Aufstieg und Fall des Kommunismus - Eine Einführung in den modernen Kommunismus

Castros Kuba - ein sterbendes System?


Seminararbeit, 2007
28 Seiten, Note: gut
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Teresa Penzenauer 1 Einleitung – Kommunismus, was ist das überhaupt?
2 Geschichte des Kommunismus? Auf der Suche nach der Entstehungsgeschichte
3 Jetzt noch einmal von vorne – Wirtschaftliche Ursachen sozialer Ungleichheit
3.1 Schlussfolgerungen
4 Marx und Engels – ein privater Schriftwechsel mit Folgen
4.1 Wie der Kommunismus bekannt wurde und was Marx damit bezwecken wollte
5 Warum?
6 Conclusio
7 Literaturverzeichnis

Stephanie Deimel
1 Aufstieg und Fall des Kommunismus am Beispiel Kuba?
1.2 Begriffsgeschichte. Sozialismus/Kommunismus, Marx und Engels
2 Politisches System im sozialistischem Kuba
3 Historische und systematische Etappen nach Gratius
4 Errungenschaften der Revolution
4.1 Bildungssystem
4.2 Gesundheitssystem
5 Emigration und die Position der Exilkubaner
6 Blick auf die Postrevolutionäre Generation
6.1 Doppelbödigkeit des Systems
7 Resümee und Ausblick
8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung
Kommunismus – Was ist das überhaupt?

Kommunismus ist ein Begriff, der uns schnell über die Lippen geht, wir sagen „die Kommunisten“ oder „damals im Kommunismus“. Doch was weiß meine Generation, die Generation des Internets, die Generation der Zeit ohne Kriege im Nahbereich, die Generation einer Wohlstandsgesellschaft über den Kommunismus?

Nicht viel, wie ich selber feststellen muss. Was verbinde ich mit dem Kommunismus? Die Farbe Rot, Lenin, Stalin, Kolchosen, Unterdrückung, Gleichschaltung, Russland, DDR und natürlich den Begriff Sowjetunion. Hunger und Betrug, den Begriff des Proletariats, Marx und Engels natürlich. In irgendeiner Art und Weise auch Gorbatschow. Ob das alles stimmt was ich mit Kommunismus verbinde? Jedenfalls hat die Idee des Kommunismus meiner Meinung nach nicht funktioniert – weil, wie so oft in der Geschichte der Menschheit, die Gier des Menschen nach Macht und Bereicherung - die guten Ideen des Kommunismus ins Gegenteil verkehrt hat. Kommunismus – unveränderlich für mich mit dem Begriff der UdSSR verbunden, mit Kuba und China. Aber sonst? Und deswegen schreibe ich diese Arbeit: um mich zu bilden und endlich wirklich zu erfahren, was denn Kommunismus ist – oder was er eben nicht ist.

Zu diesem Zweck habe ich mir eine Reihe von Büchern besorgt, die da Titel tragen wie: Kommunismus, kleine Geschichte wie endlich alles anders wird. Sterbliche Götter – Die Lehrmeister der Nomenklatura. Einführung in den Marxismus. Das kommunistische Manifest – eine moderne Edition. Jahrbuch für Historische Kommunikationsforschung. Das Schwarzbuch des Kommunismus – Unterdrückung, Verbrechen und Terror.

Beim kurzen Durchstöbern der einzelnen Lektüren wurde mir bewusst: Kommunismus ist so gut wie vorbei. Kommunismus war auch kein ausschließliches Produkt der Sowjetunion. Kommunismus gab und gibt es und das in den erstaunlichsten Ländern:

Sowjetunion (Baltische Staaten, Kasachstan, Russland, Usbekistan, Ukraine, Turkmenistan, Aserbaidschan, Armenien, Georgien, Tadschikistan, Kirgisistan, Moldawien, Weißrussland), Spanien, Polen, China, Nordkorea, Vietnam, Laos, Kambodscha, Kuba, Nicaragua, Peru, Äthiopien, Angola, Mocambique, Afghanistan, Ostdeutschland, Jugoslawien, Albanien, Italien … Darüber hinaus gab es auch in zahlreichen anderen (westeuropäischen) Staaten kommunistische Strömungen, die sich aber nie ganz durchsetzten.

Kommunismus ist ein riesiger Begriff und in dieser Arbeit werden wir versuchen, einen kleinen aber feinen Abriss dieser Historie zu zeichnen. Ich habe mich im ersten Teil auf „aufklärerische“ Fragen bezogen, die sich mit den grundlegenden Inhalten des Kommunismus beschäftigen: der Entstehungsgeschichte und die Entwicklung hin zu einem modernen Kommunismus nach Marx und Engels. Beim zweiten Teil habe ich vor allem diese beiden Persönlichkeiten unter die Lupe genommen um die Absicht ihrer modernen Theorie zu erkennen. Stephanie wird dann anschließend in ihrem Teil über das kommunistische System Kubas berichten und auf die Frage eingehen, ob das System dem Untergang geweiht ist.

2 Geschichte des Kommunismus

Auf der Suche nach der Entstehungsgeschichte

„Kommunismus (lat., communis, „gemeinschaftlich“), die Gesellschaftslehre, nach der durch Beseitigung des Privateigentums (u. der dadurch verursachten Ungerechtigkeiten) der Naturzustand, in dem alle das gleiche Recht auf alles gehabt hätten, wiederhergestellt werden könne u. müsse.“ (Das moderne Lexikon 1982: 145)

Der Ursprung des Kommunismus ist nicht so leicht auszumachen, es wird davon gesprochen dass die Ur-Idee des Kommunismus der antiken Staatsphilosophie entstammt. Schon die griechischen Sophisten, unter ihnen Platon, sollen von der Gleichstellung der Menschheit gesprochen haben (vgl. Das moderne Lexikon: 145). Das Schlagwort „Klassengesellschaft“ ist zwar ein Begriff des modernen Kommunismus, das Problem bestand aber schon in der Frühantike. Nämlich der Fakt, dass durch ökonomische Funktionen eine herrschende Klasse und eine beherrschte Klasse entstanden.

„Die wichtigsten sozialen und rechtlichen Institutionen einer bestimmten Epoche dienen dazu, diese Ungleichheiten noch zu verstärken und deren Fortbestehen zu sichern.“

(Mandel 2002: 17)

Platon beschreibt das Übel der Klassengemeinschaft folgendermaßen:

„Selbst die kleinste Stadt ist in zwei Teile geteilt: in eine Stadt der Armen und eine Stadt der Reichen, die sich wie im Krieg gegenüberstehen.“ (Mandel 2002: 20)

Die Grundidee des Kommunismus ist, dass es kein privates Eigentum gibt, sonder nur Gemeintum. Auch jüdische Sekten sprachen von der Gemeinschaft, in der alles geteilt werden soll. Der heilige Barnabas meinte:

„Du sollst nie über dein Eigentum sprechen, denn, erfreust du dich in Gemeinschaft anderer der geistigen Güter, so sollst du auch die materiellen Güter mit anderen teilen.“

(Mandel 2002: 20)

Selbst in der Bibel steht geschrieben, dass alle die glauben zusammen sind und alle Dinge gemeinsam besitzen (vgl. Internet 1 2007). Gemeint ist damit das Zurückversetzen der Menschheit in ihren „Naturzustand“, in dem alle gleich sind und keiner mehr besitzt und sich bereichert, denn die Repression ist nicht eine Eigenart des Menschen, sondern das Ergebnis der historischen Gesellschaftsentwicklung. Heutzutage können nur primitive Völker, die nicht von den modernen Technologien der kapitalistischen Gesellschaft erreicht worden sind, in einer vollkommenen Gleichstellung leben.

Die Papua-Völker in Neu-Guinea etwa teilen einen größeren Ernteerfolg mit den anderen Stammesmitgliedern - damit alle gleich viel haben. Die Hopi-Indianer ihrerseits verurteilen den persönlichen Wettbewerb – selbst bei den Spielen der Kinder geht es nicht um Gewinnen oder Verlieren, sondern rein nur um das Spielvergnügen (vgl. Mandel 2002: 18). Die Tradition der „geistigen“ Aufstände setzte sich fort, getragen von Franz von Assisi im Mittelalter und den Vorläufern der Reformation. In der Neuzeit gab es zahlreiche Werke von Autoren verschiedenster europäischer Länder, wie beispielsweise das des Engländers Thomas Morus mit „Utopia“ (vgl. Mandel 2002: 20f). Diese geistigen Aufstände wurden von Anbeginn der Ungleichheit von Klassenkämpfen, -kriegen, -revolten blutig begleitet. Eine der bekanntesten Revolten wurde damals in der Antike von Spartakus geführt und trug maßgeblich zum Fall des römischen Reiches bei (vgl. Mandel 2002: 21). Denn selbst in der Antike war eine hochkulturelle und reiche Epoche der Menschheit nur durch das Sklaventum möglich (vgl. Mandel 2002: 16) – die Sklaven produzierten, die Reichen sinnierten.

Dieser Widerspruch, einerseits von der Gleichstellung zu schwärmen und andererseits die Menschen im Sklaventum auszubeuten, weist auf das Paradoxon der kommunistischen Führer hin: unter dem Deckmantel der „klassenlosen Gesellschaft“ bereicherten sich Einzelpersonen wie Lenin, Stalin, Mao und viele andere, durch die Ausbeutung ihrer Bevölkerung. Es kam – abgesehen von der Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft und Enteignungen - zu ungeheuren Greultaten, wie Genozid, Massenermordungen, Konzentrationslager und Hinrichtungen. Insgesamt summieren sich die Opfer des Kommunismus weltweit auf hundert Millionen Tote: 100.000.000 Tote (vgl. Courtois 2004: 16)!

„Die Frage, was die Verbrechen von sich kommunistisch nennenden Regimes oder Bewegungen mit Kommunismus zu tun haben, ist unabweisbar und tief berechtigt. Ein Verfahren der Subsumtion, durch welches uns Lenin und Stalin, Mao Zedong und Pol Pot, Ulbricht und Kandar, Tito und Enver Xochta, Castro und Ortega, Machel und Mengistu als politische Verwandte ersten Grades, als Triebe eines Stammes, als Ahnen eines ideologischen Geschlechts vorgeführt werden, ist wissenschaftlich dubios.“ (Schumann/Rosenblum 1998: 111)

Mit dieser Aussage wehren sich Michael Schumann und Nadja Rosenblum gegen Aussagen aus dem „Schwarzbuch des Kommunismus“ aus dem Jahr 1998, gegen die verallgemeinernde Auffassung, Kommunismus sei Verbrechen, eine ideologische Anleitung zum Mord und anderen Greultaten (vgl. Schumann/Rosenblum 1998: 112f). Die Auseinandersetzung mit dem modernen Kommunismus nach Marx und Engels wurde in der Hauptblüte im 19. Jahrhundert von einem immer wiederkehrenden Phänomen in der Geschichte der Menschheit begleitet: die Verkehrung der ursprünglichen Intentionen und Inhalte, die ursprünglichen Gedankenkontexte lösen sich auf und verkommen zu „bloßen Schlagworten“ (vgl. Schumann/Rosenblum 1998: 114).

„In den diversen Rechtfertigungsideologien purer Machtbehauptungspolitik wird der marxistische Kommunismus in sein Gegenteil verkehrt.“ (Schumann/Rosenblum 1998: 112)

Man muss immer im Auge behalten, dass es verschiedenste Auswüchse der kommunistischen Idee gab und gibt: den Stalinismus, Leninismus, Maoismus, Castroismus, die Ideen Kim Il Soungs u.v.m. Diese Auslegungen und Ideen sind keine Kategorien marxistischen Denkens, sondern eben eine Verkehrung und Verunglimpfung in teilweise dramatischen Ausmaßen (vgl. Schuhmann/Rosenblum 1998: 113).

„Daher ist es wenig sinnvoll, die Erfahrungen mit den Folgen der kommunistischen Revolutionen des 20. Jahrhunderts gegen die marxistische Utopie zu wenden, in deren Zentrum nicht der >Fortschritt< steht, der über Leichen geht, sondern die Aktualisierung der Möglichkeiten der Zeit für die notwendige Veränderung nach humanistischen Maßstäben.“ (Schumann/Rosenblum 1998: 116)

Natürlich muss man den Marxismus kritisch beäugen, Schumann und Rosenblum rufen keineswegs zur blinden Verehrung marxistischer Ideen auf. Marx hatte begriffen, dass die kapitalistische Gesellschaft auf dem Weg der Selbstzerstörung ist und machte vor allem die Kapitalverhältnisse dafür verantwortlich. Die verschiedenen Ebenen des modernen Staates wie Politik, Recht usw. verband Marx irrtümlich unabänderlich mit der Kapitalmacht – ein Fehler seiner Theorie:

„Das kapitalistische Privateigentum als das die gesamte Gesellschaft durchdringende und sich voll und ganz unterwerfende Prinzip – in dieser Leitlinie liegt ein fehlleitender und ausnutzbarer Bestandteil der Marxschen Lehre. Wo die Frage des Privateigentums und seiner radikalen Negation (durch die <Diktatur des Proletariats>) so ins Zentrum gestellt wurde, verwandelte sich die Marxsche Idee der sozialen Revolution in ein Projekt der totalen historischen Diskontinuität.“ (Schumann/Rosenblum 1998: 117)

3 Jetzt noch einmal von vorne:
Wirtschaftliche Ursachen sozialer Ungleichheit

Extreme Armut war zu Beginn der Menschheit das „Zauberwort“, die die totale Gleichheit aller Menschen möglich machte. Es gab gar keine Möglichkeit zu einem Mehr an Besitz, weil niemand etwas besaß außer dem nackten Leben, das sie sich durch Jagd auf Tiere erhielten. Erst in der neolithischen Revolution (jüngere Steinzeit, 15.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung) kam es zu einem Umbruch: die Frauen entdeckten den Ackerbau und so konnten sich die Menschen von nun an die Lebensmittel selbst produzieren und in besonders guten Erntejahren sogar einen Vorrat anlegen. Das Überleben wurde kontrollierbar. Durch diese Kontrolle entstand langsam eine Arbeitsteilung und Spezialisierung, um so die Arbeitsproduktivität zu erhöhen (vgl. Mandel 2002: 20ff).

Durch den immer größer werdenden Überschuss an Lebensmitteln kam es schließlich zu einem kontinuierlichen Umbau der Gesellschaft: Kriegsgefangene wurden nun nicht mehr getötet, weil man sie sowieso nicht hätte ernähren können, sondern ins Sklaventum überführt. So entstand Stück für Stück die herrschende und beherrschte Klasse, der Staat hatte die Aufgabe, diese Ungleichheit aufrecht zu erhalten (vgl. Mandel 2002: 23ff). Ein Staat entstand sobald die Mitglieder eines Stammes verschiedene Funktionen auszuüben hatten und somit nicht mehr gleichberechtigt waren: eine Armee anstatt bewaffneter Bürger, Richter die Untaten bestrafen anstatt kollektives Entscheiden, erbliche Herrscher wie Könige, Kaiser und Adelige anstatt eines Anführers, der vom Volk auf Zeit bestellt wurde, Ideologieproduzenten wie Priester, Beamte, Lehrer und Philosophen die abgetrennt von der normalen Bürgerschaft agierten (vgl. Mandel 2002: 32f).

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Aufstieg und Fall des Kommunismus - Eine Einführung in den modernen Kommunismus
Untertitel
Castros Kuba - ein sterbendes System?
Hochschule
Universität Wien  (Politikwissenschaften)
Note
gut
Jahr
2007
Seiten
28
Katalognummer
V138039
ISBN (eBook)
9783640473144
ISBN (Buch)
9783640473083
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Aufstieg, Fall, Kommunismus, Eine, Einführung, Castros, Kuba, System
Arbeit zitieren
Anonym, 2007, Aufstieg und Fall des Kommunismus - Eine Einführung in den modernen Kommunismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138039

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