Besonderheiten der Übersetzung jüdischer Realia am Beispiel Simon Dubnows "Kniga Žizni"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichtlicher Hintergrund
2.1 Juden in Deutschland
2.2 Sprachen in den deutschen Gebieten
2.3 Juden in Russland
2.4 Sprachen in den russischen Gebieten
2.5 Simon Dubnow: sein Leben und Wirken

3 Informationen zu den Editionen
3.1 Simon Dubnows „Kniga Žizni“: Erst- und Neuausgabe
3.2 Die Übersetzung der Neuausgabe ins Deutsche

4 Forschungssituation
4.1 Die vorhandenen Forschungsarbeiten in den verwandten Bereichen

5 Untersuchungsgegenstand
5.1 Textsorte
5.2 Adressat

6 Linguistisches Material
6.1 Definitionen
6.2 Analyse und Kategorisierung der Begriffe
6.3 Theorie zu den Übersetzungslösungen
6.4 Analyse der Übersetzung

7 „Verfremdende Übersetzung“

8 Die Rolle des Übersetzers

9 Zusammenfassung

10 Register

11 Bibliographie

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit gehört zum Bereich der Übersetzungswissenschaft. Ihr Gegenstand ist die Übersetzungsmethodik der Kulturspezifik in einem literarischen Text. Sie konzentriert sich auf Übersetzung der kulturspezifischen Elemente, Realia, aus der jüdischen Kultur. Als Materialgrundlage der vorliegenden Arbeit diente Kniga Žizni des russischen Autors Simon Dubnow und die Übersetzung seines Werks, Buch des Lebens. Die Wahl des Materials ist vor allem dem persönlichen Interesse der Autorin geschuldet. Weitere Gründe dafür werden in Kapitel 5 dieser Arbeit erklärt.

In Abschnitt 2 der vorliegenden Arbeit wird der geschichtliche Hintergrund für diese Untersuchung dargestellt. In Abschnitt 3 folgen Informationen zu den behandelten Editionen. Daraufhin wird in Abschnitt 4 der Forschungsstand veranschaulicht. In Abschnitt 5 werden Textsorte und Adressat diskutiert. Mit Abschnitt 6 beginnt die Untersuchung des Gegenstandes, seine Kategorisierung und Analyse. Hier werden die Besonderheiten der Übersetzungsmethoden aufgezeigt. Im Mittelpunkt des Abschnitts 7 steht die Rolle des Übersetzers. Die Ergebnisse der Arbeit werden abschließend in Abschnitt 8 zusammengefasst. Der Anhang der Arbeit besteht aus dem Register, das eine alphabetische Auflistung der behandelten Begriffe aufführt. Die dafür ausgewählten 75 Begriffe stellen keine statistisch vollständige Analyse des Werkes, sondern eine kleine für diese Untersuchung relevante Auswahl der Begriffe dar.

2 Geschichtlicher Hintergrund

2.1 Juden in Deutschland

Die Spuren jüdischen Lebens in Deutschland gehen weit in das Mittelalter zurück. Manche Quellen zeugen von jüdischer Präsenz schon in den Zeiten des Römischen Reichs. Im Mittelalter gab es große jüdische Gemeinden in Städten wie Worms, Mainz, Speyer, Regensburg und anderen. Juden hatten das Recht auf Ausübung ihrer Religion und deshalb gab es unzählige Synagogen sowie Jeschiwot[1], in denen Juden ihre religiösen Studien durchführen konnten. Sie lebten meistens in den Judenvierteln[2], wo sie ihr religiöses Leben einfacher führen konnten.

Im Laufe der Zeit erhielten Juden in verschiedenen Orten Deutschlands verschiedene Privilegien. Meistens konnten sie Kreditgeschäfte oder Handel betreiben. Es gab auch unzählige handwerkliche Berufe, die Juden ausübten. Gerade Handel wird oft als der wichtigste Grund dafür gesehen, dass Juden als Mittler agierten und ihre Sprache und Kultur mit der Sprache und Kultur der lokalen Bevölkerung in Berührung kam. Andererseits schienen die Handelsprivilegien sowie Geldgeschäfte den Juden eine gewisse Macht zu verleihen – eine Wahrnehmung, die, neben religiösen Gründen, ab dem 11. Jahrhundert unzählige Pogrome verursachte.

Unter diesen Umständen zogen viele Juden in das östliche Europa, bis in die heutige Ukraine und die baltischen Länder, wo es damals auch schon jüdische Gemeinden gab. Im 17. Jahrhundert, nach den Chmelnitski-Pogromen, bei denen Tausende Juden starben, kehrten viele jüdischen Überlebenden erneut in die westlichen Gebiete zurück und siedelten sich in der deutschen Städten und Dörfern wieder an. Allerdings war ihr Leben auch in Deutschland mitunter schwierig.

Die Epoche der Aufklärung war auch für Juden ein wichtiger Zeitpunkt in der Geschichte, ein entsprechender Begriff entsteht auch in der jüdischen Kultur: Haskala (hebr. „Aufklärung“). Das 18. Jahrhundert warf viele neue Fragen auf, wie zum Bespiel die vollkommene Assimilierung der Juden. In dieser Zeit betrachteten sich viele gelehrte Juden als Deutsche oder sogar als deutsche Bürger, und sie führten unzählige Diskussionen in den gelehrten Kreisen über ihre Zukunft.

2.2 Sprachen in den deutschen Gebieten

Es ist allgemein bekannt, dass sich Juden fast immer der Kultur und Sprache der Wahlheimatländer anpassten. Ebenso beherrschten die Juden in Deutschland die deutsche Sprache oder den entsprechenden Dialekt, soweit es für sie essentiell war, wie für Händler, Gelehrte und auch später für Hofjuden[3]. „Die Juden sprachen damals genau so deutsch wie ihre nichtjüdischen Nachbarn“[4].

Seit den Zeiten des Untergangs Jerusalems und der Zerstreuung der Juden in die Diaspora war ihre Religion das, was sie als besonderes Volk auszeichnete und ihr Weiterbestehen sicherte. Ihre sakrale Sprache war immer das Hebräische. Die heiligen Schriften wurden auf Hebräisch studiert und weitere Schriften entstanden ebenso auf Hebräisch. Ungefähr im 12. Jahrhundert entwickelt sich eine eigene Sprache, die von Juden gesprochen wird – Jiddisch. Sie stammt aus dem Mittelhochdeutschen und Hebräischen. Während der Verfolgungen in der Zeit der Kreuzzüge zogen viele Juden in den Osten, „nach Polen, Litauen und Böhmen“[5]. Darauffolgend wurde die Jiddische, die profane Sprache der Juden aus Deutschland, mit den slawischen Sprachen vermischt.

Daraus folgt, dass all diese Sprachen einen Einfluss auf das Jiddische hatten und das Jiddische seinerseits auf das Deutsche. „Gerade weil sie meist Händler und Kaufleute waren, gab es viele Kontakte. So war es selbstverständlich, dass dadurch manche Ausdrücke aus dem Jiddischen, zum Teil auch aus dem Hebräischen, in die deutsche Umgangssprache […] eingedrungen sind“[6]. Andreas Nachama drückt die Sprachsituation der Juden folgendermaßen aus: „Sie sprachen Judendeutsch und beteten auf hebräisch oder aramäisch“[7].

In den Zeiten der Aufklärung und der Haskala, als die meisten Juden sich mit der deutschen Kultur identifizierten, trat Hebräisch wieder in den Vordergrund. Es wurden unzählige wissenschaftliche und literarische Werke auf Hebräisch verfasst. Somit wurde das Hebräische wiederbelebt. Das Jiddische war „ebenfalls nicht völlig verdrängt worden, [es] blieb in Resten des Landjudentums bestehen“[8].

2.3 Juden in Russland

Schon im 1. Jahrhundert v. Chr. lebten Juden in den griechischen Kolonien an der nördlichen Küste des Schwarzen Meers. In den Zeiten des Chasaren-Reiches (7.–10. Jh.) vergrößerte sich die jüdische Bevölkerung, wobei die meiste chasarische Bevölkerung auch zum Judentum konvertierte. Im 9. Jahrhundert bestand auch in Kiew eine jüdische Gemeinde, die dort im Laufe der Geschichte fortbestand. In der Epoche der Kiewer Rus, wie manche Quellen hinweisen, gab es auch in Tschernigow, Wladimir und anderen größeren Städten jüdische Gemeinden. Im 13. und 14. Jahrhundert, nach der großen Auswanderungswelle aus Westeuropa, kamen die Westjuden in die slawischen Gebiete[9] und vermischten sich mit den dort lebenden Juden.

Im Jahre 1772 erlaubte Ekaterina II den Juden, sich in Noworossija[10] anzusiedeln. Dadurch bestand im Jahr 1794, zum Beispiel, die Bevölkerung in Odessa zu 40 % aus Juden.[11] Im Jahre 1835 wurden die genauen Grenzen des Ansiedlungrayons[12] festgelegt.

Spätestens ab dem 19. Jahrhundert wurden die Juden in das russische gesellschaftliche Leben einbezogen. Es gab zahlreiche jüdische Schulen und Gymnasien. In Odessa, dem Zentrum des liberalen Judentums, wurde beispielsweise meistens auf Russisch unterrichtet. Im Jahr 1886 studierten bis zu 40 % der Odessaer Juden Medizin und Jura an der Universität.

Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass die jüdische Bevölkerung im Jahre 1897 zwar nur 4 % der Bevölkerung Russlands betrug, dabei aber eine Hälfte der jüdischen Weltbevölkerung darstellte.

Das 19. und frühe 20. Jahrhundert in Russland wird als die Epoche des „russischen Judentums“ betrachtet, da die meisten gebildeten Juden Russisch als ihre Muttersprache empfanden. Unzählige weltbekannte literarische Werke sowie wissenschaftliche Arbeiten wurden auf Russisch verfasst. Somit treten wir zum nächsten Abschnitt und betrachten das Thema Sprachen der russischen Juden näher.

2.4 Sprachen in den russischen Gebieten

Ähnlich wie in Deutschland waren auch die Juden Russlands eng mit der Kultur und Sprache der lokalen Völker verbunden. Die Juden im Chasaren-Reich waren turksprachig, die Juden in der Kiewer Rus slawischsprachig. Jedoch war Hebräische unter den gelehrten Juden immer die Sprache der religiösen Studien und auch der schriftlichen Kommunikation. Davon zeugt ein Kiewer Brief, der im 10. Jahrhundert nach Kairo gesandt wurde mit der Bitte, einem Mitglied der Gemeinde zu helfen.[13]

Morozova weist darauf hin, dass die Russen schon in den alten Zeiten mit Hebräisch in Berührung kamen, vermutlich mit der Christianisierung. Morozova behauptet, dass die Geschichte der direkten Übersetzung aus dem Hebräischen ins Altrussische und Russische Jahrhunderte alt sei.[14] Schon im 10. Jahrhundert gab es zahlreiche Übersetzungen aus dem Hebräischen ins Altrussische. Das bekannteste Beispiel dafür ist eine direkte Übersetzung aus dem Hebräischen vom „Josippon“, einer Nacherzählung des „Jüdischen Krieges“, die ein Teil der Nestorchronik[15] ist.

[...]


[1] Jüdische Schulen.

[2] Oft „Ghetto“ oder „Judengasse“ genannt.

[3] Juden unter dem Schutz von Fürsten, die ihre Berufe am Hof ausübten.

[4] Rudersdorf, W. (1997): Jiddische und hebräische Spuren in der deutschen Hochsprache und in unserer Mundart, 2. Auflage. Limburg: Kreisheimatstelle, (keine Seitenangaben; Zur Einführung).

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Nachama, A. (1996): Jiddisch im Berliner Jargon oder hebräische Sprachelemente im deutschen Wortschatz, 4. Aufl. Berlin: Stapp, S. 16.

[8] Brenner, M. (2002): Jüdische Sprache in deutscher Umwelt. Hebräisch und Jiddisch von der Aufklärung bis ins 20. Jahrhundert. Göttingen: Venderhoek and Ruprecht, S. 8.

[9] Vgl. 2.1 und 2.2.

[10] Südliche Gebiete Russlands am Schwarzen Meer.

[11] Vichnovic, V. (2007): 2000 let vmeste. Evrei Rossii. Moskva: Piter, S. 75.

[12] Das Siedlungsgebiet Russlands, in dem sich die osteuropäischen Juden ansiedeln durften.

[13] Vichnovic, V. (2007): 2000 let vmeste: evrei Rossii. Moskva: Piter. S. 45.

[14] http://www.relga.ru/Environ/WebObjects/tgu-www.woa/wa/Main?textid=2203&level1=main&level2=articles

[15] Chronik oder Geschichte der Kiewer Rus.

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Details

Titel
Besonderheiten der Übersetzung jüdischer Realia am Beispiel Simon Dubnows "Kniga Žizni"
Hochschule
Universität Leipzig  (IALT - Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie)
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V137076
ISBN (eBook)
9783640450381
ISBN (Buch)
9783640450633
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Übersetzen, Realia, jüdisch, Deutsch, Russisch, Dubnow, Buch des Lebens
Arbeit zitieren
Kateryna Mysak (Autor), 2009, Besonderheiten der Übersetzung jüdischer Realia am Beispiel Simon Dubnows "Kniga Žizni", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137076

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