1969 wurde in Berlin aufgrund des Bemühens um eine Erweiterung des Katalogs positiver Maßnahmen der praktizierten Jugendhilfe, d.h. Leistungen statt Eingriffe, die erste sozialpädagogische Familienhilfe experimentell erprobt. Damit sollte eine bestehende Leistungslücke des Jugendamtes zwischen angeordneter Unterbringung und freiwilliger Beteiligung an Maßnahmen und Leistungen in Form einer familienorientierten offenen Hilfe zur Stabilisierung von Familien, bei denen aus verschiedenen Gründen die Versorgung, Pflege und Erziehung der Kinder ohne Unterstützung nicht ausreichend gewährleistet ist, geschlossen werden. Die in solchen Situationen bislang durchgeführte Fremdunterbringung von Kindern und Jugendlichen sollte dadurch nicht mehr die einzige, sondern in besonders gelagerten Fällen lediglich die letzte Möglichkeit sein, den Anspruch auf Erziehung zu garantieren. Von Berlin aus erfolgte in den folgenden Jahren eine kontinuierliche Ausbreitung der Sozialpädagogischen Familienhilfe. Durch die Wortwahl „Sozialpädagogische Familienhilfe“ soll verdeutlicht werden, dass es sich nicht um eine bloße Haushaltsfortführung in Fällen zeitweiliger Abwesenheit eines oder beider Elternteile handelt, um die häusliche Versorgungslücke zu schließen, sondern dass diese Hilfe die Versorgungs- und Erziehungsfähigkeit aller Familienmitglieder umfassend und dauerhaft unterstützen soll. Hinter dem Konzept der Sozialpädagogischen Familienhilfe steht folglich der Grundgedanke der Hilfe zur Selbsthilfe, die langfristig angelegt (im Regelfall bis zu zwei Jahren) und intensiv (bis zu 20 Wochenstunden) erfolgt und neben der Unterstützung im alltagspraktischen Bereich die Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Sozialisationsfunktion der Familien garantiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Basisinformationen
1.1 Entstehung
1.2 Aufgabenbereiche
1.3 Finanzierung
1.4 Qualifikationen der Familienhelfer/innen
2 Die Klientel Sozialpädagogischer Familienhilfe
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Entstehung, Struktur und Effektivität der sozialpädagogischen Familienhilfe. Ziel ist es, die verschiedenen Familientypologien der Klienten zu untersuchen und auf Basis einer Clusteranalyse die Erfolgsfaktoren sowie Herausforderungen dieses ambulanten Unterstützungsangebots zu identifizieren.
- Historische Entwicklung der sozialpädagogischen Familienhilfe in Berlin
- Aufgabenbereiche, Finanzierungsmodelle und professionelle Anforderungen
- Klassifizierung der Klienten in spezifische Familientypologien
- Analyse von Erfolgsindikatoren und Risikofaktoren im Betreuungsverlauf
Auszug aus dem Buch
2 Die Klientel Sozialpädagogischer Familienhilfe
Generell sind Klienten der sozialpädagogischen Familienhilfe häufig Familien mit einer überdurchschnittlich hohen Kinderzahl, woraus sich eine ebenfalls überdurchschnittliche Haushaltsgröße ergibt. Das ist bemerkenswert, da die Hälfte der betreuten Familien Ein-Elternteil-Familien sind, die, verglichen mit der Wohnbevölkerung, um das vier- bis fünffache überrepräsentiert sind. Das Durchschnittsalter der Kinder in den betreuten Familien liegt bei 7,4 Jahren. Bezüglich der Indikatoren für soziale Schichtzugehörigkeit ist festzustellen, dass vor allem die Frauen eine sehr geringe schulische und berufliche Qualifikation vorzuweisen haben. Es liegt meist eine niedrige Erwerbsquote und ein sehr geringes Pro-Kopf-Einkommen vor, sodass fast 2/3 der betreuten Familien unterhalb der Sozialhilfegrenze leben und somit ganz oder teilweise laufende Hilfe zum Lebensunterhalt beziehen; die Hälfte von ihnen ist in erheblichem Maße verschuldet.
Eine Clusteranalyse, wie sie von dem Sozialpädagogischen Institut Berlin durchgeführt wurde, ermöglicht es, auf der Grundlage mehrerer Ausgangsvariablen Zusammenhänge zwischen diesen aufzudecken. Folgende Variablen wurden dafür ausgewählt: Zahl der in der Familie lebenden Erziehungspersonen und Minderjährigen, Pro-Kopf-Einkommen sowie Bildungsabschluss der Mutter. Als Kompromiss zwischen Aussagefähigkeit und Überschaubarkeit erfolgte eine Einteilung in fünf Typologien der betreuten Familien:
Gruppe 1 stellt die „Ein-Elternteil-Familien mit niedrigem Einkommen“ dar, die 37% der von der Sozialpädagogischen Familienhilfe betreuten Familien ausmachen und dessen Zahl an minderjährigen Kindern unterdurchschnittlich ist. Nur wenige Mütter gehen einer Erwerbstätigkeit nach, sodass das Pro-Kopf-Einkommen niedrig ist und die Familien häufig Sozialhilfe beziehen; Verschuldung liegt allerdings relativ selten vor. Behördenangelegenheiten haben die größte Bedeutung für die Betreuung durch die Sozialpädagogische Familienhilfe.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Basisinformationen: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung der sozialpädagogischen Familienhilfe als Alternative zur Fremdunterbringung sowie die zentralen Aufgabenbereiche, Finanzierungsformen und die erforderlichen Qualifikationen der Fachkräfte.
2 Die Klientel Sozialpädagogischer Familienhilfe: Hier werden die soziodemografischen Merkmale der Klienten analysiert und eine auf Clusteranalysen basierende Typologie von fünf verschiedenen Familiengruppen erstellt, um Betreuungserfolge und -risiken besser einschätzen zu können.
Schlüsselwörter
Sozialpädagogische Familienhilfe, Jugendhilfe, Familienhilfe, Fremdunterbringung, Hilfe zur Selbsthilfe, Clusteranalyse, Familientypologie, Sozialisation, Betreuungserfolg, soziale Benachteiligung, Erziehungsfähigkeit, Sozialarbeit, ambulante Hilfe, Elternberatung, Haushaltshilfe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der sozialpädagogischen Familienhilfe, ihre historische Entstehung sowie ihre praktische Anwendung und Wirksamkeit bei der Unterstützung von Familien in belastenden Lebenssituationen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Felder sind die Struktur der Familienhilfe, die Qualifikation der Mitarbeiter, die Finanzierungsmodelle und eine detaillierte Analyse der betreuten Zielgruppen anhand einer Clusteranalyse.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Wirksamkeit der sozialpädagogischen Familienhilfe zu beleuchten und Kriterien für einen erfolgreichen versus nicht-erfolgreichen Einsatz dieses ambulanten Instruments herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung von Ergebnissen einer Clusteranalyse des Sozialpädagogischen Instituts Berlin sowie auf eine Bestandsaufnahme der praktischen Sozialarbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der allgemeinen Rahmenbedingungen der Familienhilfe und eine differenzierte Untersuchung der fünf identifizierten Familientypologien und ihrer spezifischen Problemkonstellationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sozialpädagogische Familienhilfe, Hilfe zur Selbsthilfe, Familientypologien, Betreuungserfolg und soziale Benachteiligung definiert.
Warum spielt die Unterscheidung der fünf Gruppentypen eine so wichtige Rolle?
Die Typologisierung ermöglicht eine bedarfsgerechtere Planung der Hilfe, da die Erfolgsaussichten und die Art der notwendigen Unterstützung je nach sozialer und ökonomischer Ausgangslage stark variieren.
Wie werden die Erfolgsaussichten der Familienhilfe eingeschätzt?
Die Erfolgschancen sind dann am höchsten, wenn die Problemsituationen kurz- bis mittelfristig entstanden sind und bei den Familien Ressourcen wie ein höherer Bildungsstand oder Offenheit für Veränderungen vorhanden sind.
Was sind laut der Arbeit die häufigsten Gründe für das Scheitern einer Maßnahme?
Erfolglose Verläufe sind häufig mit massiven Suchtproblematiken, psychischen Erkrankungen der Eltern oder bereits weit fortgeschrittenen Verhaltensauffälligkeiten der Kinder verbunden.
- Quote paper
- Sabrina Heuer (Author), 2005, KlientInnen in der Sozialpädagogischen Familienhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137236