Diese Arbeit soll sich in erster Linie mit dem historischen Jugendbuch auseinander setzen, und erörtern, wie dieses in den Geschichtsunterricht eingegliedert werden. Zur Frage stehen dabei, welche Anforderungen an den Roman gestellt werden müssen und welche Kriterien dieser erfüllen muss. Dietmar von Reeken greift diesbezüglich in seinem Artikel über das historische Jugendbuch die Frage nach der Fiktionalität der Erzählung auf. Seines Erachtens wird diese Art der Geschichtserzählung vor allem gemieden, da sich hier historische Fakten mit Fiktion vermischen und der geschichtswissenschaftliche Anspruch dadurch verfälscht wird. Andererseits findet sich bereits 1779 bei Ludwig von Schölzer die fiktive Einbindung in einen historischen Kontext als Medium. Darauf folgen weitere Erzählungen und Romane, in denen Geschichte so aufbereitet wird, dass sie auch als Privatlektüre wahrgenommen und den Phantasiebedürfnissen der Kinder und Jugendlichen gerecht wird. Die fiktive Gestalt des jugendlichen Helden, mit dem sich die Kinder identifizieren sollen, kommt jedoch erst später hinzu. Die fantasievolle Ausschmückung von historischen Ereignissen ist demzufolge nichts vollkommen Neues. Zu untersuchen gilt also, inwieweit der historische Roman als Medium im Unterricht eingesetzt werden kann und welche Ziele dieser Einsatz verfolgt. Welche Ansprüche müssen erfüllt werden, um trotz der Fiktion noch Wissen zu vermitteln und dabei gleichzeitig das Interesse der Jugendlichen anzusprechen?
Des weiteren soll untersucht werden, ob sich der Roman als Medium für das historische Lernen der Jugendlichen eignet und ob didaktische Aspekte wie Geschichtsbewusstsein und Multiperspektivität erfüllt werden. Ebenfalls muss untersucht werden, ob der Roman den literarischen Kriterien entspricht. Dabei muss die Lesekompetenzförderung beachtet und zugleich erörtert werden, inwieweit die ausgewählte Lektüre eigenständiges Lesen und Wissensaufnahme unterstützt. Hierbei sollen die verschiedenen Kriterien und ihre Übertragung auf die Literatur erläutert werden. Die einzelnen Punkte sollen dabei auf ihre Wichtigkeit hin untersuch werden.
Gliederung
1. Einleitung
2. Der historische Jugendroman
2.1. Der historische Jugendroman – ein Definitionsversuch
2.1.1 Die Geschichte des historischen Jugendromans
2.1.2 Der historische Jugendroman nach 1945
2.1.3. Die Definition des historischen Jugendromans
2.2. Imagination und Fiktionalität
2.2.1 Imagination bei Hans-Jürgen Pandel
2.2.2 Imaginationsfähigkeit als zentrales Ziel bei Rolf Schörken
2.2.3 Imagination und Irritation bei Georg Veit
2.2.4. Die Konsequenz für den historischen Jugendroman durch Imagination und Irritation
2.3. Anforderungen an den historischen Roman in Bezug auf einzelne didaktische Funktion des Geschichtsunterrichtes
2.3.1 Aufgabe und Ziel von Geschichtsunterricht
2.3.2 Geschichtsbewusstsein
2.3.3 Authentizität
2.3.4 Personifizierung
2.3.5 Multiperspektivität
2.3.6 Narrativität
2.4. Auswahl der Literatur und Analysekriterien
3. Eingliederung in den historischen Kontext
3.1 Entstehung und Gründe des ersten Kreuzzuges
3.2 Die Bedeutung Jerusalems im Hohen Mittelalter
3.3 Der Kinderkreuzzug von 1212
4. Der Roman „Kreuzzug ins Ungewisse“ von Thea Beckman
4.1. Eine Einführung in den Inhalt des Romans
4.2 Analyse der Hauptfigur und ihre didaktische Bewertung
4.3. Untersuchung des Romans hinsichtlich der didaktischen und historischen Kritik
4.3.1 Die didaktische Funktion des Romans
4.3.2 Die historische Faktizität des Romans
4.4. Der Roman im Geschichtsunterricht – Überlegungen zur Unterrichtsgestaltung
4.4.1 Lernziele
4.4.2 Methoden für den Umgang mit dem historischen Jugendroman im Geschichtsunterricht
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Hausarbeit untersucht das didaktische Potenzial des historischen Jugendromans „Kreuzzug ins Ungewisse“ von Thea Beckman für den Geschichtsunterricht der Sekundarstufe I. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Literatur jenseits klassischer Medien eingesetzt werden kann, um Schülern ein Verständnis für die Geschichte der Kreuzzüge sowie das Leben im Mittelalter zu vermitteln, ohne dabei in die Falle einer rein fiktionalen Darstellung zu tappen.
- Didaktische Funktion und Kriterien historischer Jugendromane im Geschichtsunterricht.
- Die Rolle von Imagination und Irritation beim historischen Lernen.
- Theoretische Grundlagen des Geschichtsbewusstseins und ihre Anwendung auf literarische Texte.
- Historische Einordnung der Kreuzzugsbewegung und des Kinderkreuzzuges von 1212.
- Methodische Ansätze zur Einbindung von Jugendliteratur in die Unterrichtsgestaltung.
Auszug aus dem Buch
Die Konsequenz für den historischen Jugendroman durch Imagination und Irritation
Nachdem nun die drei Ansätze von Pandel, Schörken und Veit vorgestellt worden sind stellt sich die Frage, welche Konsequenz der historische Jugendroman daraus ziehen muss. Imagination und Irritation sind unabdingbar im Umgang mit dem Medium Geschichtsroman, sei es nun im Unterricht oder als Privatlektüre.
Dem Vorwurf, historische Jugendromane nähmen keine Rücksicht auf historische Strukturen, würden als Tatsachenberichte betrachtet und die Distanz zur Geschichte reduzieren, kann durch die Anwendung von Irritation entgegengewirkt werden. Eine durchaus angebrachte Kritik jedoch ist der Zeitaufwand, den die Verwendung von Romanen im Geschichtsunterricht fordert. Im Durchschnitt stehen einem Lehrer in der Jahrgangsstufe acht einer Realschule zwei Unterrichtsstunden pro Woche zur Verfügung. Einen Roman von mehreren hundert Seiten in diesem Zeitrahmen zu bewältigen erweist sich in der Praxis als schwieriges Unterfangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Verfasserin motiviert ihr Thema durch ihre persönliche Begeisterung für historische Romane und skizziert die Fragestellung, wie Literatur den Geschichtsunterricht bereichern kann.
2. Der historische Jugendroman: Dieses Kapitel definiert das Genre, beleuchtet dessen Geschichte und erörtert theoretische Ansätze zur Imagination und Irritation im historischen Lernen.
3. Eingliederung in den historischen Kontext: Hier werden die geschichtlichen Hintergründe der Kreuzzugsbewegung sowie die Bedeutung Jerusalems und der Kinderkreuzzug von 1212 analysiert.
4. Der Roman „Kreuzzug ins Ungewisse“ von Thea Beckman: Der Hauptteil bietet eine inhaltliche Einführung, eine Analyse der Hauptfigur sowie eine fachdidaktische und historische Untersuchung des Romans im Unterrichtskontext.
5. Resümee: Die Arbeit schließt mit einem zusammenfassenden Fazit über die Eignung des untersuchten Romans und vergleicht diesen kurz mit anderen literarischen Werken zum selben Thema.
Schlüsselwörter
Historischer Jugendroman, Geschichtsunterricht, Thea Beckman, Kreuzzug ins Ungewisse, Kinderkreuzzug 1212, Geschichtsbewusstsein, Imagination, Irritation, Narrativität, Multiperspektivität, Didaktik, Zeitreiseroman, Authentizität, Lernziele, Unterrichtsmethoden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Hausarbeit untersucht, inwiefern der historische Jugendroman „Kreuzzug ins Ungewisse“ von Thea Beckman als didaktisches Werkzeug im Geschichtsunterricht der Sekundarstufe I geeignet ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Analyse historischer Jugendliteratur, die Theorie des Geschichtsbewusstseins nach Pandel und Schörken sowie die historische Einordnung der Kreuzzüge.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer historische Romane gezielt einsetzen können, um bei Schülern ein tieferes Verständnis für die Vergangenheit zu wecken und die Unterscheidung zwischen Fiktion und historischen Fakten zu schulen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und fachdidaktische Analyse, die auf der kritischen Auswertung bestehender geschichtsdidaktischer Theorien und der gezielten Untersuchung des Primärtextes basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Definition des Genres, eine historische Analyse der Kinderkreuzzüge und die praktische Anwendung von Analysekriterien auf das Werk von Thea Beckman.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Geschichtsbewusstsein, Imagination, Irritation, Multiperspektivität sowie die didaktische Eignung von Literatur im Geschichtsunterricht.
Wie bewertet die Verfasserin die Rolle der Hauptfigur Rolf?
Rolf dient als Identifikationsfigur für moderne Jugendliche und als „Vermittler“ zwischen den Epochen, wobei seine überlegene Darstellung aus Sicht der Verfasserin didaktisch kritisch hinterfragt werden muss.
Warum ist das Thema der Kinderkreuzzüge für den Unterricht besonders interessant?
Es bietet eine emotionale Ebene, durch die sich Schüler besser in historische Ereignisse hineinversetzen können, und regt durch seine Umstrittenheit zur kritischen Analyse von Quellen und Mythen an.
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- Cynthia Loeb (Author), 2009, "Kreuzzug ins Ungewisse". Der historische Jugendroman im Geschichtsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137396