Hält man sich vor Augen, dass sich die Veröffentlichung dieses Textes im Jahre 1899 im Blackwood's Magazine zeitlich mit dem Höhepunkt des europäischen imperialistischen Bestrebens überschnitt, so wäre es – sofern die Annahme der Kritiker als begründet gelten kann - von Conrad außerordentlich gewagt gewesen, jenes Thema der europäischen Kolonialpolitik in Afrika durch seinen literarischen Text Heart of Darkness in jener Weise darzustellen. Daher gilt es nun im Folgenden festzustellen, ob die europäische Kolonialpolitik in Afrika tatsächlich entkräftend im Text dargestellt wird oder ob jene – gemäß der literaturwissenschaftlichen Lesart – kritisch abgebildet werde. In diesem Sinne analysiert die vorliegende Arbeit die Darstellung der europäischen Kolonialpolitik in Conrads Text Heart of Darkness auf ein etwaiges konfliktgeladenes und kritisches Verhältnis zum europäischen Kolonialismus. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass Heart of Darkness sowohl als rassistischer, den Kolonialismus rechtfertigender Text als auch als antikoloniales Manifest gelesen wurde. Eine einseitige Perspektive hinsichtlich der Darstellung des Kolonialismus kann dem Text daher nicht gerecht werden. Deswegen muss der Text Heart of Darkness zur genaueren Beurteilung hinsichtlich seiner Schilderung der kolonialen Verhältnisse von mehreren Seiten aus analysiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einordnung des Textes Heart of Darkness in den geschichtlichen Hintergrund der europäischen Kolonialpolitik im Kongo
3. Gebrauch von Metaphern als Darstellungsweise des Kolonialismus
3.1 Europa vs. Afrika
3.2 Licht vs. Dunkelheit
4. Analyse des Titels Heart of Darkness hinsichtlich einer Kritik an der europäischen Kolonialpolitik im Kongo
5. Rassistische Darstellung der Afrikaner in Heart of Darkness
6. Darstellung der europäischen Kolonialpolitik im Kongo anhand der literarischen Charaktere im Text Heart of Darkness
6.1 Manager der Company
6.2 Marlow
6.3 Kurtz
7. Der Wahnsinn als ein Resultat des Kolonialismus
8. Resümee
9. Literaturverzeichnis
9.1 Primärliteratur
9.2 Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der europäischen Kolonialpolitik im Kongo in Joseph Conrads Erzählung "Heart of Darkness", um zu klären, ob der Text als kritisches Werk, als rassistisch oder als antikoloniales Manifest zu bewerten ist. Im Zentrum steht dabei die Analyse der verwendeten Metaphorik und der literarischen Charaktere als Spiegelbild kolonialer Machtverhältnisse.
- Historische Einordnung des Kongo-Freistaats unter Leopold II.
- Metaphorische Analyse der Begriffe Licht, Dunkelheit, Europa und Afrika.
- Untersuchung der psychologischen Dimensionen des Kolonialismus und Wahnsinns.
- Kritische Auseinandersetzung mit Vorwürfen des Rassismus gegenüber dem Werk.
- Charakterstudie von Marlow, Kurtz und dem Manager der Company im kolonialen Kontext.
Auszug aus dem Buch
3.1 Europa vs. Afrika
Als Metaphern, die der Überschrift Europa vs. Afrika zuzuordnen sind, seien an dieser Stelle nur einige exemplarisch herausgegriffen. So sollen als literarische Darstellungsmittel der europäischen Kolonialpolitik im Kongo die Stadt Brüssel und die Themse, welche für Europa stehen, im Folgenden erläutert werden. Der Congo River, der im Gegensatz hierzu repräsentativ für Afrika ist, soll in diesem Zusammenhang im direkten Vergleich mit der Themse gesehen werden. Jene Metaphern sollen nun in ihrer Bedeutung hinsichtlich der Darstellungsweise des Kolonialismus innerhalb des Textes Heart of Darkness erläutert werden.
In Marlows Erzählung wird die Stadt Brüssel als Ort des Todes stilisiert, wenn es mit den Begriffen “white sepulcher” und “city of the dead” beschrieben wird. Die Schönheit der Stadt besteht daher nur von außen, während es von innen einer Grabstätte gleichkommt. Brüssel steht somit als Metapher stellvertretend für das koloniale Unternehmen der europäischen Staaten. Da das Hauptquartier der Company in Brüssel ansässig ist, ist die Stadt zugleich verantwortlich für den Tod von Kolonisten sowie von Kolonisierten und bekommt daher den Ruf einer Totenstadt. Parry behauptet in diesem Sinne von der Stadt Brüssel:
“The clean white city of Brussels which for Marlow resembles a whited sepulchre, is the place from where a rapacious colonialism is organised […]”
Somit wird Brüssel zugleich in kritischer Weise in den Kontext des Kolonialismus gestellt, indem es in ein ausbeuterisches System eingebettet wird, welches nicht nur Tote auf der eigenen Seite, sondern auch Tote auf der Seite des zu kolonisierenden Landes fordert. ‘The noble cause’ des Kolonialismus ist somit gescheitert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz des Textes im historischen Kontext der Kolonialpolitik ein und umreißt die wissenschaftliche Debatte um Conrads Haltung zum Kolonialismus.
2. Einordnung des Textes Heart of Darkness in den geschichtlichen Hintergrund der europäischen Kolonialpolitik im Kongo: Dieses Kapitel verknüpft die Erzählung mit der historischen Realität der "Privatkolonie" Leopolds II. und der Etablierung des Kautschukregimes.
3. Gebrauch von Metaphern als Darstellungsweise des Kolonialismus: Hier werden zentrale Bildmotive wie die Kontraste zwischen Europa und Afrika sowie Licht und Dunkelheit als Instrumente zur Kritik am Kolonialismus analysiert.
4. Analyse des Titels Heart of Darkness hinsichtlich einer Kritik an der europäischen Kolonialpolitik im Kongo: Das Kapitel untersucht die Doppeldeutigkeit des Titels als ironischen Kommentar zur moralischen Finsternis der europäischen Akteure.
5. Rassistische Darstellung der Afrikaner in Heart of Darkness: Es findet eine kritische Auseinandersetzung mit Chinua Achebes Vorwürfen gegen Conrad statt und hinterfragt die Grenzen zwischen Erzähler und Autor.
6. Darstellung der europäischen Kolonialpolitik im Kongo anhand der literarischen Charaktere im Text Heart of Darkness: Anhand der Figuren des Managers, Marlows und Kurtz wird verdeutlicht, wie verschiedene Haltungen zum kolonialen Projekt die Charakterisierung prägen.
7. Der Wahnsinn als ein Resultat des Kolonialismus: Das Kapitel beleuchtet den psychologischen Verfall der Kolonialbeamten als direktes Resultat ihres Handelns und der Umgebung.
8. Resümee: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Text eine ambivalente Haltung einnimmt, die weder rein rassistisch noch rein antikolonial zu fassen ist.
9. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Heart of Darkness, Joseph Conrad, Kolonialismus, Imperialismus, Kongo-Freistaat, Europäische Kolonialpolitik, Marlow, Kurtz, Metaphorik, Rassismusdebatte, Psychologie des Kolonialismus, Literaturwissenschaft, Zivilisation, Ausbeutung, Kautschukregime.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung der europäischen Kolonialpolitik im Kongo in Joseph Conrads Werk Heart of Darkness und untersucht dabei die Ambivalenz zwischen kolonialkritischen und potenziell rassistischen Lesarten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind der historische Hintergrund des Kongos, die Bedeutung literarischer Metaphern, die psychologische Wirkung der Kolonialisierung auf die Europäer sowie die literarische Charakterzeichnung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, festzustellen, ob Conrad den Kolonialismus kritisch entlarvt oder ihn durch eine rassistische Perspektive gar rechtfertigt, wobei die Vielschichtigkeit des Textes herausgearbeitet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text in seinen zeitgeschichtlichen Kontext einbettet und sich auf verschiedene Sekundärquellen zur postkolonialen Literaturtheorie stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Metaphern wie Licht und Dunkelheit, der Titel des Werkes, die Rolle der literarischen Charaktere und die Frage nach dem Wahnsinn der Akteure untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Kolonialismus, Imperialismus, Herz der Finsternis, Kongo-Freistaat, eurozentrische Wahrnehmung und moralischer Verfall prägen die Untersuchung.
Wie bewertet die Arbeit die Vorwürfe von Chinua Achebe?
Die Arbeit differenziert zwischen dem fiktiven Erzähler Marlow und dem Autor Conrad und argumentiert, dass eine direkte Gleichsetzung der Positionen literaturwissenschaftlich problematisch ist.
Warum wird Kurtz in der Arbeit als "moderner Faust" bezeichnet?
Die Arbeit greift diese Analogie auf, um Kurtz' grenzenloses Streben nach Macht und Erfolg auf Kosten seiner eigenen Seele im Kontext des ausbeuterischen Kolonialsystems zu verdeutlichen.
Was bedeutet die "strukturelle Ambivalenz" des Kongo im Text?
Damit ist gemeint, dass der Kongo als literarischer Ort gleichzeitig symbolisch, allegorisch und historisch sowie kolonialkritisch und rassistisch konstruiert ist, was eine eindeutige Kategorisierung erschwert.
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- Jessica Horn (Author), 2008, Analyse des Textes "Heart of Darkness" von Joseph Conrad hinsichtlich der Darstellung der europäischen Kolonialpolitik im Kongo, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137771