Der Glaube und die Überlieferung der Heiligen Schrift müssen, unabhängig von allen neueren Ausgaben, unangetastet bleiben. Ein Beispiel für diesen häufig ungewollten Missbrauch mag genügen. In den ungefähr 40 Jahren nach der Kreuzigung Christi, galt Judas offenbar nicht als Verräter. Wenn der Apostel Paulus um 50 n. Chr. schreibt, Jesus wurde am Ostermorgen nach seiner Auferstehung "von den Zwölfen herzlich begrüßt", so ist Judas dort natürlich mit eingeschlossen. Die Herausgeber einer neueren Bibel aber verändern den Text und schreiben er sei "von den Jüngern herzlich begrüßt" worden. Sie waren der fälschlichen Meinung, Judas könne nicht mehr dabei gewesen sein. Die Reihe derartiger Beispiele ließe sich fortsetzen.
Vom "Verräter" Judas wird ausschließlich in den Evangelien um und nach 100 n. Chr. berichtet. 22 Mal wird er in den vier Evangelien genannt, in den Briefen und Büchern der Apostel und Propheten, die nach Hunderten zählen, wird er aber kein einziges Mal namentlich erwähnt. Dass die Evangelisten das Ende des Judas in allen vier Fällen unterschiedlich benennen, muss zumindest verwundern. Einmal erhängt er sich, einmal platzt er oder stürzt vom Felsen, ein anderes Mal holt ihn der Teufel. Wussten die Evangelisten nach 100 Jahren nicht genau Bescheid?
Inhaltsverzeichnis der Arbeit
Vorwort
Die Evangelien – Geschichte und Übermittlung
Die Evangelisten
Markus
Matthäus
Lukas
Der Evangelist und Theologe Johannes
Die weitere Entwicklung des frühen Christentums
Die Bibel und Martin Luther
Luther und sein Glaube
Luthers Sprache
Veränderungen im Bibeltext, Korrekturen und „Verbesserungen“
Problematik neuerer Ausgaben der Bibel als „Geschenke“ von „Glaubensvereinigungen“ an Krankenhäuser, Hotels, Kitas, Schulen, etc.
Jesus – tot oder lebendig!
Neue Erkenntnisse zum neuen Testament.
Die historische Entwicklung des frühen Christentums
Frühe Bibelillustrationen und bildliche Darstellungen in Kirchen
Holzschnitte, Kupferstiche und Radierungen in gedruckten Bibelausgaben
Das Septembertestament von 1522 und die Holzstiche zur Offenbarung des Johannes.
Die Illustrationen in der sogenannten Merian-Bibel
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der historischen Überlieferung der Evangelien, der Rolle von Judas sowie der Entwicklung der Luther-Bibel und der biblischen Illustrationsgeschichte auseinander, mit dem Ziel, den sorgsamen und respektvollen Umgang mit biblischen Texten einzufordern.
- Historische Analyse der Entstehung und Authentizität der vier Evangelien
- Kritische Untersuchung der Rolle des Judas Ischariot im Neuen Testament
- Einfluss von Martin Luthers Übersetzung auf die deutsche Sprache und Glaubenspraxis
- Kritik an modernen Textveränderungen und "Verbesserungen" an der Heiligen Schrift
- Bedeutung von Bibelillustrationen (Dürer, Cranach, Merian) als Deutungshilfe und Werkzeug
Auszug aus dem Buch
Die Evangelien – Geschichte und Übermittlung
Das Wort „Bibel“ kommt vom griechischen Wort „Biblion“ und bedeutet einfach Buch. Dabei enthält die Bibel eigentlich unendlich viele Bücher, eine Bibliothek voller Erfahrungen, Abenteuer- und Liebesgeschichten, Kriegsberichte, Legenden etc. (Die folgenden Absätze fußen vorrangig auf der vorzüglichen Veröffentlichung von Georg Schwikart: Christentum, 2004, passim.)
Die beiden großen Teile der Bibel sind das Alte und das Neue Testament. Das Alte Testament erzählt von der Erschaffung der Welt, von Adam und Eva, dem Volk Israel, der Sintflut oder der babylonischen Gefangenschaft. Das Neue Testament betrifft hauptsächlich das Leben und Wirken von Jesus Christus. Nach seiner Auffassung nimmt Gott alle Menschen an, wie sie sind. Es ist die Geschichte der Freundschaft von Gott mit den Menschen. Aber nicht alle verstehen es. Sie meinen, was Jesus behauptete, beleidige Gott. Jesus wurde gekreuzigt, und so, sicher unbeabsichtigt, wird das Kreuz zum Symbol des Christentums.
Die ältesten Texte des Neuen Testamentes entstanden um das Jahr 50, die jüngsten Texte zu Beginn des 2. Jahrhunderts. Die frühen Christen kannten also nicht das gesamte Neue Testament, sondern nur Teile davon. In den ersten Jahren nach Jesu Tod verbreiteten seine Freunde, was er gesagt und getan hatte. Erst ein halbes Jahrhundert später wurde alles, was man von Jesus wusste, von vier Männern gesammelt und veröffentlicht. Diese Männer waren Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Wir nennen sie Evangelisten.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Evangelien – Geschichte und Übermittlung: Das Kapitel erläutert die Herkunft des Begriffs Bibel, die grobe zeitliche Einordnung der neutestamentlichen Texte und die Rolle der namentlichen Evangelisten.
Die Evangelisten: Hier werden die vier Autoren Markus, Matthäus, Lukas und Johannes detailliert charakterisiert, wobei ihre unterschiedlichen Schwerpunkte und ihre historischen Hintergründe analysiert werden.
Die weitere Entwicklung des frühen Christentums: Eine Betrachtung der schwierigen historischen Umstände der ersten Jahrhunderte und wie das Christentum zur Staatsreligion wurde.
Die Bibel und Martin Luther: Dieser Abschnitt widmet sich Luthers Lebensweg, seinem Bruch mit der Kirche und der Entstehung seiner einflussreichen Übersetzung des Neuen Testaments.
Veränderungen im Bibeltext, Korrekturen und „Verbesserungen“: Eine kritische Auseinandersetzung mit Eingriffen in biblische Texte und der Forderung, diese Quellen unangetastet zu lassen.
Problematik neuerer Ausgaben der Bibel als „Geschenke“ von „Glaubensvereinigungen“ an Krankenhäuser, Hotels, Kitas, Schulen, etc.: Eine Kritik an unautorisierten Textänderungen in modernen Bibelpublikationen am Beispiel der Sicht auf Judas.
Jesus – tot oder lebendig!: Eine Diskussion wissenschaftlicher Hypothesen zum Geschehen nach der Kreuzigung und zur Frage, ob Jesus den Kreuzestod überlebt haben könnte.
Neue Erkenntnisse zum neuen Testament.: Der abschließende Teil analysiert die Illustrationen als Medium der Interpretation, insbesondere durch Dürer, Cranach und Merian, und ordnet sie in den geschichtlichen Kontext ein.
Schlüsselwörter
Bibel, Evangelien, Martin Luther, Septembertestament, Judas Ischariot, Bibelillustration, Matthäus Merian, Albrecht Dürer, Lukas Cranach, Neues Testament, Exegese, Reformation, Kirchengeschichte, Christentum, Heilige Schrift.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die historische Entwicklung und Überlieferung biblischer Texte sowie die Rolle des Judas und die Entwicklung der Bibel in der deutschen Sprache durch Martin Luther.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Historizität der Evangelien, der Kritik an Textveränderungen, der Bedeutung Luthers für die deutsche Sprache und der biblischen Bildgeschichte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, für einen respektvollen, unverfälschten Umgang mit der Heiligen Schrift zu plädieren und die historische Realität hinter theologischen Deutungen freizulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine historisch-kritische Arbeitsweise, vergleicht biblische Quellen, reflektiert aktuelle exegetische Forschung und ergänzt diese durch kunsthistorische Analysen von Bibelillustrationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Evangelien, die spezifische Rolle des Verräters Judas, die Bedeutung Luthers als Übersetzer sowie die illustrativen Interpretationsversuche von Dürer, Cranach und Merian.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Bibel, Evangelien, Luther, Judas, Merian-Bibel, Exegese, Reformation, und Bibelillustrationen definieren den Kern dieser Publikation.
Wie bewertet der Autor Veränderungen am Bibeltext?
Sehr kritisch; der Autor fordert, dass Heilige Schriften unabhängig von modernen Befindlichkeiten in ihrer überlieferten Form unangetastet bleiben und Korrekturen nur im Vorwort ausgewiesen werden dürfen.
Gibt es eine besondere These zum Schicksal Jesu?
Der Text stellt die Frage zur Diskussion, ob Jesus den Kreuzestod überlebt haben könnte, wobei der Autor sich auf medizinische Interpretationen bestimmter Passagen im Johannes-Evangelium bezieht, bleibt jedoch selbst skeptisch gegenüber dieser Theorie.
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- Prof. Rolf Bothe (Author), 2023, Neues von der Bibelkunde. Gründe für die Abwendung von der Kirche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1378083