Rudolf I von Habsburg und Přemysl Otakar II von Böhmen


Studienarbeit, 2006

13 Seiten, Note: Sehr Gut


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

DER GROßE DUALISMUS ZWEIER HERRSCHERPERSÖNLICHKEITEN

1. Was ist ein Mythos? Was ist ein Diskurs? Was ist ein Heros?
1.1. Heros
1.2. Mythos
1.3. Diskurs

2. Geschichtlicher Hintergrund

3. Rudolf I von Habsburg
3.1. „Die Rudolfsverehrung“

4. Zur Person Otakars
4.1. Die Tradierung des Bildes

5. Begegnungen und Die Schlacht von Dürnkrut
5.1. Die Folgen der Schlacht

ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

DER GROßE DUALISMUS ZWEIER HERRSCHERPERSÖNLICHKEITEN

Die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts bildete den Schauplatz für das Wirken zweier großer Herrscher. Einerseits Přemysl Otakar II von Böhmen, der schon in jungen Jahren durch kluges Agieren eine riesige Ländermasse unter sich vereinte. Andererseits Rudolf I, Graf von Habsburg, der aufgrund von den deutschen Fürsten in relativ hohem Alter plötzlich römisch deutschen Königs wurde und dies zu seinen Gunsten nutzten konnte.

Otakar dachte nicht daran, sich diesem Emporkömmling zu beugen, was einen Konflikt vorprogrammierte, der schließlich in der legendären Schlacht von Dürnkrut 1278 ausgetragen wurde und mit dem Tod Otakars endete.

Viel wurde danach darüber geschrieben und gesprochen, ein Diskurs hat sich gebildet, der über Jahrhunderte getragen, aufgebaut, und verändert wurde.

Ich will mich in dieser Arbeit damit beschäftigen, warum es zu dieser „Aufbauschung“ und mythenhaften Heroenverehrung kam. Worin liegen die Ursachen? Welches waren die ausschlaggebenden Momente in der historischen Tätigkeit beider, welche sie so einzigartig machte? Warum ist ihre letzte entscheidende Schlacht eines der großen Ereignisse des Mittelalters geworden?

Diese Fragen werden mich durch die Arbeit begleiten. Beginnen werde ich aber mit den Begriffen Mythos, Diskurs und Hero, weil sie die drei Schlagwörter unserer Lehrveranstaltung waren und die Basis für diese Untersuchung bilden.

Der geschichtliche Hintergrund, der daraufhin folgt, ist mit Absicht kurz gehalten, ist er doch in diesem Zusammenhang nicht von wesentlicher Bedeutung. Aus dem gleichen Grunde wurden auch die jeweiligen Herrscherbiographien weggelassen.

Zuerst wird jeder Herrscher für sich alleine behandelt. Bei Rudolf wird vor allem seine Funktion als Ahnherr der Habsburger im Mittelpunkt stehen und welche Legenden diesen Anspruch zusätzlich untermauern. Bei Otakar habe ich mich vor allem auf seinen Leistungen konzentriert, die einen wesentlichen Teil seinen Mythos ausmachen.

Als letztes Kapitel werden schließlich mit der Schlacht von Dürnkrut und Jederspeigen die Fäden der beiden Herrscher miteinander verbunden.

1. Was ist ein Mythos? Was ist ein Diskurs? Was ist ein Heros?

1.1. Heros

Ein Heros ist ein götterähnlicher Held, der über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen muss. Ein klassischer Heroe ist natürlich Herkules, und mit verbinden wir viele Attribute wie stark, schnell, schlau, verfügt über Kräfte, die die eines normalen Menschen übersteigen. Blicken wir auf Rudolf I und Otakar sind sie wohl beide nicht die klassischen Helden, die wir aus der Antike kennen. Aber dennoch ist die Schlacht von Dürnkrut ausschlaggebend, dass man letztendlich die beiden Herrscher doch als Helden bezeichnen konnte. Doch gibt es auch hier wesentliche Unterscheide. Rudolf I wurde Held, indem er seinem scheinbar übermächtigen Gegner Otakar besiegte. Otakar hingegen deswegen, weil sein Tod derart unwürdig war.

1.2. Mythos

„Erzählung (Sage) über Götter oder Ereignisse aus vorgeschichtlicher Zeit; sucht meist einen Ursprung (der Welt, der Menschen) zu erklären.“

Nimmt man diesen Eintag aus dem Brockhaus, wäre der Begriff des Mythos durchaus eingeschränkt. Er spielt hier direkt in den großen Überbegriff der Mythologie hinein und wäre demnach für unser Beispiel kaum von Interesse. Rudolf und Otakar waren beide Männer aus Fleisch und Blut, und haben mit klassischen Mythologiegeschichten kaum etwas zu tun. Zieht man die Linie aber nicht so eng, lässt sich durchaus auch argumentieren, dass die Habsburger den Ursprung ihres Adelsgeschlechtes mit Rudolf I ansetzen. Otakar war nicht der Begründer des Přemysliden Geschlechtes in Böhmen, war jedoch unter ihnen der „größte“ Herrscher, weil er eine riesige Ländermasse unter seinen Besitz brachte. Unter ihm wurden auch erstmal alle Länder des späteren „Österreich“ vereinigt, was ihm zu einem Urahn unseres Landes machen würde. Doch da er die Länder nicht halten konnte und sie an Rudolf I fielen ist dies kaum relevant und auch den Österreichern unbekannt.

Rudolf I kann man also durchaus als Teil eines Mythos sehen, auch weil er als Gründervater des Habsburger Mythos gilt. Für Otakar II trifft dies nicht zu.

1.3. Diskurs

Es gibt mehrere Varianten des Diskursbegriffes. Man unterscheidet zwischen dem Diskursbegriff nach Michel Foucault und nach Jürgen Habermass. Für Foucault ist der Diskursbegriff eine Summe aller Aussagen und Ideen einer Gesellschaft zu einem bestimmten Thema. (Wobei hier immer Macht eine wesentliche Rolle spielt.) Dabei spielt vor allem eine Rolle, welche Aussagen, wann wo warum auftauchen. Sprache ist hierbei der Schlüssel, es konserviert historisches Wissen, weil man auch im bestehenden Diskurs immer Dinge aus der Vergangenheit übernimmt. Deswegen erforscht man diese Dinge, weil sie früher als anerkannte Tatsachen in einem bestimmten Diskurs gewesen sein müssen.

Ich denke, dass ist genau das, was auch in dieser Arbeit einfließen wird. Ich werde versuchen, den früheren Diskurs (das tradierte Wissen und Bild) über die beiden Herrscher hier festzuhalten. Bevor ich dies aber tue, möchte ich als kurze Einführung den historischen Hintergrund für das Agieren der beiden Männer skizzieren.

2. Geschichtlicher Hintergrund

Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation kam es 1250 zu einem Interregnum, welches 23 Jahre andauern sollte. In dieser Zeit herrschten chaotische Zustände im Reich, erst mit der Kaiserkrönung Rudolf I von Habsburg 1273 wurde dieser Zeit ein Ende gesetzt. Auch im Babenbergerreich kam es mit dem Tot Friedrichs des Streitbaren 1246 zum Aussterben der männlichen Linie. Otakar II heiratete 1252 die gut dreißig Jahre ältere Schwester Friedrichs und wurde auf Wunsch der österreichischen Stände zum Herrscher der ehemaligen Babenbergerlande. Bei der Thronbesteigung Rudolfs I aber verlangte dieser die ehemaligen Babenbergerlande zurück, weil diese Reichslehen waren. Otakar weigerte sich aber, dem nachzukommen, was einen Feldzug Rudolfs gegen seinen böhmischen Widersacher auslöste. 1276 verliert Otakar diesen und damit auch die Babenbergerlande, behält aber Böhmen und Mähren. Ein neuer Konflikt endete am 26.August 1278 mit der Schlacht von Dürnkrut mit dem Tode Otakars. 1282 werden die Söhne Rudolfs, Rudolf und albrecht, mit den ehemaligen Babenbergerlande belehnt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Rudolf I von Habsburg und Přemysl Otakar II von Böhmen
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Österreichische Geschichte: Diskurse, Mythen und Heroen
Note
Sehr Gut
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V137934
ISBN (eBook)
9783640464715
ISBN (Buch)
9783640461868
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rudolf, Habsburg, Přemysl, Otakar, Böhmen, Sehr
Arbeit zitieren
Elisabeth Mayr (Autor), 2006, Rudolf I von Habsburg und Přemysl Otakar II von Böhmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137934

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