Aufgrund der demografischen Alterung in Deutschland steigt der Anteil älterer Menschen am Erwerbspersonenpotential, gleichzeitig ist der Arbeitsmarkt auf die Erwerbsbeteilung älterer Menschen angewiesen, da die Gesamtzahl der Erwerbspersonen schrumpft. Wo früher das Augenmerk auf Externalisierung älterer Beschäftigter und ihr Ausscheiden in den frühen Ruhestand lag, sind heute alternsgerechte (Weiter-)Beschäftigung und später Austritt aus dem Erwerbsleben von Bedeutung.
Diese Arbeit analysiert den Übergang vom frühen Austritt aus dem Erwerbsleben zu spätem Ausscheiden in den Ruhestand im Hinblick auf die soziale Stellung älterer Arbeitnehmer. Es wird die Frage untersucht, wie sich die Chancen älterer Beschäftigter auf soziale Sicherung und Erwerbsintegration verändern. Den theoretischen Rahmen dieser Untersuchung bilden die Konzepte der Dekommodifizierung, der Rekommodifizierung und der Aktivierung in Verbindung mit dem Konzept der Lebenschancen. Die Analyse der Forschungsfrage erfolgt durch Literaturrecherche, der Beurteilung von Ergebnissen empirischer Studien sowie der Auswertung statistischer Datenquellen zum Renteneintritt.
Im Ergebnis ist festzustellen, dass Veränderungen der institutionellen Rahmenbedingungen eine Verbesserung der Chancen auf Erwerbsintegration beabsichtigen und den Zugang zu Leistungen sozialer Sicherung erschweren. Gleichzeitig hat sich der Wandel vom frühen Austritt aus dem Erwerbsleben zu spätem Eintritt in den Ruhestand noch nicht bei den Akteuren auf dem Arbeitsmarkt durchgesetzt, so dass größtenteils die längere Erwerbsintegration weder auf Seiten der Arbeitgeber unterstützt noch von Seiten der Beschäftigten gewünscht wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Zentrale Fragestellung
1.2 Methodisches Vorgehen
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Definition zentraler Begriffe
2.1 Alter und altern
2.2 Soziale Sicherung
2.3 Erwerbsintegration
3. Theoretischer Analyserahmen
3.1 Wohlfahrtsstaatliche Leistungen auf Basis sozialer Bürgerrechte
3.2 Von der Dekommodifizierung zur Rekommodifizierung
3.2.1 Das Konzept der Dekommodifizierung
3.2.2 Rekommodifizierung und aktivierende Sozialpolitik
3.3 Lebenschancen durch soziale Anrechte und Angebote
3.4 Flexicurity – eine Verknüpfung von Flexibilität und sozialer Sicherheit
3.5 Entwicklung des Analyserahmens
4. Institutionelle Rahmenbedingungen und ihre Veränderungen
4.1 Erwerbsaustrittspfade bis Ende der 1990er Jahre
4.1.1 Gesetzlicher Vorruhestand und Altersteilzeit
4.1.2 Frühpensionierungen in die Altersarbeitslosigkeit
4.1.3 Vorzeitige Rentenbezugsmöglichkeiten
4.2 Förderung von Beschäftigung und spätes Ausscheiden in den Ruhestand
4.2.1 Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung Älterer
4.2.2 Maßnahmen zur Einschränkung von Frühpensionierungs- und Altersteilzeitoptionen
4.2.3 Änderungen der Voraussetzungen zu gesetzlichem Rentenbezug
5. Untersuchung
5.1 Wandel aufgrund der geänderten institutionellen Rahmenbedingungen
5.1.1 Studien zum Eintritt in die gesetzliche Rente
5.1.2 Studien zum Erwerbsstatus vor Renteneintritt
5.1.3 Studien zu Beschäftigungsverhältnissen Älterer
5.1.4 Ergebnisse
5.2 Wandel personalpolitischer Handlungsweisen
5.2.1 Maßnahmen zur Förderung lebenslangen Lernens
5.2.1.1 Studien
5.2.1.2 Auswertung
5.2.2 Maßnahmen zur Weiterbildung in Betrieben
5.2.2.1 Studien
5.2.2.2 Auswertung
5.2.3 Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes
5.2.3.1 Studien
5.2.3.2 Auswertung
5.2.4 Maßnahmen zur Gestaltung alternsgerechter Arbeitskarrieren und der (Lebens-) Arbeitszeit
5.2.4.1 Studien
5.2.4.2 Auswertung
5.2.5 Ergebnisse
5.3 Wandel kultureller Normen und Werte
5.3.1 Studien
5.3.2 Ergebnisse
6. Schlussbetrachtung
7. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Diplomarbeit untersucht den Wandel vom frühen Austritt aus dem Erwerbsleben hin zu einem späten Ausscheiden in den Ruhestand in Deutschland und analysiert, wie sich dadurch die Chancen älterer Arbeitnehmer auf soziale Sicherung und Erwerbsintegration verändern. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Spannungsfeld zwischen notwendiger Arbeitsmarktaktivierung und der Aufrechterhaltung individueller sozialer Sicherungsansprüche im Kontext der demografischen Alterung.
- Analyse des Übergangs vom frühen Renteneintritt zu verlängerten Lebensarbeitszeiten.
- Evaluation des Einflusses institutioneller Rahmenbedingungen und sozialpolitischer Reformen.
- Diskussion personalpolitischer Ansätze in Unternehmen, wie Weiterbildung und Gesundheitsförderung.
- Untersuchung des Wandels kultureller Normen und Werte bezüglich Altersbildern und Arbeitsmarktbeteiligung.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Das Konzept der Dekommodifizierung
Eine Präzisierung der von Marshall definierten sozialen Bürgerrechte stellt laut Esping-Andersen (1990) das Konzept der Dekommodifizierung dar. Hinter dem Begriff der Dekommodifizierung verbirgt sich die wohlfahrtsstaatliche Form der Gewährung sozialer Sicherung unabhängig von der Teilhabe am Arbeitsmarkt (vgl. Esping-Andersen 1999: 43 ff.). Je größer der Grad der Dekommodifizierung in einem Staat ist, desto geringer ist der Zwang für die Individuen, die eigene Arbeitskraft auf dem Markt anzubieten. Die sozialen Rechte sehen entsprechend der Definition Esping-Andersens soziale Sicherung der Erwerbstätigen in Zeiten vor, in denen sie keiner Erwerbstätigkeit nachkommen:
„the introduction of modern social rights implies a loosening of the pure commodity status. De-commodification occurs when a service is rendered as a matter of right, and when a person can maintain livelihood without reliance on the market” (Esping-Andersen 1990: 21 f.).
Dieses Konzept unterstellt, dass Individuen einen wirtschaftlichen Status als Ware besitzen und eine Einkommensabhängigkeit besteht. Solange die Arbeitskraft als Ware angesehen wird, unterliegen die Individuen der Macht des Marktes, die außerhalb ihrer eigenen Kontrolle steht. Durch Krankheit oder aufgrund von wirtschaftlichen Interessen kann der Wert der Ware verfallen, ohne dass die Arbeiter selbst einen Einfluss ausüben können (vgl. Esping-Andersen 1990: 37).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beschreibt die demografische Alterung in Deutschland und die damit verbundene Notwendigkeit, ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben zu halten.
2. Definition zentraler Begriffe: Dieses Kapitel erläutert die für die Untersuchung maßgeblichen Begriffe wie „Alter und altern“, „Soziale Sicherung“ sowie „Erwerbsintegration“.
3. Theoretischer Analyserahmen: Hier werden soziologische Konzepte wie Dekommodifizierung, Lebenschancen und Flexicurity diskutiert, um eine theoretische Basis für die Analyse zu schaffen.
4. Institutionelle Rahmenbedingungen und ihre Veränderungen: Dieses Kapitel skizziert die sozialpolitischen Maßnahmen und gesetzlichen Änderungen, die den Übergang vom frühen Ruhestand hin zur Erwerbsförderung in den 1990er Jahren und danach markieren.
5. Untersuchung: In diesem Hauptteil werden empirische Studien ausgewertet, um Veränderungen bei Renteneintritten, personalpolitischen Maßnahmen und gesellschaftlichen Werten bezüglich Älterer zu analysieren.
6. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und resümiert, dass die Erwerbsintegration Älterer trotz politischer Bemühungen aufgrund mangelnder Resonanz in Unternehmen und bei den Betroffenen weiterhin schwierig bleibt.
7. Ausblick: Der Ausblick verweist auf weiteren Forschungsbedarf hinsichtlich regionaler Unterschiede und der langfristigen Auswirkungen noch laufender Rentenreformen.
Schlüsselwörter
Demografischer Wandel, Ältere Beschäftigte, Erwerbsintegration, Soziale Sicherung, Dekommodifizierung, Rekommodifizierung, Lebenschancen, Aktivierende Sozialpolitik, Renteneintrittsalter, Lebenslanges Lernen, Personalpolitik, Beschäftigungsfähigkeit, Altersdiskriminierung, Flexicurity, Arbeitsmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem soziologischen Wandel der Beschäftigungssituation älterer Arbeitnehmer in Deutschland vor dem Hintergrund der demografischen Alterung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der institutionellen Rahmenbedingungen, personalpolitischen Maßnahmen in Betrieben sowie der Veränderung gesellschaftlicher Normen und Werte in Bezug auf ältere Erwerbstätige.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, wie sich die Chancen älterer Beschäftigter auf soziale Sicherung und eine nachhaltige Erwerbsintegration im Zuge des Übergangs vom frühen Austritt in den Ruhestand hin zu einer verlängerten Beschäftigungsphase verändern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine qualitative und quantitative Literaturrecherche sowie die Auswertung von Ergebnissen empirischer Studien und statistischer Datenquellen.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie sich institutionelle Rahmenbedingungen, betriebliche Weiterbildung, Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie neue Arbeitszeitmodelle auf die Arbeitsmarktchancen Älterer auswirken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Demografischer Wandel, Dekommodifizierung, Erwerbsintegration, Aktivierende Sozialpolitik und Beschäftigungsfähigkeit.
Inwiefern hat sich das Konzept der sozialen Sicherung für Ältere verändert?
Die Arbeit stellt fest, dass soziale Sicherung zunehmend stärker an eine aktive Teilhabe am Arbeitsmarkt geknüpft wurde, während staatliche Anreize für den frühen Ruhestand abgebaut wurden.
Welche Rolle spielen Unternehmen bei der Erwerbsintegration Älterer?
Unternehmen spielen laut der Untersuchung eine Schlüsselrolle, wobei viele jedoch noch in einer jugendorientierten Einstellungspolitik verhaftet sind und Weiterbildungsangebote für Ältere häufig nur bei dringendem betrieblichem Bedarf nutzen.
Wie bewerten ältere Arbeitnehmer selbst ihre Situation?
Viele ältere Beschäftigte sehen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt skeptisch und assoziieren Weiterbildung in ihrem Alter oft mit geringem Nutzen, da der Ruhestand als eine wohlverdiente Lebensphase ohne Erwerbszwang angestrebt wird.
Was ist das zentrale Ergebnis bezüglich der Erwerbsintegration Älterer?
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Erwerbsintegration trotz des politisch intendierten Wandels in der Praxis bisher nicht grundlegend verbessert werden konnte, da eine Diskrepanz zwischen politischer Forderung und der betrieblichen Realität besteht.
- Citation du texte
- Martina Schroeder (Auteur), 2008, Alternsgerechte Beschäftigung in der alternden Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137924