Die vorliegende Hausarbeit fokussiert sich auf das Konzept der literaturhistorischen Kompetenz und deren Bedeutung in der Sekundarstufe. Zunächst wird der Begriff literaturhistorische Kompetenz nach Abraham und Rauch definiert und begründet, wobei die verschiedenen Dimensionen und Facetten dieser Schlüsselkompetenz ausführlich diskutiert werden. Im zweiten Teil der Arbeit wird ein spezifisches Schulbuch für die Sekundarstufe im Hinblick auf diese Kompetenz analysiert. Der Fokus liegt hierbei auf den spezifischen Anforderungen, die die literaturhistorische Kompetenz an ein solches Lehrmittel stellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kompetenz für Literaturgeschichte nach Abraham und Rauch
2.1. Blick ins Kerncurriculum
3. Exemplarische Lehrwerksanalyse
3.1. Aufbau des Kapitels
3.2. Textauswahl
3.3. Aufgabenstellungen, Ziele und Methodenauswahl
3.4. Zusatzinformationen / Kontextvermittlungen
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Konzept der "literaturhistorischen Kompetenz" nach Abraham und Rauch bereits Eingang in aktuelle Deutschlehrwerke gefunden hat und ob ein kompetenzorientierter Literaturunterricht zur Förderung eines geschichtlichen Bewusstseins bei Lernenden beitragen kann.
- Analyse des didaktischen Konzepts der literaturhistorischen Kompetenz.
- Untersuchung der Vorgaben des Kerncurriculums für das Fach Deutsch im Hinblick auf literaturgeschichtliche Aspekte.
- Exemplarische Lehrwerksanalyse des Kapitels "Liebeslyrik" aus dem Schulbuch P.A.U.L. D.
- Evaluation von Aufgabenstellungen und deren Wirkung auf die Kompetenzentwicklung von Schüler*innen.
- Reflexion über Rolle und Vermittlung von kulturgeschichtlichem Kontext im Unterricht.
Auszug aus dem Buch
3.2. Textauswahl
Für jede Epoche wurden zwei oder mehr Gedichte ausgewählt, die die jeweilige Epoche repräsentieren sollen. Für das Mittelalter wurden zwei Gedichte ausgewählt, von denen eins um 1190/1200 und das andere um 1185 seinen Ursprung findet. Obwohl der Epochenbegriff hochgradig problematisiert wird und in der Fachdidaktik immer wieder appelliert wird, dass man keine Geschichtsabschnitte akkurat „abtrennen“ kann, steht es außer Frage, dass das Mittelalter eine beträchtliche Zeitspanne umfasst. Daher ist die Textauswahl, die die Lyrik im Mittelalter repräsentieren soll, problematisch, da beide Texte aus der ungefähr gleichen Zeit entstammen. Stattdessen hätte man Texte wählen können, die zeitlich weiter auseinander liegen, um den Versuch zu unternehmen, mehrere Phasen des Mittelalters zu repräsentieren.
Positiv anzumerken ist hierbei, dass die Schüler*innen sowohl das mittelhochdeutsche Original als auch die deutsche Übersetzung erhalten. Die - in diesem Fall extreme - sprachliche Alterität wird deutlich gemacht, und die Schüler*innen können durch diese Differenzerfahrung das historische Bewusstsein gewinnen, dass die Sprache sich deutlich gewandelt hat.
Als exemplarische Beispiele für barocke Lyrik wurden „Als er der Phyllis einen Ring mit einem Totenkopf überreichte“ von Johann Christian Günther, und „An eine Jungfrau“ von Andreas Gryphius ausgewählt. Die Textauswahl scheint zum einen darauf ausgerichtet zu sein, den Schüler*innen bedeutende Lyriker bekannt zu machen. Daher wurde ein Gedicht von Johann Christian Günther ausgewählt, der, laut Schulbuch, als bedeutendster deutscher Lyriker des frühen 18. Jhd. gilt.
„An eine Jungfrau“ von Andreas Gryphius stellt ebenfalls eine angemessene Textauswahl dar, da es die Schüler*innen mit der Textform Sonett bekannt macht, die sehr präsent in barocker Lyrik ist. Außerdem werden die Schüler*innen mit „epochentypischen“ Eigenschaften, wie beispielsweise das Vanitas-Motiv, bekannt gemacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die fachdidaktische Diskussion um die Vermittlung von Literaturgeschichte und führt den Begriff der literaturhistorischen Kompetenz ein.
2. Kompetenz für Literaturgeschichte nach Abraham und Rauch: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Konstrukt der literaturhistorischen Kompetenz und deren Komponenten.
2.1. Blick ins Kerncurriculum: Hier wird untersucht, ob und wie das Kerncurriculum für das Fach Deutsch das literaturhistorische Bewusstsein thematisiert.
3. Exemplarische Lehrwerksanalyse: Dieses Kapitel stellt die konkrete, beispielhafte Untersuchung des Schulbuchkapitels "Liebeslyrik" dar.
3.1. Aufbau des Kapitels: Es wird der strukturelle Aufbau des gewählten Lehrwerkskapitels hinsichtlich Chronologie und Didaktik beschrieben.
3.2. Textauswahl: Die Analyse bewertet die Auswahl der Gedichte zur Repräsentation verschiedener Epochen.
3.3. Aufgabenstellungen, Ziele und Methodenauswahl: Hier werden die Aufgaben im Lehrbuch auf ihre Wirkung im Sinne der literaturhistorischen Kompetenz geprüft.
3.4. Zusatzinformationen / Kontextvermittlungen: Dieses Kapitel beleuchtet, wie mediale Zusatzmaterialien und Sachtexte zur Kontextvermittlung beitragen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Ansätze einer literaturhistorischen Kompetenzbildung im untersuchten Lehrwerk vorhanden, aber noch nicht explizit genug implementiert sind.
Schlüsselwörter
Literaturgeschichte, Literaturunterricht, Fachdidaktik, Literarische Kompetenz, Literaturhistorische Kompetenz, Lehrwerksanalyse, P.A.U.L. D., Kerncurriculum, Epochenbegriff, Textauswahl, Bildungsstandards, Kompetenzorientierung, Literaturvermittlung, Sprachbewusstsein, Geschichtsverständnis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie das fachdidaktische Konzept der literaturhistorischen Kompetenz in modernen Schulbüchern für das Fach Deutsch praktisch umgesetzt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die literaturgeschichtliche Didaktik, die Relevanz von Epochenbegriffen im Unterricht und die Analyse von kompetenzorientierten Lernmaterialien in Schulbüchern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob die theoretisch geforderte literaturhistorische Kompetenz in aktuellen Lehrwerken wie „P.A.U.L. D.“ bereits eine explizite Förderung findet.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine exemplarische Lehrwerksanalyse, um die didaktische Eignung von Aufgaben und Texten unter Berücksichtigung der Fachliteratur von Abraham und Rauch zu bewerten.
Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert detailliert den Aufbau, die Textauswahl, die Aufgabenstellungen und die Zusatzmaterialien eines spezifischen Kapitels zur Liebeslyrik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind die Begriffe literaturhistorische Kompetenz, kompetenzorientierter Unterricht, fachdidaktische Konstrukte sowie die kritische Reflexion des Kanon-Begriffs.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des "Epochenbegriffs"?
Der Begriff wird als hochgradig problematisiert eingestuft, da er starr wirkt, dennoch aber im Lehrwerk zur ordnenden Strukturierung für Schüler*innen genutzt wird.
Warum ist das untersuchte Lehrwerkskapitel ein geeignetes Beispiel?
Das Kapitel „Liebeslyrik“ erlaubt aufgrund seiner chronologischen Entwicklung über mehrere Jahrhunderte eine Prüfung der Vermittlung historischer Zusammenhänge.
Welches Fazit zieht die Autorin hinsichtlich der Schulpraxis?
Es wird festgehalten, dass zwar ein historisches Bewusstsein gefördert wird, eine ausgeprägte literaturhistorische Kompetenzbildung jedoch bisher nicht explizit genug in den Lehrbüchern verankert ist.
- Citar trabajo
- M. Saiti (Autor), 2019, Liebeslyrik und literaturhistorische Kompetenz im Schulbuch P.A.U.L. D. Eine exemplarische Lehrwerkanalyse unter Berücksichtigung der Ansätze von Abraham und Rauch, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1378330