„Kaum ein Ereignis hat die Öffentlichkeit in den vergangenen Jahrzehnten so stark erschüttert wie der Ausbruch des jugoslawischen Krieges im Sommer 1991. Das Ausmaß der Zerstörungen, vor allem aber die beispielslose Brutalität und die Systematik der Menschenrechtsverletzungen erschien vielen Beobachtern unerklärlich.“
Der Zerfall des föderalen Jugoslawien belastete die Teilrepublik Bosnien-Herzegowina besonders stark. Sie wurde zum Schauplatz eines entsetzlichen Krieges zwischen den verschiedenen Ethnien des Landes. Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen wie es zum Ausbruch des Bosnienkriegs kommen konnte, welcher durch seine Grausamkeit und das Ausmaß seiner Zerstörungen die Welt erschütterte. Im Rahmen des Seminars „Ethnische und Nationalistische Konflikte“, stellt sich also die Frage nach den genauen Ursachen dieses Krieges, welcher zwischen 1992 und 1995 in Bosnien-Herzegowina stattfand.
Im Laufe dieser Arbeit sollen zunächst die zentralen Annahmen vorgestellt werden, welche anhand einer geschichtlichen Übersicht und später durch detailliertere historische Betrachtung überprüft werden sollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Zerfall der sozialistischen föderativen Republik Jugoslawien
3. Bosnien-Herzegowina im jugoslawischen Zerfallsprozess
3.1. Die Kriegsparteien und deren Ziele
3.1.1. Die bosnischen Serben
3.1.2. Die bosnischen Kroaten
3.1.3. Die Bosniaken
4. Kurzer Überblick: Kriegsverlauf von 1992-1995
5. Ursachen für den Ausbruch des Krieges
5.1. Ausganssituation: Existenz mehrerer ethnischer Minderheiten und das Bangen um ihr politisches Forstbestehen
5.2. Das interethnische Sicherheitsdilemma
6. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Ursachen des Bosnienkriegs (1992-1995) unter Anwendung des politikwissenschaftlichen Konzepts des interethnischen Sicherheitsdilemmas. Ziel ist es zu analysieren, wie der Transformationsprozess nach dem Zerfall Jugoslawiens die verschiedenen ethnischen Gruppen in einen Zustand der existentiellen Angst und Unsicherheit versetzte, der in einen gewaltsamen Konflikt mündete.
- Analyse des Zerfalls der sozialistischen föderativen Republik Jugoslawien
- Darstellung der verschiedenen Kriegsparteien (Serben, Kroaten, Bosniaken) und deren politische Ziele
- Anwendung des Sicherheitsdilemma-Konzepts auf innerstaatliche ethnische Konflikte
- Untersuchung der Eskalationsdynamik durch Propaganda und militärische Aufrüstung
- Evaluierung der Rolle ethnischer Identität und politischer Existenzängste
Auszug aus dem Buch
5.2. Das interethnische Sicherheitsdilemma
Bei der Betrachtung der Sicherheitsbestrebungen der einzelnen Gruppen, darf man den Einfluss den sowohl Serbien, als auch Kroatien unbestreitbar auf die bosnischen Serben und Kroaten hatten nicht ausblenden. Der internationale Einfluss hatte große Effekte auf die Aussichten und Forderungen der ethnischen Gruppen in Bosnien.
Seit der Desintegration der Kommunistischen Partei 1990 hatten die Nationalismen der Nachbarstaaten Serbien und Kroatien eine bedrohliche Präsenz für Bosnien-Herzegowina eingenommen. Milosevic und Tudjman verbargen ihre obersten Ziele nur mit Mühe und Not. Somit war Milosevic bekennender Vertreter einer großserbischen Zukunftsvision von Jugoslawien und Tudjman vertrat die Ansicht, dass Bosniaken unbestreitbar kroatischer Abstammung waren und Bosnien und Kroatien eigentlich eine geografische und ökonomische Einheit bildeten.
Diese Konstellation stellte für die Ethnien Bosnien-Herzegowinas in mehrfacher Hinsicht eine Bedrohung dar. Die steigende Präsenz von Nationalismus, welche sich mit den Wahlen 1990 auch in Bosnien-Herzegowina zeigte, gefährdete insbesondere die Integrität der Bosniaken. Wie bereits erwähnt, waren die Bosniaken die einzige Ethnie Bosnien-Herzegowinas, die keine Mutternation hatten zu der sie sich bekennen konnten. Gleichzeitig war jedoch durch die vorrangig serbische Propaganda bekannt, dass die Bosnischen Grenzen keineswegs in Sicherheit waren. Die Bosniaken mussten also einen Weg finden, um ihre Macht und somit die Sicherheit ihrer Existenz zu gewährleisten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Bosnienkriegs ein und formuliert die zentrale Fragestellung, warum es nach einer Zeit der friedlichen Koexistenz zu einem gewaltsamen Konflikt kommen konnte.
2. Der Zerfall der sozialistischen föderativen Republik Jugoslawien: Das Kapitel beleuchtet die ökonomischen und politischen Faktoren, wie die Wirtschaftskrise und den Tod Titos, die zur Erosion der jugoslawischen Identität und schließlich zur faktischen Auflösung der Föderation führten.
3. Bosnien-Herzegowina im jugoslawischen Zerfallsprozess: Hier wird die spezifische Lage Bosniens nach der Unabhängigkeitserklärung untersucht, insbesondere die politische Spaltung entlang ethnischer Linien und die konkurrierenden Ziele der drei Volksgruppen.
4. Kurzer Überblick: Kriegsverlauf von 1992-1995: Dieses Kapitel liefert eine chronologische Übersicht der militärischen Ereignisse von den ersten Barrikaden in Sarajevo bis hin zum Dayton-Friedensabkommen.
5. Ursachen für den Ausbruch des Krieges: Das Kernkapitel analysiert den Ausbruch des Krieges durch das Konzept des Sicherheitsdilemmas, welches die Angst der ethnischen Gruppen um ihre Integrität in einem Transformationsprozess erklärt.
6. Schlussfolgerung: Das Fazit bestätigt die Hypothese, dass die Unsicherheit der Ethnien über ihr politisches Fortbestehen das zentrale Element war, das in das interethnische Sicherheitsdilemma und den Krieg mündete.
Schlüsselwörter
Bosnienkrieg, Sicherheitsdilemma, Jugoslawien, Ethnischer Konflikt, Transformation, Nationalismus, Bosniaken, Bosnische Serben, Bosnische Kroaten, Souveränität, Existenzangst, Interethnischer Konflikt, Politische Instabilität, Militarisierung, Identitätspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Ursachen des Krieges in Bosnien-Herzegowina (1992-1995) vor dem Hintergrund des Zerfalls des ehemaligen Jugoslawiens.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Desintegration des jugoslawischen Staates, die Rolle ethnischer Identitäten sowie der Prozess der politischen und militärischen Polarisierung innerhalb der bosnischen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, warum es trotz einer langen Tradition friedlicher Koexistenz nach dem Zerfall Jugoslawiens zu einem gewaltsamen ethnischen Konflikt in Bosnien-Herzegowina kommen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt das politikwissenschaftliche Konzept des "Sicherheitsdilemmas", um die Handlungen und Befürchtungen der beteiligten ethnischen Gruppen theoretisch zu erklären und historisch zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse des Zerfalls Jugoslawiens, eine detaillierte Betrachtung der Kriegsparteien, einen Überblick über den Kriegsverlauf sowie eine theoretische Anwendung des Sicherheitsdilemma-Modells auf die ethnischen Spannungen in Bosnien.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Schlagworte sind Bosnienkrieg, Sicherheitsdilemma, ethnischer Konflikt, Transformation, Nationalismus und Identitätspolitik.
Inwiefern beeinflussten externe Mächte wie Serbien und Kroatien das Sicherheitsdilemma innerhalb Bosniens?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Druck durch benachbarte Staaten und deren großserbische bzw. großkroatische Visionen die Unsicherheit der ethnischen Gruppen in Bosnien drastisch verschärfte und den Zwang zur eigenen "Aufrüstung" auslöste.
Warum wird das Konzept des Sicherheitsdilemmas als Erklärung für den Bosnienkrieg als geeignet angesehen?
Das Modell erklärt, wie die Angst vor einer existentiellen Bedrohung durch die "Andere" Seite – selbst bei ehemals kooperativen Akteuren – eine fatale Kettenreaktion auslöst, die präventive militärische Aktionen als rational erscheinen lässt.
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- Anne-Kristin Müller (Author), 2008, Interethnisches Sicherheitsdilemma in Bosnien-Herzegowina, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137135