Die folgende Hausarbeit zum Thema „Innovation und Diffusion: Geographische Basiskonzepte und ihre Anwendung in der Kulturgeographie“ beschäftigt sich unter anderem mit der Sachlage, wie sich eine Innovation in räumlicher und zeitlicher Hinsicht verbreiten kann. Hierzu ein Fallbeispiel aus den USA während der Großen Depression in den späten 1920er- Jahren: Farmer der amerikanischen Landwirtschaft klagten über starke Bodenerosion, woraufhin die US Soil Conservation die Anwendung bestimmter Bodenschutzmaßnahmen vorschlug, um vor allem auch gefährdete Böden vor Bodenerosion zu schützen. Zunächst stellte sich das Problem dar, die konservativen und skeptischen Farmer von dieser Innovation zu überzeugen. Nachdem die Farmer den Erfolg der Bodenschutztechniken erkannten, verbreitete sich diese Innovation wellenartig, vergleichbar wie die Wellen eines ins Wasser geworfenen Steines [Haggett, 2001: 501].
Inhaltsverzeichnis
1. Innovationen als Grundlage kulturellen Wandels
2. Begriffserläuterungen
3. Entwicklungsgeschichte der Innovations- und Diffusionsforschung
4. Räumliche Diffusion
4.1 Welche Diffusionsarten gibt es?
4.2 Welche Formen der Ausbreitung gibt es?
5. Diffusionsprozess nach Hägerstrand
5.1 Diffusionswelle im Profil
5.2 Grundmodelle des Diffusionsprozesses
5.2.1 Kontaktfelder
5.2.2 MIF (mean information field)
5.3 Diffusionswelle in Raum und Zeit
6. Anwendung der Innovations- und Diffusionsforschung auf die Kulturgeographie
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Innovations- und Diffusionsforschung und analysiert, wie sich Innovationen in räumlicher und zeitlicher Hinsicht verbreiten, um diese Konzepte anschließend auf kulturgeographische Fragestellungen anzuwenden.
- Grundbegriffe und Definitionen von Innovation und Diffusion
- Historische Entwicklung der Diffusionsforschung in vier Phasen
- Modelle zur räumlichen Ausbreitung von Informationen und Innovationen
- Anwendungsbeispiele in der Medizingeographie und Agrargeographie
Auszug aus dem Buch
5.2.1 Kontaktfelder
Die so genannten Kontaktfelder stellen ein Modell dar, mit denen man die Ausbreitung von Informationen zwischen Populationen oder Regionen messen kann. Im Laufe der Arbeit wurde schon einige Male verdeutlicht, dass die Ausbreitung einer Innovation mit der Entfernung zusammenhängt. So auch in diesem Fall. Angenommen wird, dass im idealtypischen Fall die Kontaktwahrscheinlichkeit mit zunehmender Entfernung abnimmt.
Wenn eine Person A mit einer weiteren Person, einer Gruppe oder Region in Verbindung steht wird die Kontaktwahrscheinlichkeit mit zunehmender Entfernung voneinander kleiner. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit eines Kontaktes von Person A zu jeder beliebigen anderen Person umgekehrt proportional zur Entfernung ist. In der Nähe der Person A ist die Kontaktwahrscheinlichkeit groß, doch sie nimmt mit zunehmender Entfernung vom Ausgangspunkt ab. Eine exakte Angabe der Abnahme mit zunehmender Entfernung ist jedoch schwierig.
Bei Telefongesprächen nimmt man an, dass die Abnahme exponentiell verläuft, das bedeutet, dass zu Beginn der Abfall sehr steil und dann immer flacher wird. Der Umfang der Gespräche nimmt im Verhältnis 80, 40, 20, 10, 5 etc. mit dem ersten, zweiten, dritten, vierten und fünften Kilometer stetig ab [Haggett, 2001: 509].
Zusammenfassung der Kapitel
1. Innovationen als Grundlage kulturellen Wandels: Dieses Kapitel erläutert den Zusammenhang zwischen Innovationen und dem Prozess des kontinuierlichen kulturellen Wandels.
2. Begriffserläuterungen: Hier werden die zentralen Begriffe Innovation, Invention, Diffusion und Adoptoren für das Verständnis der Arbeit definiert.
3. Entwicklungsgeschichte der Innovations- und Diffusionsforschung: Das Kapitel gliedert die Forschungshistorie in vier Phasen, von der ethnographischen bis zur modellorientierten Phase.
4. Räumliche Diffusion: Hier werden verschiedene Arten der Diffusion (expansive, Relokations- und kombinierte Diffusion) sowie Formen der Ausbreitung erläutert.
5. Diffusionsprozess nach Hägerstrand: Dieses Kapitel stellt die Modelle von Torsten Hägerstrand sowie das Modell von Richard Morill zur Diffusionswelle in Raum und Zeit vor.
6. Anwendung der Innovations- und Diffusionsforschung auf die Kulturgeographie: Es wird die praktische Relevanz der theoretischen Modelle anhand von Beispielen aus der Medizingeographie und Agrargeographie aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Innovation, Diffusion, Kulturwandel, Anthropogeographie, Raumstruktur, Torsten Hägerstrand, Kontaktfelder, Ausbreitungsmodell, Medizingeographie, Agrargeographie, Innovationswelle, räumliche Ausbreitung, Modellbildung, Expansive Diffusion, Hierarchische Diffusion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die geographischen Konzepte von Innovation und Diffusion und untersucht, wie sich Neuerungen räumlich und zeitlich in einer Gesellschaft ausbreiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die theoretische Definition von Innovations- und Diffusionsprozessen, die historische Entwicklung dieser Forschungsdisziplin sowie die praktische Anwendung der Modelle auf kulturgeographische Themen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Ausbreitungsmechanismen von Innovationen darzustellen und deren Bedeutung für den kulturellen Wandel unter Verwendung wissenschaftlicher Modelle zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse basiert und etablierte Modelle der Humangeographie, insbesondere von Torsten Hägerstrand und Lawrence Brown, heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst Definitionen, die vier Phasen der Diffusionsforschung, die Analyse räumlicher Diffusionsarten und -formen sowie die detaillierte Vorstellung der Hägerstrand-Modelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Innovation, Diffusion, räumliche Struktur, Kontaktwahrscheinlichkeit und Kulturlandschaftsgenese geprägt.
Was besagt das "Beatles-Muster" innerhalb der Hierarchischen Diffusion?
Es beschreibt die Ausbreitung einer Innovation von kleineren Städten (z.B. Liverpool) über Landeshauptstädte (z.B. London) bis hin zu globalen Metropolen, also eine Verbreitung von "unten" nach "oben".
Wie unterscheiden sich die Modelle von Hägerstrand von der Realität?
Hägerstrands Modelle sind idealtypische Vereinfachungen. In der Realität ist die Ausbreitung selten gleichmäßig auf ebener Fläche, und soziale Faktoren sowie menschliche Entscheidungsprozesse spielen eine komplexere Rolle als im mathematischen Modell vorgesehen.
Warum wird die Ausbreitung der Cholera als Anwendungsbeispiel genannt?
Die Medizingeographie nutzt Diffusionsmodelle, um die räumliche Ausbreitung von Krankheiten (Pandemien) zu analysieren und zu verstehen, welche Wege diese durch Siedlungsgebiete nehmen.
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- Martina Oswald (Author), 2008, Innovation und Diffusion: Geographische Basiskonzepte und ihre Anwendung in der Kulturgeographie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137902