Die Frage nach dem Wandel der Medien in der Geschichte und dem Wandel der Medien
durch die Geschichte ist eine der Grundfragen der Medien- und Kommunikationsgeschichte.
Hinter dieser Problemstellung verbirgt sich weit mehr als auf den ersten Blick sichtbar
scheint. Es ist auch die Frage nach Ursache und Wirkung oder im philosophischen Kontext
gesehen, was denn zu erst da gewesen sei. Daher kann die Frage, ob ein bestimmtes Medium
eine geschichtliche Epoche ermöglicht hat oder ob die Epoche selbst zur Entstehung des
Mediums geführt hat, nur schwer in seiner ganzen Vielfalt erörtert werden. Allerdings kann
diese Ursachenfrage als Leitfaden für eine Medienanalyse im geschichtlichen Kontext dienen.
Die Annahme, dass es sich bei der Medien- und Kommunikationsgeschichte um eine
Teildisziplin der Geschichte handelt, greift in vielen Kontexten sicherlich zu kurz und wird
der Bedeutung der Disziplin nicht gerecht. „Kommunikationsgeschichte ist mithin nicht eine
Teildisziplin [...], sondern die gesamtdisziplinäre Vergegenwärtigung der eigenen Historizität
und derjenigen des Gegenstandes“ (Haas, Hannes 1992: S. 3). Es gibt keine Geschichte ohne
Medien. Diese Aussage kann in doppelter Deutung interpretiert werden. Zum einen sind
Medien (Bücher, Schriften, Tonträger usw.) die Informationsträger, die unsere eigene
Geschichte fassbar und transparent machen. Zum anderen ist der Einfluss der Medien
in vergangenen Zeiten eine fundamentale Variable, die in jeder wissenschaftlichen
Betrachtung zur Geschichte berücksichtigt werden müsste. „Als Wissenschaft von der
gesellschaftlichen Kommunikation wird überdies von ihr die Einlösung der Frage gefordert,
welche spezifische Rolle ein bestimmtes Medium im Gesamtzusammenhang der
Kommunikation seiner Zeit gespielt hat.“ (Haas, Hannes 1992: S. 3).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Geschichte des Telefons bis 1918
2.1 Streit um den Erfinder
2.2 Das Telefon in Deutschland zur Jahrhundertwende
2.3 Das Telefon in der Welt
2.4 Von der Jahrhundertwende zum Krieg
3. Das Telefon im Krieg
3.1 Der Erste Weltkrieg
3.2 Der Fernsprecher (k)ein Massenmedium
3.3 Das Telefon, ein effektives Kriegsinstrument?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den gesellschaftlichen Einfluss der Telefonerfindung sowie dessen tatsächliche Rolle als Kommunikationsmittel während des Ersten Weltkriegs unter Berücksichtigung der technischen Rahmenbedingungen und der Konkurrenz zu anderen Medien.
- Historische Entwicklung des Fernsprechwesens bis 1918
- Vergleich der technologischen Verbreitung in Deutschland und international
- Analyse des Telefons als Kommunikationsinstrument im totalen Krieg
- Definition des Telefons in Abgrenzung zum Massenmedium
- Bewertung des Einflusses der Telefonie im Vergleich zur Telegrafie
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Erste Weltkrieg
Im geschichtlichen Kontext soll im Folgenden keine dezidierte Abhandlung über die Gründe oder den Verlauf des Ersten Weltkrieges nachvollzogen werden. Über die Größe und Ausmaße des erschütternden globalen Ereignisses sei gesagt:
„Der Erste Weltkrieg war nicht nur eine europäische Katastrophe. Er war ein globales Gemetzel, in dem Abertausende Soldaten aus Asien und Übersee für den imperialen Wahn der europäischen Großmächte Deutschland, Frankreich und England sterben mussten Fast zehn Millionen Soldaten verbluteten auf den Schlachtfeldern von Flandern bis ins chinesische Tsingtau. Mindestens ebenso viele kehrten als nervliche oder körperliche Wracks, als Zitterer oder Krüppel in die Heimat zurück. Und nicht nur das. Die weltweite Auseinandersetzung, die mit dem Zerfall von vier Imperien endete und die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich ins Wanken brachte, markiert auch den Beginn einer neuen Epoche. Sie brachte den Aufstieg Lenins und Stalins sowie zwei Jahrzehnte später die Nazi-Barberei“ (Burgdorff, Stephan; Wiegrefe, Klaus 2004: S. 11).
Das Zitat zeigt deutlich die exponierte Stellung dieses Krieges, der als erster in der Geschichte der Menschheit einen weltumspannenden Umfang hatte und im höchsten Maße vom vorangegangen technischen Fortschritt geprägt war. Die Frage nach der Sonderstellung des Krieges zwischen 1914 und 1918 taucht auch immer wieder in wissenschaftlichen Publikationen auf. So stellt Hans-Ulrich Wehler die Frage: „Was hebt den Ersten Weltkrieg aus den zahllosen Kriegen, die das europäische Staatensystem in seiner 400-jährigen Geschichte bis 1914 erlebt hat, so unverwechselbar hervor?“ (Wehler, Hans-Ulrich 2004: S. 23).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das theoretische Verhältnis von Medien und Geschichte und formuliert die Forschungsfrage nach dem gesellschaftlichen Einfluss des Telefons bis zum Ersten Weltkrieg.
2. Die Geschichte des Telefons bis 1918: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Aufstieg der Telefonie nach, inklusive der Kontroversen um den Erfinder, den internationalen Netzausbau und den technologischen Stand zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
3. Das Telefon im Krieg: Der Hauptteil untersucht die Rolle des Telefons während des Ersten Weltkriegs, prüft seine Eignung als Massenmedium und bewertet seine Effektivität als Kriegsinstrument im Vergleich zur Telegrafie.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Telefon im Ersten Weltkrieg entgegen mancher Vermutungen keine entscheidende, revolutionäre Rolle spielte, da es in der Kriegskommunikation hinter der Telegrafie zurückblieb.
Schlüsselwörter
Mediengeschichte, Telefonie, Erster Weltkrieg, Kommunikationstechnik, Telegrafie, Fernsprecher, Massenmedium, Medientechnologie, Kriegskommunikation, Technikgeschichte, Deutschland, Netzabdeckung, 1914-1918, Nachrichtenverkehr, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den historischen Einfluss der Telefonerfindung und bewertet, welche Rolle diese Technologie während des Ersten Weltkriegs im Kommunikationsgefüge spielte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Geschichte des Fernsprechers von der Erfindung bis 1918, der internationale Vergleich der Netzabdeckung sowie die Anwendung der Technologie unter Kriegsbedingungen.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es zu erörtern, ob die Erfindung des Telefons für den Ersten Weltkrieg eine so fundamentale Bedeutung hatte wie der Buchdruck für die Reformation.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor führt eine historische Analyse durch, die Erkenntnisse aus der Kommunikationsgeschichte mit der Kriegsgeschichte verknüpft, um induktive Schlüsse aus der Fachliteratur zu ziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert den technischen Entwicklungsstand der Telefonie, diskutiert die Abgrenzung zum Massenmedium und untersucht die (begrenzte) Rolle des Telefons in der direkten Kriegskommunikation.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Wichtige Begriffe sind Mediengeschichte, technischer Fortschritt, Fernsprechwesen, Erste Weltkrieg, Kriegsinstrument und Kommunikationstheorie.
Warum konnte sich das Telefon im Ersten Weltkrieg nicht als Massenmedium etablieren?
Laut Arbeit basierte das Telefon auf einer Eins-zu-eins-Kommunikation und erreichte keine breite Masse; zudem machten technische Störanfälligkeit und die Dominanz der Telegrafie es für propagandistische Zwecke ungeeignet.
Welchen Einfluss hatte der Kriegsausbruch 1914 auf die weitere Entwicklung des Telefonnetzes?
Der Kriegsausbruch wirkte als Zäsur, die den Netzausbau stagnieren ließ, da Ressourcen anders genutzt wurden und Zerstörungen sowie Kabelabhängigkeiten die Nutzung massiv erschwerten.
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- Felix Till (Author), 2009, Die Geschichte des Telefons und der Einfluss im Ersten Weltkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137412