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Zwischen europäischer, regionaler und nationaler Identität – Die Visegrád-Staaten vor der EU-Osterweiterung

Title: Zwischen europäischer, regionaler und nationaler Identität – Die Visegrád-Staaten vor der EU-Osterweiterung

Term Paper , 2004 , 17 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: M.A. Piotr Grochocki (Author)

Politics - Topic: European Union
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Am 1. Mai 2004 sind im Zuge der Osterweiterung zehn Staaten der Europäischen Union (EU) beigetreten. Durch diese Integration wurde die seit 1945 andauernde Spaltung Europas endgültig überwunden, und viele alte europäische Kulturnationen kehrten in die Gemeinschaft zurück. Wegen ihrer Größe und ihrer Bedeutung nehmen die vier so genannten Visegrád-Staaten Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn hier eine besondere Stellung ein. Sie sind wohl am treffendsten in Ostmitteleuropa anzusiedeln, denn welche von ihnen zu Mitteleuropa gehören, ist in der Forschung bislang umstritten. Je nach dem, ob man sie unter dem Gesichtspunkt der Kultur, der Wirtschaft, der Geschichte, der Linguistik oder der Religion betrachtet, gibt es verschiedene Ansätze. Doch trotz der unterschiedlichen Entwicklung der einzelnen Mitglieder konnte die Visegrád-Gruppe dank der multilateralen Zusammenarbeit als relativ einheitliche Region bezeichnet werden. Von der EU wurde diese regionale Kooperation als eine Art „Pilotprojekt“ unterstützt, um zu sehen, wie die vier Staaten vor dem gemeinsamen Beitritt miteinander umgehen würden.
Der Begriff „europäische Identität“ bekommt durch die Ausdehnung der EU auf die Mehrzahl der Staaten des europäischen Kontinents eine neue Dimension, er wird fast deckungsgleich zur „EU-Identität“. Die nationale Identität dagegen gewinnt zunehmend bei denjenigen an Bedeutung, die sich nicht recht mit Europa identifizieren können. Dazwischen steht die regionale Identität, die im Abkommen von Visegrád zum Ausdruck kam. Auf diesem Hintergrund ist es interessant zu untersuchen, wie sich vor der EU-Osterweiterung das Verhältnis zwischen europäischer, regionaler und nationaler Identität in den Visegrád-Staaten darstellte. Nach einer Übersicht über die Grundlagen der historischen und modernen Kooperation und deren Schwierigkeiten werden die beiden Identitäten und deren Mischformen anhand der einzelnen Staaten näher erläutert. Anschließend wird versucht, das Konzept der mitteleuropäischen Identität zu beleuchten. Schließlich wird die in der Diskussion stehende Frage behandelt, ob und wann das Visegrád-Projekt gescheitert ist. Zunächst sind jedoch die theoretischen Grundzüge des Begriffs „Identität“ zu klären.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. EINLEITUNG

II. HAUPTTEIL

1. Zum Identitätsbegriff

2. Grundlagen der historischen und modernen Kooperation

3. Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit

4. Nationale und europäische Identitäten

4.1. Tschechische Republik

4.2. Slowakei

4.3. Polen

4.4. Ungarn

5. Das Konzept der mitteleuropäischen Identität

6. Ist Visegrád gescheitert?

III. SCHLUSS

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen europäischer, regionaler und nationaler Identität in den Visegrád-Staaten Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn im Kontext der EU-Osterweiterung. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie sich diese Identitäten vor dem Beitritt darstellten und inwiefern das Visegrád-Projekt als regionale Kooperation erfolgreich oder gescheitert ist.

  • Theoretische Grundlagen des Identitätsbegriffs
  • Historische und moderne Kooperationsgrundlagen der Visegrád-Staaten
  • Analyse der nationalen und europäischen Identitätskonstruktionen pro Land
  • Diskussion des Konzepts der "mitteleuropäischen Identität"
  • Evaluation des Erfolgs bzw. Scheiterns der Visegrád-Kooperation

Auszug aus dem Buch

Zum Identitätsbegriff

Das Wort „identitas“, das von „idem“ stammt, was „dasselbe“ bedeutet, ist der Ursprung des Wortes „Identität“. Dieses Wort hat zwei grundlegende Bedeutungen. Die eine bezieht sich auf absolute Wesensgleichheit, wohingegen die andere ein Konzept der Besonderheit verkörpert, die im Zeitablauf beständig und einheitlich sein muss. Der Begriff „Identität“ führt also zu zwei Möglichkeiten, Personen oder Dinge zu vergleichen oder in Beziehung zu setzen: Aufgrund ihrer Ähnlichkeit und aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit. Laut Richard Jenkins ist Identität „nicht einfach da, sie muss immer etabliert werden“. Sie muss demnach mit dem Verb „identifizieren“ verknüpft werden, das heißt, sich mit etwas oder jemand zu assoziieren oder in eine Gruppe von Dingen oder Menschen einzuordnen. Auf der zwischenstaatlichen Ebene beinhaltet diese Definition das überwiegende Verständnis vom besonderen Charakter der Staaten und deren Rolle im internationalen System. Sie schreibt auch Normen für ihre internationalen und nationalen politischen Beziehungen vor.

Laut einer gängigen Meinung in der aktuellen Forschung können europäische und nationale Identitäten nicht adäquat wissenschaftlich betrachtet werden, wenn man sie in einem „substanzialistischen Zugriff als stabile und unveräußerliche Merkmale einer Gesellschaft“ definiert. Stattdessen sind sie als variabel konfigurierte und permanent umstrittene politische Felder zu betrachten, die von politischen Akteuren interpretiert und besetzt werden, wobei diese wiederum konkurrierende Interessen vertreten und ihre Politik symbolisch inszenieren. Diese Theorie legt die Neu- und Umbestimmung öffentlicher, kollektiver und sozialer Identitäten als das vorrangige Forschungsinteresse nahe.

Zusammenfassung der Kapitel

I. EINLEITUNG: Einleitung in die Thematik der Visegrád-Staaten und deren Rolle als regionale Kooperation vor dem EU-Beitritt.

II. HAUPTTEIL: Umfassende Analyse der theoretischen Identitätsbegriffe, historischen Grundlagen der Zusammenarbeit sowie länderspezifische Fallbeispiele zur Identitätsbildung.

1. Zum Identitätsbegriff: Erläuterung der theoretischen Grundlagen von Identität als konstruktiver und variabler Prozess.

2. Grundlagen der historischen und modernen Kooperation: Darstellung der historischen Verbundenheit der Visegrád-Länder und der Initialisierung ihrer modernen Zusammenarbeit.

3. Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit: Analyse der Hindernisse wie fehlende institutionelle Basis und bilaterale Interessenkonflikte.

4. Nationale und europäische Identitäten: Untersuchung, wie sich nationale und europäische Identität in den vier Staaten jeweils ausgeprägt haben.

4.1. Tschechische Republik: Analyse der tschechischen Identität zwischen "Rückkehr nach Europa" und innenpolitischer Passivität.

4.2. Slowakei: Betrachtung des Identitätskampfes und des Gefühls der Minderwertigkeit während der Mečiar-Ära.

4.3. Polen: Untersuchung der Rolle der Gazeta Wyborcza bei der Konstruktion polnischer Identität und der Spaltung in liberale und traditionalistische Lager.

4.4. Ungarn: Darstellung der Einstimmigkeit bei der Ergänzung nationaler und europäischer Identitäten trotz politischer Nuancen.

5. Das Konzept der mitteleuropäischen Identität: Hinterfragung des mitteleuropäischen Konzepts als politisches Leitmotiv und dessen gesellschaftliche Wirkung.

6. Ist Visegrád gescheitert?: Diskussion über die unterschiedlichen Interpretationen des Erfolgs bzw. Misserfolgs der Visegrád-Kooperation.

III. SCHLUSS: Zusammenfassendes Fazit über das Fortbestehen des Visegrád-Projekts als Elite-Projekt und die Herausforderungen der europäischen Identität.

Schlüsselwörter

Visegrád-Staaten, Identität, Europäische Union, EU-Osterweiterung, nationale Identität, regionale Identität, mitteleuropäische Identität, Transformation, Kooperation, Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn, Politische Wissenschaft, Integration.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Entwicklung und Bedeutung der Visegrád-Staaten (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn) im Kontext der EU-Osterweiterung, insbesondere unter dem Aspekt der Identitätsbildung.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Zentral sind die theoretischen Grundlagen des Identitätsbegriffs, die historischen Voraussetzungen regionaler Zusammenarbeit sowie die nationalen Identitätsdiskurse der vier beteiligten Länder.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, wie sich das Verhältnis zwischen europäischer, regionaler und nationaler Identität in den Visegrád-Staaten darstellte und ob das Visegrád-Projekt nach der EU-Osterweiterung als gescheitert betrachtet werden kann.

Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?

Der Autor nutzt eine politikwissenschaftliche Perspektive, indem er Identität als konstruktiven Kommunikationsprozess interpretiert und die politische Praxis der Staaten analysiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil deckt neben den theoretischen Grundlagen eine detaillierte historische Übersicht sowie eine differenzierte Analyse der Identitätsdiskurse in den einzelnen Visegrád-Staaten ab.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Wesentliche Begriffe sind Visegrád-Staaten, Identitätskonstruktion, EU-Integration, mitteleuropäische Kooperation und politischer Wettbewerb der Identitäten.

Wie unterscheidet sich die tschechische von der slowakischen Identitätsbildung?

Während in Tschechien die "Rückkehr nach Europa" und eine gewisse Passivität gegenüber staatlichen Institutionen dominierten, definierte sich die Slowakei stärker über interne Abgrenzung und litt zeitweise an Minderwertigkeitsgefühlen im Integrationsprozess.

Welche Rolle spielten Zeitungen bei der Identitätsbildung in Polen?

Die Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" spielte eine entscheidende Rolle, indem sie liberale pro-europäische Positionen vertrat und damit den gesellschaftlichen Diskurs zwischen Liberalen und Traditionalisten maßgeblich prägte.

Warum wird das Visegrád-Projekt im Schluss als "Elite-Projekt" bezeichnet?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass es dem Projekt trotz der hohen politischen Rhetorik nicht gelang, eine tief verwurzelte "mitteleuropäische Identität" in der breiten Bevölkerung der Mitgliedsstaaten zu etablieren.

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Details

Title
Zwischen europäischer, regionaler und nationaler Identität – Die Visegrád-Staaten vor der EU-Osterweiterung
College
LMU Munich  (Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft)
Course
Übung: Probleme regionaler Identitätsbildung am Vorabend der EU-Osterweiterung
Grade
1,7
Author
M.A. Piotr Grochocki (Author)
Publication Year
2004
Pages
17
Catalog Number
V137452
ISBN (eBook)
9783640457137
ISBN (Book)
9783640457373
Language
German
Tags
Zwischen Identität Visegrád-Staaten EU-Osterweiterung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Piotr Grochocki (Author), 2004, Zwischen europäischer, regionaler und nationaler Identität – Die Visegrád-Staaten vor der EU-Osterweiterung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137452
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