Ulrike Greb, die Heuristik von Ingrid Darmann sowie die Strukturierungshilfe von Kordula Schneider und Hannelore Muster-Wäbs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lernfeldansatz, Kritische Theorie, Konstruktivismus, Pflegedidaktik, Bildung vs. Ausbildung und Handlungskompetenz.
Wie bewertet der Autor den Ansatz von Ulrike Greb?
Der Autor sieht in Grebs Strukturgitter einen stark theoriegeleiteten Ansatz, der die kritische Theorie Adornos konsequent anwendet, jedoch in der praktischen Umsetzung Herausforderungen bei der Vermeidung konstruktivistischer Fallstricke aufweist.
Welche Kritik übt der Autor an der Strukturierungshilfe von Schneider und Muster-Wäbs?
Der Autor kritisiert den Ansatz von Schneider und Muster-Wäbs als pragmatisch, aber bildungstheoretisch zu oberflächlich und zu stark auf eine instrumentelle Handlungsregulationstheorie ausgerichtet.
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- Christian Krebs (Author), 2005, Zur bildungstheoretischen Fundierung des Lernfeldansatzes in der Pflegeausbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136989