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John Rawls über das Recht auf zivilen Ungehorsam

Titel: John Rawls über das Recht auf zivilen Ungehorsam

Hausarbeit , 2006 , 10 Seiten , Note: 3,0

Autor:in: M.A. Piotr Grochocki (Autor:in)

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Kürzlich wurde in den Vereinigten Staaten die im Oktober des vergangenen Jahres verstorbene Bürgerrechtlerin Rosa Parks mit einem Staatsbegräbnis geehrt. Die farbige Amerikanerin war 1955 in Montgomery im US-Bundesstaat Alabama verhaftet worden, weil sie sich geweigert hatte, ihren Sitzplatz im Bus für einen männlichen weißen Fahrgast zu räumen. Rosa Parks’ ziviler Ungehorsam gegen dieses rassistische Rechtsinstitut löste den „Montgomery Bus Boycott“ aus, der neben den Protesten im Fall Emmett Till als Beginn der schwarzen Bürgerrechtsbewegung gilt.
John Rawls lehrte bis 1991 Philosophie an der Harvard University. In seiner „Theorie der Gerechtigkeit“ widmet er sich grundsätzlichen Fragen der zeitgenössischen Gesellschaft und ihrer soziopolitischen Grundordnung. Rawls entwickelt im „bewussten Gegensatz zu der im englischen Sprachraum vorherrschenden normativen Ethik“ eine sachliche Alternative und greift dabei auf die klassische Vertragstheorie von Locke, Rousseau und vor allem Kant zurück. Er bedient sich der Entscheidungs- und Spieltheorie, erarbeitet zwei Grundsätze der Gerechtigkeit und „wendet sie dann auf die Grundinstitutionen moderner Gesellschaften an“. Rawls behandelt unter anderem ein immer wieder aktuelles politisches Problem, nämlich ob und unter welchen Voraussetzungen man auch einer demokratisch legitimierten Regierung Widerstand leisten darf. Eine berechtigte Form des Protests ist seiner Meinung nach die des zivilen Ungehorsams. Um diese These zu untermauern, geht Rawls in mehreren Schritten vor: Zunächst erläutert er einige Prämissen seiner Theorie und geht dann zur Definition des zivilen Ungehorsams über. Anschließend fährt er mit der Rechtfertigung dieser Art der Nonkonformität fort. Schließlich wendet er sich der Rolle des zivilen Ungehorsams im konstitutionellen System und der Angemessenheit dieser Protestart zu. Die vorliegende Arbeit hält sich zunächst an Rawls’ Argumentationsgang und bilanziert anschließend kritische Positionen in der relevanten Sekundärliteratur.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. John Rawls über das Recht auf zivilen Ungehorsam

1. Prämissen und Definition der Theorie des zivilen Ungehorsams

2. Die Rechtfertigung des zivilen Ungehorsams

3. Die Rolle des zivilen Ungehorsams

4. Die Theorie des zivilen Ungehorsams in der Kritik

III. Zusammenfassung

IV. Anhang

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht John Rawls' Theorie des zivilen Ungehorsams innerhalb einer fast gerechten, demokratisch verfassten Gesellschaft und analysiert dabei das Spannungsfeld zwischen der moralischen Gerechtigkeitspflicht und der notwendigen Gesetzestreue in einem konstitutionellen System.

  • Prämissen und Definitionen des zivilen Ungehorsams bei Rawls
  • Die ethische und politische Rechtfertigung von Widerstand gegen Unrecht
  • Die Funktion von zivilem Ungehorsam als Stabilisierungskraft in Demokratien
  • Kritische Auseinandersetzung mit Rawls' Thesen durch zeitgenössische Theoretiker

Auszug aus dem Buch

II. John Rawls über das Recht auf zivilen Ungehorsam

Für Rawls gilt die Theorie des zivilen Ungehorsams für den „Spezialfall einer fast gerechten Gesellschaft“, die zum großen Teil wohlgeordnet ist, in der aber einige ernsthafte Gerechtigkeitsverletzungen vorkommen. Sie bezieht sich demnach auf die Rolle und Angemessenheit des zivilen Ungehorsams gegenüber einer rechtmäßigen demokratischen Gewalt, nicht eines ungerechten und korrupten Systems. Das Mittel zu diesem Zweck ist für Rawls der gewaltlose Widerstand. Hier wird allerdings ein Problem für verfassungstreue Bürger einer Demokratie deutlich: sie befinden sich in einem Pflichtenkonflikt zwischen dem Gehorsam gegenüber Legislative und Exekutive und dem Recht zur Verteidigung ihrer Freiheiten sowie der Pflicht zum Widerstand gegen Ungerechtigkeit.

Zivilen Ungehorsam definiert Rawls als öffentliche, gewaltlose, gewissensbestimmte, politisch gesetzwidrige Handlung, die zu einer Änderung der Gesetze oder der Regierungspolitik führen soll. Angesprochen wird der Gerechtigkeitssinn der Mehrheit der Gesellschaft, in der nach eigener wohlüberlegter Ansicht sind Grundsätze der gesellschaftlichen Zusammenarbeit zwischen freien und gleichen Menschen nicht beachtet wurden. Rawls fordert hier jedoch nicht, dass das gleiche Gesetz gebrochen werden muss, gegen das protestiert wird. Man kann beispielsweise „Verkehrsvorschriften übertreten oder andere Übergriffe begehen, um auf sein Anliegen aufmerksam zu machen“. In dieser Form stellt die Handlung einen öffentlichen Appell an die gemeinsame Gerechtigkeitsvorstellung dar und bemängelt, dass eine Minderheit in demokratischen Verfahren nicht ausreichend berücksichtigt wurde oder bestimmte Ergebnisse dieser Verfahren mit den Grundsätzen der Gesellschaft unvereinbar sind.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung bettet die Fragestellung in den Kontext historischer Beispiele wie Rosa Parks ein und umreißt Rawls' Projekt, eine normative Alternative zur bestehenden Ethik innerhalb einer modernen, demokratischen Grundordnung zu schaffen.

II. John Rawls über das Recht auf zivilen Ungehorsam: Dieses Kapitel erläutert die terminologische und ethische Grundlage der Rawls'schen Theorie, diskutiert die Bedingungen für legitimen Widerstand und bewertet die Rolle des Protests innerhalb eines rechtsstaatlichen Systems unter Einbeziehung kritischer Gegenpositionen.

III. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Bedeutung von Rawls' Ausführungen für das Verständnis von Legalität und Legitimität und betont die Rolle des Bürgers als moralisch autonomes Subjekt innerhalb eines gerechten politischen Projekts.

IV. Anhang: Das Kapitel enthält das Literaturverzeichnis, das die für die Arbeit herangezogene Fachliteratur und Quellen dokumentiert.

Schlüsselwörter

John Rawls, Theorie der Gerechtigkeit, ziviler Ungehorsam, Demokratie, politischer Widerstand, Gerechtigkeitspflicht, Rechtsstaat, Legalität, Legitimität, Nonkonformität, Verfassung, Mehrheitsregel, politische Philosophie, Grundfreiheiten, konstitutionelles System.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Konzept des zivilen Ungehorsams nach John Rawls und untersucht, wie dieser in einem demokratischen Rechtsstaat als Mittel gegen Ungerechtigkeit gerechtfertigt werden kann.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen die Definition des zivilen Ungehorsams, dessen Rechtfertigungsgrundlagen, seine Rolle zur Systemstabilisierung und die kritische Reflexion durch andere Denker.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, Rawls' Argumentationsgang nachzuvollziehen, wie Bürger einer demokratischen Gesellschaft bei gravierenden Gerechtigkeitsverletzungen Widerstand leisten können, ohne dabei den demokratischen Grundkonsens zu zerstören.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit folgt einer strukturierten Analyse der Originaltexte von Rawls, ergänzt durch eine kritische Bilanzierung aktueller politikwissenschaftlicher und philosophischer Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Prämissen und Definitionen, die Kriterien zur Rechtfertigung von Protest, die systemische Rolle des Ungehorsams sowie eine Debatte über kritische Einwände zur Rawls'schen Theorie.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?

Wichtige Begriffe sind Gerechtigkeitspflicht, ziviler Ungehorsam, Legalität, Legitimität und konstitutionelle Demokratie.

Inwiefern unterscheidet Rawls zwischen politischen Verpflichtungen und Pflichten?

Rawls differenziert hier über den Fairnessgrundsatz: Begünstigte Mitglieder einer Gesellschaft haben aufgrund ihrer besseren Stellung in öffentlichen Ämtern weitergehende Verpflichtungen zur Erhaltung der Verfassung als unterdrückte Minderheiten.

Warum betont Rawls die Gewaltlosigkeit des Widerstands?

Gewaltlosigkeit ist laut Rawls essenziell, da die Verletzung der Grundfreiheiten anderer den öffentlichen Gerechtigkeitsappell unglaubwürdig machen würde und den symbolischen Charakter des Protests zerstören würde.

Wie reagiert Rawls auf den Vorwand der Realitätsferne?

Rawls argumentiert, dass zwar viele Menschen nach Macht und Reichtum streben, die Kraft dieser egoistischen Motive jedoch oft überschätzt werde, während der Gerechtigkeitssinn eine stabilere Grundlage bietet, als Kritiker annehmen.

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Details

Titel
John Rawls über das Recht auf zivilen Ungehorsam
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Übung "John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit"
Note
3,0
Autor
M.A. Piotr Grochocki (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
10
Katalognummer
V137463
ISBN (eBook)
9783640457649
ISBN (Buch)
9783640457427
Sprache
Deutsch
Schlagworte
John Rawls Recht Ungehorsam
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Piotr Grochocki (Autor:in), 2006, John Rawls über das Recht auf zivilen Ungehorsam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137463
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Leseprobe aus  10  Seiten
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