1. NATO seit 1994
Nach dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts, dem Zerfall der Sowjetunion, der Deutschen Wiedervereinigung und dem Entstehen neuer demokratischer Staaten in Mittel- und Osteuropa ist es zu einer veränderten europäischen und weltpolitischen Sicherheitslage gekommen. Zwar ist die Gefahr eines Krieges, der aus dem Ost-West-Konflikt hätte entstehen können, gebannt, jedoch sind neue Konflikte aufgetreten, die es zu lösen gilt. Der folgende Abschnitt zeigt die Entwicklung der NATO seit 1994 und ihre neue Rolle im internationalen System auf.
„Wir müssen aber auch feststellen, daß andere Ursachen für Instabilität, Spannung und Konflikt entstanden sind. Wir bekräftigen daher die bleibende Gültigkeit und Unverzichtbarkeit unserer Allianz.“ (1)
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(1) Aus: Erklärung der NATO-Staats- und Regierungschefs auf dem NATO-Gipfel in Brüssel 1994, in: CD-ROM: Verantwortung für Frieden und Freiheit. Eine Textsammlung zur Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland von 1949-1999, Ausgabe 2.0, Bonn 1998 (im folgenden zitiert als: Verantwortung für Frieden).
Inhaltsverzeichnis
1. NATO seit 1994
1.1 Partnerschaft für den Frieden und NATO-Osterweiterung
1.2 Rußland und die NATO-Osterweiterung
1.3 Grundlagenakte zwischen der NATO und Rußland
1.4 NATO-Gipfel in Madrid 1997
1.5 NATO-Gipfel in Washington 1999 und neues NATO-Sicherheitskonzept
2. Europäische Union seit 1994
2.1 Entwicklung der ‚Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik‘ bis zum Amsterdamer Vertrag
2.2 Amsterdamer Vertrag 1997
2.3 EU-Gipfel in Köln am 3./4. Juni 1999
2.4 Erweiterung der Europäischen Union
3. Rolle der Vereinten Nationen im Internationalen System
3.1 Probleme der Peacekeeping-Operations am Beispiel Bosniens und Somalias
3.2 Vereinte Nationen und die Großmächte
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Transformation des internationalen Systems seit 1994 mit einem besonderen Fokus auf die sicherheitspolitische Neuausrichtung der NATO, die Integration der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) in der Europäischen Union sowie die veränderte Rolle der Vereinten Nationen unter dem Einfluss der Großmächte.
- Die sicherheitspolitische Evolution der NATO nach 1994
- Die Entwicklung und vertragliche Einbettung der GASP innerhalb der EU
- Herausforderungen und Grenzen von Friedensmissionen der Vereinten Nationen
- Das Spannungsfeld zwischen nationalen Interessen der Großmächte und multilateralen Sicherheitsstrukturen
Auszug aus dem Buch
1.1 Partnerschaft für den Frieden und NATO-Osterweiterung
Der Prozeß der NATO-Osterweiterung beginnt im wesentlichen mit dem NATO-Gipfeltreffen in Brüssel im Januar 1994, auch wenn einige Mittel- und Osteuropäische Staaten bereits seit 1992 auf die Aufnahme in die Allianz drängen. Auf dem NATO-Gipfel in Brüssel erklärte die NATO ihre grundsätzliche Bereitschaft, neue Mitglieder in die Allianz aufzunehmen. Die Zielsetzung der Mitgliedsstaaten betrifft die sicherheitspolitische Abstützung der demokratischen und marktwirtschaftlichen Entwicklung in den Reformstaaten.
„Die Partnerschaft wird die politische und militärische Zusammenarbeit in ganz Europa erweitern und intensivieren, Stabilität festigen, Bedrohungen des Friedens verringern und gestärkte Beziehungen aufbauen durch die Förderung des Gedankens der praktischen Kooperation und das Eintreten für demokratische Grundsätze, die unser Bündnis bestimmen.“
Die Aufnahme neuer Mitgliedsstaaten soll der gesamteuropäischen Sicherheit dienen und ist nicht gegen Rußland oder einen anderen Staat gerichtet. Die Stabilisierung und die Eindämmung der Instabilität soll über die Integration erfolgen. Die NATO plante den Beitritt der Mittel- und Osteuropäischen Staaten im Zuge eines evolutionären Prozesses, der über das Mitwirken am Programm ‚Partnerschaft für den Frieden‘ vollzogen werden sollte. Das Hauptziel dieses Programmes besteht in der Transparenz der Verteidigungsplanung und der Verteidigungshaushalte sowie in der demokratischen Kontrolle von Streitkräften.
Zusammenfassung der Kapitel
1. NATO seit 1994: Dieses Kapitel analysiert die sicherheitspolitischen Veränderungen der NATO nach dem Ende des Ost-West-Konflikts, den Prozess der Osterweiterung und die Ausgestaltung neuer Strategiekonzepte.
2. Europäische Union seit 1994: Hier wird die Entwicklung der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) beleuchtet, insbesondere durch die Verträge von Maastricht und Amsterdam sowie die Gipfelbeschlüsse in Köln.
3. Rolle der Vereinten Nationen im Internationalen System: Dieser Abschnitt thematisiert die Probleme bei der Durchführung von Peacekeeping-Missionen und das Spannungsverhältnis zwischen den Vereinten Nationen und den Großmächten.
Schlüsselwörter
NATO, Europäische Union, GASP, Vereinte Nationen, Friedenssicherung, Osterweiterung, Internationale Beziehungen, Sicherheitsarchitektur, Außenpolitik, Peacekeeping, Konfliktlösung, Krisenbewältigung, Westeuropäische Union, Sicherheitskonzept
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Veränderung des internationalen Systems ab 1994 durch die sicherheitspolitischen Entwicklungen der NATO, der EU und der Vereinten Nationen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die NATO-Osterweiterung, die Vertiefung der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik sowie die Schwierigkeiten UN-geführter Friedenseinsätze.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die sicherheitspolitische Rolle dieser Organisationen gewandelt hat und welche Auswirkungen das auf die globale Stabilität hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine politikwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Auswertung von Verträgen, Gipfelprotokollen, offiziellen Erklärungen und Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die drei Bereiche NATO-Transformation, EU-GASP-Entwicklung und die UN-Problematik, inklusive konkreter Beispiele wie dem Bosnienkrieg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie internationale Sicherheit, Multilateralismus, euro-atlantische Stabilität und strategische Partnerschaften charakterisiert.
Welche Rolle nimmt Russland laut der Arbeit in der neuen Sicherheitsarchitektur ein?
Russland zeigt sich ambivalent: Einerseits kooperiert es in Formaten wie der „Partnerschaft für den Frieden“ und der „Grundlagenakte“, andererseits kritisiert es die NATO-Osterweiterung als Bedrohung der eigenen Interessen.
Welche Kritik wird an den UN-Friedensmissionen geübt?
Die Arbeit konstatiert, dass das Scheitern von Missionen oft an ungenügenden Mandaten der Mitgliedsstaaten, fehlendem politischem Willen und operativen Problemen innerhalb von internen Konflikten liegt.
- Arbeit zitieren
- Thomas Reith (Autor:in), 1999, Das Internationale System seit 1994 (EU / NATO), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1379