Diese Hausarbeit entstand im Kontext des Moduls "Gesellschaftliche, politische und kulturelle Bedingungen von Erziehung, Bildung und Sozialisation". Sie stellt die Frage, ob soziale Medien gierige Institutionen, nach der Definition von Lewis A. Coser, sind. Dabei wird im Besonderen die App Instagram als Teil sozialer Medien in den Blick genommen und gefragt, ob es das Leben seiner jugendlichen Nutzer:innen vereinnahmt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Perspektiven
2.1. Was sind gierige Institutionen nach Coser?
2.2. Was sind soziale Medien?
2.2.1. Instagram
3. Der Forschungsstand
3.1. Der Forschungstand zu der Nutzung
3.2. Der Forschungsstand zu den Praktiken
3.3. Der Forschungsstand zu den Konsequenzen der Nutzung
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht, ob soziale Medien, mit einem besonderen Fokus auf Instagram, als „gierige Institutionen“ im Sinne von Lewis A. Coser klassifiziert werden können und beleuchtet dabei die psychologischen Mechanismen, die jugendliche Nutzer an die Plattform binden sowie die daraus resultierenden Konsequenzen.
- Theoretische Fundierung des Begriffs der gierigen Institutionen nach Lewis A. Coser.
- Analyse von Instagram als populäres soziales Medium und dessen Funktionsweisen.
- Darstellung des aktuellen Forschungsstandes zu Nutzungsgewohnheiten von Jugendlichen.
- Untersuchung technischer Mechanismen der Kundenbindung (ludic loops, Algorithmen).
- Reflexion der psychosozialen Auswirkungen und Gefahren einer exzessiven Mediennutzung.
Auszug aus dem Buch
2.1 Was sind gierige Institutionen nach Coser?
Wir leben heute in einer modernen Welt, in der die eigene Zeit gefühlt immer knapper wird. Jeder Einzelne hat unzählige Rollen mit dazugehörigen Aufgaben, die es zu erfüllen gilt, auch wenn dafür große Kompromisse notwendig sind. Gleichzeitig existieren organisierte Gruppen, die die Energien und die Zeit eines Menschen für sich und ihre Zwecke beanspruchen wollen, wodurch ein Kampf zwischen den Organisationen entsteht (vgl. Coser, 2015, S.11). In Deutschland existiert eine nichttotalitäre und hochdifferenzierte Gesellschaft, wodurch „das Individuum im Schnittpunkt vieler sozialer Kreise“ (Coser, 2015, S.12) lebt, was zu stärkeren Loyalitätskonflikten als etwa in einer undifferenzierten Gesellschaft führt.
Inwieweit die Kreise und Gruppen den Einzelnen beanspruchen können, ist meistens durch normative Regulierungen bestimmt. In nichttotalitären Gesellschaften gibt es außerdem eine Unterteilung zwischen „Privatsphäre, in die der Staat nicht eindringen darf, und der öffentlichen Sphäre, in der der Staat den Gehorsam des Bürgers einfordern darf“ “ (Coser, 2015, S.12). Als generelle Lösung für die konkurrierenden Ansprüche an das Individuum, existiert das strukturelle Engagement, dass das Individuum seine Loyalitäten unter den einzelnen sozialen Kreisen aufteilt, die jeweils nur begrenzte Ansprüche an die Person stellen (vgl. Coser, 2015, S. 13). Im Gegensatz dazu existieren jedoch auch Organisationen und Gruppen, die sich diesem Prinzip widersetzen: sie werden von Coser als „gierige Institutionen“ (Coser, 2015, S.14) bezeichnet. Ein Merkmal der gierigen Institutionen ist der totale Anspruch an die Zeit und Energie der Mitglieder, sie wollen also deren ungeteiltes Engagement für ihre Institution und versuchen die „gesamte Persönlichkeit zu vereinnahmen“ (Coser, 2015, S.14).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, definiert die Zielgruppe der Jugendlichen und erläutert die Relevanz der Untersuchung von sozialen Netzwerken als gierige Institutionen anhand aktueller Studien.
2. Theoretische Perspektiven: Dieses Kapitel erläutert das soziologische Modell der „gierigen Institutionen“ nach Lewis A. Coser und stellt das Konstrukt der sozialen Medien sowie die spezifische Funktionsweise von Instagram dar.
3. Der Forschungsstand: Hier werden aktuelle empirische Daten zur Internet- und Instagram-Nutzung, technische Bindungsmechanismen der Plattformen sowie negative Konsequenzen wie Mediensucht und Realitätsflucht diskutiert.
4. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass Instagram als gierige Institution fungiert, indem es freiwillige Fügsamkeit durch psychologische Mechanismen erzeugt, und betont die Notwendigkeit von Medienpädagogik und elterlicher Begleitung.
Schlüsselwörter
Soziale Medien, Instagram, gierige Institutionen, Lewis A. Coser, Jugendliche, Mediennutzung, Suchtprävention, digitale Kommunikation, Identitätsbildung, Algorithmen, FOMO, Psychische Gesundheit, Realitätsflucht, Medienpädagogik, JIM-Studie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert soziale Medien, insbesondere Instagram, unter dem soziologischen Blickwinkel, ob diese Plattformen als „gierige Institutionen“ betrachtet werden können, die versuchen, die Zeit und Aufmerksamkeit ihrer Nutzer vollständig zu vereinnahmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit umfasst die Themenfelder Soziologie, Jugendmedienschutz sowie die Auswirkungen von psychologischen Bindungsstrategien digitaler Plattformen auf das Sozialverhalten junger Menschen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es zu klären, ob soziale Medien und speziell Instagram aufgrund ihrer Strukturen, Mechanismen und Auswirkungen auf die Nutzer als „gierige Institutionen“ nach der Theorie von Lewis A. Coser bezeichnet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer Konzepte sowie der Auswertung aktueller empirischer Studien (wie der JIM-Studie und DAK-Gesundheitsstudien), um das Phänomen der digitalen Medienbindung zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition gieriger Institutionen, die Funktionsweise sozialer Medien und Instagrams sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Forschungsstand zu Nutzungsgewohnheiten, manipulativen Praktiken der Plattformen und den negativen Folgen wie Internetsucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Schrift?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie „gierige Institutionen“, „Instagram“, „Jugendentwicklung“, „Mediensucht“ und „digitale Selbstinszenierung“ beschreiben.
Wie erzeugen soziale Medien laut der Arbeit eine Suchtdynamik bei Jugendlichen?
Die Arbeit führt aus, dass Plattformen bewusst psychologische Mechanismen einsetzen, die denen von Glücksspielautomaten ähneln – etwa durch unvorhersehbare Belohnungen („ludic loops“), ständige Benachrichtigungen und den sozialen Druck durch Likes und Follower, was zu einer hohen Bindung und Furcht vor dem Ausgeschlossensein (FOMO) führt.
Welche Rolle spielen Eltern und Pädagogen im Umgang mit dieser Problematik?
Angesichts der zunehmenden digitalen Präsenz mahnt die Autorin, dass Eltern und Pädagogen als wichtige Bezugspersonen fungieren müssen, um Warnsignale einer Mediensucht frühzeitig zu erkennen und Kindern einen verantwortungsbewussten Umgang und „handyfreie Zeiten“ vorzuleben.
- Arbeit zitieren
- Debora Fiedler (Autor:in), 2021, Soziale Medien als gierige Institutionen mit Fokus auf die App Instagram, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1379610