[...] Deswegen
soll in dieser Arbeit die Funktion und Bedeutung des Parlaments bei den Thronwechseln,
den Kristallisationspunkten der politischen Macht, in den Rosenkriegen untersucht werden.
Zuerst betrachten wir die Zusammensetzung, die Kompetenzen und die Autorität des
Parlaments.1 Ebenfalls sollen hier allgemeine Einschränkungen des Parlaments zur Sprache
kommen. Im zweiten Kapitel sollen neben den Parlamentsbeschlüssen und ihrer Bedeutung
nach den drei Thronwechseln in den Rosenkriegen untersucht werden, welche Instrumente
benutzt wurden, um das Parlament zu kontrollieren. Abschließend soll die Rolle des Parlaments
bei den Herrschaftswechseln bewertet und die Frage beantwortet werden, worin die
Gründe dafür lagen, dass Edward IV., Heinrich VI. und Richard III. die Bestätigung des Parlaments
suchten.
Zur Beantwortung der Fragen sollen vor allem die Petitionen herangezogen werden, in denen
sich Edward IV. und Richard III. vom Parlament bestätigen ließen sowie zeitgenössische
Chroniken, die das Parlament erwähnen. Da die Bestätigungen des Parlaments von der Propaganda
des jeweiligen Machthabers geprägt sind, enthalten sie Hinweise darauf, wie man seine
Stellung am besten zu rechtfertigen glaubte. Diese Überlegungen fallen bei den benutzten
Chroniken bezüglich des Parlaments weniger ins Gewicht.
Zum Parlament im Allgemeinen haben Chrimes mit seinen „English Constitutional Ideas“
und Maitland wegweisende Arbeiten vorgelegt. Brown bietet einen konzisen Überblick über
Zusammensetzung und Arbeitsweise des Parlaments. So viel über das englische Parlament
geschrieben wurde, so selten analysierte man ausführlich dessen Funktion in den Rosenkriegen.
Butt machte in seiner Arbeit klar, in welchem Spannungsfeld die Parlamente bei ihren
Beschlüssen nach den Thronwechseln standen. Die beiden Aufsätze von Dunham und Wood
sowie McKenna als Vertreter eines konstitutionalistischen sowie eines legitimistischen Ansatzes
regen zu einer Diskussion über die Bedeutung der Parlamente in den Jahren 1461,
1470/1471 und 1484 an. Daneben beschäftigten sich Autoren wie Ross, Gairdner oder A. J.
Pollard im Rahmen ihrer Arbeiten über Edward IV. und Richard III. auch auf kleinem Raum
mit der Rolle des Parlaments bei deren Herrschaftsübernahmen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Das englische Parlament
1.1. Zusammensetzung und Wahl
a) Der König
b) Die lords
c) Die commons
d) Der speaker der commons
1.2. Rechte und Kompetenzen
a) Gerichtsbarkeit
b) Gesetzgebung
1.3. Die Autorität des Parlaments
2. Das Parlament und die Thronwechsel der Rosenkriege
2.1. Das erste Parlament Edwards IV. im Jahr 1461
2.2. Das Parlament der readeption im Jahr 1470
2.3. Das erste Parlament Richards III. im Jahr 1484
3. Die Funktion und Bedeutung des Parlaments
3.1. Strukturelle Einschränkungen des Parlaments bei den Thronwechseln
3.2. Der Stellenwert der Parlamentsbestätigung
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle, Funktion und Bedeutung des englischen Parlaments während der turbulenten Thronwechsel der Rosenkriege im 15. Jahrhundert. Ziel ist es zu analysieren, warum die neuen Könige trotz ihrer faktischen Machtausübung durch militärische Siege oder politische Umstände die formelle Bestätigung durch das Parlament suchten und welche Instrumente dabei zur Machtabsicherung eingesetzt wurden.
- Struktur und Zusammensetzung des englischen Parlaments im 15. Jahrhundert.
- Die Rolle der verschiedenen Akteure: König, Lords, Commons und Speaker.
- Rechtliche Kompetenzen wie Gesetzgebung und Gerichtsbarkeit in Krisenzeiten.
- Fallanalysen der Parlamente unter Edward IV. (1461), Heinrich VI. (1470) und Richard III. (1484).
- Die Bedeutung der Parlamentsbestätigung als Mittel der Legitimation königlicher Herrschaft.
Auszug aus dem Buch
1.1. Zusammensetzung und Wahl
Für das Parlament stellte der König das wichtigste Element dar. Er berief das Parlament ein, vertagte es, löste es auf und legte die Tagesordnung fest, der der königlichen Angelegenheiten an erster Stelle standen. Starb der König während des Parlaments, hatte dies das Ende des Parlaments zur Folge. Das Königtum war so eng mit dem Parlament verbunden, dass bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts keine Darstellungen des Parlaments ohne den König in dessen Mitte zu finden sind. So stellte auch jedes im Parlament beschlossene Gesetz im Prinzip einen Akt des Königs in seinem Parlament dar.
Der König konnte nicht unabhängig vom Parlament agieren. Er war an Tradition, Recht und Gesetz gebunden, konnte aber nicht angeklagt werden. Zudem schränkte das Recht des Parlaments, Steuern zu gewähren, die Handlungsfreiheit des Königs ein und in Politikbereichen wie Kriegs- und Außenpolitik hatte er gemeinsam mit seinen Lords im Parlament zu beraten. Zudem legte ihm der Krönungseid auf, zum Wohle des Volkes zu handeln und für Gerechtigkeit einzutreten. Trotzdem überwog die Macht des Königs gegenüber dem Parlament. Er kontrollierte es durch die Einberufung und Auflösung. Wie oft ein König das Parlament einberief, hing allerdings auch von seiner finanziellen Situation ab. Zudem konnte der König die Zusammensetzung des Parlaments beeinflussen, da er neue peers erheben konnte und bei Bischofswahlen die Kandidaten nominierte. Er hatte das Recht neue boroughs einzurichten und konnte Wahlen manipulieren bzw. manipulieren lassen, um seine Anhänger in den commons zu platzieren, die dort die Diskussion zugunsten des Königs beeinflussten. Die Gesetzgebung unterlag ebenfalls der Kontrolle des Königs, da er gegen Petitionen ein Veto besaß und da er selbst Petitionen als Gesetze im Parlament vorlegen konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Rosenkriege und die Fragestellung zur Rolle des Parlaments als Instrument der politischen Legitimation.
1. Das englische Parlament: Darstellung der strukturellen Grundlagen, der Zusammensetzung durch König, Lords und Commons sowie der legislativen und richterlichen Kompetenzen.
2. Das Parlament und die Thronwechsel der Rosenkriege: Detaillierte Untersuchung der drei spezifischen Parlamentssitzungen von 1461, 1470 und 1484 im Kontext der Herrschaftswechsel.
3. Die Funktion und Bedeutung des Parlaments: Analyse der strukturellen Abhängigkeiten des Parlaments vom König und Bewertung der Bedeutung der Parlamentsbestätigung als Herrschaftslegitimation.
Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Einordnung der Rolle des Parlaments im Machtgefüge des 15. Jahrhunderts.
Schlüsselwörter
Rosenkriege, englisches Parlament, Thronwechsel, Edward IV., Richard III., Heinrich VI., Legitimation, Petitionsrecht, Gesetzgebung, Lords, Commons, Speaker, House of Lords, House of Commons, Herrschaftsanspruch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische Funktion und die Bedeutung des englischen Parlaments während der Rosenkriege im 15. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Zusammensetzung des Parlaments, die Rechte und Kompetenzen der Kammern sowie die Instrumentalisierung des Parlaments durch die Könige zur Legitimation ihrer Herrschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu ergründen, warum Könige wie Edward IV., Heinrich VI. und Richard III. das Parlament bemühten, ihre Herrschaft zu bestätigen, obwohl sie ihre Macht oft bereits durch militärische Gewalt gefestigt hatten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt die Analyse zeitgenössischer Dokumente, wie Parlamentsakten, Petitionen und zeitgenössische Chroniken, um die Interaktion zwischen König und Parlament zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturtheoretische Analyse des Parlaments und eine detaillierte Untersuchung der drei zentralen Thronwechsel-Parlamente des 15. Jahrhunderts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Thronwechsel, Legitimation, Rosenkriege, englisches Parlament, Petitionsrecht und die Machtdynamik zwischen König und Adel.
Wie beeinflusste der König das Parlament in dieser Zeit?
Der König kontrollierte das Parlament durch die Einberufung, Vertagung und Auflösung sowie durch die gezielte Beeinflussung der Zusammensetzung von Lords und Commons.
Warum war das Parlament trotz geringer eigener Initiative für die Könige wichtig?
Das Parlament diente als höchstes königliches Gericht und als Versammlung der drei Stände, was den Herrschern eine notwendige rechtliche Absicherung und öffentliche Bestätigung ihrer Thronansprüche lieferte.
- Citation du texte
- Sebastian Seng (Auteur), 2004, Die Funktion und Bedeutung des englischen Parlaments bei Thronwechseln in den Rosenkriegen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137833