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Die Auswirkungen von Epidemien in unteren sozialen Schichten in Süddeutschland

Titel: Die Auswirkungen von Epidemien in unteren sozialen Schichten in Süddeutschland

Hausarbeit , 2022 , 18 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Gesundheitswissenschaften - Geschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit beschäftigt sich mit Epidemien im Kontext von gesellschaftlichen Schichten. Folgende Leitfrage wurde gestellt: Waren Epidemien in der frühen Neuzeit ein reines Problem der Armen? In der Arbeit werden themenrelevante Publikationen verwendet. Zentral sollen die Monografien von Annemarie Kinzelbach „Gesundbleiben, Krankwerden, Armsein in der frühneuzeitlichen Gesellschaft“ und Bernd Roeck „Eine Stadt in Krieg und Frieden: Studien zur Geschichte der Reichsstadt Augsburg zwischen Kalenderstreit und Parität“ verwendet werden. Beide Werke behandeln Armut und auch Krankheit in den süddeutschen Reichstädten Ulm, Überlingen und Augsburg, deshalb werden diese auch in dieser Arbeit im Mittelpunkt stehen. Zusätzlich soll mit Martin Dinges „Stadtarmut in Bordeaux“ auch eine französische Stadt vergleichend in die Untersuchung mit einbezogen werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Armut und Armenfürsorge in der frühen Neuzeit

2.1 Armut

2.2 Armenfürsorge bei Krankheit

3. Obrigkeitliche Sichtweisen

3.1 Gewissenskonflikt der Oberschicht

3.2. Exkurs Bordeaux: Bettelpest

4. Empirische Daten

5. Fazit

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit untersucht die leitende Forschungsfrage, ob Epidemien in der frühen Neuzeit tatsächlich als ein reines Problem der armen Bevölkerungsschichten betrachtet werden konnten. Durch den Vergleich obrigkeitlicher Sichtweisen mit empirischen Daten aus süddeutschen Reichsstädten soll die Annahme widerlegt werden, dass lediglich die Unterschicht von Seuchen betroffen war.

  • Analyse des Armutsbegriffs und der Armenfürsorge bei Krankheit in der frühen Neuzeit.
  • Untersuchung der stigmatisierenden Sichtweisen der städtischen Oberschicht auf Bettler und Vaganten.
  • Sozialpsychologische Betrachtung des Umgangs mit Angst und Schuldzuweisungen in Krisenzeiten.
  • Gegenüberstellung von subjektiven Quellen und empirischen Aufzeichnungen wie Brechhilfen-Listen.
  • Vergleichende Einordnung der Situation in deutschen Reichsstädten durch einen Exkurs zur französischen Stadt Bordeaux.

Auszug aus dem Buch

3.1 Gewissenskonflikt der Oberschicht

Schon vor einer Epidemie sah sich die Oberschicht in einem Gewissenskonflikt in dem sich Furcht vor Armen und Vaganten als Überträger von Krankheiten und das aus christlicher Tradition resultierendes Mitleid und die Verpflichtung zu helfen gegenüberstanden. Schaut man sich Quellen an, die nicht ausschließlich über Zeiten von Pestausbrüchen berichten, sieht man, dass die vor einem Ausbruch einer Seuche Armut, Fremdsein und Schuldzuweisung nicht automatisch verbunden waren. In einem Gutachten von dem deutschen Architekten, Mathematiker und Chronisten Joseph Furttenbach aus seinem Werk „Architectura civilis“ kann man den Wandel von Mitleid zu Schuldzuweisung beobachten, der mit steigender Gefahr für eine eigene Ansteckung kam:

In seinen Aufzeichnung beschreibt Furttenbach eine Beobachtung, die er an einem Tag im Januar 1629 machte. Er traf auf eine Vagierende mit einem Neugeborenen, die in den Straßen von Ulm eine Bleibe suchte, um sich selbst und ihr Kind vor der Kälte zu schützen. Obwohl er Mitleid für die Frau hatte, wollte auch er ihr keine Unterkunft geben aus Angst, dass „durch dergleichen frembde Leütt die böse seüch der Pestilenz [...] In mein Hauß getragen werden“ könnte. Er bot seinen Nachbarn eine Bezahlung an, wenn sie die Frau aufnahmen, beschuldigte sie sich „barbarisch" zu verhalten und warf ihnen Unbarmherzigkeit vor. 1634 nach Beginn einer Epidemie beobachtet man dann einen Umschwung des Mitgefühls. Zunächst gab er noch Hinweise auf Diäten, die man einhalten sollte oder das Achten auf angemessene und saubere Kleidung. Als das Epidemiegeschehen sich zuspitze, wuchs auch die Angst um die eigene Gesundheit und Mitleid wandelte sich zu Schuldzuweisungen. Furttenbach warf sowohl den Bettlern als auch denjenigen, die deren Anwesenheit zuließen, vor sowohl Schuld an ihrem eigenen als auch am Tod einiger Bürgern zu sein.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Epidemien in der frühen Neuzeit ein und stellt die zentrale Leitfrage sowie die methodische Vorgehensweise vor.

2. Armut und Armenfürsorge in der frühen Neuzeit: Hier werden der Begriff der Armut differenziert betrachtet und die verschiedenen städtischen Unterstützungsformen für Kranke, insbesondere in Krisenzeiten, erläutert.

3. Obrigkeitliche Sichtweisen: Dieses Kapitel analysiert, wie die städtische Elite die Ursachen von Epidemien wahrnahm und wie sie arme Bevölkerungsgruppen für Ausbrüche verantwortlich machte.

4. Empirische Daten: Anhand von Archivdaten wie Brechhilfen-Listen und Sterbeverzeichnissen werden die historischen Annahmen kritisch auf ihre faktische Grundlage in Städten wie Augsburg, Ulm und Überlingen geprüft.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und beantwortet die Leitfrage dahingehend, dass Epidemien keineswegs ein exklusives Problem der Armen waren, sondern auch die Oberschicht schwer trafen.

Schlüsselwörter

Epidemien, Frühneuzeit, Armenfürsorge, Pest, Sozialgeschichte, Seuchen, Reichsstädte, Historische Demografie, Obrigkeitsstaat, Armut, Schuldzuweisung, Brechhilfen, Infektionsschutz, Sozialstruktur, Krisenmanagement

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Wahrnehmung von Seuchen und dem sozialen Umgang mit Armut während Epidemien in süddeutschen Reichsstädten des 16. und 17. Jahrhunderts.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Themenfelder umfassen die Definition von Armut, die Rolle der Armenfürsorge bei Krankheiten, die obrigkeitliche Sicht auf soziale Schichten in Krisenzeiten sowie die architektonische Isolierung von Pestkranken.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Hypothese zu widerlegen, dass Pest und andere Epidemien der frühen Neuzeit ein ausschließliches Problem der Armen waren, und aufzuzeigen, wie die Oberschicht durch Schuldzuweisungen ihre eigene Angst bewältigte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Analyse basiert auf einer geschichtswissenschaftlichen Auswertung historischer Quellen, darunter Gutachten von Zeitgenossen, Ratserlässe und empirische Daten aus Akten der Vermögensverwaltung und Hilfeleistungen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Diskrepanz zwischen den subjektiven Aufzeichnungen der Stadtobrigkeiten und den tatsächlichen empirischen Daten zur Krankheitsausbreitung in Städten wie Augsburg, Ulm und Überlingen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Epidemien, Frühneuzeit, Armenfürsorge, Pest, soziale Konstruktion von Krankheit und die Dynamik zwischen den städtischen Schichten in Krisenzeiten.

Welche Rolle spielt das Werk von Joseph Furttenbach für diese Untersuchung?

Joseph Furttenbachs Aufzeichnungen dienen als primäre historische Quelle, um den Wandel des Mitleids der Oberschicht hin zu aktiver Schuldzuweisung gegenüber Armen und Vaganten exemplarisch aufzuzeigen.

Wie lässt sich der Zusammenhang zwischen Pest und sozialem Status interpretieren?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der soziale Status zwar den Zugang zu Fluchtmöglichkeiten und Resilienz durch bessere Ernährung bestimmte, jedoch die Infektionsgefahr an sich keine reine Frage der sozialen Schicht war.

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Details

Titel
Die Auswirkungen von Epidemien in unteren sozialen Schichten in Süddeutschland
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geschichte)
Veranstaltung
Infizierte Gesellschaften
Note
1,7
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
18
Katalognummer
V1371347
ISBN (PDF)
9783346905963
ISBN (Buch)
9783346905970
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswirkungen epidemien schichten süddeutschland
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2022, Die Auswirkungen von Epidemien in unteren sozialen Schichten in Süddeutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1371347
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Leseprobe aus  18  Seiten
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