Petrus im Neuen Testament

Seine Sonderstellung im Jüngerkreis und die Entwicklung des Petrusamtes


Hausarbeit, 2007
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG

2. DIE BESONDERE STELLUNG SIMON PETRI IM JÜNGERKREIS
2.1 Simon Petrus als „Typus“
2.2 Simon Petrus als erster Apostel
2.3 Die Namensgebung des ersten Apostels

3. DAS PETRUSAMT IM NT
3.1 Die “Primatsstelle” bei Matthäus 16,18f
3.2 Anfänge und geschichtliche Ausprägung des Amtes in der frühen Kirche

4. FAZIT

5. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Diese Hausarbeit behandelt Simon Petrus im Neuen Testament. Simon Petrus war einer der Apostel des Jesu Christi, wenn nicht sogar der Apostel schlechthin. In dieser Arbeit wird herausgestellt, welche Rolle Simon Petrus innerhalb des Jünger-kreises hatte (2.). Innerhalb dieser Diskussion ist zu erörtern, ob Petrus als histori-scher oder eher als typischer Petrus seiner Rolle als erster Jünger gerecht wird (2.1), warum er überhaupt als solcher betitelt wird (2.2) und wie es dazu kam, dass aus Simon ein Simon Petrus, bzw. Petrus oder Kephas wurde (2.3). In diesem ers-ten Bereich finden hauptsächlich Werke von Rudolph Pesch, Josef Blank oder Joa­chim Gnilka Zuspruch und Verwendung.

Der zweite Abschnitt soll die Entwicklung des Petrusamtes beschreiben (3.). Hier-bei geht es nicht ohne eine kurze Analyse der Primatsstelle des Matthäusvangeli-ums (3.1), und damit nicht ohne das Hinzuziehen der Werke Erich Gräßlers, Ru­dolph Schnackenburgs oder wiederum Rudolph Peschs zu diesem Themenbereich. Um die Arbeit nicht zu biblisch werden zu lassen, wird im letzten Teilabschnitt der historische Aspekt durch Ernst Dassmann hinzugezogen und die Anfänge und ge-schichtliche Ausprägung des Petrusamtes (3.2) in näheren Augenschein genommen. Es soll nicht Ziel der Arbeit sein, einen möglichst lückenlosen biographischen Text über Petrus und das Petrusamt zu entwickeln, sondern, vielmehr soll vermittelt werden, dass schon zu Zeiten Jesu nichts ohne bestimmte Aufgabenverteilung be-handelt wurde und dass es auch schon damals nötig gewesen ist, spezielle Leute zu beauftragen, damit nicht alles dem Zufall überlassen ist.

Im Falle Petri war es ihm sicherlich eine Ehre, eine solch große Sonderrolle inne zu haben; und über diese Sonderrolle und über die Verpflichtungen, die sich daraus ergeben, soll diese Arbeit einen Einblick geben. Die Einblicke in das Wirken und Handeln Petri werden sich in den meisten Fällen auf die vier Evangelien oder die Apostelgeschichte beziehen. Innerhalb dieser Arbeit wird herauszustellen sein, in wie weit sich das heutige Denken in Sachen Kirche schon damals ausgeprägt hat, z.B. in Form eines Wortführers oder jemandem, der bestimmte Aufgaben zu über-nehmen hat.

2. Die besondere Stellung Simon Petri im Jüngerkreis

2.1 Simon Petrus als „Typus“

Simon Petrus – wer ist das eigentlich? Das würde sich niemand fragen, der auch nur wenig Kontakt zum Christentum hat. Simon Petrus ist der wohl bekannteste Apostel im Jüngerkreis Jesu und über ihn erfährt man im Neuen Testament mehr als über jeden anderen (neben Paulus).[1] Was man aus biographischer Sicht über den erstberufenen Jünger weiß, stammt aus der Bibel. In den Evangelien, der Apostelgeschichte und auch bei 1 Kor und Gal spielt Petrus eine bedeutende Rolle. Wenn man hingegen die neutestamentlichen Stellen, die uns über Petrus informie-ren, genauer in Betracht zieht, fällt auf, dass man über ihn nicht allzu viel in Erfah-rung bringen kann.[2] Aus historischer Sicht findet man, wie schon erwähnt, in den paulinischen Quellen die meisten Anhaltspunkte. Nun wundert man sich, warum sich dies nicht auch aus den vier Evangelien ergeben kann, dies ist dadurch zu er-klären, dass die Evangelien nicht historisch orientiert sind, sondern weitgehend von einem ‚typischen Jesus’ handeln.

Es ist anzunehmen, dass Leute, die meinen etwas von Petrus zu wissen, oder gehört zu haben, eher etwas von seinem Typos als von seinem historischen Dasein gehört haben. Es ist nicht anzuzweifeln, dass die Taten und Worte Petri voll und ganz den Typos beschreiben. Einiges wird gewiss historisch sehr wertvoll und hoch angese-hen sein, dennoch überwiegt die Faszination und Ausstrahlung, die „über das histo-risch Feststellbare hinaus[geht]“[3]. Einige der Theologen, die sich mit Simon Petrus beschäftigt haben, stellen ihn als einen typischen Jünger vor, mit sowohl positiven, als auch negativen Eigenschaften. Bei negativen Eigenschaften ist z.B. die Ver-leugnung Jesu zu nennen, die Petrus sogar drei Mal hintereinander begeht.

Auch Ulrich Luz[4] sieht einen zweiseitigen Petrus. Zum einen stellt er ihn als „Jün-gersprecher und Schüler und als Paradigma christlichen Verhaltens bzw. Fehlver-haltens“ dar und auf der anderen Seite als „einmalige und einzigartige Gestalt“.

Rudolf Pesch hält fest, dass die Art eines ‚Typus’ dazu dient, als Vorbild zu dienen, nachgeahmt zu werden und andere zu formen[5]. Simon Petrus hat dies als Jünger Je-su versucht zu leben, in dem er seine Aufgaben als Erstberufener ernst genommen und angenommen hat. Näheres zu Petri Funktion als Erstberufener folgt im nächs-ten Abschnitt.

Um die besondere Eigenart des ‚Typus’ Simon Petrus darstellen zu können, muss man sich näher mit den Evangelien befassen. „Im ersten Evangelium wurde Petrus als Typos vergegenwärtigt: als Jünger, als Apostel, als ihr Erster, als Kefas.“[6] Es gibt auch noch andere Typen im NT, allerdings zählen u. a. der Lieblingsjünger bei Johannes und Paulus in den Pastoralbriefen nicht in derselben Weise zu dem Topos ‚Typus’, wie Petrus.[7] Petrus ist innerhalb des NT bei allen wichtigen Handlungen präsent, nie geschieht etwas ohne ihn, wohl aber ohne andere Apostel. Er zählt nicht nur als besonderer ‚Typus’ für die anderen Jünger, sondern auch als gesamt-kirchlicher ‚Typus’.

Auch im Markusevangelium wird Petrus schon in eine eigene Rolle verwiesen und auch dort kommt es zu einer Typologisierung des ersten Apostels.[8] Dies soll nicht bedeuten, dass Petrus nur einseitig zu betrachten sei. Im Gegenteil, wie schon Ul­rich Luz hervorgehoben hat, fällt bei Petrus durch seine Sonderstellung ganz be-sonders auf, was er wann tut, sei es zu seinem Vor- oder Nachteil. Bei allen Gele-genheiten, an denen er innerhalb des Neuen Testaments zum Wortführer des Jün-gerkreises erkoren ist, oder „zusammen mit Jakobus und Johannes zum bevorzug-ten Offenbarungszeugen hochstilisiert wird[...]“[9], wird seine Sonderstellung deut-lich.

Woran kann es liegen, dass gerade Petrus diese Sonderstellung zu Gute kommt?[10] Josef Blank geht davon aus, dass durch die Berufung von Petrus und dem Jünger-kreis „die Legitimation der Verkündigung“ von der Frohen Botschaft Jesu das Hauptziel ausmacht. Der Zwölferkreis mit Petrus an seiner Spitze bildet „die über-lieferten Exponenten der Jesus – Tradition“. Nicht selten ist es so, dass Petrus stell-vertretend für die restlichen Apostel genannt wird.

[...]


[1] Vgl. L. WEHR, Petrus. Apostel, 91.

[2] Vgl. hierzu u. z. Folgenden J. BLANK, Neutestamentliche Petrustypologie und Petrusamt, 173.

[3] Ebd., 173.

[4] Zitiert nach R. PESCH, Die biblischen Grundlagen des Primats, 23.

[5] Vgl. Ebd., 25.

[6] Vgl. Ebd., 35.

[7] Vgl. Ebd. 67f.

[8] Vgl. hierzu u. z. Folgenden J. BLANK, Petrus und Petrus-Amt im NT, 73.

[9] Ebd., 73/74.

[10] Vgl. hierzu u. z. Folgenden Ebd., 74.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Petrus im Neuen Testament
Untertitel
Seine Sonderstellung im Jüngerkreis und die Entwicklung des Petrusamtes
Hochschule
Universität zu Köln  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Ist der Papst Unfehlbar?
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V137266
ISBN (eBook)
9783640459032
ISBN (Buch)
9783640458677
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Petrus, Neuen, Testament, Seine, Sonderstellung, Jüngerkreis, Entwicklung, Petrusamtes
Arbeit zitieren
Andrea Höltke (Autor), 2007, Petrus im Neuen Testament, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137266

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