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Erziehung und Bildung in Goethes "Wilhelm Meisters Wanderjahre(n)", vornehmlich am Beispiel der "Pädagogischen Provinz"

Title: Erziehung und Bildung in Goethes "Wilhelm Meisters Wanderjahre(n)", vornehmlich am Beispiel der "Pädagogischen Provinz"

Examination Thesis , 1996 , 112 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Axel Frieling (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Johann Wolfgang von Goethe unterschied ganz im Sinne heutiger erziehungswissenschaftlicher Terminologie bereits sehr fein zwischen den Konzepten "Erziehung" einerseits und "Bildung" andererseits. Die Formel "Erziehung zur Bildung" deutet sein Begriffsverständnis an: Ersteres zielt als Werkzeug auf Letzteres als Endpunkt und finales Ideal allen pädagogischen Handelns.
Die Goetheschen Bildungsvorstellungen aktualisieren sich leitmotivisch, wie man weiß, in Dramen, Romanen und der Lyrik, durchweben also gewissermaßen das Gesamtwerk. Die entsprechende Forschungsliteratur kann schon quantitativ kaum noch überblickt werden. Demgegenüber bleiben die dezidiert pädagogischen Aspekte des literarischen Werkes und übrigens auch des sozial- und kulturpolitischen Schaffens des Staatsfunktionärs Goethes merkwürdig unberücksichtigt. Die vorliegende Arbeit leistet einen Beitrag dazu, dieses Missverhältnis aufzuheben. Vornehmlich am Beispiel Goethes Vision einer "Pädagogischen Provinz", wie sie in dem Roman "Wilhelm Meisters Wanderjahre" entfaltet wird, weist sie nach, dass Goethe in ständiger Auseinandersetzung mit den pädagogischen Strömungen seiner Zeit sowie auf der Grundlage eines vielschichtigen Bildungsbegriffs originäre Vorstellungen einer wirksamen, pragmatischen Erziehung entwickelte und literarisch gestaltete.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I Einführung

1. Einleitung

1.1 Bildungs- und Erziehungsdenken in den "Wanderjahren"

1.2 Bildung und Erziehung im Leben des Dichters

2. Bildung versus Erziehung

3. Überlegungen zur Methode

4. Goethe als Wissenschaftstheoretiker und systematischer Denker

II Bildung

1. WMW im Umbruch der Zeiten

2. Bildung als Funktion der Gemeinschaft

2.1 Der Auswandererbund

3. Formale und inhaltliche Bildung

3.1 Der Lebensberuf

4. Entelechie

4.1 Biologisierung des Humanen

4.2 Dämon

4.3 Tyche

5. Wilhelm

5.1 Methoden

5.1.1 Die Wanderung

5.1.2 Stationen

5.1.2.1 Ordnungen und Sittlichkeit

5.1.2.2 Erfolge

5.1.3 Bildsamkeit

5.2 Entsagung

5.2.1 Begrenzungen

5.2.2 Zufälle

5.3 Tätigkeit

5.3.1 Tat und Sittlichkeit

5.3.2 Tat und Sinn

5.3.3 Weg und Ziel

5.4 Entsprechungen

5.4.1 Schranken

5.4.2 Streben und Wirkung

III Die pädagogische Provinz

1. Ehrfurcht

1.1 Oben

1.2 Unten

1.3 Mitte

2. Stufen

2.1 Imagination

2.2 Symbole

2.3 Befreiung im Denken

2.4 Die oberste Ehrfurcht

3. Die Pädagogische Provinz im Kontext des Romans

4. Erziehung

4.1 Formen

4.1.1 Die Lehrer

4.1.1.1 Lehrer und Lehre

4.1.1.2 Übertragungen von der Lehre auf die Lehrer

4.1.2 Der Aufbau des Internats

4.2 Erziehungsstil

4.3 Sittlichkeitserziehung

4.3.1 Funktion der Gebärden

4.4 Individualerziehung und Anlage

4.5 Berufspädagogik

4.5.1 Kunsterziehung als Berufserziehung

4.6 Ökonomische Elementarerziehung

4.6.1 Schulische Elementarerziehung

4.7 Vorbilder

4.7.1 Goethe und Pestalozzi

IV Schlußbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Bildungsdenken in Goethes "Wilhelm Meisters Wanderjahre" vor dem Hintergrund der historischen Umbrüche des frühen 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, die spezifische Konzeption von Bildung als Teil einer gesellschaftlichen Ordnung sowie die anthropologischen Voraussetzungen für das individuelle Streben zu erörtern.

  • Bildungsideale im Vergleich von "Lehrjahren" zu "Wanderjahren"
  • Das Verhältnis von Bildung zu Erziehung und Gemeinschaft
  • Die "Pädagogische Provinz" als Ort systematischer Erziehung
  • Die Rolle von "Entsagung", "Wandern" und "Tätigkeit" als Bildungsprinzipien
  • Die anthropologische Fundierung durch das Konzept der "Entelechie"

Auszug aus dem Buch

1.1 Bildungs- und Erziehungsdenken in den „Wanderjahren“

Dieses Ergebnis nun ist freilich nicht ohne weiteres auf den zwar inhaltlich verwandten, strukturell aber ganz unterschiedlichen, mehr als dreißig Jahre später erschienenen Roman „Wilhelm Meisters Wanderjahre oder die Entsagenden“ (zitiert im folgenden: WMW), übertragbar. Auf den ersten Blick bereits unterscheiden sich die WMW von den „Lehrjahren“ in wesentlichen Aspekten. Als Alterswerk Goethes sind sie durchaus den Stimmungen des aufkommenden Maschinenzeitalters bzw. der beginnenden industriellen Revolution verpflichtet. Diese einschneidenden politischen, ökonomischen und sozialen Veränderungen, die Abkehr vom „ancien regime“, sah der Dichter, wie Flitner überzeugend darlegt, am Ende seines Lebens voraus.

Bastian ist in diesem Zusammenhang gar der Ansicht, daß Goethes Altersroman bzw. die dort verhandelten Beschreibungen der geplanten Binnenkolonisation, als „die erste literarische Diskussion der industriellen Revolution“ gelten können. Die bereits in den „Lehrjahren“ anklingenden Motive der Ausbildung des Menschen zwecks Nutzbarwerdung für die Gemeinschaft werden daher in WMW aufgegriffen und erfahren hier eine weitaus stärkere Akzentuierung. Kannten die „Lehrjahre“ durchaus noch den Gedanken der vielseitigen geistigen Entfaltung, des Probierens und der heilsamen Wirkung von Irrwegen, um den Einzelnen zu einer letztendlich wünschbaren Bestimmung zu führen, steht in WMW die Funktion des Individuums als einzelnes, nützliches und dienendes Bestandteil einer großen Gemeinschaft im Vordergrund.

Zusammenfassung der Kapitel

I Einführung: Erörtert grundlegend den Bildungsbegriff Goethes und stellt die methodischen Weichen für die Analyse der "Wanderjahre".

II Bildung: Analysiert zentrale Konzepte wie Entelechie, das Verhältnis zur Gemeinschaft und die spezifischen Methoden wie Wandern und Entsagung im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen.

III Die pädagogische Provinz: Untersucht die "Pädagogische Provinz" als konkreten Erziehungsraum, ihre hierarchischen Strukturen sowie die zentrale Rolle der Ehrfurcht als erzieherisches Leitprinzip.

IV Schlußbetrachtung: Reflektiert kritisch über die Übertragbarkeit der Goetheschen Pädagogik und deren Bedeutung für die moderne Bildungstheorie.

Schlüsselwörter

Wilhelm Meisters Wanderjahre, Bildung, Erziehung, Johann Wolfgang von Goethe, Entelechie, Pädagogische Provinz, Entsagung, Ehrfurcht, Gemeinschaft, Individualität, Berufspädagogik, Industrialisierung, Bildungsroman, Metamorphose.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert den Bildungsbegriff in Goethes Spätwerk "Wilhelm Meisters Wanderjahre" und dessen Bezug zu gesellschaftspolitischen Entwicklungen der Zeit.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Bildung, Erziehung, Entsagung sowie das Verhältnis des Individuums zur Gemeinschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die pädagogischen Ideen in den "Wanderjahren" zu systematisieren und ihren Stellenwert für das Verständnis des Goetheschen Bildungsbegriffs herauszuarbeiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Untersuchung nutzt eine werkimmanente Analyse, ergänzt durch kulturhistorische und forschungsliteraturbezogene Einordnungen.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?

Der Hauptteil behandelt die theoretische Fundierung des Bildungsbegriffs (z.B. Entelechie) sowie die konkrete pädagogische Praxis in der "Pädagogischen Provinz".

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Entelechie, Ehrfurcht, Entsagung, Individualität und das Verhältnis von Denken und Tun.

Wie unterscheidet sich das Bildungsdenken in den "Wanderjahren" von den "Lehrjahren"?

Während die "Lehrjahre" die subjektive Ich-Entfaltung betonen, steht in den "Wanderjahren" die Nützlichkeit des Einzelnen für die Gemeinschaft und die Anpassung an moderne industrielle Bedingungen im Vordergrund.

Welche Rolle spielt die "Pädagogische Provinz" im Roman?

Sie fungiert als pädagogisches Modell, das durch eine stufenweise Erziehung zur Ehrfurcht versucht, den Einzelnen in eine stabile, sittlich fundierte Ordnung zu integrieren.

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Details

Title
Erziehung und Bildung in Goethes "Wilhelm Meisters Wanderjahre(n)", vornehmlich am Beispiel der "Pädagogischen Provinz"
College
University of Cologne  (Neuere Deutsche Literatur)
Grade
1,0
Author
Axel Frieling (Author)
Publication Year
1996
Pages
112
Catalog Number
V13808
ISBN (eBook)
9783638193580
ISBN (Book)
9783638719865
Language
German
Tags
Erziehung Bildung Goethes Wilhelm Meisters Wanderjahre(n) Beispiel Pädagogischen Provinz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Axel Frieling (Author), 1996, Erziehung und Bildung in Goethes "Wilhelm Meisters Wanderjahre(n)", vornehmlich am Beispiel der "Pädagogischen Provinz", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13808
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