Die Unterrichtsreihe „Wie sind wir geworden was wir sind?! – Der Sozialisationsprozess im Spannungsfeld zwischen personaler Identität und gesellschaftlicher Prägung“ wurde entsprechend dem schulinternen Curriculums für das Fach Sozialwissenschaften in der Jahrgangsstufe 11/I, 2. Quartal, konzipiert, welches am Inhaltsfeld II „Individuum, Gruppen und Institutionen“ des Lehrplanes Sozialwissenschaften für die Sek. II Gymnasium/Gesamtschule angelehnt ist.1 Obligatorisch für dieses Inhaltsfeld und sinnleitend für diese Stunde ist dabei die Erarbeitung und Thematisierung von Erklärungsmodellen (hier: Dahrendorfs traditionelle Rollentheorie des „homo sociologicus“).
1 Vgl.: Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Richtlinien und Lehrpläne Sozialwissenschaften für die Sekundarstufe II – Gymnasium/Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen. Frechen 1999, S. 19.
Inhaltsverzeichnis
1. UE: Ist menschliches Verhalten vorhersagbar oder zufällig?! – Die Soziologie als Wissenschaft vom sozialen Handeln
2. UE: Welche Bedeutung für unser Handeln haben soziale Normen und Werte?! – Das „soziale Lebewesen“ Mensch
3. UE: Wie wird man fähig, in der Gesellschaft leben zu können?! - Der Mensch als gesellschaftliches Wesen und Individuum
4. UE: Sozialisation = Vergesellschaftung der menschlichen Natur?! – Das Modell der sozialen Rolle
5. UE: Prägt der Mensch die Gesellschaft oder wird er von ihr geprägt?! – Der Prozess der Sozialisation
6. UE: Jugendzeit = Schulzeit?! – Der Prozess der schulischen Sozialisation
7. UE: Das Modell des „homo sociologicus“ – Ist der Mensch lediglich Darsteller nach Drehbuch?!
8. UE: Wann ist der Mensch ein Mensch?! – Grundqualifikationen des Rollenhandelns aus interaktionistischer Sicht
9. UE: Personale vs. soziale Identität – „Flexible Ich-Identität“ als gelungene Balance?!
10. UE: Die individuelle Lebensplanung – Autobahn oder Sackgasse der Identitätsentwicklung?!
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel der Arbeit besteht darin, den Prozess der individuellen Vergesellschaftung und Persönlichkeitsbildung kritisch zu reflektieren. Im Zentrum steht dabei die Auseinandersetzung mit dem Modell des „homo sociologicus“ von Ralf Dahrendorf, um zu prüfen, inwieweit das menschliche Handeln durch soziale Rollen determiniert ist oder individuellen Freiraum lässt.
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen personaler Identität und gesellschaftlicher Prägung.
- Erarbeitung der Kernelemente des „homo sociologicus“.
- Kritische Diskussion der theoretischen Annahmen Dahrendorfs durch soziologische Gegenpositionen.
- Reflexion des eigenen Vergesellschaftungsprozesses anhand soziologischer Modelle.
Auszug aus dem Buch
a) „Der Mensch ist die ärgerliche Tatsache der Gesellschaft“
Die Probleme der Soziologie führen auf eine Tatsache zurück, die unserer naiven Erfahrung ebenso zugänglich ist wie die Naturtatsachen unserer Umwelt. Das ist die Tatsache der Gesellschaft, an die wir so oft und intensiv gemahnt werden, dass sie sich mit gutem Grund auch als die ärgerliche Tatsache der Gesellschaft beschreiben lässt. Bloße Zufallswahrscheinlichkeiten vermag unser Verhalten zu anderen und zu uns selbst schwerlich zu erklären. Wir gehorchen Gesetzen, gehen zur Wahl, heiraten, besuchen Schulen und Universitäten, haben einen Beruf und sind Mitglied einer Kirche; wir sorgen für unsere Kinder, ziehen den Hut vor unseren Vorgesetzten, geben Älteren den Vortritt, sprechen mit verschiedenen Menschen in verschiedenen Zungen, fühlen uns hier zugehörig und dort fremd. Keinen Schritt können wir gehen, keinen Satz sprechen, ohne dass zwischen uns und die Welt ein Drittes tritt, das uns an die Welt bindet und diese beiden so konkreten Abstraktionen vermittelt: die Gesellschaft. […]
Die Soziologie hat es mit dem Menschen im Angesicht der ärgerlichen Tatsache der Gesellschaft zu tun. Der Mensch, jeder Mensch, begegnet dieser Tatsache, ja ist diese Tatsache, die, obschon sie sich unabhängig von bestimmten Einzelheiten denken lässt, ohne bestimmte Einzelne doch eine bedeutungslose Fiktion wäre. […]
Zusammenfassung der Kapitel
7. UE: Das Modell des „homo sociologicus“ – Ist der Mensch lediglich Darsteller nach Drehbuch?!: Dieses Kapitel führt in Ralf Dahrendorfs Rollentheorie ein und thematisiert das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und individueller Freiheit.
Schlüsselwörter
Sozialisation, homo sociologicus, Rollentheorie, Identität, Gesellschaft, Rollenhandeln, Sanktionen, Konformismus, Individuum, Vergesellschaftung, Persönlichkeitsbildung, Entpersönlichung, Handlungsspielraum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Prozess der Sozialisation und der Frage, wie Individuen durch gesellschaftliche Strukturen geformt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rollentheorie, der Einfluss von Werten und Normen auf das Handeln sowie das Spannungsfeld zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlichem Zwang.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Angemessenheit des Modells des „homo sociologicus“ kritisch zu beurteilen und zu untersuchen, ob der Mensch lediglich eine Rolle ausfüllt oder eigene Freiheitsspielräume besitzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden Methoden der Textanalyse, Gruppenarbeit sowie die Placemat-Methode eingesetzt, um wissenschaftliche Konzepte kriteriengeleitet zu erarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Dahrendorfs Konzepte der sozialen Rolle und der „ärgerlichen Tatsache der Gesellschaft“ dargelegt und durch kritische Einwände, etwa aus dem symbolischen Interaktionismus, ergänzt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sozialisation, Rollenhandeln, Entpersönlichung und Identität charakterisieren.
Inwieweit lässt Dahrendorf Raum für eigene Freiheiten?
Dahrendorf räumt ein, dass soziale Rollen zwar Zwang ausüben, es jedoch individuelle Bereiche gibt, in denen der Mensch seine Rollen selbst ausgestalten kann.
Was bedeutet der Prozess der Entpersönlichung?
Es beschreibt die sozialisationstheoretische Annahme, dass die absolute Individualität des Menschen zugunsten der notwendigen Anpassung an allgemeine gesellschaftliche Rollen zurücktritt.
Welche Kritikpunkte werden am Konzept angeführt?
Kritiker bemängeln, dass Dahrendorf das Modell zu radikal anlegt, den Säugling fälschlicherweise als „frei“ betrachtet und das menschliche Leben zu sehr als „vorgefertigt“ darstellt.
- Quote paper
- Wolfgang Holste (Author), 2007, Das Modell des „homo sociologicus“ – Ist der Mensch lediglich Darsteller nach Drehbuch?!, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137887