Analyse des Textes "Heart of Darkness" von Joseph Conrad hinsichtlich der Darstellung der europäischen Kolonialpolitik im Kongo


Hausarbeit, 2008
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung des Textes Heart of Darkness in den geschichtlichen Hintergrund der europäischen Kolonialpolitik im Kongo

3. Gebrauch von Metaphern als Darstellungsweise des Kolonialismus
3.1 Europa vs. Afrika
3.2 Licht vs. Dunkelheit

4. Analyse des Titels Heart of Darkness hinsichtlich einer Kritik an der europäischen Kolonialpolitik im Kongo

5. Rassistische Darstellung der Afrikaner in Heart of Darkness

6. Darstellung der europäischen Kolonialpolitik im Kongo anhand der literarischen Charaktere im Text Heart of Darkness
6.1 Manager der Company
6.2 Marlow
6.3 Kurtz

7. Der Wahnsinn als ein Resultat des Kolonialismus

8. Resümee

9. Literaturverzeichnis
9.1 Primärliteratur
9.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

“Before it is anything else, ‘Heart of Darkness’ is an exposure of colonial exploitation,”[1] so behauptet es Mahood. Dem sei zunächst insofern zuzustimmen, als dass sich Conrads Text Heart of Darkness tatsächlich in den geschichtlichen Zusammenhang der europäischen Kolonialpolitik im Kongo einordnen lässt und sich somit Kolonialismus zum zentralen Thema macht. So heißt es gleich zu Beginn von Marlows Erzählung über seine Afrikareise in den Kongo:

I was thinking of very old times, when the Romans first came here, nineteen hundred years ago – the other day … light came out of this river since – you say Knights? Yes; but it is like a running blaze on a plain, like a flash of lightning in the clouds. We live in the flicker – may it last as long as the old earth keeps rolling! But darkness was here yesterday.[2]

Somit werden die Geschehnisse im Kongo nicht nur zeitlich in die Historie der englischen Kolonialpolitik eingeordnet, sondern zudem zunächst verteidigt. Denn hätten die Römer England nicht besetzt, müsste es nach wie vor in Dunkelheit verharren.[3] Die Römer stehen daher mit ihrem kolonialen Übergriff nicht in der Kritik. Vielmehr hätten sie England die Zivilisation gebracht und mit der Zivilisation das Licht der Vernunft.[4] Die Sache der europäischen Kolonialpolitik scheint so vorerst gerechtfertigt zu sein, da die kolonialen Machtverhältnisse zunächst noch in den Hintergrund gerückt werden und die Zerstörung anderer Länder als Eroberung und nicht als koloniale Aggression verstanden wird.[5]

Erst im Verlauf jener römischen Besatzungsgeschichte spricht Marlow innerhalb seiner Erzählung jedoch die Probleme der Kolonisierung an, die er auch auf seiner Afrikareise antreffen wird:

Imagine the feelings of a commander of a fine […] trireme in the Mediterranean, ordered suddenly to the north […] Imagine him here – the very end of the world, a sea the colour of lead, a sky the colour of smoke, a kind of ship about as rigid as a concertina – and going up this river with stores, or orders, or what you like. Sand-banks, marshes, forests, savages, - precious little to eat fit for a civilized man, nothing but Thames water to drink. No Falernian wine here, no going ashore. Here and there a military cramp lost in a wilderness, like a needle in a bundle of hay – cold, fog, tempests, disease, exile, and death – death skulling in the air, in the water, in the bush. They must have been dying like the flies here. Oh, yes – he did it.[6]

So muss sich der Kolonialist dem Unbekannten stellen und wird von einer Kraft getrieben, die der Vernunft entgegenstehe.[7] Dabei wird das Gewinnstreben als Grund für solch eine Reise angegebenen, wenn es heißt: “[…] the Company was run for profit.“[8] Demnach ist es also nicht der Wunsch der Kolonisten, den „Wilden“ Vernunft und Aufklärung zu bringen, sondern es ist die Profitgier und der Machtwille, der sie antreibt. Die zunächst gerecht erscheinende Kolonialpolitik der europäischen Staaten wird somit zerstört und verleitet die Literaturwissenschaftler daher zu der Annahme, dass Conrads Text Heart of Darkness den Kolonialismus der europäischen Staaten in Afrika in kritischer Weise darstelle. In diesem Sinne würde Conrad die Grausamkeiten des Kolonialismus in Afrika sowie die Ausbeutung der ansässigen Urbevölkerung durch seine Unterdrücker anprangern, indem er ein konträres Verhältnis zwischen der westlichen Zivilisation in Europa und dem Handeln jener Zivilisation in Afrika darstelle.[9]

Hält man sich vor Augen, dass sich die Veröffentlichung dieses Textes im Jahre 1899 im Blackwood's Magazine zeitlich mit dem Höhepunkt des europäischen imperialistischen Bestrebens überschnitt, so wäre es – sofern die Annahme der Kritiker als begründet gelten kann - von Conrad außerordentlich gewagt gewesen, jenes Thema der europäischen Kolonialpolitik in Afrika durch seinen literarischen Text Heart of Darkness in jener Weise darzustellen.[10] Daher gilt es nun im Folgenden festzustellen, ob die europäische Kolonialpolitik in Afrika tatsächlich entkräftend im Text dargestellt wird oder ob jene – gemäß der literaturwissenschaftlichen Lesart – kritisch abgebildet werde. In diesem Sinne analysiert die vorliegende Arbeit die Darstellung der europäischen Kolonialpolitik in Conrads Text Heart of Darkness auf ein etwaiges konfliktgeladenes und kritisches Verhältnis zum europäischen Kolonialismus. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass Heart of Darkness sowohl als rassistischer, den Kolonialismus rechtfertigender Text als auch als antikoloniales Manifest gelesen wurde.[11] Eine einseitige Perspektive hinsichtlich der Darstellung des Kolonialismus kann dem Text daher nicht gerecht werden. Deswegen muss der Text Heart of Darkness zur genaueren Beurteilung hinsichtlich seiner Schilderung der kolonialen Verhältnisse von mehreren Seiten aus analysiert werden.

2. Einordnung des Textes Heart of Darkness in den geschichtlichen Hintergrund der europäischen Kolonialpolitik im Kongo

Der Text Heart of Darkness steht im engen geschichtlichen Zusammenhang mit der Kolonialpolitik Léopolds II., dem König von Belgien. Bereits 1876 hatte jener eine internationale Conférence géographique in Brüssel einberufen, die die Association Internationale pour l’exploration et la civilisation del’Afrique centrale (AIA), dem Verein in dem sich die europäischen Afrikaforscher aller Länder zusammenschlossen, gründen sollte.[12] 1878 folgte darauf die Einrichtung des Comité d’Etudes du Haut-Congo und 1882 die Etablierung der Association Internationale du Congo (AIC).[13] Jene Gesellschaften standen für das Bestreben Léopolds II., durch gezielte Finanzierung von Expeditionen nach Zentralafrika sein koloniales Projekt vorzubereiten, obwohl jene offiziell als Vereine galten, die der Wissenschaft, dem Fortschritt und der Verbreitung der Zivilisation dienen sollten.[14]
Léopold II. konnte sich so mit Hilfe jener Einrichtungen zum selbstlosen Philanthropen stilisieren. Ende 1884 wurde ihm sodann auf der Berliner Kongokonferenz die Kontrolle über das Kongogebiet erteilt, so dass nun seine „Privatkolonie“ entstanden war, die er kurz darauf zur Freihandelszone erklärte.[15]

In jenen geschichtlichen Hintergrund lässt sich nun der Text Heart of Darkness einbetten. Auch er spielt zu jener Zeit, als der Kongo zwar nominell als unabhängiger Staat – als so genannter Kongo-Freistaat – anerkannt wurde, jedoch offiziell das Hoheitsgebiet von
Léopold II. war, der sich stets darum bemühte, sein koloniales Projekt diskursiv zu rechtfertigen,[16] obwohl es doch eher das Geschäft mit Elfenbein war, das ihn in seinen Motiven antrieb.

Spätestens in den 1890er Jahren kam jenes Bild Léopolds II. jedoch ins Wanken, als durch den gesteigerten Bedarf neuer Industrien auch die Nachfrage an Kautschuk stieg und sich so im Kongo das so genannte „Kautschukregime“[17] etablieren konnte. Jenes Regime führte sodann zur Verelendung weiter Landstriche, „nicht nur bedingt dadurch, daß gezielte Strafexpeditionen widerständige Dörfer buchstäblich von der Landkarte löschten, sondern auch weil die lokale Subsistenzwirtschaft zusammenbrach: die Kautschukarbeit ließ den Menschen keine Zeit mehr für ihre Felder und Tiere. Folter, Geiselhaft von Frauen und Kindern, um die Männer zur Arbeit zu zwingen, Morde an einzelnen oder Massaker an ganzen Dorfgemeinschaften und Zerstückelung – besonders das Abhacken von Händen Getöteter – werden zu Maßnahmen innerhalb dieses Systems von Raubwirtschaft.“[18]

Innerhalb jenes Rahmens lassen sich auch die Geschehnisse im Text Heart of Darkness in die europäische Kolonialpolitik im Kongo einordnen. Bemerkenswert ist hierbei, dass, als der Text 1899 veröffentlicht wurde, Großbritannien durch Königin Victoria regiert wurde, die die Nichte Léopolds II. war.[19] Fand man es also bisher noch nicht gewagt, jenes Thema der Kolonialpolitik zu einem Zeitpunkt des allgemeinen imperialistischen Bestrebens der europäischen Länder anzusprechen, so müssten die daraus resultierenden Spannungen vor jenem Hintergrund doch nun umso offensichtlicher sein.

3. Gebrauch von Metaphern als Darstellungsweise des Kolonialismus

Innerhalb jenes Kapitels sollen wiederkehrende Metaphern zum Kolonialismus in Conrads Text Heart of Darkness erläutert werden. Diese Metaphern werden den hier gegebenen Unterpunkten zugeordnet, wobei sie meist im direkten Kontext zueinander stehen.

3.1 Europa vs. Afrika

Als Metaphern, die der Überschrift Europa vs. Afrika zuzuordnen sind, seien an dieser Stelle nur einige exemplarisch herausgegriffen. So sollen als literarische Darstellungsmittel der europäischen Kolonialpolitik im Kongo die Stadt Brüssel und die Themse, welche für Europa stehen, im Folgenden erläutert werden. Der Congo River, der im Gegensatz hierzu repräsentativ für Afrika ist, soll in diesem Zusammenhang im direkten Vergleich mit der Themse gesehen werden. Jene Metaphern sollen nun in ihrer Bedeutung hinsichtlich der Darstellungsweise des Kolonialismus innerhalb des Textes Heart of Darkness erläutert werden.

[...]


[1] Vgl.: Mahood (1977), S. 5.

[2] Vgl.: Conrad (1994), S.8.

[3] Vgl.: Lemke (2007), S.140.

[4] Ebd., S. 140.

[5] Ebd., S. 140.

[6] Vgl.: Conrad (1994), S.8f. Innerhalb jener Textpassagen, die sich im Zusammenhang mit Marlows Erläuterungen zur römischen Kolonisation anschließen, geht eine scharfe Kritik hervor, die unter anderem noch im Punkt 4: „Analyse des Titels Heart of Darkness hinsichtlich einer Kritik an der europäischen Kolonialpolitik im Kongo“ sowie im Unterkapitel 6.2: „Marlow“ dieser Arbeit spezifiziert werden soll.

[7] Vgl.: Lemke (2007), S.141.

[8] Vgl.: Conrad (1994), S.18.

[9] Vgl.: Abrams (2000), S. 1957.

[10] Vgl.: Krajka (2007), S.30.

[11] Vgl.: Gehrmann (2003), S. 110.

[12] Vgl.: Gehrmann (2003), S. 57.

[13] Ebd., S. 57.

[14] Ebd., S. 57.

[15] Ebd., S. 60.

[16] Vgl.: Abrams (2000), S. 1957.

[17] Vgl.: Gehrmann (2003), S. 63.

Auf jenes Regime spielt Conrad in seinem Text Heart of Darkness nicht an. Jedoch ist anzunehmen, dass er sich das Wissen um jenes Regime zum Hintergrund nahm, um so kritische Punkte der europäischen Kolonialpolitik im Kongo anzusprechen.

[18] Vgl.: Gehrmann (2003), S. 63.

Das Abhacken von Händen kommt auch in Heart of Darkness vor. Innerhalb dieser Arbeit soll davon im Unterpunkt 6.3: „Kurtz“ die Rede sein.

[19] Vgl.: Ploetz (1998), S. 970.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Analyse des Textes "Heart of Darkness" von Joseph Conrad hinsichtlich der Darstellung der europäischen Kolonialpolitik im Kongo
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V137771
ISBN (eBook)
9783640467792
ISBN (Buch)
9783656667414
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
“Before it is anything else, ‘Heart of Darkness’ is an exposure of colonial exploitation,” so behauptet es Mahood. Dem sei zunächst insofern zuzustimmen, als dass sich Conrads Text Heart of Darkness tatsächlich in den geschichtlichen Zusammenhang der europäischen Kolonialpolitik im Kongo einordnen lässt und sich somit Kolonialismus zum zentralen Thema macht. So heißt es gleich zu Beginn von Marlows Erzählung über seine Afrikareise in den Kongo...
Schlagworte
Analyse, Textes, Heart, Darkness, Joseph, Conrad, Darstellung, Kolonialpolitik, Kongo
Arbeit zitieren
Jessica Horn (Autor), 2008, Analyse des Textes "Heart of Darkness" von Joseph Conrad hinsichtlich der Darstellung der europäischen Kolonialpolitik im Kongo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137771

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