Die vorliegende Diplomarbeit wurde im Rahmen eines Forschungsvorhabens des Lehrstuhls für Umweltmanagement der Universität Hohenheim erstellt. Dieses Forschungsvorhaben ist ein Teilprojekt des Verbundprojekts IT-FoodTrace, das in Kapitel 2 näher vorgestellt wird.
Das Forschungsvorhaben beinhaltet dabei folgende Fragestellungen als Kernpunkte:
• Welche Effekte entstehen für die einzelnen Anspruchsgruppen entlang der Wertschöpfungskette?
• Wie können diese Effekte strukturiert bzw. kategorisiert werden?
• Wie können die positiven Effekte weiter genutzt werden?
• Wie können negative Effekte verhindert bzw. abgemildert werden?
Aus diesen Fragestellungen ergibt sich als Ziel eine das IT-FoodTrace-Projekt begleitende Folgenabschätzung bezogen auf eine „nachhaltige Entwicklung“ der Wertschöpfungskette von Erzeugnissen tierischer Herkunft.
Diese Folgenabschätzung soll mit Hilfe einer Delphi-Befragung untersucht werden, indem Experten entlang der Wertschöpfungskette anhand eines Fragebogens bspw. die sich ergebenden, möglichen positiven als auch negativen Folgen der IT-FoodTrace-Technologie bewerten bzw. abschätzen sollen. Zur Durchführung der Delphi-Befragung soll dementsprechend ein Fragebogen modelliert werden, der dann den Experten vorgelegt wird. Zielsetzung dieser Diplomarbeit ist somit die Unterstützung bei der Fragebogenmodellierung im Teilprojekt. Es sollen in diesem Zusammenhang die theoretischen Grundlagen der Fragebogenmodellierung geschaffen werden, die als eine Art „Anleitung“ fungieren und bei der Modellierung des Delphi-Fragebogens helfen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Zielsetzung der Arbeit
2 Das Verbundprojekt IT-FoodTrace
3 Formen der Befragung
3.1 Standardisierungsgrad
3.1.1 Voll-standardisiert
3.1.2 Teil-standardisiert
3.1.3 Nicht-standardisiert
3.2 Kommunikationsform
3.2.1 Mündliche Befragung
3.2.2 Schriftliche Befragung
3.2.3 Telefonische Befragung
3.2.4 Online-Befragung
3.3 Delphi-Befragung als spezielle Form der Befragung
3.3.1 Anwendungszwecke und Einsatzgebiete
3.3.2 Typen von Delphi-Befragungen
3.3.3 Das klassische Delphi-Design
4 Gütekriterien der Befragung
4.1 Objektivität
4.2 Reliabilität
4.3 Validität
5 Formale Kriterien zur Fragebogenmodellierung
5.1 Begriff und Zielsetzungen eines Fragebogens
5.2 Fragenformulierung
5.2.1 Fragenformen
5.2.1.1 Offene Fragen
5.2.1.2 Geschlossene Fragen
5.2.1.3 Halboffene Fragen (Hybridfragen)
5.2.1.4 Direkte Fragen/indirekte Fragen
5.3 Antwortvorgaben und Skalen
5.3.1 Skalenniveaus
5.3.1.1 Nominalskalen
5.3.1.2 Ordinalskalen
5.3.1.3 Intervallskalen
5.3.1.4 Ratioskalen
5.3.2 Skalierungen zur Einstellungsmessung
5.3.2.1 Rating-Skala
5.3.2.2 Likert-Skala
5.3.3 Antworttendenzen
5.4 Aufbau des Fragebogens
5.4.1 Fragensukzession
5.4.2 Funktionsfragen
5.4.2.1 Einleitungs-/Eisbrecherfragen
5.4.2.2 Übergangs-/Überleitungsfragen
5.4.2.3 Filter- und Trichterfragen
5.4.2.4 Kontrollfragen
5.4.2.5 Schlussfragen
5.5 Layout
5.5.1 Einleitungstext
5.5.2 Schlussformel
5.6 Pretest
5.6.1 Aufgaben
5.6.2 Verfahren
5.6.2.1 Pretestverfahren im Feld
5.6.2.2 Kognitive Verfahren
5.6.2.3 Andere Verfahren
5.7 Rücklauf
6 Gestaltungsmöglichkeiten des Delphi-Fragebogens
6.1 Einsatz geschlossener Fragen
6.1.1 Fragetypen
6.1.1.1 Kompetenzfrage bzw. Selbsteinschätzung der Experten
6.1.1.2 Zeitintervalle/Zeitraum der Verwirklichung
6.1.1.3 Bewertung von Szenarien
6.1.1.4 Numerische Schätzfragen
6.1.1.5 Weitere mögliche Fragetypen
6.1.2 Bündelung von Fragetypen
6.2 Einsatz offener Fragen
6.2.1 Offene Fragen in der quantitativen Befragungsrunde
6.2.2 Offene Fragen in der qualitativen Befragungsrunde
6.3 Gestaltung des Feedbacks
6.3.1 Feedback bei Zeitpunkten bzw. –intervallen
6.3.2 Feedback bei der Bewertung von Sachverhalten
6.4 Gestaltung des Layouts
7 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Unterstützung bei der Fragebogenmodellierung im Rahmen des Verbundprojekts IT-FoodTrace. Dabei sollen theoretische Grundlagen erarbeitet werden, die als Anleitung für die Erstellung eines Delphi-Fragebogens dienen, um Expertenmeinungen zu Folgen der IT-FoodTrace-Technologie systematisch zu erfassen.
- Grundlagen und Formen der Befragung
- Qualitätskriterien empirischer Sozialforschung (Objektivität, Reliabilität, Validität)
- Formale Kriterien der Fragebogenmodellierung
- Methodik des Delphi-Designs und der Feedback-Gestaltung
- Pretest-Verfahren und Maßnahmen zur Rücklaufsteigerung
Auszug aus dem Buch
3.1 Standardisierungsgrad
Man unterscheidet Befragungen üblicherweise nach dem Grad ihrer Standardisierung in voll-standardisierte, teil-standardisierte und nicht-standardisierte Befragungen.6
3.1.1 Voll-standardisiert
Der voll-standardisierten Befragung liegt ein strikt einzuhaltender Fragebogen vor. In diesem sind die Anzahl und Formulierung der Fragen, ihre Reihenfolge sowie die Antwortmöglichkeiten vollständig vorgegeben. Mit der Standardisierung wird das Ziel verfolgt, von allen befragten Personen, miteinander vergleichbare Antworten auf ein und dieselbe Frage zu erhalten. Die Antwortvorgaben dienen dazu den Sinn der Frage verständlicher zu machen und helfen dabei die Auswertung der Antworten schneller und vollständiger zu erfassen.7
Ein Beispiel für eine solche Frage ist:
„Wie viele Stunden am Tag nutzen sie das Internet?“ (Zutreffendes bitte ankreuzen)
Eine Stunde am Tag []
Eine bis zwei Stunden []
Länger []
Kürzer []
Ohne Antwortvorgaben, hätte man wahllose, miteinander nicht vergleichbare Antworten, wie „gar nicht“, „ich habe kein Internetzgang“, „kommt drauf an…“, usw. erhalten. Hier liegt der Vorteil standardisierter Befragungen; neben der Vollständigkeit und Vergleichbarkeit der Antworten, sind die Ergebnisse auch leichter zu quantifizieren. Da keine Fragen hinzugefügt werden können und die Formulierung der Fragen nicht verändert werden kann, weisen die standardisierten Befragungen eine hohe Zuverlässigkeit (Reliabilität, vgl. Kapitel 4.2) auf. Einschränkungen ergeben sich bei der Gültigkeit (Validität, vgl. Kapitel 4.3) der Fragestellung und der Antwortvorgaben, wenn diese nicht die wahre Situation der Befragten erfasst. Durch die Vorformulierung der Fragen und Antwortmöglichkeiten wird der Informationsgehalt beschnitten und es werden teilweise künstliche Antworten generiert. Standardisierte Befragungen eignen sich deswegen eher zur Erfassung bekannter Themengebiete. Durch klare Formulierung der Fragen und leicht unterscheidbarer Antwortmöglichkeiten können diese am einfachsten abgedeckt werden.8
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Zielsetzung der Arbeit: Einführung in das Forschungsvorhaben IT-FoodTrace und Definition des Ziels, einen Delphi-Fragebogen zur Folgenabschätzung zu modellieren.
2 Das Verbundprojekt IT-FoodTrace: Beschreibung des Forschungsverbundes IT-FoodTrace und der geplanten IT-gestützten Dokumentation der Wertschöpfungskette.
3 Formen der Befragung: Übersicht über verschiedene Befragungsarten, differenziert nach Standardisierungsgrad und Kommunikationsform, inklusive der Delphi-Befragung.
4 Gütekriterien der Befragung: Erläuterung der wissenschaftlichen Kernkriterien Objektivität, Reliabilität und Validität für die empirische Sozialforschung.
5 Formale Kriterien zur Fragebogenmodellierung: Detaillierte Darstellung der Grundlagen zur Konstruktion, von der Fragenformulierung über Skalenniveaus bis hin zum Pretest.
6 Gestaltungsmöglichkeiten des Delphi-Fragebogens: Spezifische Anwendung der Modellierungskriterien auf das Delphi-Design, einschließlich Fragetypen und Feedback-Strategien.
7 Zusammenfassung und Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der erarbeiteten Grundlagen und Bestätigung der Notwendigkeit konzeptioneller Planung bei der Fragebogenentwicklung.
Schlüsselwörter
Fragebogenmodellierung, Delphi-Studie, IT-FoodTrace, empirische Sozialforschung, Standardisierung, Objektivität, Reliabilität, Validität, Skalierungsverfahren, Likert-Skala, Pretest, Total-Design-Methode, Expertenbefragung, Feedback-Gestaltung, Wertschöpfungskette
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Unterstützung bei der Erstellung eines Fragebogens für eine Delphi-Studie im Kontext des Verbundprojekts IT-FoodTrace.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Werk?
Im Zentrum stehen die Formen der empirischen Befragung, die wissenschaftlichen Gütekriterien, die Techniken der Fragen- und Skalenkonstruktion sowie spezifische Gestaltungsaspekte für Delphi-Fragebögen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, theoretische Grundlagen und eine Art "Anleitung" für die Modellierung eines Delphi-Fragebogens zu schaffen, um die Folgenabschätzung der IT-FoodTrace-Technologie zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu Methoden der empirischen Sozialforschung und überträgt diese Erkenntnisse gezielt auf das Instrument der Delphi-Befragung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in allgemeingültige Kriterien zur Fragebogenmodellierung (Kapitel 5) und spezifische Gestaltungsmöglichkeiten für den Delphi-Fragebogen (Kapitel 6).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Fragebogenmodellierung, Delphi-Studie, Gütekriterien, Skalierungsverfahren und IT-FoodTrace charakterisieren.
Wie wird die Qualität einer Delphi-Befragung sichergestellt?
Durch die Anwendung standardisierter Fragebögen, Expertenauswahl, Anonymität, statistische Gruppenauswertung und wiederholte Befragungsrunden, ergänzt durch die Einhaltung der Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität.
Welche Rolle spielt der Pretest in diesem Kontext?
Der Pretest ist eine unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Fragebogenkonstruktion, um Verständnisprobleme und technische Schwierigkeiten vor dem eigentlichen Einsatz der Studie zu identifizieren und zu beheben.
Warum ist die Gestaltung des Feedbacks in Delphi-Studien so wichtig?
Das Feedback dient dazu, Experten über die Einschätzungen der anderen Teilnehmer zu informieren, was ihnen ermöglicht, ihre eigenen Ansichten zu überdenken oder zu revidieren, um so eine fundierte Gruppenmeinung zu bilden.
Was zeichnet die "Total-Design-Methode" aus?
Es handelt sich um einen von Don Dillman entwickelten Empfehlungskatalog für die Ausgestaltung, das Design und die praktische Implementation von Befragungen, um die Rücklaufquoten, insbesondere bei postalischen Studien, signifikant zu erhöhen.
- Quote paper
- Dipl. oec. Jaroslaw Rokicki (Author), 2008, Modellierung eines Fragebogens im Rahmen einer Delphi-Studie im Verbundprojekt IT-FoodTrace, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137161