Die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts bildete den Schauplatz für das Wirken zweier großer Herrscher. Einerseits Přemysl Otakar II von Böhmen, der schon in jungen Jahren durch kluges Agieren eine riesige Ländermasse unter sich vereinte. Andererseits Rudolf I, Graf von Habsburg, der aufgrund von den deutschen Fürsten in relativ hohem Alter plötzlich römisch deutschen Königs wurde und dies zu seinen Gunsten nutzten konnte.
Otakar dachte nicht daran, sich diesem Emporkömmling zu beugen, was einen Konflikt vorprogrammierte, der schließlich in der legendären Schlacht von Dürnkrut 1278 ausgetragen wurde und mit dem Tod Otakars endete. Viel wurde danach darüber geschrieben und gesprochen, ein Diskurs hat sich gebildet, der über Jahrhunderte getragen, aufgebaut, und verändert wurde.
Ich will mich in dieser Arbeit damit beschäftigen, warum es zu dieser „Aufbauschung“ und mythenhaften Heroenverehrung kam. Worin liegen die Ursachen? Welches waren die ausschlaggebenden Momente in der historischen Tätigkeit beider, welche sie so einzigartig machte? Warum ist ihre letzte entscheidende Schlacht eines der großen Ereignisse des Mittelalters geworden?
Diese Fragen werden mich durch die Arbeit begleiten. Beginnen werde ich aber mit den Begriffen Mythos, Diskurs und Hero, weil sie die drei Schlagwörter unserer Lehrveranstaltung waren und die Basis für diese Untersuchung bilden.
Der geschichtliche Hintergrund, der daraufhin folgt, ist mit Absicht kurz gehalten, ist er doch in diesem Zusammenhang nicht von wesentlicher Bedeutung. Aus dem gleichen Grunde wurden auch die jeweiligen Herrscherbiographien weggelassen.
Zuerst wird jeder Herrscher für sich alleine behandelt. Bei Rudolf wird vor allem seine Funktion als Ahnherr der Habsburger im Mittelpunkt stehen und welche Legenden diesen Anspruch zusätzlich untermauern. Bei Otakar habe ich mich vor allem auf seinen Leistungen konzentriert, die einen wesentlichen Teil seinen Mythos ausmachen.
Als letztes Kapitel werden schließlich mit der Schlacht von Dürnkrut und Jederspeigen die Fäden der beiden Herrscher miteinander verbunden.
Inhaltsverzeichnis
DER GROßE DUALISMUS ZWEIER HERRSCHERPERSÖNLICHKEITEN
1. Was ist ein Mythos? Was ist ein Diskurs? Was ist ein Heros?
1.1. Heros
1.2. Mythos
1.3. Diskurs
2. Geschichtlicher Hintergrund
3. Rudolf I von Habsburg
3.1. „Die Rudolfsverehrung“
4. Zur Person Otakars
4.1. Die Tradierung des Bildes
5. Begegnungen und Die Schlacht von Dürnkrut
5.1. Die Folgen der Schlacht
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische und diskursive Konstruktion von Rudolf I. von Habsburg und Přemysl Otakar II. von Böhmen als mythische Heldenfiguren. Dabei wird analysiert, wie deren Rivalität und die entscheidende Schlacht von Dürnkrut 1278 über Jahrhunderte in Legenden, Literatur und kollektiven Erinnerungen transformiert wurden, um politische Legitimität zu stiften.
- Analyse der Begriffe Mythos, Diskurs und Heros als theoretische Basis.
- Untersuchung der herrscherbiographischen Mythenbildung bei Rudolf I. und Přemysl Otakar II.
- Betrachtung der Schlacht von Dürnkrut als identitätsstiftendes Ereignis der Habsburgerdynastie.
- Diskursanalyse der Rezeption von Herrscherbildern in Literatur und Geschichtsschreibung.
Auszug aus dem Buch
3. Rudolf I von Habsburg
„[…] groß von Gestalt, mit langen Beinen, feingliedrig, mit kleinem Kopf, blassem Gesicht und langer Nase, hatte nur wenige Haare, schmale und lange Hände, ein Mann, maßvoll in Speise und Trank, und anderen Dingen, ein weiser und kluger Mann …“ (Zeitgenössischer Chronist über Rudolf)1
Rudolf, der legendäre Herrscher und Stammvater der Habsburger, der Dynastiebegründer. Man erkennt schon, er bietet sich für Legenden geradezu an, besonders für die Habsburger monarchie. Rudolf war zu Beginn ‚nur’ einfacher Graf mit im Gegensatz zu Otakar eher un bedeutenden Landbesitz, bevor er die Krone aufsetzte. Ein kleiner König gegen seinen über mächtigen Kontrahenten, Otakar von Böhmen. David gegen Goliath, und wie auch schon da vor in der Bibel besiegte auch hier David-Rudolf seinen Feind. Diese Geschichte wäre an sich schon vollkommen ausreichend, um aus Rudolf einen Helden zu machen, die Geschichte bei der als Mythos hoch zu stilisieren. Schon in Märchen und anderen Legenden findet man die ses Muster klein = gut besiegt groß = böse. In der Kirche wird so ein Sieg damit begründet, dass der kleine Held streng katholisch ist und nur durch das Heil Gottes und den starken Glauben gewonnen hat. Aber auch bei Rudolf I ist die Frömmigkeit Hauptbestandteil seines Mythos, denn es existieren mehrere Legenden, die dies belegen sollen:
Zusammenfassung der Kapitel
DER GROßE DUALISMUS ZWEIER HERRSCHERPERSÖNLICHKEITEN: Einleitung in das Thema, die Vorstellung der beiden Herrscherpersönlichkeiten und die Skizzierung der zentralen Fragestellung zur Mythenbildung.
1. Was ist ein Mythos? Was ist ein Diskurs? Was ist ein Heros?: Theoretische Definition der drei zentralen Begriffe der Lehrveranstaltung, um das analytische Gerüst für die Untersuchung der Herrscherfiguren zu schaffen.
2. Geschichtlicher Hintergrund: Kurzer Überblick über die politische Situation des Interregnums und die unmittelbaren Ursachen des Konflikts zwischen Rudolf und Otakar.
3. Rudolf I von Habsburg: Analyse der Person Rudolfs als Stammvater der Habsburger und Untersuchung der religiös geprägten Legendenbildung um seine Person.
3.1. „Die Rudolfsverehrung“: Betrachtung der literarischen und kulturellen Stilisierung Rudolfs im 19. Jahrhundert.
4. Zur Person Otakars: Charakterisierung von Otakar II. von Böhmen als mächtiger Herrscher und Aufarbeitung seines historischen Rufes.
4.1. Die Tradierung des Bildes: Darstellung der negativen Rezeption Otakars in chronistischen Werken bis hin zu späteren Würdigungen.
5. Begegnungen und Die Schlacht von Dürnkrut: Schilderung der politischen Konflikte und der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den Kontrahenten.
5.1. Die Folgen der Schlacht: Untersuchung der historischen Konsequenzen des Sieges für die Etablierung der Habsburgerdynastie.
Schlüsselwörter
Rudolf I. von Habsburg, Přemysl Otakar II. von Böhmen, Schlacht von Dürnkrut, Mythos, Diskurs, Heros, Habsburgerdynastie, Mittelalter, Geschichtsschreibung, Legendenbildung, Herrscherbild, Böhmen, Österreich, Ritterkodex, Dynastiebegründer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen und mythischen Auseinandersetzung der Herrscherfiguren Rudolf I. von Habsburg und Přemysl Otakar II. von Böhmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Entstehung von Mythen, die Bedeutung von Diskursen über Herrscher sowie die Auswirkungen historischer Ereignisse auf die Dynastiebildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit hinterfragt, warum es zur mythenhaften Überhöhung und „Aufbauschung“ der historischen Tätigkeit beider Herrscher kam und welche Faktoren dies begünstigten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt einen diskursanalytischen Ansatz, um das tradierte Wissen, Literatur und Legenden über die beiden Herrscher zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Begriffsdefinitionen, den geschichtlichen Hintergrund, die Einzeldarstellungen der Herrscher sowie die Analyse der Schlacht von Dürnkrut.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Mythos, Herrscherlegenden, Habsburger, Přemysliden, Schlacht von Dürnkrut und Diskurs.
Warum wird der Begriff des „Heros“ auf Rudolf und Otakar angewandt?
Obwohl sie nicht die klassischen Helden der Antike darstellen, werden sie durch die dramatische Zuspitzung ihrer Konfrontation und den Ausgang der Schlacht von Dürnkrut zu Heldenfiguren stilisiert.
Welche Rolle spielt die „Steirische Reimchronik“ für das Bild Otakars?
Sie gilt als eine der Hauptquellen, die Otakar über Jahrhunderte hinweg maßgeblich als „unmoralischen Bösewicht“ zeichnete und somit seinen negativen Ruf prägte.
Wie bewertet die Autorin die Darstellung der beiden Herrscher in Dantes „Göttlicher Komödie“?
Die Autorin hebt dieses Werk hervor, da es eine neutrale Begegnung zwischen den Kontrahenten zeigt, bei der beide als gleichberechtigt in die Ewigkeit eingehen.
- Citation du texte
- Elisabeth Mayr (Auteur), 2006, Rudolf I von Habsburg und Přemysl Otakar II von Böhmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137934