Die Ursachen und Vermittlung von Vorurteilen


Hausarbeit, 2009

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1. Vorurteil
2.2. Stereotyp
2.3. Kategorie

3. Abgrenzung der Ingroup von der Outgroup

4. Ursachen von Vorurteilen
4.1. Missverständnisse
4.2. Prozess der sozialen Kategorisierung
4.3. Intergruppenangst
4.4. Sündenbocktheorie
4.5. Ansatz der Sozialisationstheorie

5. Vermittlung von Vorurteilen
5.1. Die Rolle der Eltern
5.2. Die Rolle der Medien
5.2.1. Kollektivsymbole

6. Reaktionen zum Abbau von Vorurteilen

7. Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wieso glauben einige, dass in Polen die organisierte Kriminalität und Autodiebstahl ein Bestandteil des Alltags sind und andere dass Italiener sich nur laut artikulieren können? Warum besitzen viele eine grundlegende Abneigung gegen Beamte? Wie kommt es, dass Blondinen als dumm und einfältig angesehen werden? Und wieso wird behauptet dass Frauen nicht einparken und Männer nicht zuhören können?

Vorurteile und Stereotypen gelten als allgemein gültig und sind in allen Schichten und Gruppierungen vertreten. Sie stellen Brillen mit verschiedenartigen Stärken und Tönungen dar, durch die wir uns gegenseitig begutachten. Vorurteile können unter anderem Interessenkonflikte und Konkurrenzbeziehungen verursachen. Außerdem beeinflussen Vorurteile unser tägliches Handeln, wenn auch meist unbewusst. Jeder verfügt über sie, jeder steckt andere in eine Schublade.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich genau mit dieser Problematik. Zur Einführung werden die Schlüsselwörter Vorurteil, Stereotyp und Kategorie definiert. Der darauf folgende Teil befasst sich mit der Abgrenzung der Eigengruppe von der Fremdgruppe. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird auf die Ursachen und Vermittlung von Vorurteilen eingegangen. Schließlich werden mögliche Reaktionen aufgezeigt, die zum Abbau von Vorurteilen geeignet sind.

2. Definitionen

Im folgenden Abschnitt werden die Begriffe Vorurteil, Stereotyp und Kategorie genauer erläutert, um einen ersten thematischen Einblick zu geben. Ein weiterer Grund ist, dass Stereotyp und Vorurteil häufig als synonym benutzt werden. Jedoch sollte man diese voneinander unterscheiden, da „[i]m Begriff des Stereotyps [...] überwiegend auf kognitive Prozesse der Unterscheidung und Verallgemeinerung, im Begriff des Vorurteils [...] überwiegend auf affektive Prozesse der Abwertung“ (Schäfer 1988, S. 51) eingegangen wird.

2.1. Vorurteil

„Kein Vorurteil wäre bedenklicher als die Annahme, ohne Vorurteile leben zu können. Die schlechthin vorurteilsfreie Existenz ist nicht vollziehbar.“ (Bergler 1976, S. 7)

Vorurteile charakterisieren eine „feindselige oder negative Einstellung gegenüber Menschen einer bestimmten Gruppe, die nur auf ihrer bloßen Mitgliedschaft in dieser Gruppe basiert“ (Aronson, Wilson, Akert 2004, S. 485). Diese Aussage bezieht sich nur auf die negativen Vorurteile und die unangenehmen Empfindungen in Bezug auf andere Personen. Allerdings sollte man beachten, dass Vorurteile nicht nur negativ sind, sondern auch positive Aspekte verfolgen können. Davon ausgehend beschreiben Vorurteile eine Voreingenommeneinheit, die sowohl Ablehnung als auch Zustimmung einbezieht (vgl. Güttler 2003, S. 112). Ein Vorurteil stellt die Verfestigung und Verkörperung von Stereotypen dar. Dafür genügt eine „minimale Information [...], um zu einem mindestens für die eigene Bezugsgruppe sinnvollen und plausiblen, dabei aber ganzheitlichen Urteil zu gelangen“ (Bergler 1976, S. 56). Beispielsweise reichen Angaben über den Beruf oder das Aussehen, um sich ein Bild von einer Person zu machen. Die Funktionen von Vorurteilen ähneln denen von Stereotypen. Sie führen zu einer Reizreduktion, wodurch die unübersichtliche Vielfalt nach Ähnlichkeiten in Gruppen beziehungsweise Kategorien geordnet wird. Dies führt zu einer Verhaltenssicherheit, weil alles überschaubarer scheint. Sie machen deutlich und polarisieren konkrete Merkmale von Typologien. Vorurteile sind wertend und erzeugen somit Konflikte und Verurteilungen. Ebenso generalisieren Vorurteile durch vorschnelles Urteilen (vgl. Bergler 1976, S. 115-122).

Der Ethnozentrismus stellt eine Form von Vorurteilen dar. Es sind die wahrgenommen Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen. So präsentieren sich einige Nationen als überlegen, andere werden hingegen als minderwertig vorgeführt. Zu diesem Thema äußerte sich Estel dementsprechend:

„Fremdgruppen sind Gegenstand negativer Meinungen und feindseliger Haltungen; Wir-Gruppen dagegen sind Gegenstand positiver Urteile und einer unkritisch verteidigenden Handlung. Zusätzlich herrscht die Auffassung, daß Fremdgruppen den Wir- Gruppen in sozialer Hinsicht untergeordnet sein sollten“ (Estel 1983, S. 57).

2.2. Stereotyp

Ein Stereotyp kennzeichnet die „Generalisierung über eine Gruppe von Menschen, bei der man praktische allen Mitgliedern der Gruppe identische Eigenschaften zuschreibt, ohne Beachtung gegebener Variationen unter den Mitgliedern“ (Aronson, Wilson, Akert 2004, S. 486). Es ist zu berücksichtigen, dass Stereotypen nicht zwingend negative Komponenten beinhalten müssen. Sie bilden die kognitive Grundlage für Vorurteile und sind fest im Individuum verankert, demnach weitestgehend veränderungsresistent. Sie werden meist ganz ohne eigene Erfahrung gebildet, sondern übernommen (vgl. Gredig 1994, S. 13). Stereotypen und die dazugehörigen Überzeugungen werden durch bestimmte Symbole ausgelöst. Es genügt ein Wort zu erwähnen, beispielsweise „die Polen“ um ein stereotypes Bild zu erschaffen. Wobei es sich meist um eine kollektiv geteilte Meinung handelt (vgl. Gredig 1994, S. 16f.). Sie besitzen mehrere Funktionen. Sie sind wertend und vereinfachen die Abgrenzung und Aufwertung der Eigengruppe gegenüber einer Fremdgruppe (vgl. Güttler 2003, S. 111). Außerdem dienen sie „der Vereinfachung und Systematisierung des Überflusses und der Komplexität von Informationen, die der menschliche Organismus aus seiner Umwelt empfängt“ (Tajfel 1982, S. 42f.). Das bedeutet die Welt ist zu komplex um sich über jeden Sachverhalt eine angemessene Meinung zu bilden. Damit kein kognitives Chaos entsteht, simplifizieren Stereotypen die soziale Umwelt. Sie erleichtern somit die Wahrnehmung, die Urteilsbildung und die Handlung. Dies ermöglicht unter anderem, dass man anhand einiger Merkmale fremde Personen einer Gruppe zu ordnen kann (vgl. Güttler 2003, S. 113).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Ursachen und Vermittlung von Vorurteilen
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Individuelle und kulturelle Diversität
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V137192
ISBN (eBook)
9783640467044
ISBN (Buch)
9783640466917
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ursachen, Vermittlung, Vorurteilen
Arbeit zitieren
Sarah Diekow (Autor), 2009, Die Ursachen und Vermittlung von Vorurteilen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137192

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