Im neoliberalen Umfeld hatten sich seit den 1980er Jahren mit großer Dynamik Finanzialisierung, Shareholder Value Management (SHVM) und Corporate Social Irresponsibility (CSIR) entwickelt. Wie die Dynamik der drei Themenbestandteile zustande kam und warum die daraus entsprungenen Entwicklungen als wirtschaftsethisch problematisch zu konnotieren sind, ist eines der Kernthemen der Arbeit. Darüber hinaus ergibt sich die Frage, wer die Verantwortung für diese Probleme trägt. Ist es das System? Sind es die Unternehmen selbst? Oder sind es die Manager, die häufig in den Medien zum Gesicht unverantwortlicher Handlungen werden? Gleichwohl wird sich zeigen: die thematisierten Phänomene empfinden mitnichten alle Beteiligten als problematisch. Was für viele Einzelne und die Gesellschaft als Ganzes ein Problem darstellt, ist für (wenige) andere die Lösung – eine Lösung, die mit ihren pekuniären Interessen eng verknüpft ist.
Insgesamt soll die Arbeit eines deutlich machen: Wesentliche Determinanten der Finanzkrise sind bis heute fest in der Wirtschaft verankert. Gerade deshalb bedarf das Thema dezidierter wissenschaftlicher Aufmerksamkeit, als Ausgangspunkt einer
fortlaufenden substanziellen, gesellschaftlichen, unternehmerischen und politischen Debatte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Darstellung der Finanzialisierung der Wirtschaft
2.1 Bestimmung und Einordnung des Begriffs Finanzialisierung
2.2 Finanzialisierung auf nationaler und supranationaler Ebene
2.2.1 Neoliberalismus als politischer Impuls der Finanzialisierung
2.2.2 Strukturverschiebungen in der Wirtschaft
2.3 Finanzialisierung von Individuen
2.4 Finanzialisierung von Unternehmen
2.4.1 Steuervermeidung von Unternehmen und die Auswirkungen
2.4.2 Neuordnung der Rollen von Banken und Kapitalmarkt für Unternehmen
2.4.3 Steigender Renditedruck in der Unternehmensführung
3 Darstellung des Shareholder Value Management
3.1 Bestimmung des Begriffs Shareholder Value Management
3.2 Radikale Unternehmensführung durch Maximising Shareholder Value
3.2.1 Personalbild und Pay for Performance
3.2.2 Zielbild und Management by Objektives
3.2.3 Unternehmensstrukturierung und De-Diversifikation
3.3 Pofit at any Cost
4 Darstellung der Corporate Social Irresponsibility
4.1 Bestimmung des Begriffs CSIR
4.2 Konzeptuelle Darstellung der CSIR
4.2.1 CSIR - Eine Frage des Betrachters?
4.2.2 CSIR - Eine Frage der Intention?
4.2.3 CSIR - Eine Frage der Abgrenzung zur CSR?
4.3 CSIR als Realphänomen - pathologische Auswirkungen auf die verschiedenen Stakeholder
5 Kritische Würdigung und maßgebliche Implikationen zum Konnex
5.1 Die CSR Debatte: eine passende Lösung für die problematische CSIR?
5.2 Vom Shareholder Value zum Stakeholder Value?
5.2.1 Problemfelder des SHVM und mögliche Lösungen
5.2.2 Deuten Initiativen von Wirtschaft und Politik auf eine Rückkehr zum Stakeholder Value hin?
5.3 Definanzialisierung: Ein zielführender Ansatz zur Begrenzung der Finanzialisierung?
5.4 Asset Manager Kapitalismus: Eine Hauptdeterminante für die künftige Entwicklung des Konnex?
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Konnex zwischen Finanzialisierung, Shareholder Value Management (SHVM) und Corporate Social Irresponsibility (CSIR). Ziel ist es, die systemischen Zusammenhänge dieser Phänomene aufzuzeigen, ihre wirtschaftsethische Problematik zu analysieren und Wege für eine nachhaltigere Unternehmensführung unter Einbeziehung von Stakeholder-Interessen zu formulieren.
- Die Auswirkungen der fortschreitenden Finanzialisierung auf Wirtschaft und Gesellschaft.
- Die Entwicklung und Folgen des renditeorientierten Shareholder Value Managements.
- Die theoretische Einordnung und praktische Manifestation von Corporate Social Irresponsibility.
- Möglichkeiten einer Definanzialisierung und die Rolle neuer Akteure wie Asset Manager.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Personalbild und Pay for Performance
In der Bewertung von Unternehmen durch den Kapitalmarkt und seine Analysten spielt das Thema Personal nur eine untergeordnete Rolle (vgl. Faust et al. 2007, S.19). Das erstaunliche Desinteresse an Personalpolitik lässt sich damit erklären, dass Personal in der Berechnung des SHV als reiner Kostenfaktor erfasst wird. Dies ist erstaunlich, weil Mitarbeiter regelmäßig treibender Faktor für organisationales Lernen, Wachstum und Innovation sind (vgl. ebd. S.24). Das SHVM unterscheidet hinsichtlich der Cashflow-Methode klar zwischen Kostentreibern und Werttreibern (vgl. dazu ausführlich Mars 1998). Im Rahmen dieser Methode taucht Personal nur einmalig als Zahl auf und wird daher nicht den Werttreibern zugeordnet. Der Einfluss des Personals auf erfolgstreibende Kennzahlen bleibt damit verdeckt. Aus diesem Grund hat sich die Personalpolitik vieler Unternehmen verändert. Für Manager sind im SHVM direkte Kostensenkungen interessant. Daher wird ein Personalabbau bei Bekanntgabe regelmäßig mit steigenden Börsenkursen honoriert (vgl. Kädtler 2009, S.19). Vor diesem Hintergrund kommt es zu einer Prekarisierung von Beschäftigung: Unternehmen sorgen für die Ausweitung unsicherer Beschäftigungsverhältnisse durch Personaleinsparungen, Leiharbeit und befristete Arbeitsverträge (vgl. Fligstein/Shin 2003). In diesem Kontext bildete sich auch das sogenannte fissuring von Arbeitsplätzen. Diese Organisationsform sieht die Rückbildung vom festen Anstellungsverhältnis zu Gunsten peripherer Supportfunktionen vor. Das beginnt beim Hausmeisterservice und reicht bis hin zu Back-End-Funktionen wie dem telefonischen Kundenservice. Solche Aufgaben werden vom Unternehmen an externe Dienstleister ausgelagert (vgl. Rahman/Thelen 2019, S.182).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Finanzkrisen als Auslöser für die Debatte um Finanzialisierung, SHVM und CSIR und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2 Darstellung der Finanzialisierung der Wirtschaft: Dieses Kapitel analysiert das theoretische Konzept der Finanzialisierung auf verschiedenen Ebenen und dessen Einfluss auf die reale Wirtschaft sowie Individuen.
3 Darstellung des Shareholder Value Management: Hier werden die Mechanismen der wertorientierten Unternehmensführung und deren radikale Umsetzung durch Profitmaximierung untersucht.
4 Darstellung der Corporate Social Irresponsibility: Das Kapitel definiert CSIR konzeptuell und analysiert die negativen Auswirkungen dieses Handelns auf unterschiedliche Stakeholder.
5 Kritische Würdigung und maßgebliche Implikationen zum Konnex: Es erfolgt eine kritische Reflexion des gesamten Konnex mit dem Ziel, Lösungsansätze für eine ethisch verantwortungsvolle Unternehmensführung zu entwickeln.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen und regulatorischen Wandels zur Mäßigung der ökonomischen Prozesse.
Schlüsselwörter
Finanzialisierung, Shareholder Value Management, Corporate Social Irresponsibility, CSIR, Kapitalmarkt, Unternehmensführung, Stakeholder, Profitmaximierung, Nachhaltigkeit, Wirtschaftsethik, Renditedruck, Asset Manager Kapitalismus, CSR, Unternehmenssteuerung, Lobbyismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Zusammenhänge zwischen drei zentralen ökonomischen Phänomenen: der Finanzialisierung, dem Shareholder Value Management und der Corporate Social Irresponsibility (CSIR).
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen der Einfluss der Finanzbranche auf die Unternehmenspolitik, der Druck zur kurzfristigen Renditemaximierung sowie die moralischen Konsequenzen unternehmerischen Handelns.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel liegt in der wissenschaftlichen Aufarbeitung des wirtschaftsethisch problematischen Konnexes zwischen den genannten Phänomenen und der Suche nach Lösungsansätzen für eine verantwortungsbewusstere Unternehmensführung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Fundierung durch Literaturanalyse, die durch Fallbeispiele und regulatorische Entwicklungen der letzten Jahrzehnte untermauert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Finanzialisierung, des Shareholder Value Managements sowie der CSIR, gefolgt von einer kritischen Würdigung und Implikationen für die Zukunft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Finanzialisierung, Shareholder Value, CSIR, Nachhaltigkeit, Profitmaximierung und Wirtschaftsethik definiert.
Inwiefern beeinflusst die Rolle der Asset Manager die zukünftige Entwicklung?
Als größte Investorengruppe verfügen Asset Manager durch ihre Machtkonzentration über ein erhebliches Potenzial, unternehmerische Strategien zu beeinflussen, agieren jedoch oft in widersprüchlichen Interessenlagen.
Welche Bedeutung haben die angeführten Fallbeispiele für die Argumentation?
Fallbeispiele wie der VW-Skandal, der Fall Chevron im Amazonas oder die DWS-Greenwashing-Debatte veranschaulichen die praktischen Auswirkungen von CSR und CSIR im Unternehmensalltag.
- Citation du texte
- Matthias Zimmer (Auteur), 2022, Finanzialisierung, Shareholder Value Management und Corporate Social Irresponsibility, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1379920