Die beiden Phänomene „Terrorismus“ und „(politische) Partizipation“ sind einer Bandbreite von Abstraktionen, Meinungen und Konzepten unterworfen, die gleichermaßen in die Tiefe und in die Breite gehen. Aus diesem Grund muss zunächst eine allgemeine Auseinandersetzung auf theoretischer Ebene zwischen diesen Begriffen erfolgen. Diese Auseinandersetzung soll Gegenstand dieser Hausarbeit sein, ohne direkt eine bestimmte Gesellschaft miteinzubeziehen. Ausgehend davon sollen zwei Forschungsfragen behandelt werden. Die erste lautet wie folgt: Inwiefern kann Terrorismus als Partizipationsform verstanden werden? Hierbei soll die These vertreten werden, dass Terrorismus als eine Ausprägung politischer Gewalt durchaus eine Form partizipativen Handelns sein kann, dem aber ein neuartiges und zugleich schwaches Partizipationsverständnis zugrunde liegt. Darauf aufbauend ist die zweite Frage: Welche Elemente des Phänomens „Terrorismus“ weisen einen partizipatorischen Charakter auf? Die zweite These soll den Standpunkt vertreten, dass Akteure, Form bzw. Organisationsstruktur, Strategie und Legitimation als solche Elemente anzusehen sind und unterschiedlichen Einfluss auf partizipatives Verhalten ausüben.
Den Forschungsfragen sollen in drei Kapiteln untersucht werden. Im ersten Kapitel wird zunächst der Partizipationsbegriff im Mittelpunkt stehen, wobei sowohl eine begriffliche Annäherung vorgenommen als auch dessen Ausprägungsformen sowie die damit zusammengehörenden Unterscheidungsmerkmale vorgestellt werden. Im zweiten Kapitel werden die Phänomene Terrorismus und Partizipation miteinander in Bezug gesetzt. Dazu wird der Begriff der politischen Gewalt erläutert und der Partizipationsbegriff als eine Ausprägungsform von diesem aufgefasst. Schließlich – im dritten Kapitel – werden die partizipativen Elemente des Terrorismus (Akteure, Organisationstruktur bzw. Form, Strategie, Legitimation) herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Politische Partizipation
2.1 Begriffliche Grundlagen und Verstädnisarten
2.2 Erscheinungsformen und ihre Unterscheidungsmerkmale
3. Der Gewaltbegriff
3.1 Politische Gewalt
3.2 Erscheinungsform „Terrorismus“
4. Das partizipative Element des Terrorismus
4.1 Akteure
4.2 Form und Organisationsstruktur
4.3 Strategie
4.4 Legitimation
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern Terrorismus als Form politischer Partizipation verstanden werden kann und welche spezifischen Elemente des Terrorismus einen partizipatorischen Charakter aufweisen. Dabei wird die These vertreten, dass Terrorismus eine ungewöhnliche Ausprägung politischer Gewalt darstellt, der ein eigenständiges, schwach ausgeprägtes Partizipationsverständnis zugrunde liegt.
- Verhältnis zwischen politischer Partizipation und politischer Gewalt
- Begrifflichkeit und Erscheinungsformen des Terrorismus
- Analyse der Akteure, Organisationsstrukturen und Strategien terroristischer Gruppen
- Legitimationsstrategien terroristischer Gewalt
- Konzeptualisierung eines „terroristischen Partizipationsverständnisses“
Auszug aus dem Buch
3.2 Erscheinungsform „Terrorismus“
Der Begriff Terrorismus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt Furcht bzw. Schrecken. In Anlehnung daran lassen sich zwei Bezugspunkte herausstellen: die Tat als physische Gewalthandlung und die damit einhergehende, gezielt ausgelöste psychische Wirkung. In Zusammenhang mit letzterem kann Terrorismus als Kommunikationsstrategie aufgefasst werde. Terrorismus darf nie als isoliertes Ereignis betrachtet werden, da es immer in einen gesellschaftlichen Kontext eingebettet ist.
Doch was verbirgt sich hinter diesem Phänomen konkret? Walter Laqueur kommt zu dem Schluss, dass jede über eine Minimaldefinition hinausgehende Beschreibung auf allgemeiner Ebene nicht möglich ist:
„Terrorismus ist auf vielerlei Arten definiert, aber mit Gewissheit lässt er sich nur als Anwendung von Gewalt durch eine Gruppe bezeichnen, die zu politischen oder religiösen Zwecken gewöhnlich gegen eine Regierung, zuweilen auch gegen ethnische Gruppen, Klassen, Religionen oder politische Bewegungen vorgeht. [...] Jeder Versuch, sich spezifischer zu äußern, ist einfach deshalb zum Scheitern verurteilt, weil es nicht einen, sondern viele Terrorismen gibt.“
Eine für diese Hausarbeit geeignet Definition von Terrorismus soll durch seine Abgrenzung vom Terrorbegriff erfolgen: Dieser ist ein „Instrument staatlicher Repressionspolitik […] [, während Terrorismus] ein Mittel [ist], das nichtstaatliche Akteure zur Bekämpfung eines Staats nutzen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bettet das Thema in den Kontext der demokratischen Bürgerbeteiligung ein und führt zu den Forschungsfragen zum Zusammenhang von Terrorismus und Partizipation hin.
2. Politische Partizipation: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Partizipation, stellt verschiedene Demokratietheorien vor und diskutiert die Kriterien zur Unterscheidung konventioneller und unkonventioneller Beteiligungsformen.
3. Der Gewaltbegriff: Hier wird der Begriff der politischen Gewalt erarbeitet und Terrorismus als eine spezifische Kommunikationsstrategie innerhalb dieses Gewaltbegriffes verortet.
4. Das partizipative Element des Terrorismus: In diesem Hauptkapitel werden Akteure, Organisationsformen, Strategien und Legitimationsmuster des Terrorismus im Lichte partizipativer Kriterien untersucht.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Terrorismus zwar ein partizipatives Element besitzt, aufgrund des spezifischen terroristischen Partizipationsverständnisses jedoch nur ein schwaches Partizipationsverhalten aufweist.
Schlüsselwörter
Terrorismus, Politische Partizipation, Politische Gewalt, Demokratie, Bürgerbeteiligung, Gewalthandlung, Kommunikationsstrategie, Legitimation, Terroristische Akteure, Organisationsstruktur, Widerstandsrecht, Unkonventionelle Partizipation, Gesellschaftlicher Diskurs, Extremismus, Konfliktforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen Terrorismus unter dem Blickwinkel der politischen Partizipation und analysiert, ob terroristische Handlungen als eine Form bürgerlicher Teilhabe interpretiert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die Definition und Abgrenzung politischer Partizipation, der Begriff der politischen Gewalt sowie die Analyse der Struktur, Strategie und Legitimation terroristischer Vereinigungen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, die Forschungsfrage zu klären, inwiefern Terrorismus eine Partizipationsform darstellt und welche Elemente des Terrorismus einen partizipatorischen Charakter aufweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung anhand fachwissenschaftlicher Literatur, wobei verschiedene Partizipationsbegriffe und Gewaltkonzepte auf das Phänomen Terrorismus angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Grundlagen der Partizipation und politischen Gewalt gelegt, gefolgt von einer detaillierten Analyse terroristischer Akteure, Organisationsstrukturen, Kommunikation und Legitimation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert primär auf Begriffe wie Terrorismus, Politische Partizipation, Politische Gewalt, Legitimation und Kommunikationsstrategie.
Wie unterscheidet die Arbeit den „Terroristen“ vom „Widerstandskämpfer“?
Die Arbeit stützt sich auf eine Differenzierung, nach der der Widerstandskämpfer in repressiven Regimen ohne legale Oppositionsmöglichkeiten agiert, während der Terrorist innerhalb einer grundsätzlich freiheitlichen Ordnung handelt.
Was versteht die Autorin unter dem „terroristischen Partizipationsverständnis“?
Dieser Begriff beschreibt die besondere Konstellation, in der terroristische Gruppen sowohl gesellschaftliche Beteiligung anstreben als auch durch eine selbstgewählte Isolierung innerhalb einer Gruppe eine eigene Subkultur mit starrem Freund-Feind-Bild etablieren.
- Arbeit zitieren
- Oliver Zantis (Autor:in), 2019, Terrorismus als Form politischer Partizipation. Begrifflicher Zusammenhang und partizipativer Charakter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1378127