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Nietzsche und der freie Geist

Versuch der Ausarbeitung des Konzepts des freien Geistes und sein aktueller Bezug

Title: Nietzsche und der freie Geist

Term Paper , 2008 , 30 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Mario Stenz (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Volker Gerhardt, Professor für Philosophie an der Humboldt Universität in Berlin, behauptet, dass das Konzept des "Freien Geistes" das „theoretisches wie praktisches Lebensideal“ (Gebhardt 2000, S. 207) Friedrich Nietzsches darstellt. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich historisch-systematisch mit dem Zentralbegriff des "Freien Geistes" in Nietzsches Gesamtwerk. Ausgehend von sozialisationstheoretischen Überlegungen des so genannten "gebundenen Geistes" werden Genese und wesentliche Konstitutionsmerkmale des "Freien Geistes" interpretiert, analysiert und auf den Begriff gebracht. Grundlage dafür geben ausgewählte Passagen ab, die sich verstreut im gesamten Textkorpus von Nietzsches Werk, einschließlich Nachlass, finden lassen. Ferner wird versucht einen aktuellen Bezug dieser Konzeption herzustellen. Dabei wird u.a. die theoretische Nähe zum Denken von Michel Foucault herausgearbeitet und das Konzept des Freien Geistes in den Zusammenhang der heutigen Individualisierungsdebatte gestellt.
Abschließende, kritische Reflexionen weisen "Nietzsche als Erzieher" aus und beschäftigen sich mit den pädagogischen Intention von Nietzsches Werk im Hinblick auf den "Freien Geist". Allgemeines Ergebnis ist, dass der Freie Geist heute wie zu Zeiten Nietzsches nichts an Aktualität eingebüßt hat, auch wenn dessen Verwirklichung wohl nur Wenigen gelingen wird.

Excerpt


Gliederung

Prolog:

1. Einleitung: Kernfrage und Vorgehensweise

Hauptteil

2. Merkmale der gebundenen Geister

2.1 Loyalität: Pflichtgefühl und Herkunftstreue

2.2 Dogmatik: Habitualisierung und unbefragtes Für - wahr - halten

2.3 Heteronomie: Subjektivierung unter fremden Maßgaben

3. Genese und Konstitution des Freien Geistes

3.1 Erste Annäherung: der freie Geist - „ein relativer Begriff“

3.2 Zäsur und Emanzipationsphase: Freiheit von...

3.3 Essayistische Phase: Infragestellung und Neuinterpretation

3.4 Phase der Freiheit des Geistes: die Freiheit zu

3.4.1 Die Reokkupation des Geistes

3.4.2 Autonomie, Souveränität und Interpretationspluralität

3.4.3 Intellektuelle Prosperität, Courage, Kreativität und Affirmation

3.4.4 Reflektierte Distanz und Gelassenheit

3.4.5 „In media vita“ , Redlichkeit und die Kunst der Differenzierung

3.4.6. Problembewusstsein und neue Aufgaben

3.4.7 Der freie Geist und sein offenes Verhältnis zur Wahrheit

3.4.8 Der freie Geist: Philosophische Lebensform - und Form der neuen Philosophen?

4. Aktueller Bezug: Von Nietzsche zu Foucault und zurück

5. Fazit: Nietzsches als Erzieher und die Normativität des freien Geistes

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das Konzept des „freien Geistes“ in Nietzsches Werk systematisch herauszuarbeiten, seine konstitutiven Merkmale zu definieren und den aktuellen Bezug dieses Ideals in einer individualisierten Gesellschaft sowie im Kontext der Philosophie Foucaults zu untersuchen.

  • Analyse der Merkmale des „gebundenen Geistes“ als notwendige Gegenfolie
  • Darstellung der Genese und Entwicklungsphasen des freien Geistes
  • Untersuchung der konstitutiven Eigenschaften wie Autonomie, Souveränität und Redlichkeit
  • Vergleich des Konzepts mit Foucaults Verständnis von Kritik und Selbstführung
  • Diskussion der pädagogischen Dimension und Aktualität des Nietzscheschen Erziehungsanliegens

Auszug aus dem Buch

3.4.7 Der freie Geist und sein offenes Verhältnis zur Wahrheit

Von Bedeutung in diesem Zusammenhang ist auch das Verhältnis des freien Geistes zur Wahrheit. Er ist kein Dogmatiker und Märtyrer „um der Wahrheit willen“ (JGB S.42, 25), vielmehr glaubt er nicht mehr an die eine und ewige Wahrheit. Für den freien Geist ist die „Irrtümlichkeit der Welt, in der wir zu leben glauben, das Sicherste und Festeste, dessen unser Auge noch habhaft werden kann“ (JGB S. 43, 25). Denn was ist für Nietzsche Wahrheit? Nichts „als ein bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomorphismen kurz eine Summe von menschlichen Relationen, die poetisch und rhetorisch gesteigert, übertragen, geschmückt wurden, und die nach langem Gebrauche einem Volke fest, canonisch und verbindlich dünken: die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind“ (ÜWL S. 880).

Der freie Geist ist nun jener, der aus dieser Illusion erwacht ist und um die menschliche, allzumenschliche Unwissenheit weiß und darum in allen Schätzungen und Auslegungen die je individuellen, perspektivischen Interpretationen, die mehr oder weniger versteckte Interessen und die moralisch konventionalisierten Beurteilungen sieht. Er hält eher Eventualitäten, Wahrscheinlichkeiten, Stufen der Scheinbarkeit für wahr, ohne dass damit je etwas über das Wesen der Dinge an sich ausgesagt werden könnte. „Nichts ist wahr, alles ist erlaubt“ (JGB S. 399, 24) – dies ist der Wahlspruch des freien Geistes, der, neben diesem verwegen skeptisch zu nennenden Zug, zwar seine eigenen Urteile fällt, aber nicht mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit auftritt.

Zusammenfassung der Kapitel

2. Merkmale der gebundenen Geister: Dieses Kapitel erläutert den „Wesensgegensatz“ zum freien Geist, gekennzeichnet durch Loyalität gegenüber der Herkunft, Dogmatismus und Heteronomie.

3. Genese und Konstitution des Freien Geistes: Hier wird der Prozess der Emanzipation von der „großen Loslösung“ bis hin zum Reifestadium des freien Geistes dargestellt.

4. Aktueller Bezug: Von Nietzsche zu Foucault und zurück: Dieser Abschnitt verknüpft Nietzsches Konzept mit Foucaults Arbeiten zur Macht-Wissens-Problematik und hinterfragt die Aktualität für die heutige Zeit.

5. Fazit: Nietzsches als Erzieher und die Normativität des freien Geistes: Das Fazit fasst Nietzsches erzieherische Absicht zusammen, das Individuum zur Selbstbestimmung und zur kritischen Auseinandersetzung mit der Moral zu führen.

Schlüsselwörter

Nietzsche, freier Geist, gebundener Geist, Autonomie, Redlichkeit, Genealogie der Moral, Wille zur Macht, Individualisierung, Selbstbestimmung, Foucault, Kritik, Perspektivismus, Lebenskunst, Emanzipation, Erziehung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das philosophische Konzept des „freien Geistes“ bei Friedrich Nietzsche und dessen Bedeutung als Lebensideal.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Abgrenzung zum gebundenen Geist, die Entwicklungsphasen zur intellektuellen Reife sowie die Verbindung zur modernen Philosophie.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Ausarbeitung der formalen Eigenschaften des freien Geistes und die Reflexion über dessen Relevanz für das Individuum in der heutigen Zeit.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Verfasser nutzt eine textnahe, durch Sekundärliteratur gestützte Interpretation ausgewählter Schlüsselstellen aus dem Gesamtwerk Nietzsches.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Merkmale der Unfreiheit, den Genese-Prozess zur Freiheit sowie die konstitutiven Eigenschaften wie Souveränität und intellektuelle Prosperität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören der freie Geist, die Umwertung der Werte, Selbstbestimmung, Autonomie und die Kritik der Moral.

Wie unterscheidet sich der „freie Geist“ von den „neuen Philosophen“?

Während der freie Geist als eher individualistischer, einsamer Sucher beschrieben wird, sind die „neuen Philosophen“ bei Nietzsche stärker auf gesellschaftliche Wirksamkeit und Gesetzgebung ausgerichtet.

Inwiefern spielt Michel Foucault eine Rolle?

Foucault dient als Brücke in die Moderne; seine Analysen zu Macht, Wissen und Subjektivierung werden genutzt, um die Aktualität der Nietzscheschen Kritik zu belegen.

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Details

Title
Nietzsche und der freie Geist
Subtitle
Versuch der Ausarbeitung des Konzepts des freien Geistes und sein aktueller Bezug
College
University of Koblenz-Landau  (Philosophie)
Course
Seminar: Nietzsches "Jenseits von Gut und Böse"
Grade
1,0
Author
Mario Stenz (Author)
Publication Year
2008
Pages
30
Catalog Number
V137082
ISBN (eBook)
9783640451708
ISBN (Book)
9783640451531
Language
German
Tags
Autonomie Lebensführung Zarathustra Lebensideal Wahrheit Tugend Emanzipation Wille zur Macht Philosophie als Lebensform Foucault Neue Philosophen Drei Verwandlungen des Geistes Erzieher
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mario Stenz (Author), 2008, Nietzsche und der freie Geist, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137082
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