Diese Arbeit beschäftigt sich mit Narrativen im Kontext der Corona-Pandemie. Die Forschungsfrage lautet: Wie beeinflussen Narrative, die für die Verbreitung von Gesundheitsbotschaften eingesetzt werden, die Risikowahrnehmung, die Einstellung und die Verhaltensintention von Rezipient*innen im Vergleich zu Nicht-Narrativen? Im Nachfolgenden wird der Forschungsprozess erklärt und dokumentiert. Dazu werden zunächst die theoretischen Hintergründe und die Methode erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Fundierung
2.1 Narrativität vs. Nicht-Narrative
2.2 Risikowahrnehmung, Einstellung und Verhaltensintention
3. Methode
3.2 Stimulus und Treatment-Check
3.2 Operationalisierung Risikowahrnehmung, Verhaltensintention und Einstellung
4. Auswertung und Interpretation
4.1 Auswertung und Interpretation Hypothese 1
4.2. Auswertung und Interpretation Hypothese 2
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht empirisch, wie unterschiedliche Formen der Gesundheitskommunikation – konkret narrative Darstellungen im Vergleich zu nicht-narrativen, statistischen Informationen – die Risikowahrnehmung, die Einstellung und die Verhaltensintention von Rezipienten im Kontext der Corona-Pandemie beeinflussen.
- Vergleich der Wirksamkeit von Narrativen gegenüber Nicht-Narrativen in der Gesundheitskommunikation.
- Analyse der Konstrukte Risikowahrnehmung, Einstellung und Verhaltensintention bei jungen Erwachsenen.
- Durchführung eines quantitativen Online-Experiments mit verschiedenen Stimulus-Videoformaten.
- Überprüfung der Relevanz von Informationsarten für die Akzeptanz von Schutzmaßnahmen.
Auszug aus dem Buch
Narrativität vs. Nicht-Narrative
Im weitesten Sinne können Narrative als Erzählungen verstanden werden, die sowohl auf realen als auch auf fiktionalen Inhalten basieren können (Grimm, 2017). Um als narrativ zu gelten, müssen diese Erzählungen dann verschiedenen Merkmale aufweisen. Bei Gesundheitskampagnen spielen dabei vor allem die Merkmale „Beschreibung kausaler Beziehungen“ (z.B. zwischen Krankheit und Schicksal der Betroffenen) und das „Auftreten eines handelnden Akteurs“, der durch ein Ereignis eine Transformation erlebt. Außerdem können Narrative in wechselseitiger Beziehung auf verschiedenen diskursiven Ebenen angesiedelt sein. Dabei können sie soziokulturell, medial, individuell oder professionell sein. Soziokulturelle Narrative oder auch „Meta-Narrative“ finden sich auf der gesellschaftlichen Ebene wieder und beziehen sich auf kulturelle Erzählungen. Mediale Narrative werden medial dargestellt und können visuell und/oder verbal vermittelt werden. Individuelle bzw. persönliche Erzählungen werden von einem Individuum hinsichtlich ihrer sozialen Welt konstruiert, während professionelle Narrative sich auf Geschichten des professionellen Diskurs zum Beispiel von Expert*innen beziehen (Grimm, 2017).
In der Gesundheitskommunikation wird häufig auf diese narrative oder auch episodische bzw. anekdotische Realitätsbeschreibung in Form von Fallbeispielen oder Einzelschicksalen zurückgegriffen (Becke, 2018). Diese umfassen verschiedene Inhalte, die sich hauptsächlich aus medizinsoziologischen Auseinandersetzungen ableiten lassen. Narrative zu Krankheiten beschäftigen sich zum Beispiel mit dem individuellen Kampf gegen eine Krankheit oder auch mit der Hoffnung diese zu besiegen. Narrative zu Patient*innen umfassen Erzählungen, die Erfahrungen von Betroffenen zu einer Krankheit und deren Leben mit dieser widerspiegeln. Geschichten zur Medizin beinhalten Erzählungen zu Medizintechnik und wissenschaftlichem Fortschritt. Und schließlich verweisen Narrative zu medizinischen Berufen und zum Gesundheitssystem auf Erzählungen von medizinischen Experten und den Wandel des Versorgungssystems. Diese verschiedenen Arten von Narrativen kommen dann in unterschiedlichen Kontexten zum Einsatz, wie der strategischen, der massenmedialen oder der interpersonalen Gesundheitskommunikation erfolgreich zum Einsatz (Grimm, 2017). Der Erfolg dieses narrativen Ansatzes basiert in der Forschung oft auch auf dem Konzept des homo narrans, also dem Menschen als Erzähler (Becke, 2018).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Gesundheitskommunikation während der Corona-Pandemie ein und spezifiziert die Forschungsfrage hinsichtlich des Einflusses von Narrativen im Vergleich zu Nicht-Narrativen.
2. Theoretische Fundierung: Es werden grundlegende Begriffe der Gesundheitskommunikation definiert und der theoretische Rahmen für Narrative sowie messbare Verhaltensdeterminanten gesteckt.
3. Methode: Das Kapitel dokumentiert das Design eines quantitativen Online-Experiments sowie die Operationalisierung der verwendeten Skalen und die Durchführung des Treatment-Checks.
4. Auswertung und Interpretation: Hier erfolgt die deskriptive und inferenzstatistische Analyse der erhobenen Daten, wobei die formulierten Hypothesen bezüglich des Einflusses von Narrativen geprüft werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Nicht-Bestätigung der Hypothesen und gibt einen Ausblick auf notwendige zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Gesundheitskommunikation, Narrative, Nicht-Narrative, Corona-Pandemie, Risikowahrnehmung, Einstellung, Verhaltensintention, Online-Experiment, Gesundheitsbotschaften, Persuasion, Empirische Studie, Kommunikationskampagnen, Rezipienten, Stimulus, Fallbeispiele.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie verschiedene Arten der Informationsvermittlung (narrativ vs. nicht-narrativ) die Wahrnehmung von Gesundheitsrisiken und die Bereitschaft zur Umsetzung von Schutzmaßnahmen beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Gesundheitskommunikation, die Wirkung narrativer Persuasion sowie die psychologischen Determinanten (Risikowahrnehmung, Einstellungsbildung) im Kontext staatlicher Schutzmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Wie beeinflussen Narrative, die für die Verbreitung von Gesundheitsbotschaften eingesetzt werden, die Risikowahrnehmung, die Einstellung und die Verhaltensintention von Rezipient*innen im Vergleich zu Nicht-Narrativen?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein quantitatives Online-Experiment durchgeführt, bei dem Probanden verschiedenen Videostimuli (narrativ oder nicht-narrativ) ausgesetzt und anschließend mittels Fragebögen befragt wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Konzepte, die Beschreibung des methodischen Vorgehens (inklusive Treatment-Check und Erhebungsinstrumenten) sowie die statistische Auswertung und Interpretation der erzielten Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Gesundheitskommunikation, Narrative, Risikowahrnehmung und Wirksamkeit von Gesundheitsbotschaften definieren.
Warum konnten für die Hypothesen keine signifikanten Ergebnisse nachgewiesen werden?
Die Autoren vermuten, dass soziale Erwünschtheit bei den Antworten der Probanden die Ergebnisse beeinflusst hat und dass die fortgeschrittene Phase der Pandemie dazu führte, dass die Schutzmaßnahmen bereits zur allgemeinen Gewohnheit geworden waren.
Welche Empfehlung geben die Autoren für zukünftige Studien?
Es wird empfohlen, ähnliche Untersuchungen in anderen gesundheitsbezogenen Bereichen fernab der spezifischen Corona-Thematik durchzuführen, um Verzerrungen durch stark präsente Alltagsthemen zu vermeiden.
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- Anonym (Autor), 2022, Narrative vs. Nicht-Narrative im Kontext von Gesundheitskampagnen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1371337