Wenn in Deutschland über die Probleme bei der Integration von Gastarbeitern oder Migranten gesprochen wird, denkt man vorwiegend an im Laufe der Zeit nach Deutschland gekommene türkisch- bzw. arabischstämmige Einwanderer. Von Italienern und Italienerinnen wird dagegen eher selten gesprochen. Die Italiener brachten italienische Kultur und Mentalität nach Deutschland. Heute sind vor allem italienisches Essen, italienische Musik, Mode, Möbel und italienische Kunst in Deutschland weit verbreitet und beliebt. Die gesellschaftliche Integration der Italiener scheint in den Augen der deutschen Öffentlichkeit gelungen zu sein. In dieser Hausarbeit soll nun untersucht werden, ob diese in der Öffentlichkeit weit verbreitete Meinung ein reales Fundament hat oder nicht. Dies soll vor allem an der Schul- und Ausbildungssituation der jungen Italiener in Deutschland herausgearbeitet werden.
Im ersten Abschnitt wird ein kurzer Überblick über die Geschichte der Zuwanderung nach Deutschland seit etwa Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts gegeben. In den folgenden Abschnitten wird die aktuelle Beschäftigungslage der Italiener aufgezeigt und die schulische sowie berufliche Situation der Jugendlichen mit italienischem Pass erläutert. Im letzten Ab-schnitt wird ein Förderungsprojekt für junge Italiener in Mannheim vorgestellt.
Als Quellen dienten vorwiegend das Buch „Berufliche Integration und plurale Gesellschaft – Zur Bildungssituation von Menschen mit italienischem Migrationshintergrund in Deutschland“ und der Projektbericht des FIT-Förderungsprojektes.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historischer Abriss der Arbeitsmigration nach Deutschland
2.1 Geschichte der allgemeinen Arbeitsmigration
2.2 Geschichte der italienischen Migration nach Deutschland
3. Die aktuelle Beschäftigungslage der italienischen Migranten
4. Schulische Bildung
4.1 Die Situation italienischer Migrantenkinder im System der schulischen Bildung
4.2 Gründe für das Scheitern italienischer Jugendlicher im deutschen Bildungssystem
4.2.1 Erklärungsansatz italienische Familie
4.2.2 Erklärungsansatz deutsches Schulsystem
5. Berufliche Bildung
5.1 Die Ausbildungssituation junger Menschen mit Migrationshintergrund
5.2 Erklärungsansätze für die ungleichen Chancen ausländischer Bewerber um einen Ausbildungsplatz im dualen System der Berufsausbildung
6. Der Stellenwert der besonderen Qualifikationen von Migranten auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt
7. Das Projekt FIT
7.1 Gründe für das Projekt FIT
7.2 Zielgruppe
7.3 Hauptziele des Projektes
7.4 Die Durchführung des Projektes
7.5 Herkunft und sozialer Hintergrund der Projektteilnehmer
7.6 Die Problembereiche der Projektteilnehmer
7.6.1 Sprache
7.6.2 Schule
7.6.3 Ausbildung und Arbeit
7.7 Fazit nach einem Jahr FIT
7.8 Die Zukunft von FIT
7.9 FIT 2
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die schulische und berufliche Situation von Jugendlichen mit italienischem Migrationshintergrund in Deutschland und hinterfragt die weit verbreitete Annahme, dass diese Gruppe vollständig und problemlos integriert sei. Dabei werden insbesondere strukturelle Barrieren und familiäre Rahmenbedingungen analysiert sowie mit dem Projekt FIT ein konkreter Lösungsansatz zur Förderung dieser Jugendlichen vorgestellt.
- Historischer Hintergrund der Arbeitsmigration von Italien nach Deutschland.
- Aktuelle Beschäftigungslage und Arbeitsmarktchancen für junge Italiener.
- Herausforderungen im deutschen Schulsystem und familiäre Einflussfaktoren.
- Bedeutung von beruflicher Qualifikation und Zugangshürden zum Ausbildungsmarkt.
- Vorstellung und Bewertung des Förderungsprojektes FIT für italienische Jugendliche.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Erklärungsansatz italienische Familie
Eines der größten Probleme für die Chancen von Migrantenkindern im deutschen Bildungssystem ist, dass die ausländischen Jugendlichen und ihre Eltern über ein relativ niedriges soziales und kulturelles Kapital verfügen. D.h., dass sie im Allgemeinen nicht die sozialen Beziehungen und den Status besitzen, der ihnen den Zugang zu sozialen Ressourcen ermöglicht, und ebenso wenig das benötigte Wissen mitbringen. „Ihre Orientierung im Hinblick auf Schule und Ausbildung ist schwach ausgeprägt, die Vorstellungen sind konfus und die soziale und institutionelle Unterstützung ist dürftig.“(Califano 2006 S.38)
Die meisten italienischen Migranten stammen aus dem armen Süden Italiens, dem Mezzogiorno. Diese Region ist in Italien die ökonomisch schwächste, damit ärmste und im Allgemeinen bildungsfernste Region. Und so bilden die Bildungsferne der Familien und die zusätzlichen Sprachprobleme keine gute Ausgangslage für die italienischen Schulkinder in Deutschland.
Viele Eltern wissen anscheinend nicht, dass ein höherwertiger Schulabschluss und eine gute Berufsausbildung größere berufliche Chancen mit sich bringen und ihren Kindern den Einstieg in die Arbeitswelt sehr erleichtern würden. Folglich drängen sie häufig auch ihre Kinder nicht, eine höhere schulische und berufliche Qualifikation anzustreben, sondern unterstützen sie eher darin, einen Job als Ungelernter anzunehmen und so möglichst früh und schnell Geld zu verdienen (Vgl. Califano 2006).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Integration italienischer Migranten in Deutschland ein und formuliert das Ziel, die verbreitete Meinung über deren gelungene Integration kritisch an der Realität der Bildungs- und Ausbildungssituation zu prüfen.
2. Historischer Abriss der Arbeitsmigration nach Deutschland: Das Kapitel zeichnet den Weg der italienischen Migration von den Anwerbeabkommen der 1950er Jahre bis zur aktuellen Situation nach und erläutert die verschiedenen Phasen der Zuwanderungsgeschichte.
3. Die aktuelle Beschäftigungslage der italienischen Migranten: Hier wird aufgezeigt, wie der Strukturwandel in der Industrie und auf dem Arbeitsmarkt insbesondere die zweite und dritte Generation der italienischen Migranten durch den Abbau von Arbeitsplätzen mit geringem Qualifizierungsprofil traf.
4. Schulische Bildung: Dieses Kapitel analysiert das Abschneiden italienischer Schüler im deutschen Bildungssystem und beleuchtet sowohl familiäre Ursachen als auch die selektive Wirkung der deutschen Schule.
5. Berufliche Bildung: Es wird die schwierige Ausbildungssituation junger Menschen mit Migrationshintergrund dargelegt, wobei insbesondere die ungleichen Chancen beim Zugang zum dualen System der Berufsausbildung im Fokus stehen.
6. Der Stellenwert der besonderen Qualifikationen von Migranten auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt: Das Kapitel untersucht, inwiefern interkulturelle Kompetenzen und Sprachkenntnisse von Migranten als wertvolle Qualifikationen wahrgenommen und genutzt werden können.
7. Das Projekt FIT: Hier wird das in Mannheim entwickelte Förderungsprojekt FIT detailliert vorgestellt, inklusive seiner Ziele, Durchführung, Herausforderungen und der Entwicklung zum Folgeprojekt FIT 2.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, bekräftigt die Dringlichkeit integrierender Maßnahmen und weist auf die Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und der problematischen Realität hin.
Schlüsselwörter
Italienische Migration, Arbeitsmigration, Integration, Deutschland, Bildungssystem, Berufsausbildung, Migrationshintergrund, Projekt FIT, soziale Benachteiligung, Arbeitsmarkt, Jugendförderung, Zweisprachigkeit, Bildungsferne, Ausbildungsplatzknappheit, interkulturelle Kompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die schulische und berufliche Situation von Jugendlichen italienischer Herkunft in Deutschland und analysiert, warum trotz der weit verbreiteten Annahme einer gelungenen Integration oft erhebliche Probleme bestehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Feldern zählen die Migrationsgeschichte, die aktuelle Arbeitsmarktsituation, Hürden im deutschen Bildungssystem, familiäre Hintergründe sowie die Möglichkeiten durch gezielte Förderung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Wahrheitsgehalt der allgemeinen Meinung zu hinterfragen, dass Italiener in Deutschland bereits vollständig integriert seien, und dies durch eine detaillierte Betrachtung ihrer Bildungs- und Ausbildungschancen zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die zentrale Forschungsergebnisse zur Bildungssituation und Migrationsforschung zusammenführt, sowie der Auswertung eines Praxisberichts eines konkreten Förderprojektes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine Bestandsaufnahme der Arbeitsmarkt- und Bildungssituation, eine Analyse von Ursachen für schulische Misserfolge und eine detaillierte Vorstellung des Mannheimer Projekts FIT.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Arbeitsmigration, Bildungsbenachteiligung, duales System, Integrationsbedarf und soziale Ressourcen.
Warum ist die Familie der italienischen Jugendlichen ein zentraler Erklärungsfaktor für schulische Schwierigkeiten?
Viele der Familien verfügen über ein niedriges soziales und kulturelles Kapital und stammen aus bildungsfernen Regionen. Zudem wird die Bedeutung formaler Qualifikationen oft verkannt, da Bildungserfolge traditionell anders vermittelt wurden.
Was macht das Projekt FIT als Interventionsmaßnahme so besonders?
FIT setzt speziell bei der italienischen Community an, um durch kultursensible Sozialarbeit, Vertrauensaufbau und individuelle Begleitung in Schule und Beruf die Barrieren zur deutschen Gesellschaft abzubauen.
Wie hat sich die Einschätzung der Integration durch das Projekt FIT nach einem Jahr geändert?
Das Projekt hat gezeigt, dass auch scheinbar gut integrierte Gruppen einen hohen Förderbedarf haben und dass gezielte Unterstützung, die sprachliche Barrieren und kulturelle Hemmschwellen berücksichtigt, sehr effektiv sein kann.
- Quote paper
- Anna Catharina Robben (Author), 2007, Die schulische und berufliche Situation Jugendlicher mit Migrationshintergrund in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der jungen Italiener, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137047