Mit der Verbreitung des Internets bis in die Amtsstuben der öffentlichen Verwaltung kann sich auch die öffentliche Hand von den neuen Techniken und Möglichkeiten nicht mehr verschließen.
Die ersten Internetauftritte von Kommunen, die im Laufe der Internetrevolution der 80/90er Jahre entstanden sind, boten lediglich Informationen, die nicht über die Bereitstellung von Telefonnummern und Öffnungszeiten hinaus reichten. Leider hat sich an dieser Situation bei vielen aktuellen Webauftritten der deutschen Kommunen und Behörden nicht viel verändert. Noch immer sind reine Informationsangebote ohne transaktionalen oder partizipativen Charakter häufig anzutreffen.
Doch gerade dies reicht trotz der verbesserten grafischen Präsentation der Angebote in Zeiten wachsender Bedeutung des e-Governments in Deutschland nicht mehr aus. Im Zuge der allgemeinen Wandlung in eine Informations- und Wissensgesellschaft entstehen auch für die öffentliche Hand neue Herausforderungen, aktiv daran teilzuhaben. Diese Herausforderungen für die Behörden auf Bundes- bzw. regionaler Ebene und der einzelnen Kommunen sind vergleichbar mit denen der Unternehmen bei der Einführung des e-Commerce, obgleich die staatlichen Institutionen eine weitaus vielfältigere Aufgabe zu bewältigen haben.
Deshalb stellen Konzeption und Einsatz erweiterter öffentlicher Informations- und Interaktionsportale, sowohl in inhaltlicher als auch in technischer Sicht, eine der wichtigsten Schlüsselfunktionen bei der Ausgestaltung dieser neuen Informationsgesellschaft dar.
Das Ziel dieser Arbeit soll es sein, eine Entscheidungshilfe funktionaler, inhaltlicher, technologischer und organisatorischer Natur für die Einführung eines kommunalen Internet-Portals zu liefern, wobei hauptsächlich auf die Internet-Sicht eines Portals eingegangen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Herausforderung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 GRUNDLAGEN
2.1 Ziele eines kommunalen Internet-Portals
2.2 Nutzen eines kommunalen Internet-Portals
2.2.1 Bürgerschaft
2.2.2 Unternehmen
2.2.3 Öffentliche Stellen
2.3 Definitionen und Abgrenzung
2.3.1 e-Government
2.3.1.1 Kommunikationspartner
2.3.1.2 Anwendungsbereiche
2.3.1.3 Interaktionsgrad
2.3.2 One-Stop-Government
2.3.3 Portale
2.3.4 Virtuelle Marktplätze
2.3.5 Elektronische Signatur
2.4 Ausgangssituation in Deutschland
2.4.1 Nutzung des Internets
2.4.2 Stand des e-Government
2.4.2.1 Bundesebene
2.4.2.2 Landesebene
2.4.2.3 Kommunalebene
2.5 Rechtliche Rahmenbedingungen
2.5.1 Elektronische Signatur
2.5.2 Barrierefreiheit
2.5.3 Impressumspflicht
2.5.4 Datenschutz
3 FACHLICHE ANFORDERUNGEN
3.1 Funktionale Spezifikationen
3.1.1 Navigation
3.1.2 Suche
3.1.3 Das Lebenslagen-Prinzip
3.1.4 Personalisierung
3.1.5 Online-Formulare
3.2 Inhaltliche Spezifikationen
3.2.1 Sinnvolle Portal-Dienstleistungen
3.2.1.1 Information
3.2.1.1.1 Selbstdarstellung
3.2.1.1.2 Externe Informationen
3.2.1.1.3 Boulevardinformationen
3.2.1.1.4 Registerdaten
3.2.1.1.5 Wirtschaftsinformationen
3.2.1.1.6 Behördeninformationen
3.2.1.1.7 Informationen für die Öffentlichkeit
3.2.1.2 Transaktion / Kommunikation
3.2.1.2.1 Elektronische Korrespondenz
3.2.1.2.2 Elektronische Leistungs- und Ordnungsverwaltung
3.2.1.3 Partizipation
3.2.1.4 Mindestangebot an Dienstleistungen
3.2.2 Auswahl der Dienstleistungen
3.2.2.1 Identifizierung onlinefähiger Dienstleistungen
3.2.2.2 Festlegung der Betreiberziele
3.2.2.3 Festlegung der Bewertungskriterien
3.2.2.4 Identifikation onlinefähiger Infrastrukturverfahren
3.2.2.5 Bewertung und Auswahl der Portal-Dienstleistungen
3.2.3 Strukturierung der Portal-Dienstleistungen
3.2.3.1 Strukturierung nach dem Lebenslagenprinzip
3.2.3.2 Strukturierung nach Themenbereichen
4 TECHNOLOGISCHE UND ADMINISTRATIVE ANFORDERUNGEN
4.1 Sicherheit
4.1.1 Systemarchitektur
4.1.2 Datenschutz
4.1.3 Identifikationsmechanismen
4.1.4 Account-Management
4.1.5 Rollenkonzept
4.1.6 Mandantenfähigkeit
4.1.7 Verschlüsselung
4.2 Content-Management
4.2.1 Freigabeprozesse für Content
4.2.2 Verteilte Datenpflege
4.2.3 Wiederverwertbarkeit von Content
4.3 Benutzerfreundlichkeit
4.3.1 Softwareergonomie
4.3.2 Barrierefreiheit
4.3.3 Laufzeitverhalten
4.4 Payment-Verfahren
4.5 Basiskomponenten
4.6 Bedarfskomponenten
5 ORGANISATORISCHE NOTWENDIGKEITEN
5.1 Betreibermodelle
5.2 Planung
5.3 Einführung
5.4 Produktivhaltung
6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
6.1 Zusammenfassung
6.2 Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Diplomarbeit besteht darin, eine fundierte Entscheidungshilfe für die Konzeption und Einführung eines kommunalen Internet-Portals bereitzustellen. Dabei werden funktionale, inhaltliche, technologische sowie organisatorische Aspekte detailliert beleuchtet, um eine Brücke zwischen den Anforderungen der modernen Informationsgesellschaft und der kommunalen Verwaltungspraxis zu schlagen.
- Grundlagen des e-Governments und Definition kommunaler Portalkonzepte.
- Methodische Vorgehensweise bei der Bewertung und Auswahl sinnvoller Portal-Dienstleistungen.
- Strategien zur Navigationsstrukturierung (u.a. Lebenslagen-Prinzip).
- Technologische Anforderungen, insbesondere Sicherheit, Barrierefreiheit und Content-Management.
- Organisatorische Notwendigkeiten für Einführung und Betrieb (Betreibermodelle).
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Das Lebenslagen-Prinzip
Viele der öffentlichen Stellen, die sich online den Bürgern und Unternehmen präsentieren, orientieren sich bei ihrem Internetangebot an den verwaltungsinternen Prozessen und Strukturen. Jede der internen Verwaltungs- und Organisationseinheiten besitzt eindeutige Zuständigkeiten und bietet spezielle Dienstleistungen mit speziellen Fachkräften an. Dabei werden die Nachfrager der Dienstleistungen nur segmentartig betreut, wobei das Interesse der Kommunen meist nur dem eigenen Leistungsangebot und nicht einer bürgerorientierten Bündelung der Dienste unterschiedlicher Träger gilt.
Aus Sicht eines Bürgers spielt es jedoch keine Rolle, ob ihm eine spezielle kommunale Stelle oder ein privates Unternehmen die Versorgung mit Informationen und Dienstleistungen gewährleistet. Er nimmt Kontakt mit einer Kommunalverwaltung auf und erwartet ein zu seiner konkreten Lebenssituation passendes Spektrum öffentlicher und privater Angebote [Daum 2002, S.14ff].
Aus diesem Grund wird in zunehmendem Maße eine Lebenslagen-Orientierung bei der Konzeption von Online-Auftritten berücksichtigt.
Das Lebenslagen-Prinzip ignoriert die Verwaltungsstruktur und richtet sich konsequent nach den Bedürfnissen der Bürger und Unternehmen bzw. dem täglichen Leben der Gesellschaft. Benutzer eines entsprechenden Portals sollen dadurch direkt und umfassend die nötigen Antworten und Informationen auf ihr Problem erhalten. Gleichzeitig dazu soll ihnen die Möglichkeit gegeben werden, die nötigen Transaktionen (Einreichung von Formularen, Bezahlung von Gebühren) elektronisch auslösen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einleitung in die Thematik der kommunalen Internet-Portale unter Berücksichtigung der Herausforderungen des e-Governments.
2 GRUNDLAGEN: Vermittlung der Begrifflichkeiten und des aktuellen Stands des e-Governments in Deutschland sowie der rechtlichen Rahmenbedingungen.
3 FACHLICHE ANFORDERUNGEN: Umfassende Beschreibung der funktionalen und inhaltlichen Spezifikationen, inklusive Methoden zur Auswahl und Strukturierung von Dienstleistungen.
4 TECHNOLOGISCHE UND ADMINISTRATIVE ANFORDERUNGEN: Analyse sicherheitstechnischer, administrativer und benutzerspezifischer Anforderungen an ein Portal-System.
5 ORGANISATORISCHE NOTWENDIGKEITEN: Erläuterung der notwendigen organisatorischen Schritte für Planung, Einführung und Produktivhaltung eines Portals.
6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Fazit der Arbeit und Einschätzung der zukünftigen Entwicklung des e-Governments in Deutschland.
Schlüsselwörter
e-Government, kommunales Internet-Portal, Lebenslagen-Prinzip, Verwaltungsmodernisierung, One-Stop-Government, Personalisierung, Barrierefreiheit, Content-Management-System, elektronische Signatur, Online-Formulare, Public Private Partnership, IT-Sicherheit, Behördenwegweiser, Prozessoptimierung, Bürgerorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption eines kommunalen Internet-Portals, das als moderne Schnittstelle zwischen Bürger, Wirtschaft und Verwaltung fungiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die fachliche Anforderungsanalyse, die technologische Infrastruktur, administrative Notwendigkeiten sowie die organisatorische Planung und Einführung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Bereitstellung einer ganzheitlichen Entscheidungshilfe für Kommunen, um den Aufbau zukunftsfähiger und nutzerorientierter Internet-Portale methodisch zu planen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und kombiniert theoretische Konzepte (wie das Lebenslagen-Prinzip) mit praxisorientierten Leitfäden für die Verwaltung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die fachlichen Anforderungen, die in funktionale und inhaltliche Spezifikationen unterteilt sind, sowie auf technologische und organisatorische Implementierungsschritte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind e-Government, Lebenslagen-Prinzip, Verwaltungsmodernisierung, One-Stop-Government und Barrierefreiheit.
Wie unterscheidet sich ein kommunales Portal von einem Unternehmensportal?
Während Unternehmensportale stark auf eine homogene Zielgruppe ausgerichtet sind, müssen kommunale Portale eine breite Menge an Benutzern ansprechen und sind in einen strengeren rechtlichen Rahmen eingebunden.
Warum ist das Lebenslagen-Prinzip so entscheidend für den Erfolg?
Es bricht verwaltungsinterne Silostrukturen auf und orientiert sich konsequent an den realen Bedürfnissen der Bürger, was die Nutzerfreundlichkeit und Akzeptanz deutlich erhöht.
- Quote paper
- Marcus Stumböck (Author), 2003, Konzeption eines kommunalen Internet-Portals, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13774