Diese Arbeit zielt darauf ab, die Konzeption von "machbarem Glück" zu analysieren, indem sie die philosophischen und psychologischen Perspektiven des Glücks unter die Lupe nimmt. Sie prüft die historischen Entwicklungen des Glücksverständnisses in der westlichen Welt und wie dieses Verständnis das heutige Glücksempfinden prägt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Veränderung des Glücksbegriffs in der Aufklärung
2.1. Vom Heil zum Glück
2.2. Tugendbegriff
3. Was ist Glück?
3.1. Allgemeiner Sprachgebrauch
3.2. Philosophische Klärung
4. Kritische Klärung der Machbarkeit von Glück
4.1. Philosophisch – theologische Perspektive
4.2. Psychologische Perspektive
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die gegenwärtige wissenschaftliche Haltbarkeit der Annahme, dass Glück durch individuelles Handeln („jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“) aktiv gestaltbar und erreichbar ist.
- Historische Transformation des Glücksbegriffs während der Aufklärung
- Philosophische Differenzierung zwischen Glück, Zufall und einem gelungenen Leben
- Psychologische Konzepte von Flow und Lebenszufriedenheit
- Einfluss genetischer Faktoren und externer Rahmenbedingungen auf das Glücksempfinden
- Kritische Reflexion der Machbarkeitsideologie in heutigen Gesellschaften
Auszug aus dem Buch
3.1. Allgemeiner Sprachgebrauch
Wie in Kapitel 2 gesehen, kam es in der Aufklärung zu einer deutlichen Materialisierung des Glücksverständnisses, weshalb es nahe liegt hier zu beginnen. Hans-Joachim Höhn betont in seinem Buch „Zeitdiagnose“, dass seit „einigen Jahren die Haltung des Geizes - auch für Wohlhabende - als vorbildlich dargestellt“ werde. Ein Beispiel hierfür kann der Werbeslogan „Geiz ist Geil“, mit dem die Elektrohandelskette Saturn zwischen den Jahren 2002 und 2011 warb, sein. Dies würde eine Verbindung von menschlichem Streben und materiellem Besitz nahe legen. Auch die Sinus Milieu Studie von 2016 zeigt, dass es bei der Gruppe der materiellen Hedonisten (im Alter zwischen 14 und 17) eine starke Betonung des sozialen Aufstiegs über einen „guten Beruf“ und einer finanziell komfortablen Zukunft gibt.
Nichtsdestotrotz weitete sich mit dem 20. Jahrhundert die materielle Sicht des Glückes auf. Dies wird unter anderem durch aktuelle Studien gestützt, wie Anton Bucher betont: „Obschon sich die materiellen Lebensbedingungen in den letzten sechs Jahrzehnten in einer einmaligen Weise verbesserten, wurden die Menschen nicht glücklicher. Die Annahme vieler Menschen, sie wären glücklicher, wenn sie mehr Geld hätten, erfüllt sich nicht. [...] Sobald die materiellen Grundbedürfnisse abgedeckt sind, hebt ein höheres Einkommen das Wohlbefinden nicht mehr.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das moderne Verständnis vom „machbaren Glück“ in der Aufklärung und skizziert die wissenschaftliche Fragestellung der Arbeit.
2. Veränderung des Glücksbegriffs in der Aufklärung: Dieses Kapitel beschreibt den historischen Übergang vom eschatologischen Heil zum individuell erreichbaren Glück unter Einfluss der bürgerlichen Freiheit.
3. Was ist Glück?: Hier wird der heutige Sprachgebrauch und der philosophische Diskurs um Glück sowie die notwendige Unterscheidung zwischen verschiedenen Lebenskonzepten untersucht.
4. Kritische Klärung der Machbarkeit von Glück: Das Kapitel analysiert aus philosophisch-theologischer und psychologischer Sicht, inwiefern die Machbarkeit des Glücks wissenschaftlich haltbar ist und welche Einschränkungen existieren.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Glück zwar in einem gewissen Maße gestaltbar ist, die Idee einer absoluten Machbarkeit jedoch durch Zufälligkeiten und Rahmenbedingungen relativiert wird.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Glücksbegriff, Machbarkeit, Anthropologie, Philosophie, Psychologie, Lebenszufriedenheit, Subjektivität, Tugend, Wohlbefinden, Flow-Theorie, Genetik, Lebensqualität, Sozialethik, Eigenverantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Herkunft und die Berechtigung der Redewendung „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“, indem sie betrachtet, ob und wie der Mensch aktiv sein persönliches Glück erzeugen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Untersuchung deckt die historische Entwicklung des Glücksbegriffs seit der Aufklärung, philosophische Definitionen von gelingendem Leben sowie psychologische Aspekte wie Belohnungsmechanismen und genetische Voraussetzungen ab.
Was ist das primäre Ziel der wissenschaftlichen Analyse?
Das Ziel ist es, zu prüfen, inwieweit die Annahme des „machbaren Glücks“ vor einem heutigen wissenschaftlichen Standpunkt aus philosophischer und psychologischer Sicht aufrechterhalten werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und interdisziplinären Zusammenführung historischer, philosophischer und psychologischer Forschungsbeiträge zum Thema Glück.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des allgemeinen Glücksbereiches, eine philosophische Klärung der Begriffe sowie eine kritische Analyse der Machbarkeitsannahme unter Einbeziehung theologischer und psychologischer Perspektiven.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind die Abgrenzung von materiellem Streben, das Verständnis von Glück als Prozess sowie die Anerkennung existenzieller Rahmenbedingungen.
Inwiefern hat die Aufklärung das moderne Glücksbild geprägt?
Durch die Säkularisierung verlagerte sich das Ideal vom jenseitigen Heil hin zu einer diesseitigen Optimierung, was den Einzelnen erstmals als aktiven Gestalter seines eigenen Glücks begriff.
Warum kann Glück laut der Arbeit nicht einfach „gemacht“ werden?
Die Arbeit zeigt auf, dass Glück stets durch genetische Faktoren, sozioökonomische Rahmenbedingungen und unvorhersehbare Zufälle begrenzt bleibt, die der menschlichen Kontrolle entzogen sind.
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- Fabian Guhr (Autor), 2017, Machbares Glück. Eine Untersuchung des Glücksverständnisses aus philosophischer und psychologischer Perspektive, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1371504