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Erziehung oder Repression? Kinderheime und Jugendwerkhöfe in der Ära Honecker

Title: Erziehung oder Repression? Kinderheime und Jugendwerkhöfe in der Ära Honecker

Bachelor Thesis , 2021 , 26 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Marie-Luise Kießling (Author)

History of Germany - Modern History
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Die Arbeit beschäftigt sich mit den Kinderheimen und Jugendwerkhöfen der DDR während der Ära Honecker und versucht herauszufinden, ob man diese als Erziehungseinrichtungen bezeichnen kann. Dazu wurden drei Zeitzeugen befragt und die Interviews zur Untersuchung herangezogen.

Die Frage, die sich bei der Beschäftigung mit den politischen Vorgaben, den Umerziehungsmaßnahmen und dem ungeeigneten Personal auftut, ist, inwiefern sich die Staatsführung davon einen Erfolg versprach. Es handelt sich bei der Erziehung des Nachwuchses stets um einen sensiblen Bereich, dazu kommt, dass sie in der DDR von herausgehobener politischer Bedeutung war. Inwiefern lässt es sich mit den ideologischen Prinzipien vereinen, dass man größtenteils keine überzeugten Sozialisten als Personal einstellte?

Am wohl bedeutendsten ist aber die Frage, wo in diesem System die Grenze zwischen Erziehung und Repression verläuft. Wie war das Bild der DDR-Bevölkerung von den Jugendwerkhöfen? Wurden sie als Erziehungsanstalten angesehen und welche Gründe waren für dieses Urteil ausschlaggebend? Diese Arbeit soll Antworten auf diese Fragen geben und dabei der These nachgehen, dass die Jugendwerkhöfe - und dabei besonders der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau - nicht Teil des staatlichen Erziehungs-, sondern des Repressionsapparates waren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Quellengrundlage

3 Forschungsstand

4 Untersuchungsrahmen

5 Jugendhilfeeinrichtungen

6 Erziehungsziele und -methoden

7 „Erzieher“

8 Auswirkungen der „Erziehung“

9 Gesellschaftliche Perspektive

9.1 Wahrnehmung der Erziehungsmethoden

9.2 Politische Auswirkungen

10 Jugendwerkhöfe als Repressionsanstalten

11 Schlussteil

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Jugendhilfesystem in der DDR während der Ära Honecker mit dem primären Ziel zu klären, ob es sich bei Kinderheimen und insbesondere Jugendwerkhöfen um pädagogische Erziehungseinrichtungen oder um einen staatlichen Repressionsapparat handelte.

  • Strukturen und Arbeitsweise der DDR-Jugendhilfeeinrichtungen
  • Analyse der Erziehungsziele und praktizierten Umerziehungsmethoden
  • Rolle und Qualifikation des eingesetzten Erziehungspersonals
  • Psychische und physische Auswirkungen auf die betroffenen Kinder und Jugendlichen
  • Gesellschaftliche Wahrnehmung und staatliche Desinformationspolitik

Auszug aus dem Buch

Jugendwerkhöfe als Repressionsanstalten

„Kennst du die Stadt, in der die Sonne nie lacht, das ist Torgau, wo man aus Menschen Idioten macht. Ich Hass you Torgau“.122 Dies ist die Inschrift einer Zelle im Geschossenen Jugendwerkhof Torgau – vermutlich mit einem Fingernagel hineingeritzt. Sie beschreibt bildlich die Qualen, die die Jugendlichen dort aushalten mussten.

Die Zöglinge der Jugendhilfeeinrichtungen wurden durch Überwachung und Bestrafung gesteuert.123 In Normalheimen war der Grad der Einschränkungen, die es deshalb gab, aufgrund der geringeren „Erziehungsbedürftigkeit“ mit Sicherheit niedriger als in den Jugendwerkhöfen. Dennoch wurden dadurch die eigenen Vorstellungen unterdrückt. Es wurde verlangt, die eigenen Bedürfnisse hinter die der Gemeinschaft zurückzustellen und sich den sozialistischen Moralvorstellungen unterzuordnen. Ein DDR-Pädagoge beschrieb die Aufgabe der Jugendwerkhöfe - die Umerziehung - damit, die Besonderheiten in der Persönlichkeitsentwicklung zu überwinden und die Eigenheiten im Denken und Verhalten der Jugendlichen zu beseitigen.124 Das führte letztlich zu Unselbstständigkeit, Selbstjustiz – wenn jemand „eigensinnig“ handelte und dadurch die Gruppe bestraft wurde – und Abhängigkeit von Höhergestellten.125

Mit der Einweisung in eine Jugendhilfeeinrichtung traten die Eltern nicht nur ihre Pflichten, sondern auch ihre Rechte gegenüber dem Kind ab. Auch die Kinder wurden ihrer Rechte beraubt, indem sie zwangsausgeschult wurden und arbeiten mussten, obwohl sie gern, wie im Fall von Corinna T., einen Schulabschluss machen wollten, oder trotz Arbeit in den Betrieben keinen gesetzlichen Urlaub nehmen durften, wenn es der Direktor der Einrichtung verbot.126 Dies zeigt, dass den Kindern und Jugendlichen aufgrund ihres Aufenthalts in einer Jugendhilfeeinrichtung gewisse Rechte abgesprochen wurden, die sie im familiären Umfeld normalerweise innehatten. Aufgrund ihres normabweichenden Verhaltens, wozu auch „Schulbummelei“ zählte, wurden sie ihrem Umfeld entrissen und gewissermaßen rechtlos der Staatsgewalt ausgeliefert. Die unmenschliche Behandlung in den Jugendwerkhöfen zeigt sich zum Beispiel darin, dass Privatsphäre und Intimität de facto nicht vorhanden waren: Zeitzeugen berichten, dass man nur in Gruppen unter Beobachtung der Erzieher auf Toilette gehen durfte und Mädchen, wenn sie ihre Regelblutung hatten, nach jeder Binde einzeln fragen mussten.127 Man erniedrigte die Zöglinge. Es wird sogar von „Gehirnwäsche“ gesprochen: Man musste sagen, was erwartet wurde, ohne zu wissen, was erwartet wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Auflösung des Jugendwerkhofs Torgau und stellt die Forschungsfrage, ob die DDR-Heime Erziehungseinrichtungen oder Repressionsinstrumente waren.

2 Quellengrundlage: Dieser Abschnitt beschreibt die methodische Vorgehensweise, basierend auf Zeitzeugeninterviews und Filmanalysen.

3 Forschungsstand: Hier wird der aktuelle Forschungsstand zur DDR-Heimerziehung und speziell zum Jugendwerkhof Torgau skizziert.

4 Untersuchungsrahmen: Das Kapitel verortet die Untersuchung in der Ära Honecker und erläutert den politischen Kontext des Jugendhilfesystems.

5 Jugendhilfeeinrichtungen: Es wird die Differenzierung zwischen verschiedenen Heimtypen und die Intention hinter der „Umerziehung“ dargelegt.

6 Erziehungsziele und -methoden: Dieses Kapitel analysiert das propagandistische Erziehungsideal der „sozialistischen Persönlichkeit“ und die faktische Anwendung von Disziplinierungsmaßnahmen.

7 „Erzieher“: Hier wird die prekäre Personalsituation, die politische Indoktrination der Erzieher und der Mangel an fachlicher Qualifikation thematisiert.

8 Auswirkungen der „Erziehung“: Das Kapitel schildert die gravierenden psychischen und physischen Langzeitfolgen bei den ehemaligen Insassen.

9 Gesellschaftliche Perspektive: Untersucht wird die Wahrnehmung der Heime durch die DDR-Bevölkerung sowie die politischen Implikationen des Systems.

10 Jugendwerkhöfe als Repressionsanstalten: Zusammenfassend wird hier die Repression der Zöglinge durch Überwachung, Zwangsarbeit und den Entzug grundlegender Rechte verdeutlicht.

11 Schlussteil: Das Fazit resümiert, dass beide Elemente – Erziehung und Repression – ineinandergriffen, die Unterdrückung jedoch die pädagogischen Aspekte weitgehend überschattete.

Schlüsselwörter

DDR, Jugendhilfe, Jugendwerkhof, Torgau, Umerziehung, Repression, Sozialismus, Heimerziehung, Pädagogik, Disziplinierung, Überwachung, DDR-Geschichte, Honecker-Ära, Zeitzeugen, politische Erziehung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Strukturen und Lebensbedingungen in Kinderheimen und Jugendwerkhöfen der DDR während der Ära Honecker und untersucht den Konflikt zwischen pädagogischem Anspruch und repressiver Realität.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die Erziehungsmethoden, die Qualifikation des Personals, die sozialen und psychischen Auswirkungen auf die Zöglinge sowie die öffentliche Wahrnehmung des Systems.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit geht der zentralen Frage nach, ob die Jugendhilfeeinrichtungen primär der Erziehung dienten oder ob sie als Instrumente des staatlichen Repressionsapparates fungierten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung stützt sich auf eine Kombination aus Literaturanalyse (Forschungsstand) und der Auswertung von Zeitzeugeninterviews sowie Filmmaterial, um individuelle Perspektiven abseits offizieller Dokumente zu erfassen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zum Heimalltag, zur „Umerziehung“ nach Makarenko, zur Personalsituation, zur gesellschaftlichen und politischen Einbettung sowie zu den traumatischen Folgen für die Betroffenen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind DDR-Jugendhilfe, Jugendwerkhof Torgau, Umerziehung, politische Repression, sozialistische Persönlichkeit und Heimerziehung.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des Personals in den Heimen?

Das Personal wird als häufig fachlich unzureichend ausgebildet, zum Teil gar strafversetzt, beschrieben. Es herrschte eine Kultur der Obrigkeitslente, wobei die Erzieher oft selbst dem Druck des Erziehungssystems unterworfen waren.

Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich der „Umerziehung“?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Erziehungsziele propagandistisch formuliert waren, die Umsetzung jedoch durch Gewalt, Isolation und ein veraltetes Verständnis von Disziplin in Repression mündete, die Kinder lebenslang zeichnete.

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Details

Title
Erziehung oder Repression? Kinderheime und Jugendwerkhöfe in der Ära Honecker
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Grade
2,3
Author
Marie-Luise Kießling (Author)
Publication Year
2021
Pages
26
Catalog Number
V1376248
ISBN (PDF)
9783346912206
ISBN (Book)
9783346912213
Language
German
Tags
erziehung repression kinderheime jugendwerkhöfe honecker
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marie-Luise Kießling (Author), 2021, Erziehung oder Repression? Kinderheime und Jugendwerkhöfe in der Ära Honecker, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1376248
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